Militär im Mittelalter

Kurzer Abriss des Militärwesens im Mittelalter

Die Anfänge des Militärs der europäischen Staaten liegen bei den Griechen und die weitere Ausbildung des Militärs bei den Römern. In der Antike übernahmen die germanischen Völker von den Römern vieles, was das Militär betrifft, vor allem die größere Ausbildung der Infanterie.

Die Einfälle der Hunnen und Avaren im Frühmittelalter brachten eine Veränderung der Reiterei mit sich. Ab da wurde die Reiterei wieder schlagkräftig und vorherrschend. So waren die militärischen Handlungen über fast das gesamte Mittelalter in Deutschland geprägt von Armeen, deren Herzstück vor allem die Reiterei war. Es konnten sich nur die Reichen eine Kriegsausstattung mit Pferden leisten und somit mussten diese besonders geschützt werden. Die Infanterie (Fußsoldaten) und die Bogenschützen galten als Unterstützung.

Eine weitere große Veränderung des Militärs brachte im Spätmittelalter die Entdeckung der treibenden Kraft des Schwarzpulvers mit sich. Ritterrüstungen, die Pfeile und manchmal auch Armbrustbolzen abwehrten, konnten den Gewehrkugeln nicht mehr standhalten, was nach dem Mittelalter eine Abkehr der schweren Ritterrüstung zu leichterer Kleidung zur Folge hatte. Auch die Mauern der Burgen konnten nicht mehr den Kanonenkugeln standhalten, so dass sie entweder umkonstruiert werden mussten oder man ganz auf sie als Schutz verzichtete.

Inhalt

Der Heerbann im deutschen Frühmittelalter

Das Militär war im Mittelalter die am meisten fortgeschrittene Staatseinrichtung der Deutschen. Durch das Militär versuchte man Macht über Gebiete und Menschen zu erlangen. Es dachte noch niemand daran, die Wirtschaft, die Justiz oder das Finanzwesen, die auch Staatseinrichtungen sind, zur Durchsetzung von Machtansprüchen zu gebrauchen, zumindest nicht in dem Ausmaß, in dem wir es heute kennen.

Das westeuropäische Militär unterschied sich vom orientalischen Militär vor allem dadurch, dass der Soldat in Westeuropa keinen eigenen Stand bildete, sondern dass er immer nur für eine bestimmte Zeit die Waffen trug. Gleichzeitig konnte aber auch jeder erwachsene Mann eingezogen werden. Dies war schon bei den alten Germanen der Fall, bei denen die Freien den Heerbann (Aufruf aller waffenfähigen Männer zum Krieg) bildeten, zu dem im Norden im Notfall auch die Knechte gezogen wurden. Der Verfall des Heerbanns fing aber schon im 9. Jahrhundert an. Nach den fränkischen Gesetzen waren nur die Geistlichen vom Heerbann ausgeschlossen, doch sollte man sie deshalb nicht als ehrlos erachten. Zusätzlich zu den waffenfähigen Männern mussten die Reichen Abgaben, wie Gold, Silber und anderen nützlichen Dingen, je nach ihrem Vermögen, für den Krieg machen.

Sobald das Heer sich eingefunden hatte und deren Führer sich geordnet hatten, trat strenge Disziplin ein. Diese Disziplin hat sich übrigens bis heute im Militär erhalten. Oder hat schon Mal jemand die Frage gestellt, warum Offiziere mit ihren Rekruten in lauten, strengen Tönen sprechen? Ganz einfach, weil es so Brauch ist. Genau so gut könnte man aber auch normal miteinander reden. Inhalt dieser Disziplin war unbedingter gehorsam, und dass niemand, ohne Erlaubnis des Anführers, das Heer verlassen durfte. Verließ trotzdem jemand das Heer, z. B. als Fahnenflüchtiger, wurde dieses „Verbrechen“ bei den Franken „Herisliz“ genannt und ihm drohte die Todesstrafe. Es war außerdem verboten, im eigenen Land zu stehlen, den anderen mit Alkohol abzufüllen oder einen Aufstand oder eine Störung zu erregen.

Stand jedoch eine schlimme Bedrohung durch ein gegnerisches Heer an, so mussten selbst die Geistlichen im Frühmittelalter noch mit in die Schlacht ziehen, wie beispielsweise bei den Angriffen der Normannen und Ungarn. In so dringenden Fällen konnte der König sich nicht erst mit den Großen beraten. Wer nicht erschien, den traf ganz einfach die Todesstrafe. Wenn der Feind in das Reich eindrang, so mussten alle gegen den Feind ins Feld ziehen. War der Feind in Spanien oder in Ungarn, ließ Karl der Große bei den Sachsen jeden sechsten Mann einziehen. War der Feind in Böhmen, ließ er jeden dritten Mann einziehen. Wenn die Slawen angriffen, mussten alle Sachsen zur Waffe greifen.

Die Bewachung der Grenzen durch Markgrafen

In den Grenzprovinzen des fränkischen Reichs war die Rüstung intensiver als im Inneren des Reiches, denn schon an den Grenzen musste ein Eindringen des Feindes verhindert werden. So hielt z. B. unter König Guntram im 6. Jahrhundert die Provinz Arles 4.000 Grenzwächter gegen die Westgoten.

Karl der Große schränkte die Macht der Herzöge ein und hob die Herzogswürde in Bayern und Alemannien sogar ganz auf. Er gab den Grafen mehr Gewalt, also mehr Befugnisse, und setzte an den Grenzen der Marken so genannte Mark- oder Grenzgrafen ein, die unter sich nochmals mehrere Grafschaften hatten. Die Markgrafen wurden also zur Bewachung der Grenzen bestellt und hatten damit eine als sehr wichtig erachtete Aufgabe. Für den Dienst an der Grenze wurden Soldaten aus dem Innern des Landes gestellt, die sich alle 3 Monate ablösten. Daneben hatten die Markgrafen noch besonders ausgebildete Reiterscharen.

Durch die Beschränkung der Herzogswürde bekamen die Markgrafen mehr Einfluss und befehligten die gesamte Provinz, nur dem Kaiser und der Versammlung der Großen untertänig. Wenn nun Züge gegen den Feind unternommen wurden, erschienen auch die höheren Geistlichen mit ihm Heer, das dann immer aus den Wohlhabendes bestand, die ihre Ausrüstung selbst besorgen konnten und die auf den Maiversammlungen, wo die kriegerischen Unternehmungen für das laufende Jahr besprochen wurden, gerüstet erschienen.Umso vermögender man war, desto mehr musste man für den Krieg stellen. Wenn man krank war, wurde man vom Heerbann befreit, ebenso wenn man im Hofdienst stand. Wer sich frisch vermählt hatte, der war ein Jahr lang vom Heerbann befreit.

Die Teilnehmer an einer Schlacht

So findet man schon im karolingischen Zeitalter die allgemeine Wehrpflicht, durch die das Land ein zahlreiches Heer stellte. Neben diesem eigentlichen Heer, von dem jedoch die Unfreien ausgeschlossen waren, gab es noch die Leibwächter oder Garden – die zur Verteidigung des Königs bestimmten Truppen. Diese Leibwächter waren Vasallen, die am Hoflager des Königs anwesend waren und seine direkten Befehle ausführten. Sie bekamen für ihre Dienste, außer dem Lehen, Geld, Kleider, Lebensmittel, Schmuck und Waffen. Sie hatten meistens Pferde und ein eigenes Banner und standen unter den Schargrafen.

Den Oberbefehl im Krieg führte der König oder der von ihm dazu ernannte Herzog oder Markgraf. Unter ihm wiederum standen die anderen Grafen, die Zentgrafen, Tungini, dann die Tiuphaden, Tionhofes, Zehnter, Decane. Seitdem erscheint auch die Prügelstrafe und die Todesstrafe, die bei den Germanen noch sehr selten war.

Die Anfänge des Burgenbaus

Als sich die Städte in Deutschland mehr ausbildeten, traten jedoch Veränderungen ein. Man hatte schon sehr früh an den Grenzen (Marken) gegen die Slawen Befestigungen angelegt, die meist aus Schanzenlinien und Erdwällen bestanden und an denen in gewissen Entfernungen Erdhügel für Wachtposten aufgerichtet waren. Diese Anfänge des Festungswesens wurden in den Burgen und in den Städten weiter ausgebildet. König Heinrich besetzte diese Befestigungen und Stadtmauern mit Soldaten, aus denen sich später die Stadtwehr entwickelte, gegen die Ungarn. König Heinrich ließ regelmäßige Übungen für die berittenen Grundeigentümer anordnen und ihnen mehr Land zu Lehen geben, so dass sich aus diesen weltlichen Höfen später die Mittelpunkte des politischen Lebens bildeten. Aber auch das Ritterwesen bildet hauptsächlich sich hier ab dem Zeitalter der Ottonen immer mehr aus.

Von der Reiterei zum Fußsoldaten im ausgehenden Mittelalter

Die Kämpfe mit den Sarazenen in Spanien und im Orient waren immer Reiterkämpfe. Als nun aber im 14. Jahrhundert die Kriege gegen die schweizer Landgemeinden anfingen, die vorzugsweise zu Fuß kämpften, und seit den Hussitenkriegen (seit 1419), mussten die Ritter sich auch mehr auf den Kampf zu Fuß einrichten. Denn eine schlagkräftige Reiterei konnte gegen ein geübtes Fußvolk, bewaffnet mit Piken, nichts mehr ausrichten. Außerdem wurde die Ausbildung des Fußvolkes noch durch das Aufblühen der Städte begünstigt, da in den Städten nur eine sehr begrenzte Anzahl von Pferden untergebracht werden konnte. Das Landvolk erschien immer zu Fuß, genau so wie die Söldner, die seit dem englisch-französischen Krieg (wahrsch. 1194-1199), meistens die Infanterie stellten. Die Landsknechte, die am Ausgang des Mittelalters aufkamen, dienten auch meistens zu Fuß.

Schon im 10. Jahrhundert hat Otto I. in der Schlacht auf dem Lechfeld gegen die Ungarn Handwerker und Bürger in seinem Heer gehabt. Unter ihnen wurden vor allem die Augsburger Weber genannt, die dem Feind am kräftigsten Widerstand leisteten. Die darauf folgenden Kaiser nahmen zu ihren Römerfahrten fast nur Reiterei mit. Auch in den Kriegen Heinrichs IV. gegen die Sachsen und in den Kreuzzügen, war die Reiterei immer die schlagkräftigste Truppe.

Mit Reiterei griffen auch die österreichischen Fürsten die Schweizer an, die zu Fuß und mit Sensen, Flegeln, Morgensternen, schweren Hellebarden, Äxten und kurzen, breiten Schwertern bewaffnet waren. In dem für die Reiterei ungünstigen Terrain mussten die Ritter von den Pferden absteigen und den Kampf zu Fuß weiter machen. Da sie aber geharnischt waren und die Feinde leicht gekleidet, hatten die Ritter einen großen Nachteil.

In den Kriegen der Städte gegen den Adel und in den Kriegen Ludwigs des Bayern gegen Friedrich den Schönen kommen städtische Fußvölker, wie die Landshuter und Moosburger Schmiede, die Münchner Sauerbäcker und Tuchmacher als tüchtige Streiter vor. Zur Bestürmung der Burgen räuberischer und widerspenstiger Edelleute konnte man natürlich keine Reiterei anwenden und die teilnehmenden Städte sendeten ihre Bürger als Fußvolk, das mit weit schwereren Waffen versehen war, als die Ritter. Die Spieße der Fußvölker waren kürzer und schwerer und glichen eher Beilen an langen Stielen als Lanzen.


Quelle:

  • Klemm, Gustav Friedrich. Handbuch der germanischen Alterthumskunde. Dresden: Walthersche Hofbuchhdlg, 1836.

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