Waffen im Mittelalter

Grundlagen über mittelalterliche Waffen

Waffen im Mittelalter kann man in drei Kategorien einteilen: Schutzwaffen, Angriffswaffen und Turnierwaffen.

Schutzwaffen beinhalten vor allem Schilde und Rüstungsteile.

Angriffswaffen kann man unterteilen in Blankwaffen, Stangenwaffen, Schlagwaffen und Fernwaffen.

Turnierwaffen sind spezielle Formen von Waffen und Rüstzeug teilweise nur für spezielle Formen von Turnieren entwickelt.

Es würde jeden Rahmen sprengen jede einzelne Waffe zu beschreiben, so werden nur die großen Waffentypen kurz angeschnitten. Auch wird nur ein allgemeiner Abriss über die Waffen gegeben.

Inhalt

Schutzwaffen

Die Entwicklung der Körperrüstung muss man sich, auch bedingt durch die finanzielle Situation, von einer dicken Tunika mit einer dicken Kopfbedeckung bis hin zu dem heutigen Ritterbild einer Vollplattenrüstung vorstellen.Die Anfänge der mittelalterlichen Rüstung liegen wahrscheinlich in der Verwendung von dicken Wolltuniken die sich mit der Zeit zu gesteppten oder gestopften Gambesons weiterentwickelten.

Schuppenpanzer und Kettenhemd haben unterschiedliche Ursprünge, sind aber beide, je nach Region, fast durch das gesamte Mittelalter getragen worden. Durch Verstärkungen an der Rüstung, Verbesserung der Metallbearbeitung und der Erfindung von Waffen wie z.B. eines Panzerstechers wurden immer mehr Rüstungsteile als ganze Metallteile gebraucht, die sich gegen Ende des Rittertums dann zu einem komplett geschlossenen und beweglichen Plattenpanzer zusammenfügten.

abb. 16: ritter kämpfen in rüstung mit speeren

Abb. 16: Zwei Ritter kämpfen mit Speeren und voller Rüstung gegeneinander. Diese komplette Panzerung kam erst im späten Mittelalter auf.

Helme dürften wahrscheinlich zu den Rüstungsteilen gehören, die eine der größten Entwicklungen durchlaufen haben. Deren Anfänge sich, ähnlich dem Gambeson, auch in besonders dicken Wollkopfbedeckungen oder gehärtetem Leder gefunden haben. Beginnend bei einfachen Eisenhelmen die nur den Kopf schützten, durchliefen sie Veränderungen, die sie gegen Ende des Mittelalters zu Topfhelmen werden ließen, die auch Gesicht, Hals und Nacken schützten.

abb. 17: ritterkampf mit dolchen

Abb. 17: Ritterkampf. Ein Ritter hat seine Lanze verloren, ist vom Pferd gestiegen und greift den anderen Ritter mit dem Dolch an. Um ihn verletzen zu können sticht er ihm durch das offene Visier an seinem Helm.

Schilde gab es in vielen Variationen, die nicht nur viele Formen annehmen konnten, sondern auch aus den verschiedensten Materialien geschaffen wurden. So gab es Schilde aus Holz, Metall und auch aus Leder. Am verbreiteten waren Schilder die aus allen drei Materialien geschaffen wurden. Von der Form her dominierte der Kreis und eine eine dreieckige Form.

abb. 15: zwei ritter kämpfen zu pferd mit schwert und schild.

Abb. 15: Zwei Ritter ohne Helm kämpfen auf Pferden gegeneinander. Beide haben ein Schwert in der Hand und als Schild das so genannte „Rondell“.

Angriffswaffen

Blanke Waffen

Hierzu gehören Dolche, Schwerter, Säbel und Degen. Gerade bei den Blankwaffen kann man sehr schön die Entwicklung der Waffen beobachten, obwohl anscheinend die nahezu ideale Form der Waffe von Anfang an da war, da an der Schwertform sich nahezu nichts geändert hat. Auch kann man an bestimmten Schwertern die Rechtslage der damaligen Zeit anhand der Waffe erkennen. Als bestes Beispiel hierfür kann man das große Messer nennen. Vom Aussehen her ist es eindeutig ein Schwert was von den Ausmaßen auch ein Zweihandschwert sein kann. Dem Namen nach und der rechtlichen Definition ist es nur ein Messer. Da es für einfache Leute verboten war ein Schwert zu führen, fand diese Blankwaffe große Verbreitung.

abb. 14: zwei ritter kämpfen zu fuß mit dem schwert.

Abb. 14: Klassischer Ritterkampf. Zwei Ritter stehen sich in vollem Harnisch gegenüber. Beide halten in der rechten Hand das Schwert und in der linken den Schild.

abb. 21: ritter mit dolchen im pferdekampf

Abb. 21: Zwei Ritter kämpfen zu Pferde mit Dolchen gegeneinander. Beide Ritter haben ihre Schwerter, die auf dem Boden liegen, schon verloren. Ein Ritter hat das Visier seines Helmes hochgeklappt.

Stangenwaffen

Speere, Lanzen, Daneaxt, Roßschinder, Kriegssense und andere Waffen kann man unter dem Begriff Stangenwaffen finden. Eins haben alle diese Waffen gemeinsam: Sie haben einen Schaft aus Holz, welcher zwei Meter Länge für gewöhnlich überragt, darauf befindet sich ein Kopf aus Metall. Die Waffe sollte mit zwei Händen geführt werden, da sie aufgrund ihrer Länge und der Kopflastigkeit sonst kaum zu führen ist. Ausnahmen davon bilden z.B. Speere oder die Stoßlanze. Im Kampf werden diese einhändig geführt.

abb. 20: ritter kämpfen zu pferde mit lanzen

Abb. 20: Zwei Ritter kämpfen zu Pferde mit Lanzen in voller Panzerung.

Die Daneaxt kann man sich als normale Handaxt mit einem langen Schaft vorstellen. Aus dem Roßschinder entwickelten sich zwei neue Stangenwaffen, die Glefe und die Hellebarde. Im Gegensatz zu den anderen Waffen, findet man Stangenwaffen die ab 15. Jahrhundert in gebrauch waren noch heute bei Ehren- bzw. Palastwachen. Z.B. trägt die Schweizergarde noch heute eine Hellebarde. Besonders im späteren Mittelalter kamen Stangenwaffen auf, die aus verbesserten Bauerngerätschaften hergestellt wurden wie z.B. die Sturmgabeloder die Kriegssense.

abb. 19: ritter kämpfen mit hellebarden

Abb. 19: Zwei Ritter in voller Panzerung, also in vollem Harnisch, kämpfen mit Hellebarden.

Schlagwaffen

Schlagwaffen sind auch unter dem Begriff Wuchtwaffen zu finden, da bei vielen dieser Waffen die Wucht des Aufpralls sehr wichtig ist. Als bekannte Vertreter der Schlagwaffen kann man den Morgenstern, Streitflegel, Streitkolben, Streithammer, Streitaxt oder im ausgehenden Mittelalter Handwaffen mit Schießvorrichtungen nennen.

Der Streitkolben hat sich aus der wahrscheinlich ältesten Waffe der Menschheit entwickelt. Denn der Streitkolben ist eine Keule, die je nach Epoche einen metallenen Kranz, einen Kopf aus Metall oder auch mit Metalldornen gespickt war. Der Streithammer hatte immer eine spitze Seite, die dafür gedacht war in die Rüstung des Gegners ein Loch zu schlagen. Bei dieser Anwendung der Waffe ging es weniger um die schwere der so zugefügten Verwundung. Ziel war es hierbei eher, die Waffe, die nur schwer zu entfernen war, stecken zu lassen, damit der Feind sich nicht mehr gut bewegen kann und so leichter zu überwältigen ist.

abb. 24: streitkolben

Abb. 24: Streitkolben.

Die Streitaxt ist ähnlich dem Schwert eine Waffe, die von Anfang an scheinbar perfekt war. Die Form blieb nahezu unverändert durch alle Epochen bestehen. Gegen Ende des Mittelalters, als man in der Anfertigung von Handfeuerwaffen eine bestimmte Fertigkeit erlangt hatte, fing man an, diese mit traditionellen Waffen zu kombinieren. Man baute nahezu sämtliche Angriffswaffen so, dass sie auch schießen konnten. Es gab also nicht nur Äxte und Stangenwaffen als solche, sondern auch Schwerterund Armbrüste.

abb. 23: streitaxt

Abb. 23: Streitaxt.

Fernwaffen

Fernwaffen kamen erst spät in den militärischen Gebrauch. Erst nach und nach erkannte man, dass sie nicht nur zu Jagdzwecken, sondern auch für Kriegszwecke geeignet waren. Bekannt sind vor allem Schleuder, Bogen, Armbrust undFeuerwaffen. Man kann bei Fernwaffen noch zwei Gruppen unterscheiden. Zum einen die Belagerungs- und Verteidigungswaffen, wie z.B. Katapult, Baliste und die einfacheren Waffen.

Zwar schon von den Römern genutzt war die Schleuder in Deutschland wenig verbreitet. In Helvetien undin Frankreich wurde diese schon viel genutzt. In deutschen Landen fand sie erst während und nach der Kreuzzugszeit größere Verbreitung. Die Schleuder war nie eine Waffe des Adels gewesen. Nur einfache Leute verwendeten eine Schleuder.

abb. 25: schleuder im mittelalter

Abb. 25: Schleuder.

Der Bogen wird sei Urzeiten schon zu Jagdzwecken verwendet und fand nach und nach seinen festen Platz im Kriegswesen.

Wenn man mal von den Chinesen absieht, kennt man die Armbrust seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. Zu dieser Zeit sollen die Römer schon die Armbrust verwendet haben. Erst ab Hastings wird die Armbrust in Europa wieder verwendet. Der Papst versuchte die Waffe zu verbieten, begnügte sich dann aber mit dem Verbot, dass Christen diese Waffe nicht gegen Christen einsetzen dürften. Woran sich aufgrund der Effektivität niemand hielt. Bogen wie Armbrust waren wetteranfällig.Wenn es zu feucht war, konnte man beide nicht richtig spannen und demnach auch nicht einsetzen.

abb. 22: kanone feuert auf eine ritterburgFeuerwaffen kamen in Europa so ab dem 13. Jahrhundert auf. Zuerst war das eine Art von Topf mit Lunte, dies entwickelte sich schnell weiter und brach schon bald in zwei Entwicklungslinien. Den Kanonen und den Gewehrformen.

Abb. 22: Mit einer gewaltigen Steinbüchse belagert Friedrich von Hohenzollern die Burg Friesack im Jahr 1414. Holzstich von Richard Kepler aus dem 19. Jahrhundert.

Turnierwaffen

Sind Angriffs- und Schutzwaffen, die speziell für Turniere oder gerichtliche Zweikämpfe angefertigt wurden.

abb. 18: ritterturnier lanzen

Abb. 18: Zwei Ritter mit eigens für das Turnier gefertigten Lanzen und Pferdeumhängen. F. 218 zeigt das so genannte Bündrennen, F. 219 das so genannte Scheibenrennen.

Quellen

Boeheim, Wendelin: Handbuch der Waffenkunde – Das Waffenwesen in seiner historischen Entwicklung vom Beginn des Mittelalters bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Verlag von E. A. Seemann. Leipzig, 1890.

Funcken, Fred; Funcken, Liliane: Historische Waffen und Rüstungen – Ritter und Landsknechte vom 8. bis 16. Jahrhundert. Bassermann Verlag, 2008.

Bildquellen

Boeheim, Wendelin: Handbuch der Waffenkunde – Das Waffenwesen in seiner historischen Entwicklung vom Beginn des Mittelalters bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Verlag von E. A. Seemann. Leipzig, 1890.

Kaiserer, Jakob: Geschichte des Ritterwesens im Mittelalter. Verlag Phil. Joseph Schalbacher. Wien, 1804.

4 Comments:

  1. gute seite

  2. Sehr gute Informationen, Vielen Dank.

  3. Gute Informationen

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