Die Belagerung im Mittelalter

Unter Belagerung versteht man das Einschließen von Menschen in eine Burg oder Stadt, um sie zu erobern oder um seinen Willen zu bekommen. Dabei wurden die Bewohner von allen äußeren Einflüssen abgeschnitten und möglichst stark demoralisiert: Das Abschneiden zur Außenwelt hatte zur Folge, dass keine Nahrung mehr hinter die belagerten Mauern gelangen konnten. Dadurch wiederum litten die Menschen Hunger und erhofften sich ein Ende der Belagerung. Folglich waren sie bereit, auf die Bedingungen des Belagerers einzugehen.

Arten von Geschossen

Um die Menschen hinter den Mauern gefügig zu machen, wurden manchmal große Mengen menschlicher Exkremente mit einem Katapult über die Mauern geschossen; der Gestank, der sich daraufhin ausbreitete, musste bestialisch gewesen sein. Weitere Formen der Demoralisierung bestanden darin, verendete Tierkadaver über die Mauern zu schießen – in der Hoffnung, eine Seuche breitete sich unter den Bewohnern aus oder der Gestank zermürbte die Menschen. Dazu wurden übrigens auch menschliche Leichen verwendet. Auch Bienen- oder Wespenstöcke konnten als Mittel dienen, die Not der Bevölkerung zu erhöhen. Vergessen sollte man aber auch nicht die Steine, die in großen Mengen auf eine Stadt geschossen wurden und große Zerstörung anrichten konnten. (Quelle)

Gründe für Belagerungen

Ziel der Belagerung im Mittelalter waren Burgen und Städte mit Stadtmauern. Die Belagerung konnte vielfältige Ursachen haben: Mal standen sich zwei Ritter in einer Fehde gegenüber, ein anderes Mal wollten Könige ihr Gebiet erweitern und alle Städte und Burgen in diesem Gebiet erobern oder der Kaiser wollte den Widerstand einer ganzen Stadt brechen, die sich bspw. seinen Verordnungen widersetzte.
Eine Belagerung sollte nicht immer zur gewaltsamen Erstürmung einer Burg oder Stadt führen, sondern diente oft der Durchsetzung der eigenen Interessen. Sobald die belagerte Burg oder Stadt die Bedingungen der Belagerer erfüllte, konnte sich alles Weitere friedlich regeln lassen.

Eroberung einer Burg

Die Belagerung war das letzte Mittel, seinen Willen durchzusetzen und die gegnerische Burg oder Stadt zu erobern. Bevor man aber die Belagerung einer Burg begann, versuchte man, sie mit einer List einzunehmen: in dem Fall wurden bspw. Wachen bestochen, die dann nachts die Burgtore öffneten und die Angreifer hinein ließen. Oder man schmuggelte eigene verkleidete Gefolgsleute in die Burg hinein, die dann nachts die Tore öffneten. In jedem Fall war die Eroberung einer Burg aufgrund ihrer hohen, dicken Mauern und den Verteidigungsanlagen extrem schwierig und für beide Seiten nicht erstrebenswert.

Sollte eine Burg tatsächlich im Sturm erobert werden, mussten die Angreifer zunächst die Mauern zum Einsturz bringen. Dies probierten sie mit großen Katapulten, die Gesteinsbrocken gegen die Mauern schleuderten und dadurch Löcher in die Verteidigungsmauer reißen konnten.
Zusätzlich füllten die Angreifer den Graben um die Burg herum auf, damit ihre Belagerungsmaschinen wie Rammbock und Turm an die Mauer gelangen konnten. Dass hierbei viele Angreifer von den Verteidigern getötet wurden, liegt auf der Hand. Die Verteidiger warfen alles auf die Angreifer herab, was ihnen schaden konnte: Steinsbrocken, kochendes Wasser, Öl und Pech, das zusätzlich angezündet werden konnte.

Eine andere Methode, die Mauer zum Einsturz zu bringen, war, einen unterirdischen Gang zur Mauer zu graben und das Erdreich unter der Mauer auszuhöhlen. Was mit den Menschen im Stollen geschah, sobald die Mauer tatsächlich einstürzte, mag man sich lieber nicht vorstellen.

(Quelle: Peschke, Hans Peter von: Was ist was, Band 118: Mittelalter. S. 20. Tessloff Verlag. Nürnberg, 2008.)

Die Stadtmauer

Aber nicht nur Burgen, sondern auch manche Städte mit ihren teilweise mächtigen Stadtmauern konnten sich gut gegen Angreifer schützen. Manche einfache Stadtmauern bestanden nur aus Holz oder Mörtel. Die Stadtmauern der reichen Städte aber wurden immer auf dem neuesten Stand der Erkenntnise gehalten, ständig erneuert und weiter ausgebaut. Umso später das Mittelalter, desto mehr und mächtigere Stadtmauern gab es. (Quelle, S. 6-7)

2 Comments:

  1. Sehr gute Infos, teilweise zu knapp formuliert aber trotzdem ausreichend

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