Der Sachsenkrieg Karls des Großen

Kriegsauslöser

Der fränkische König, Karl der Große, führte 772 bis 804 bzw. 805 Krieg gegen Sachsen. Welche Beweggründe er hatte, ist nicht nachgewiesen. Fakt ist, dass die Sachsen schon mit den Merowingern den einen oder anderen Disput hatten. Sie blieben ihren Traditionen treu, was auch bedeutete, dass sie weiterhin der heidnischen Religion angehörten. Dementsprechend könnte Karl der Große durchaus eine Christianisierung, also eine Glaubenskonvertierung der Sachsen, beabsichtigt haben. Doch auch die zahlreichen Raubzüge, durch sein fränkisches Gebiet, können ihn zu den Sachsenkriegen bewogen haben. Schon vor Karl dem Großen gab es mehrere Kriege, gegen die Sachsen. Seine Sachsenkriege waren nur der Höhepunkt langer Auseinandersetzungen zwischen dem fränkischen und dem sächsischen Volk.

Zerstörung der Irmensäule

Die Irmensäule, oder auch Irminsul genannt, war bei den Sachsen ein verehrtes Kultobjekt. Die Irmensäule gehört in die Kategorie der Weltenbäume. Diese reichen sowohl in den Himmel, als auch tief in die Erde, wodurch sie alle drei Ebenen verbinden: Himmel, Erde und Unterwelt.
Die Franken zerstörten 772 dieses Kultobjekt der Sachsen, weil es deren Wahrzeichen war und es groß auf ihrem Versammlungsplatz stand. Mit diesem Angriff protestierten die Franken gegen die traditionelle germanische Lebensweise der Sachsen. Dieser Akt der Gewalt war der Auslöser dafür, dass sich die Sachsen gegenüber den Franken zur Wehr setzten.

Die Feldzüge Karls des Großen

Noch im selben Jahr, im Sommer stieß ein fränkisches Heer im sächsischen Gebiet vor und eroberte zahlreiche Gebiete und Burgen. Doch Karl der Große führte gleichzeitig mehrere Kriege, was die Sachsen für einen Widerstand nutzten, bei dem sie einige fränkische Gebiete besetzten und zurück eroberten.

Ein Jahr später konzentrierte sich Karl der Große wieder auf seinen Konflikt mit den Sachsen und zog mit seinem Heer durch das gesamte sächsische Gebiet. Aufstände gab es kaum noch und so unterwarfen sich die meisten dem Frankenkönig.

777 kam es zu keinen Feldzügen oder Schlachten zwischen den Franken und den Sachsen. Doch es gab eine fränkische Versammlung auf sächsischem Boden, bei der Karl der Große die Christianisierung der Sachsen forderte. Die Kirche sollte zum administrativen Apparat werden und alle verwaltungstechnischen Aufgaben erledigen.

Doch die friedliche Zeit hielt nicht lange an. Das sächsische Volk formierte sich, unter der Führung Widukind, neu und führte zum ersten Mal offene Schlachten und keine taktisch unklugen Eroberungsschlachten mehr. Doch dies alles hinderte Karl den Großen nicht daran, das sächsische Volk weiter zu unterdrücken und eine gewaltsame Glaubenskonvertierung durchzusetzen. Den Adel hatte Karl der Große inzwischen auf seiner Seite, während die unteren Schichten weiteren Widerstand leisteten. Während sich Karl der Große in einer anderen Schlacht befand, kam es erneut zu Erfolgen für Widukind und seine Anhänger.

Diesen Erfolg konnten die Sachsen aber nicht lange feiern, denn Karl der Große reagierte auf diesen Widerstand. 782 vollzog er das Blutgericht von Verden. Dabei soll er mehrere tausend Menschen hingerichtet haben. Wissenschaftler und Forscher zweifeln die genannte Zahl von 4.500 Menschen an. Genauso unsicher ist es, ob es dieses Blutgericht tatsächlich gegeben hat. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit hoch, da einige Quellenaussagen dafür sprechen und auch Pippin III eine solche Hinrichtung vollzogen hat.

Karl der Große führte die Christianisierung nach diesem Vorfall noch ehrgeiziger und bestimmter durch, als zuvor. Er erließ sogar Gesetze, bei denen zum Tode verurteilt wurde, wenn man die christliche Reichsordnung missachtete. Auch Zwangsumsiedlungen wurden durchgeführt.

783 kam es erneut zu Schlachten zwischen den Franken und denen von Widukind angeführten Sachsen. Zum ersten Mal hatten sich alle sächsischen Stämme zu einem Heer formatiert. Doch auch Karl der Große hatte seine Truppen aufgerüstet. Die Schlacht an der Hase dauerte drei Tage und endete mit dem Sieg der Franken. Doch die Sachsen ließen sich nicht entmutigen und kämpften für ihre Überzeugungen.

Ende des Krieges

Erst 785, als Widukind sich taufen ließ und somit den christlichen Glauben annahm, änderte sich die Situation. Immer weniger Widerstände gab es und immer weniger Menschen zogen in den Kampf. Sie hatten nicht nur ihren Anführer, sondern auch ihre Motivation verloren. 792 kam es dann zum letzten nennenswerten Widerstand der Sachsen, gegen die Franken, auch wenn es bis 804 immer wieder zu Unruhen und kleineren Aufständen kam.

Konsequenzen

Die Taten von Karl des Großen brachten aber Konsequenzen mit sich. Die Kirche erklärte, dass Menschen nicht von Menschen bekehrt werden konnten, sondern nur Gott allein dies könne. Auch die vielen Taufen, die meist unter Zwang und Drohungen stattfanden, wurden nicht gerne gesehen. Ebenso wie die Zwangsumsiedlungen. 797 wurden die Gesetze umgeschrieben und somit gelockert. 802 wurde ein neues sächsisches Volksrecht verfasst, dass allerdings fortan das Christentum beinhaltete und nicht mehr die heidnischen Rituale und Traditionen. Die Christianisierung der Sachsen gilt in der Geschichte allgemein als die gewaltsamste und grausamste Konvertierung. Sie nahm erst um 805 ein Ende, als es zur Gründung von Bistümern und somit einem kirchlichen Fundament kam.
 

Quellen:

  • Becher, Matthias: Karl der Großen, C.H.Beck oHG Verlag, München 2007, S. 56-73
  • Hartmann, Wilfried: Karl der Große, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2010, S. 98-105
  • Beumann, Helmut: Die Hagiographie „bewältigt“. Unterwerfung und Christianisierung der Sachsen durch Karl den Großen, in: J. Petersohn, R. Schmidt: Ausgewählte Aufsätze aus den Jahren 1966-1986. Festgabe zu seinem 75. Geburtstag, Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1987, S. 289-323

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