Bekämpfung der Pest

Pflichtbewusste Ärzte

Die Geschichte ist es schuldig, den Ärzten zu gedenken, die sich unter großen Gefahren der Beschreibung der Pest verschrieben haben, um für die Nachwelt Überlieferungen zu hinterlassen, die bei der Aufklärung helfen sollten, die Pest zu besiegen. Während die Bevölkerung die befallenen Gebiete fluchtartig verließ, blieben manche pflichtbewussten Ärzte zurück, um zu helfen. Viele bezahlten dafür mit dem eigenen Leben, wie z. B. Die Ärzte von Montpellier und Venedig. So blieb auch Guy von Chauliac auf seinem Posten, „um der Schande zu entgehen“ und erduldete einen lebensgefährlichen Befall durch die Krankheit.

Inhalt

Maßnahmen gegen die Pest

Die von den damaligen Ärzten empfohlenen Mittel waren dieselben, denen man schon lange Zeit davor und noch danach vertraute. Die prophylaktischen Maßregeln waren zum Teil darauf gerichtet, die schlechte Luft zu verbessern und zum anderen Teil bestanden sie in dem einfachen Rat, die Krankheit durch Absperrung fernzuhalten oder sich ihr durch Flucht zu entziehen.

Zur Reinigung der Luft benutzte man ein altes, sehr zweifelhaftes Verfahren: das Anzünden großer Feuer auf den Straßen und in den Wohnungen. Papst Nicolaus ließ solche Feuer in seinem Palast in Rom entfachen, mitten in der Hitze der Hundstage. Häufig verbrannte man harzige Substanzen und allerhand Rich- und Waschmittel, die noch im 17. Jahrhundert angepriesen wurden zur Vertreibung der Pest. Colle riet dazu, sich durch das Einatmen von Salpeter oder Schießpulver zu schützen. Mit unglaublicher Umständlichkeit befassten sich die damaligen Schriftsteller damit, Diäten zum Schutz vor der Pest zu beschreiben, besonders die Auswahl von Speisen und Getränke betreffend.

Die eigentlichen Heilmittel des schwarzen Todes sind in so ausschweifenden Empfehlungen vorhanden, dass wir hier nicht darauf eingehen. Die verständigsten Ärzte beschränkten sich auf den Versuch, das Fieber zu senken, die unmittelbar lebensgefährlichen Symptome, wie Blutungen, zu beseitigen und, vor Allem, den Ausbruch und das Aufplatzen der Karbunkel zu beschleunigen. Außerdem stand der Aderlass in großem Ansehen, genau so wie die übrigen Mittel, mit denen man die Entleerung der verdorbenen Säfte erwartete. Erfreulicherweise wehrte sich schon Colle zur Zeit des schwarzen Todes gegen den Missbrauch des Aderlasses zu jedem erdenklichen Anlass. Später wandte sich auch Chalin gegen den Aderlass, der, trotz der Warnungen unzähliger Ärzte, immer wieder, vor Allem auch während großer Epidemien, häufig angewandt wurde. Colle beobachtete, dass der Aderlass eine tödliche Wirkung hatte. Positiv hingegen bewertete er den innerlichen Gebrauch des Lärchenschwammes (Boletus Laricis).

Maßnahmen durch Behörden

Es wird wenig über Verordnungen berichtet, die die Behörden veranlassten, um die drohende Krankheit abzuhalten oder deren Verheerungen zu beschränken. Einer Maßnahme durch Behörden begegnen wir in Italien, dem wohl kultiviertesten der damals befallenen europäischen Ländern. Dort wurden Absperrungs-Maßregeln verabschiedet. Am frühesten, wie es scheint, in Venedig, wo wir im Jahr 1348 drei „Proveditori di sanitá“ finden, von denen es im Jahr 1485 6 gab. Ob diese Maßregeln die erhoffte Wirkung zeigten, wurde schon damals bezweifelt.

So war das Volk also verlassen von dem Schutz der Machthaber und von der Kunst der Ärzte und erfand in seiner Not Mittel, um sich selbst zu helfen. Das, was sie sich ausdachten, war ganz dem Geist des 14. Jahrhunderts angemessen: blutige Selbstgeißelung von büßenden Geißlerscharen und die blutige Verfolgung der vermeintlichen Urheber des Verderbens, der Juden.

Quelle:

  • Heinrich Haeser: Lehrbuch der Geschichte der Medicin und der Volksrankheiten, ab Seite 262, Jena: Friedrich Mauke Verlag, 1845.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*