Kaiser Friedrich II.

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung
  2. Die Königskrönung
    1. Kreuznahme?
    2. Die Kreuzprediger
    3. Papst Innozenz III.
    4. Der Krönungsort Aachen

  3. Kreuzzugsvorbereitungen
    1. Zwischen Königskrönung und Romzug
    2. Romzug und Kaiserkrönung
    3. Kreuzzugsvorbereitungen nach der Kaiserkrönung
    4. Aufbruch zum Kreuzzug und Exkommunikation 1227

  4. Der Kreuzzug Friedrichs II. 1228
  5. Abschlusskommentar
  6. Literatur- und Quellenangaben

I Einleitung

Wenn man das Leben und die Politik Friedrichs II. betrachtet, so stellt man fest, dass gerade der Kreuzzug, genauer gesagt das Versprechen eines Kreuzzuges eine besondere Rolle spielt. Kaum ein anderes Thema wird so kontrovers diskutiert. Dies hängt maßgeblich damit zusammen, dass zwischen der Kreuznahme Friedrichs am Tage seiner Krönung 1215 und dem letztendlich durchgeführten Kreuzzug über dreizehn Jahre liegen, in denen ihm drei verschiedene Päpste von unterschiedlichem Einfluss und Sympathie gegenüber standen. Weiter geschahen in dieser außergewöhnlich langen Zeitspanne einige politisch entscheidende Ereignisse, wie zum Beispiel die Königswahl Heinrichs (VII.), des Sohnes Friedrichs II., der zunächst noch nicht abgeschlossene Thronstreit mit Otto IV., die Kaiserkrönung Friedrichs II. sowie diverse außenpolitische Aktivitäten, die nicht zu unterschätzende Gefahren bewirken konnten, wäre Friedrich II. zu diesem Zeitpunkt zum Kreuzzug aufgebrochen. Fakt ist jedenfalls, dass der Kreuzzug über diese dreizehn Jahre immer wieder verschoben werden musste und dessen Durchführung schließlich sogar unter dem Bann Friedrichs geschah. Auch die Voraussetzungen, die überhaupt erst zur Kreuznahme, also zum Kreuzzugversprechen führten, darf man hier nicht vernachlässigen. Darunter kann man wohl einerseits das Wirken von Kreuzpredigern zählen, welche angeblich vor der Königskrönung häufiger den Kontakt zu Friedrich II. suchten. Auch welche Bedeutung ein Kreuzzug für Friedrich hatte ist wichtig: Da sein Vater schon in dessen Kindesalter ein Kreuzzugversprechen abgab, um den kleinen Friedrich zum römischen König wählen zu lassen(1), könnte ein Kreuzzug für Friedrich von Beginn an keine demütige, religiös motivierte Handlung gewesen sein, sondern ein rein taktisches Mittel. Auch darf man die Rolle seiner Kindheit und damit zusammenhängend die seines Erziehers Papst Innozenz III. nicht vergessen. So wäre ein Kreuzzugversprechen aus Sympathie diesem gegenüber ebenfalls möglich.
Die Motive zur Kreuznahme, des ständigen Aufschubes und der letztendlichen Durchführung scheinen also vielfältig und sollen daher hier untersucht werden. Aus Platzgründen soll dabei der Verlauf des Kreuzzuges außer Acht gelassen werden, umso größeres Augenmerk soll dafür auf die Vorbereitungen des Kreuzzuges gelegt werden.

II Die Königskrönung

1. Kreuznahme?

Die erste Station auf dem Weg zum Kreuzzug ist die Krönung Friedrichs II. zum römischen König in Aachen am 25. Juli 1215. Bei dieser nahm Friedrich, nachdem er gekrönt worden war, das Kreuz und versprach, einen Kreuzzug durchzuführen:
„Sicque factum est, ut predictus Fredericus rex, collectis principibus et optimatibus regni, cum magna gloria Aquis veniret in vigilia beati Iacobi. Sequenti vero die in ecclesia beate Marie est in regem consecratus et coronatus, et in catedra regali sublimatus a Moguntino archiepiscopo, quia Coloniensis ecclesia tunc carebat suo patrono. Nec mora, post missam idem rex ex insperato signum vivifice crucis accepit, et omnes optimates et principes regni tam per se quam per predicatores qui verbum crucis predicabant ammonuit, ut idem facerent; sicque plurimos ad consensum suum convertit.”(2)

„Und so geschah es, dass der genannte König Friedrich [II.] am Vorabend des heiligen Jakobus mit großer Pracht nach Aachen kam, wo alle Fürsten und Würdenträger des Reiches versammelt waren. Am folgenden Tage aber wurde er in der Kirche der heiligen Maria zum König geweiht und gekrönt und vom Erzbischof von Mainz, weil die Kölner Kirche zu dieser Zeit keinen Herrn hatte, auf den Königsthron erhoben. Und sofort nach der Messe nahm (empfing) er das Zeichen des lebenspendenden Kreuzes und forderte alle Würdenträger und Fürsten des Reiches sowohl selbst als auch durch die Kreuzprediger auf, dasselbe zu tun; Und so bewog er die Meisten zur Übereinstimmung.“(3)
Friedrich nahm also das Kreuz und forderte unmittelbar andere auf, das Gleiche zu tun. Bevor wir nun fragen können, warum er dies tat, müssen wir zuerst einmal frage, ob er denn überhaupt das Kreuz aus eigenem Antrieb nahm, oder ob es ihm gegeben wurde. So finden wir in der obigen Quelle als Prädikat accipit. Dies kann sowohl nehmen als auch empfangen bedeuten. Es wäre also auch denkbar, dass ein Kreuzprediger, ein Bischof oder sogar der Papst selbst ihm die Kreuznahme suggerierte und dieser es annahm. Weitere Hinweise darauf finden wir in der Rechtfertigungsschrift Friedrichs aus dem Jahre 1227:
„…per manus reverendi Patris Domini Gregorii nunc apostolici, tunc episcope Ostiensis, iterum crucis signaculum reverenter accepimus…”(4)
„Durch die Hände des ehrenhaften nun apostolischen Herrn Vater Gregor, damals Bischof von Ostia, habe ich das Zeichen des Kreuzes ehrenhaft empfangen…“
Hier schildert Friedrich also aus eigener Sicht, er habe das Kreuz nicht genommen, sondern er habe es empfangen. Besonders interessant ist, dass die Wortwahl auch hier auf accipere fällt. Es spricht also Einiges dafür, dass die Kreuznahme nicht auf eigenen Antrieb geschah. Jedoch darf man nicht vergessen, dass die Schilderung Friedrichs in seiner Rechtfertigungsschrift gegenüber dem Papst im Bezug auf seinen Kirchenbann geschrieben wurde und somit nicht unkritisch behandelt werden darf. Ich denke sogar, dass es soweit ins Gewicht fällt, dass man dieser Quelle weniger Glauben schenken sollte. Ebenfalls möglich wäre natürlich, dass Friedrich hier auf seine zweite Kreuznahme nach der Kaiserkrönung anspielt, bei der er das Kreuz tatsächlich aus den Händen des späteren Papstes Gregor IX erhielt, wie wir später noch sehen werden. Jedoch war dies ja nur die erneute Bestätigung seines sechs Jahre alten Versprechens. Entweder verdreht Friedrich II. hier die Tatsachen bewusst, um sich zu verteidigen, oder er befindet sein altes Versprechen nach dem Tode Innozenz III. für erloschen und nur das erneute Versprechen nach seiner Kaiserkrönung hatte fortan für ihn Bedeutung. Ich selbst jedenfalls gehe hier davon aus, dass Friedrich das Kreuz selbst und aus eigenem Antrieb nahm.

2. Die Kreuzprediger

Die Aussage Friedrichs über die Empfängnis des Kreuzes durch die Hände Gregors könnte jedoch auch metaphorisch gedeutet werden, so dass die Kreuznahme auf dessen Einfluss geschah. Dies könnte auf die oben genannten Kreuzprediger abzielen. Darum stellt sich die Frage, welchen Einfluss diese auf Friedrich II. hatten. In den Quellen finden wir Hinweise, dass der gläubige Friedrich bereits vor seiner Krönung zum König immer wieder Kontakt zu Kreuzpredigern hatte, welche ihn an seine Verpflichtung zum Dank Gott gegenüber erinnert haben sollen(5). Diese könnten Friedrich so zu einem Kreuzzugversprechen bewogen haben. In einer Quelle, einem Jahrbuch aus dem Kölner Kloster St. Pantaleon finden wir sogar einen Hinweis, dass die Kreuznahme Friedrichs auf Wirken des Kreuzpredigers Johannes von Xanten geschehen sei:
„Quo mox consecrato, Iohanne Xantensi scolastico ibidem crucem predicante, ad subventionem Sanctae Terrae cruce signatur.”(6)
„Als er dann geweiht worden war, bezeichnete er sich durch die Kreuzpredigt des Scholastikers Johann von Xanten veranlasst zur Unterstützung des heiligen Landes mit dem Kreuz.“
War eine Kreuzpredigt also der letzte Anstoß zur Kreuznahme Friedrichs II.? Bodo Hechelhammer zieht dies in Erwägung(7). Als weiteren Hinweis darauf interpretiert er die Verwendung des Imperfekts predicabant bei Reiner von Lüttich, welches auf ständige Kreuzpredigten während der Krönung verweisen soll. Ich halte es jedoch für gewagt, einem mittelalterlichen Chronisten die Fähigkeit zuzuschreiben, den durativen Aspekt des Imperfekts im Lateinischen zu kennen und bewusst anzuwenden, um so von mehreren Kreuzpredigten durch die ganze Zeremonie hinweg zu berichten. Dafür gäbe es sicherlich einfachere Möglichkeiten, welche auch für die Leser seiner Annalesverständlicher wären. Zudem widerspräche dies auch seiner Aussage, die Kreuznahme sei keine spontane Handlung gewesen, sondern ein lange geplantes taktisches Manöver. In diesem Punkt stimme ich jedoch mit ihm überein. Keinesfalls gab er das Kreuzzugversprechen völlig spontan, möglicherweise aus Euphorie über seine Krönung, und schon gar nicht unüberlegt auf Grund einer gehörten Kreuzpredigt. Dazu vertraute Friedrich – auch bedingt durch seine dramatische Kindheit – viel zu sehr seinem eigenen Urteil, was ihn „unzugänglich für Ermahnungen“(8) machte, um sich blindlings von einem Prediger überreden zu lassen. Dass Kreuzpredigten gar keine Rolle spielten, wie Wolfgang Stürner meint(9), ist schwierig zu beurteilen. Die Predigten während der Zeremonie hatten wie gesagt sicherlich keine Bedeutung. Diejenigen, die er aber zuvor gehört hatte, könnten insofern Einfluss genommen haben, dass sie ihn zwar nicht direkt zur Kreuznahme bewogen, ihm jedoch halfen, einen Weg zu finden, wie er Gott für sein glückliches Schicksal danken konnte, schließlich wird Friedrich II. als tief gläubiger Mensch dargestellt(109 und auch Rudolf Hiestand ist von Friedrichs religiösem Antrieb überzeugt.(11) Ich denke, die Kreuzpredigt des Johann von Xanten erschien ihm einfach als idealer Rahmen, seine schon länger getroffene Entscheidung publik zu machen.

3. Papst Innozenz III.

Eine Schlüsselrolle bei der Frage nach dem Grund für das Kreuzzugversprechen kommt sicherlich Papst Innozenz III. zu. Dieser hatte als einstiger Erzieher Friedrichs keinen geringen Einfluss auf diesen – sofern sich Friedrich II. überhaupt beeinflussen ließ – und könnte mit seinen Kreuzpredigten wohl am meisten in Friedrich bewegt haben. Dieser nutze bereits 1213 den deutschen Thronstreit, um zum Kreuzzug aufzurufen. Damit wollte er sicherlich erreichen, dass entweder Friedrich oder Otto IV. in Hoffnung auf die Königskrone ein Kreuzzugversprechen abgeben. Jedoch bekam er zunächst nur eine Zusage von dem Französischen König.(12) Die Reaktion Innozenz darauf war, dass er den französischen König aufforderte, besser den Kampf gegen Ketzer aufzunehmen als auf Kreuzzug zu gehen.(13) Daraus wird klar, dass für Innozenz III. die Königskrone ein Lockmittel war, um einen Kreuzzug zu erreichen. Doch warum war ein Kreuzzug für ihn von so großer Bedeutung?
Zum einen hatte das aiyubidische Reich seit dem Tod des Sultan Saladin im Jahre 1193 große innenpolitische Schwierigkeiten, da dieser das Reich unter seinen Söhnen und seinem Bruder aufgeteilt hatte und nun ein Machtkampf in dem nicht zentralisierten Staat entstand.(14) Diese Chance, das Heilige Land zu befreien, wollte Papst Innozenz natürlich nutzen. Weiter versuchte er sicherlich, auf diesem Wege die Macht der Kirche zu demonstrieren und zu etablieren, indem er die Krönung gewissermaßen von einem Kreuzzug abhängig machte und immer wieder versuchte, auf die Dankbarkeit Gott gegenüber hinzuweisen. Und gerade diese schien für Friedrich II. tatsächlich von hoher Bedeutung zu sein. Galt er auch als „moderner Herrscher“, so war er doch wohl tief religiös und dies wusste Innozenz sicherlich auszunutzen. Jedoch stellt sich wie bereits gesagt die Frage, in wiefern Friedrich überhaupt beeinflussbar war und ob er sich von Innozenz und seinen Predigern überhaupt beeinflussen ließ. Schaut man auf den Verlauf der Jahre nach der Königskrönung, so zeigt Friedrich schließlich keine großen Bestrebungen, möglichst bald zum Kreuzzug aufzubrechen. Besonders nach dem Tod Innozenz III. im Jahre 1216 bekennt sich Friedrich gegenüber dem neuen Papst Honorius III., welcher – im Gegensatz zu Innozenz III. – erstmals seit dem Versprechen die Kreuzzugsthematik wieder anspricht, zwar weiterhin zu seinem Versprechen, doch beschleunigt er nicht gerade seine Bemühungen, gestützt durch die Tatsache, dass er selbst wohl den Aufbruchstermin festlegen durfte:
„…firmum propositum de succursu terre sancte cordi nostro diutius reservatum […], ut in termino, quem eis dabimus subsequentem…“(15)
„…das feste Vorhaben zur Unterstützung des Heiligen Landes haben wir weiterhin in unserem Herzen festgehalten, damit wir an dem Termin, den wir ihnen nachfolgend geben werden …“
Hier stellt sich die Frage, ob mit dem Tod Innozenz III. für Friedrich auch die Verpflichtung, sein Versprechen einzulösen, erlischt und er hier den neuen Papst nur vertrösten möchte. Es hat beinahe den Anschein, denn erst als Papst Honorius die Kaiserkrönung als Druckmittel verwendet, beginnt Friedrich, einen Romzug vorzubereiten, welcher jedoch auch einige Fehlversuche benötigt. Somit wäre nicht mehr das Versprechen gegenüber seinem Erzieher Innozenz III. sondern die Kaiserkrönung die Motivation Friedrichs. Papst Innozenz scheint also schon eine gewisse Rolle für Friedrich gespielt zu haben, jedoch war diese nicht so gewichtig, dass sie über dessen Tod hinausging und somit sicherlich nicht Motivation genug für ein Kreuzzugversprechen war. Eher hätte meiner Meinung nach Innozenz etwas Einfluss auf die Durchführung haben können, wenn er länger gelebt hätte oder diesen rechtzeitig eingefordert hätte.

4. Der Krönungsort Aachen

Zuletzt wollen wir noch kurz einen Blick auf den Ort der Königskrönung werfen: Aachen. Zwar scheint dies auf den ersten Blick keinen besonderen Bezug zu einem Kreuzzug zu haben, jedoch gibt es einen aufschlussreichen Aspekt. In Aachen lagen nämlich die Gebeine des ersten Kreuzfahrers Karls des Großen begraben, der durch den Einfluss Friedrichs I. Barbarossas heilig gesprochen worden war und nun in einen neuen, noch von diesem in Auftrag gegebenen Reliquienschrein umgebettet werden sollte(16). Dies geschah zwei Tage nach der Königskrönung Friedrichs II., wobei Friedrich selbst den neuen Sarkophag mit Hammer und Nägeln verschloss, obwohl dies ein Akt war, der eigentlich Geistlichen vorbehalten war, und sich so in die Tradition dessen und seines Großvaters als Bewahrer des Reiches und als Kreuzfahrer stellte(17).
Dies zeigt einerseits zwar die Entschlossenheit Friedrichs, einen Kreuzzug tatsächlich durchzuführen, kann aber andererseits auch dahingehend gedeutet werden, dass er dies nicht um des heiligen Landes willen vorhat, sondern rein aus „political correctness“ gemäß dem Motto. „Zu einem guten Herrscher gehört auch ein anständiger Kreuzzug“. Der Kreuzzug war für ihn also weniger eine Möglichkeit, seine Dankbarkeit Gott gegenüber auszudrücken, sondern vielmehr ein Notwendiges Übel, welches er aus der Tradition seiner Vorfahren heraus unternehmen musste, wenn er sich mit ihnen auf eine Stufe stellen wollte, zumal ja schon seit ein paar Jahren eine allgemeine Kreuzzugsbegeisterung herrschte(18). Wann er diesen jedoch unternimmt, wird er erst noch bekannt geben

III Kreuzzugsvorbereitungen

1. Zwischen Königskrönung und Romzug

Nachdem Friedrich II. nun zum König gekrönt worden war und sein Versprechen, einen Kreuzzug zu unternehmen, abgegeben hatte, geschah diesbezüglich zunächst einmal gar nichts. Zwar wurde auf dem vierten Laterankonzil der 1. Juni 1217 als Aufbruchstermin festgelegt, doch gingen unmittelbar nach dem Tod des Papstes Innozenz III. die ersten Bitten um Aufschub bei dessen Nachfolger Honorius III. ein(19). Dies ist ein Zeichen dafür, dass die besondere Beziehung zwischen Innozenz und Friedrich mit ausschlaggebend für dessen Versprechen war und dieser nun nach dessen Tod wohl keine Eile mehr hatte, ins Heilige Land aufzubrechen. Obwohl diesen Bitten nicht entsprochen wurde, war Papst Honorius zu schwach, um die Einhaltung dieses Termins bei den Kreuzfahrern einzufordern und musste schließlich doch ein Jahr Aufschub gewähren, welches zwar für die anderen Kreuzfahrer, jedoch wohl nicht für Friedrich bindend war, welcher wie bereits gesagt seinen Termin selbst festlegen wollte. Damit zeigte der Papst jedoch auch, wie abhängig er vom Kaiser hinsichtlich eines Kreuzzuges war und begünstigte somit die Instrumentalisierung des Kreuzzugversprechens Friedrichs. Honorius III. machte den Kreuzzug zur päpstlichen Sache und schickte im Winter 1217 die ersten wenigen Truppen aus Österreich und Ungarn, welche als einzige bereit waren, ins Heilige Land. Er hoffte so, König Friedrich II. und die restlichen Kreuzfahrer zum baldigen Aufbruch bewegen zu können, um die vorhandenen Truppen zu unterstützen, welche, nachdem 1218 weitere Verstärkung eingetroffen war, mit der Eroberung Damiettes in Ägypten Ende 1219 die ersten Erfolge aufwiesen.(20)
Friedrich entgegnete dem Papst, er wolle zunächst einen Termin für den Aufbruch finden, mit dem alle teilnehmenden Fürsten und sonstige Kreuzfahrer einverstanden sind(21). Dazu plante er einen Hoftag in der Fastenzeit 1219, dessen Hauptthematik der Kreuzzug sein sollte. Wer diesem Hoftag ohne dringenden Grund fernbleibt, würde – so Friedrichs Schreiben an Papst Honorius – mit Enteignung und Einbüßung des Fürstenranges bestraft werden und ihm drohe die Exkommunikation durch den Papst. Friedrich war die Durchführung des Kreuzzuges wohl sehr ernst und er übte großen Druck auf die Fürsten aus. Dennoch war der innere Reichsfrieden Bedingung für einen Kreuzzug, eine Abwesenheit des Königs und designierten Kaisers in unruhigen Zeiten wäre fatal gewesen. Er benutzte also den Kreuzzug nicht nur als Druckmittel für den Papst, sondern gerade hier war es die Gelegenheit, alle Fürsten an einen Tisch zu bringen und vor allem die Insignienfrage mit den Welfen zu klären(22). Ohnehin scheint es, „dass die Schaffung relativ selbständiger und geordneter Territorialfürstentümer Friedrichs vordringliches Ziel war“(23), und dazu war ein großes gemeinsames Ziel wie ein Kreuzzug hervorragend geeignet. Der Kreuzzug wurde also auch hier eher als taktisches Mittel eingesetzt. Das bedeutet nicht, dass Friedrich nicht im Sinn hatte, den Kreuzzug durchzuführen, jedoch wollte er wohl zunächst die Gewissheit haben, das Land ohne Bedenken zurücklassen zu können und ebenfalls seinen Sohn Heinrich (VII.) zum König gewählt wissen.
Ohne jede Erklärung durch Quellen fand der in Magdeburg geplante Hoftag nicht statt. Auch scheint dies ohne weitere Konsequenzen für die Fürsten geschehen zu sein. Es wurde nur ein neuer Termin für einen Hoftag Ende Juni festgelegt, wodurch der Aufbruchstermin nicht mehr einzuhalten war und Papst Honorius ein weiteres mal Aufschub geben musste(24).
Doch obwohl dieser zweite Hoftag recht erfolgreich verlief und – wenn auch erst ein paar Monate später – die dort genannten inneren Angelegenheiten beseitigt worden, verschob Friedrich II. ein weiteres mal den Termin, diesmal auf 1220, mit der Begründung, dass das Reich trotz des Erfolges noch nicht vollständig befriedet sei. Bodo Hechelhammer gesteht diese Argumentation Friedrich II. sogar zu(25), jedoch könnte Friedrichs Hauptmotiv ebenfalls darin gelegen haben, die Herrschaftsnachfolge seines Sohnes zu sichern und erst nach dessen Wahl zum römischen König Deutschland zu verlassen. „Im Zentrum von Friedrichs Bemühungen stand damals vielmehr […] die möglichst umfassende Wiedergewinnung und dauerhafte Sicherung der Macht und Herrschaft in Deutschland.“(26) Dies kann man auch daran erkennen, dass Friedrich bisher weder Schiffe, noch andere Kriegswichtige Dinge organisiert hatte oder organisierte. Auch hatte Friedrich die bessere Verhandlungsposition, da die bereits kämpfendenKreuzfahrer zu diesem Zeitpunkt noch keine großen Erfolge erzielt hatten und Honorius III. dringend auf die Hilfe des imperator futurus(27) angewiesen war. Der Papst erkannte jedenfalls Friedrichs Begründung an und gewährte Aufschub, jedoch mit der Warnung, bei weiterer Verzögerung drohe ihm die Exkommunikation:
„Interim vero non dormias, ne in termino iam tertio laqueum, quod absit, excommunicationis incurras.”(28)
„Inzwischen aber solltest du nicht schlafen, damit du dich nicht in die Schlinge der Exkommunikation begibst, wenn der mittlerweile dritte Termin abgelaufen ist.“
Mit dieser Warnung erinnerte Papst Honorius Friedrich II. jedoch nur an dessen eigene Forderung, jeden, der trotz des Gelübdes nicht rechtzeitig zum Kreuzzug bereit sei und somit Friedrich behindere, mit dem Kirchenbann zu bestrafen, wobei der König sich selbst davon nicht ausnahm. Die Erlösung von dem Bann einiger Kreuzfahrer bei ihrem Eintreffen in Ägypten zeigt auch, dass dies keine leeren Worte waren, dennoch blieb der König von der Exkommunikation verschont, was die Abhängigkeit des Papstes weiter verdeutlicht.
Auch diesen Termin konnte Friedrich II. nicht einhalten, was seiner Begründung nach an den Fürsten liege, welche ihn hinderten, sein Unternehmen zu beginnen. Diesmal hatte er jedoch eine andere Strategie: Nachdem ihm ein nur kleiner Aufschub von wenigen Tagen gewährt wurde, schrieb er dem Papst, er sei nun zu einem Romzug bereit und werde weiter an der Unterstützung des Heiligen Landes festhalten. Interessant ist, dass er zunächst dem Papst von der Wahl seines Sohnes zum römischen König durch die deutschen Fürsten berichtet und „über dies hinaus“(29) jetzt bereit dazu sei, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen, wobei er zusätzlich noch weitere Kreuzfahrer verpflichten konnte.(30) Jedoch nannte er keinen konkreten Termin mehr sondern nur, dass das Vorhaben sine longiore mora angeordnet werde. Der Papst schrieb daraufhin einen Brief an seinen Kreuzzugslegaten Pelagius, in dem er ihn ermunterte, nicht nachlässig zu werden, da König Friedrich nach dem St. Michaelis Fest also erst im Jahre 1221 sich sofort auf den Weg ins Heilige Land machen werde.(31) Das bedeutet, das Kreuzzugsunternehmen werde erst nach der Kaiserkrönung stattfinden. Honorius III. ist also trotz der vielen Rückschläge bereit, Friedrich vorher zum Kaiser zu krönen(32). Dies lässt darauf schließen, dass der Papst entweder den Kreuzzug als Lockmittel zur Kaiserkrönung verwendete oder Friedrich es als Voraussetzung forderte. Besonders aber sieht man, dass Honorius III. in dieser Angelegenheit so abhängig von Friedrich II. war, dass er ihn krönte, damit er umso schneller in das Heilige Land aufbrechen werde. Schließlich war die Kreuzzugsbewegung nach der Eroberung Damiettes zum Stillstand gekommen und weitere Erfolge waren nicht in Sicht.

2. Romzug und Kaiserkrönung

Im September 1220 brach Friedrich schließlich mit einem kleinen Heer nach Rom auf, nachdem er bereits im Frühjahr einen Boten nach Rom geschickt hatte, um den Papst zu informieren, dass er zum Romzug bereit sei. Schon im Oktober trafen die königlichen Gesandten, unter ihnen Hermann von Salza, Hochmeister des deutschen Ordens, in Rom ein, um mit dem Papst die Bedingungen der Kaiserkrönung auszuhandeln, während Friedrich noch in Oberitalien weilte.
Zum einen gab es die Wahl Heinrichs (VII.) zum König zu besprechen, an der Friedrich seine Unschuld beteuerte und darauf beharrte, völlig unwissend gewesen zu sein. Dadurch bestand die Gefahr, dass Friedrich eine Vereinigung des Sizilien Reiches, dessen König ebenfalls Heinrich (VII.) war, mit dem Kaiserreich schaffen könnte. Papst Honorius III. hatte schon zuvor Friedrich II. ausrichten lassen, dass „ihn als Papst die deutsche Königswahl nichts angehen würde.“(33) Dennoch wollte Friedrich die Angelegenheit mit dem Papst erörtern. Nachdem päpstliche Unterhändler es nicht geschafft hatten, Friedrich zum Verzicht auf die Herrschaft über Sizilien zu bewegen, begnügte sich daraufhin der Papst mit einer formellen Bestätigung des Königs, die rechtliche Eigenständigkeit Siziliens zu erhalten. Dieses diplomatische Verhalten Honorius III. verdeutlicht die Dringlichkeit, um zum einen keine Zeit mit langen Verhandlungen zu verlieren und zum zweiten keinen Streit mit dem König zu provozieren, der das Kreuzzugsunternehmen gefährden könnte.(34)
Ebenso war Friedrich II. nach der Nichteinhaltung des Termins am 1. Mai eigentlich der Exkommunikation verfallen. Papst Honorius verzichtete jedoch auf eine öffentliche Verkündung des Bannes und erlegte dem zukünftigen Kaiser nur auf, diverse kirchliche Besitztümer so vor allem die Mathildischen Güter auszuhändigen, sowie ein Verbot kirchenfeindlicher und ketzerischer Städtestatuen einzurichten.(35) Ebenso erklärte er sich bereit, die gewünschte Gesetzgebung zur Stärkung und zum Schutz der Kirche zu erlassen und verkündete sie auch unmittelbar nach seiner Kaiserkrönung.(36) Friedrich war zwar anscheinend nicht der Überzeugung, hier in der Schuld der Kirche zu stehen(37), dennoch kam er unverzüglich diesen Forderungen nach, was für seinen ausgeprägten Glauben sprechen könnte.
Allgemein wird in den Quellen eine hohe Diplomatie und auffällige Harmonie sowohl zwischen Papst und König wie auch zwischen den Truppen und den Römern selbst während des Aufenthalts Friedrichs II. in Rom dargestellt. Reiner von Lüttich beschreibt das Verhalten der Römer zwar als friedlich, dies jedoch nicht aus Liebe zum König sondern nur aus Furcht:
„Quem Romani plus timore quam amore cum magna gloria et tripudium pacifice susceperunt…“(38)
„Die Römer nahmen ihn friedfertig mit großem Ruhm und Freudentaumel mehr aus Furcht als aus Liebe auf.”
Interessant ist hier die Verwendung von suscipere. Diesem kommt normalerweise die Bedeutung zu, Gefahren oder Lasten auf sich zu nehmen. Es scheint hier also durchaus doppeldeutig verstanden werden zu müssen: Zwar nahmen sie den König friedlich und mit großem Ruhm auf, jedoch scheint dies für sie eine große Mühe gewesen zu sein und Friedrich wurde eher als eine Gefahr angesehen statt als ein Freund.
Man bemühte sich wohl im Allgemeinen um eine schnelle Abwicklung des Krönungsprozesses. So schreibt Honorius selbst in einem Brief, dass Friedrich „in allem Frieden und aller Ruhe aus unseren Händen die Kaiserkrone [empfangen habe]“(39).
Diese Krönung fand am 22. November 1220 mit feierlicher Prozession in der St. Peterskirche statt. Und auch hier wiederholte Friedrich II. nun als Kaiser sein Kreuzzugversprechen, diesmal jedoch nicht ganz aus eigenem Antrieb, sondern er bekam das Kreuz von Kardinal Hugolin, dem späteren Papst Gregor IX., überreicht und heftete es sich dann genau wie beim ersten mal an die Schulter als Zeichen zum subsidium Sanctae Terrae:
„Ubi imperator de bonis et prediis imperii in Italia sitis multa contulit ecclesie beati Petri et vota votis accumulans de manu eiusdem episcopi rursus crucem accepit ad perficiendum iter Ierosolamitanum.“(40)
„Sobald der Kaiser vieles über Güter und Vollbesitz des Reiches, welche sich in Italien befinden, zusammengebracht hatte und während er die Gelübde mit Gelübden überhäufte empfing er wiederum aus der Hand desselben Bischofs das Kreuz zur Vollendung des Weges nach Jerusalem.“
In dieser Schilderung erhält Friedrich also erneut das Kreuz von Hugolin. Das impliziert also, dass nach Auffassung Burchards von Ursberg auch bei der Königskrönung 1215 Friedrich II. das Kreuz nicht aus eigenem Antrieb nahm, sondern es von Hugolin bekam und unterstützt somit Friedrichs Aussage aus dem Jahr 1227. Wie aber schon gesagt wollen wir hier annehmen, dass Friedrich in Aachen das Kreuz aus eigenem Antrieb nahm. Erst bei seiner zweiten Krönung bekommt Friedrich II. das Kreuz quasi aufgezwungen und wird nahezu gedrängt, sein Kreuzzugversprechen zu wiederholen und dann auch wie schon lange ersehnt endlich einzulösen. In Anbetracht der gesamten diplomatisch heiklen Situation blieb Friedrich wohl auch kaum etwas anderes übrig, als sein Versprechen zu erneuern, dennoch war er wohl immernoch fest entschlossen, den Kreuzzug durchzuführen, wenn er den geeigneten zeitlichen Rahmen gefunden hat. Anders beschreibt Papst Honorius III. in einem Brief die zweite Kreuznahme:
„…in omni pace ac tranquilitate suscipiens de manibus nostris imperii diadema in omni devotione affixit suis humeris publice signum crucis, prestito ex intimo mentis fervore corporaliter iuramento, quod in proximo futuri mensis Augusti…”(41)
„…während er in allem Frieden und Ruhe aus unseren Händen das Diadem des Reiches erhielt, heftete er sich in aller Ergebenheit öffentlich das Zeichen des Kreuzes an die Schultern und leistete aus der tiefen Leidenschaft seines Geistes körperlich den Schwur, dass er im nächsten August…“
Hier wird Friedrich als demütiger Mensch beschrieben, der aus eigenem Antrieb und mit voller Leidenschaft, welche er auch körperlich demonstriert, das Kreuz nimmt. Hugolin wird hier gar nicht erst erwähnt. Bedenkt man, dass der Brief an Konrad von Mainz adressiert war, der nun Werbung für den präzisiert angekündigten Kreuzzug machen sollte, so kann man sagen, dass er diesem wohl die Dringlichkeit seines Handelns vermitteln wollte. Hätte er berichtet, dass man dem Kaiser das Kreuz erst aufdrängen musste, so hätte sich das Unternehmen doch noch weiter verzögert. Die Nachricht eines leidenschaftlich schwörenden Kaisers aber setzt die Maschinerie schneller in Gang.

3. Kreuzzugsvorbereitungen nach der Kaiserkrönung

Nachdem Friedrich II. nun endlich zum Kaiser gekrönt worden war, setzte der Papst alles in Bewegung, um Friedrich keine Möglichkeit zu geben, den von ihm selbst als neuen Termin versprochenen 1. März 1221 weiter aufzuschieben. Er wies seine Kreuzzugsbeauftragten an, noch einmal Truppen anzuwerben und diverses Kriegsgerät und andere wichtige Dinge zu beschaffen. Auch Friedrich schien nun ernsthaft zu versuchen, diesen Termin einzuhalten. So forderte auch er die in Damiette festsitzenden Kreuzfahrer auf, geduldig bis zu seiner baldigen Ankunft zu warten.(42) Er unterstützte die päpstlichen Kreuzzugslegaten, ließ Gelder zur Finanzierung des Unternehmens einsammeln und bemühte sich ebenfalls eifrig, kriegswichtiges Gerät wie Schiffe zu erwerben. Dieser Kreuzzug würde nämlich besonders finanziell große Löcher reißen, da Friedrich viele Adlige erst durch Bezahlung dazu überreden konnte, ihn nach Ägypten zu begleiten. Vor allem aber ernannte er Ludwig I., Pfalzgraf bei Rhein und Herzog von Bayern, zu seinem Stellvertreter und schickte ihn im April nach Ägypten voraus, wo er bis zur Ankunft des Kaisers das in Damiette ausharrende Kreuzfahrerheer befehligen sollte.(43) Bodo Hechelhammer meint hier, dass die Bereitschaft Ludwigs ebenfalls erst gekauft werden musste, wobei der Betrag bereits vor Antritt der Überfahrt gezahlt wurde.(44) Jedoch muss man auch das besondere Verhältnis des Pfalzgrafen bei Rhein und besonders das Ludwigs zu Friedrich II. einbeziehen. Friedrich hatte es noch als König Ludwig I. 1214 überhaupt erst ermöglicht, als Vormund dessen Sohnes Otto II. Pfalzgraf bei Rhein und damit auch Königswähler zu werden. Außerdem hatte er Friedrich auch schon auf dessen Romzug zur Kaiserkrönung begleitet. Ludwig I. hatte also ein besonders gutes Verhältnis zum Kaiser. So halte ich es für wahrscheinlicher, dass eine „Bestechung“ des Wittelsbachers nicht unbedingt Voraussetzung für die Teilnahme am Kreuzzug war, sondern vielmehr eine Art Belohnung dafür, dass er die besondere Stellung als Stellvertreter annahm. Auch darf man nicht vergessen, dass viele weitere Adlige gekauft werden mussten, so dass eine Bezahlung Ludwigs nur gerecht war.
Am 10. April 1221 brach jedenfalls das Kreuzfahrerheer mit einmonatiger Verspätung unter der Führung Ludwigs I. nach Ägypten auf. Friedrich jedoch war zunächst noch zurückgeblieben, da ihn die Neuordnung des sizilischen Reiches beschäftigte, wozu er eigens einen Hoftag einrichtete, während sein Kreuzzugskontingent schon in Damiette angekommen war. Friedrich wiederholte daraufhin nochmals seine Ermahnung, seine Ankunft abzuwarten, bevor man einen Militärschlag unternehme.
Als Grund, nicht aufbrechen zu können, machte er gegenüber dem Papst jedoch völlig andere Angaben: Nicht die Beschäftigung mit dem Königreich Sizilien halte ihn auf sondern ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten, welche durch die Bezahlung der Fürsten verursacht wurden und ihm eine sichere Reise über das Meer verhinderten.(45) Deshalb verlängerte er selbständig ohne Zustimmung des Papstes seine Frist um ein Jahr bis März 1222. Dies verweigerte der Papst zwar, war letztendlich aber zu schwach, um es zu verhindern, und musste es hinnehmen mit der Aufforderung, wenigstens alle verfügbaren Kräfte zur Unterstützung zu schicken. Dennoch verfiel der Kaiser erneut nicht der Exkommunikation. Dies mag daran liegen, dass Honorius III. mittlerweile seine Taktik geändert hatte und der Meinung war, nun über genügend Truppen in Ägypten zu verfügen, so dass auch ohne den Kaiser an der Spitze des Heeres der Kreuzzug starten könne, und ließ seinem Kreuzzugslegaten Pelagius freie Hand zur selbständigen Kriegführung.(46)
Dies schien Pelagius so sehr zu beflügeln, dass er das Angebot des Sultans El Kamil, Damiette im Tausch gegen Jerusalem und Palästina zu räumen, ausschlug und nach dem Eintreffen Ludwigs I. vorhatte, eine Militäroffensive zu unternehmen, obwohl Kaiser Friedrich II. es diesem ausdrücklich untersagt hatte. Jedoch machte auch die langsam drängende finanzielle Lage des Heeres einen Angriff notwendig, da man Mangels Vorräten nicht mehr allzu lange auf Friedrichs Ankunft warten konnte.(47) Also entschloss man sich, nachdem einige Wochen später immer noch keine Nachricht von der Ankunft des Kaisers eingetroffen war, im Juli weiter vorzurücken. Das Unternehmen scheiterte jedoch am Hochwasser des Nils und Pelagius erfuhr eine so schwere Niederlage gegen die Muselmanen, dass er in Friedensverhandlungen mit El Kamil die Festung Damiette aufgeben musste und die Christenheit einen achtjährigen Waffenstillstand einhalten musste, welchen der Kaiser selbst unterzeichnen musste(48). Als der Kaiser dies jedoch vernahm, war er schockiert. Schließlich hatte er seinen Stellvertreter Herzog Ludwig von Bayern ausdrücklich angewiesen, bis zu seiner Ankunft nichts zu unternehmen:
„Proh pudor! filios Ecclesie fugant catuli synagoge et de bello Domini magnificatur victoria Machometi. Hec inquam tanti doloris acerbitas inter omnes quos fidei character insignit tanto nos vehementius exacerbat…“(49)
„Ohje! Die jungen Hunde der Synagoge schlagen die Söhne der Kirche in die Flucht und der Sieg der Muslime über den Krieg des Herrn wird hochgehalten. Diese Bitterkeit des so großen Schmerzes unter allen, die der Character der Treue auszeichnet, sage ich, verbittert uns um so heftiger.”
Friedrich II. zeigt sich hier also ziemlich bestürzt über das eigenmächte Handeln und dessen Folgen, die sich in Form dieser schweren Niederlage und des Verlustes Damiettes äußerten. Mit fides könnte hier sogar zweierlei gemeint sein: Zum einen könnte es einfach als die Gläubigen, d.h. die Christen, gedeutet werden, welche nach diesem Rückschlag nun äußerst frustriert sind und großen Schmerz empfinden. Weiter könnten aber auch die Treuen gemeint sein, nämlich die Kaisertreuen, welche gegen eine Militäroffensive waren, wie es der Kaiser angeordnet hatte, und nun gegen ihre Überzeugung in die Schlacht ziehen mussten, in der sie so furchtbar geschlagen wurden. Dies zeigt eine gewisse Ironie Friedrichs, welcher nun die Bestätigung hatte, dass der Kreuzzug ohne seine Führung nicht gelingen könne. Außerdem durfte nun gemäß dem Friedensvertrag mit El Kamil nur noch der Kaiser selbst die achtjährige Waffenruhe brechen, wodurch der Papst quasi machtlos geworden war. Dies konnte Friedrich II. nun freilich als Druckmittel gegen den Papst verwenden. Zum einen verdeutlichte er hiermit nämlich die Abhängigkeit des Papstes vom Kaiser, welche Honorius ja zwischendurch glaubte, abgelegt zu haben. Zum zweiten konnte Friedrich dem Papst nun vorwerfen, er habe seine ihm so treuen Truppen geschädigt, indem er nicht in Friedrichs Einvernehmen sondern eigenmächtig handelte, obwohl diese eigentlich abwarten wollten und gegen den Angriff waren. Diese doch recht milde Formulierung Friedrichs zeigt also durchaus eine gewisse Schadenfreude, welche ihm zukünftig Vorteile am Verhandlungstisch einbringen könnte.
Anders sieht dagegen Friedrichs Reaktion in seiner Rechtfertigungsschrift gegenüber dem neuen Papst Gregor IX. aus dem Jahr 1227 aus. Hier macht er ganz eindeutige Schuldzuweisungen und entfernt sich von jeder Verantwortung:
„…sed nostris precibus et monitis pretermissis, absque consilio virorum nobilium et prudentium, non expectato laudabilis nostre classis subsidio, incaute ductus populus incidit in lacum […] ut legato Sedis apostolice qui exercitui preerat.”(50)
„…aber weil meine Bitten und Ermahnungen außer Acht gelassen worden waren und – fern von dem Rat eines adligen und klugen Mannes – die Unterstützung unserer lobenswerten Flotte nicht abgewartet worden war, fiel das vom Legaten des apostolischen Stuhls, der dem Heer voranstand, unvorsichtig geführte Volk in den See.”
Hier drückt Friedrich also nicht mehr nur sein Bedauern aus sondern benennt ganz klar einen Schuldigen, nämlich den Papst beziehungsweise seinen Legaten. Dieser hatte nicht auf den Rat des klugen Kaisers Friedrich gehört sondern zog blindlings in die Schlacht, obwohl der Nil bereits über die Ufer getreten war. Dies verhinderte natürlich ein größeres Kreuzzugsunternehmen Friedrichs vorerst, da ja wieder neue Truppen und Geldmittel beschafft werden mussten, welche nach Aussage Friedrichs II. ohnehin schon knapp gewesen waren.
Friedrich hält sich mit Schuldzuweisungen zunächst also in Grenzen und äußert nur sein Bedauern über das Misslingen und die nun eingetretene erneute Verzögerung des gesamten Unternehmens. Diese hat ihn allerdings wahrscheinlich sogar gefreut, da er sich nun weiter um die Herrschaft über Sizilien kümmern konnte ohne allzu starken Druck des Papstes erwarten zu müssen, wenn er auch die Klagen des Papstes zu hören bekam. Kaiser Friedrich war jedoch weiterhin zu einem erneuten Aufbruch bereit und vereinbarte ein persönliches Treffen mit dem Papst, nachdem dieser ihm erneut mit endgültiger Exkommunikation gedroht hatte. Bei diesem Treffen vom 12.-14. April 1222 garantierte Papst Honorius III. dem Staufer seine Herrschaftsrechte unter päpstlichem Schutz, damit dieser sich umso energischer dem nochmals bekräftigten Kreuzzug widmen und so bald wie möglich aufbrechen konnte.(51) Ein knappes Jahr später besiegelten sie sogar per Vertrag, dass Friedrich bis zum 24. Juni 1225 die Kreuzfahrt antrete. Andernfalls werde er endgültig exkommuniziert werden. Und obwohl oder vielleicht gerade weil der Kaiser eigentlich längst erkannt hatte, dass die Exkommunikationsdrohungen des Papstes Honorius III. mittlerweile eine „stumpfe Waffe“(52) waren, reagierte er darauf immer mit Taten im Sinne des Papstes quasi als Zeichen seines guten Willens, wenn auch diese meist nur kurzweilig waren. So stimmte er auch bereitwillig in diesen Vertrag ein, vielleicht auch deshalb, weil er glaubte, dass ihm im Falle der Nichteinhaltung keine Konsequenzen drohen:
„…idem imperator ad nostrum beneplacitum et consilium predictorum transfretandi terminum in festo beati Iohannis baptiste post biennium proximo secuturo prompta voluntate suscepit…”(53)
„…derselbe Kaiser hat zu unserem Wohlgefallen und Rat der Vorhergenannten den Termin zur Übersetzung am Fest des Heiligen Johannes des Täufers zwei Jahre nach dem nächst folgenden mit entschlossenem Willen auf sich genommen.“
Nun blieb Friedrich wirklich keine Wahl mehr und er musste den Kreuzzug innerhalb zweier Jahre auf die Beine stellen. Darüber hinaus schwor er, Isabella von Jerusalem, die Tochter des Königs Johann von Brienne zu heiraten, nachdem seine Frau Konstanze kurz zuvor gestorben war, obwohl diese bedeutend jünger war als der Kaiser. Damit erklärte er sich selbst für die Befreiung Jerusalems und des Heiligen Landes verantwortlich und schaffte so Zuversicht für die Kurie und besonders den Papst, auf dessen Vorschlag wohl die Ehe zustande kam, wie Stürner meint.(54) Hellmuth Kluger vertritt dagegen die Auffassung, der Ordensmeister Hermann von Salze sei „treibende Kraft und Initiator“ gewesen.(55) Jedenfalls heiratete Kaiser Friedrich II. im November 1225 tatsächlich die erst dreizehnjährige Isabella. Dies könnte nochmals ein Zeichen seines guten Willens gewesen sein, da er den genannten, vertraglich festgelegten Junitermin ebenfalls nicht einhalten konnte.
Zwar hatten nach dem Vertrag von Ferentino 1223 beide Parteien energisch versucht, neue Teilnehmer für den Kreuzzug zu gewinnen, dies jedoch recht erfolglos. Weder die päpstlichen Legaten noch die kaiserlichen Beauftragten wie der genannte Hermann von Salza noch Johann von Brienne schafften es, Verbündete zu finden, welche bereit waren, mit ihren Truppen in das Heilige Land zu ziehen. Allenfalls finanzielle Unterstützung fand man durch verschiedene Adlige, die sich mit Geld vom Kreuzzug freizukaufen versuchten. Der Schock über die verheerende Niederlage im Jahr 1221 saß wohl noch zu tief und das Vertrauen in den Kaiser, diesmal tatsächlich gemeinsam mit den Kreuzfahrern aufzubrechen, war wohl noch zu gering. Der Kaiser machte daraufhin der Kirche Vorwürfe, sie würde nicht genügend Werbung machen und ihn nicht nach Kräften unterstützen. Dies sei der Grund, warum man zu wenig Teilnehmer habe und ein erneuter Aufschub vonnöten sei. Der Mangel an Teilnehmern war wohl bisher die beste Begründung Friedrichs, den Kreuzzug weiter aufzuschieben. Grundsätzlich kann man wohl davon ausgehen, dass Friedrich nun zum Aufbruch bereit war und ihm der Teilnehmermangel wohl nicht so gelegen kam wie einst die Verzögerung durch den Verlust Damiettes. Außerdem musste er auch mit seiner Exkommunikation rechnen, welche durchaus rechtmäßig gewesen wäre. Papst Honorius III. hatte nach langen Verhandlungen jedoch ein Einsehen und verlängerte im Vertrag von San Germano die Frist ein letztes Mal bis August 1227, vielleicht auch wegen der erwähnten Hochzeit Friedrichs II. mit Isabella. In diesem Vertrag machte der Kaiser konkrete Angaben, wie viele und was für Truppen, Schiffe und sonstiges Kriegsgerät er mit auf den Kreuzzug nehmen werde, so dass Friedrich nun gar keine Fluchtmöglichkeit mehr blieb.(56)

4. Aufbruch zum Kreuzzug und Exkommunikation 1227

Im Jahr 1227 schien der Kaiser für den Aufbruch ins Heilige Land bereit gewesen zu sein. Vertragsgemäß hatte er Ritter und Kriegsgerät angeworben. Im März des Jahres verstarb Papst Honorius III. und Kardinalbischof Hugolin von Ostia wurde zum neuen Papst gewählt. Er gab sich den Namen Gregor IX., was sicherlich als Anspielung auf Gregor VII. verstanden werden kann, welcher Heinrich IV. zum berühmten Gang nach Canossa zwang und damit die Macht der Geistlichkeit demonstrierte. Auch der neue Papst Gregor IX. wollte damit wohl symbolisieren, dass er im Gegensatz zu seinem schwachen Vorgänger ein starker Gegner für Kaiser Friedrich II. sei und ermahnte diesen auch immer wieder zur Einhaltung des Vertrages.
Im August 1227 hatte Friedrich sein Kreuzfahrerheer in Brindisi versammelt, um von dort aus nach Osten zu segeln. Alles sprach also für eine Einhaltung des Vertrages von San Germano. Doch wurde das Heer plötzlich von einer sich rasch verbreitenden Seuche heimgesucht und ein größerer Teil von ihr dahingerafft oder zerstreut. Friedrich II. befahl den teilweisen Aufbruch des übrigen Heeres, selbst blieb er aber nach Beratung mit seinen Fürsten und dem Hochmeister Hermann von Salza auf Grund eigener Erkrankung zunächst zurück.(57) Schließlich war der Großteil des Heeres bereits abgefahren und man glaubte so, den Vertrag termingerecht erfüllt zu haben.
Papst Gregor IX. jedoch reagierte gnadenlos auf die Ereignisse in Brindisi. Er warf dem Kaiser vor, seine Krankheit zu simulieren und auch andere Punkte des Vertrages nicht eingehalten zu haben, und exkommunizierte ihn am 29. September 1227(58). Diese Gründe waren jedoch größtenteils erfunden und falsch.
Ebenso entband er die bereits aufgebrochenen Kreuzfahrer von ihrem Gelübde und rief sie wieder zurück. Das Unternehmen wurde für gescheitert erklärt:
„Unde omnium animi virorum cruce signatorum fracti, ipso papa diabolo instigante omnes signatos a voto suo revocante, cum multa predicatio multos ad servitium et subsidium terre sancte adduxisset, expeditio omnis solvitur.(59)”

„Wegen der Untreue aller mit dem Kreuz gezeichneten Männer, weil der Papst selbst alle Gezeichneten von ihrem Gelübde entbindet, während der Teufel sie aufhetzt, und weil häufige Predigt Viele zum Dienst und zum Schutz des heiligen Landes angeworben hatte, wird die ganze Expedition aufgelöst.”

Gregor IX. geht hier sogar soweit, den Kaiser als Teufel zu bezeichnen, der soviele zum Kreuzzug aufgehetzt hatte, dass dadurch die Seuche erst entstanden ist. Für Gregor IX. trug Friedrich II. also auch die Schuld am Áusbrechen der Seuche, welche die Verzögerung der Abfahrt Friedrichs zur Folge hatte. Dass diese Gründe falsch sind, schreibt auch Burchard von Ursberg.(60) Allgemein dürfte der Papst kaum Glauben damit gefunden haben. Dennoch hielt Gregor IX. an seiner Argumentation fest und verwarf das Thema Kreuzzug endgültig.

IV Der Kreuzzug Friedrichs II. 1228

Wie bereits gesagt soll hier auf eine ausführliche Beschreibung des Kreuzzuges selbst verzichtet werden. Interessant ist jedoch der Aspekt, warum Friedrich II. letztendlich diesen Kreuzzug doch noch durchgeführt hat.
Der Kaiser war seit dem 29. September 1227 gebannt und auch seine Beteuerungen, er wolle unbedingt auf Kreuzzug gehen, um Gott für sein Glück zu Danken, brachten keine Verbesserung. Im Gegenteil: Der Papst wiederholte am Gründonnerstag, den 23. März 1228 nochmals den Kirchenbann Friedrichs II. und verbot somit auch dem Kaiser, einen Kreuzzug durchzuführen. Dennoch trat Friedrich II. am 28. Juni 1228 von Brindisi aus seinen Kreuzzug an. Die Erklärungsmodelle hierfür sind unterschiedlich: Stürner ist der Auffassung, Friedrich trat „nach eigener Überzeugung einen wahrhaften Kreuzzug im Dienste Gottes an“(61), mit dem er dem Papst die Glaubwürdigkeit seiner Demut und Gottesfurcht beweisen wollte und so eine Übereinkunft zur Lösung des Bannes zu erwirken hoffte.(62)Falls Friedrich dies wirklich hoffte, so lag er weit daneben. Der Papst exkommunizierte daraufhin alle Anhänger Friedrichs in Sizilien und im Reich.(63)Auch der Erfolg Friedrichs im Heiligen Land schien ihn nicht zu beeindrucken. Im Gegenteil: Zwar gelang es Friedrich durch Verhandlungen mit El Kamil, Jerusalem und Bethlehem mit einem Korridor nach Jaffa ans Meer, sowie ein paar weitere Landstriche zurückzuerhalten(64), dies jedoch war das Ergebnis glücklicher Umstände und ohne einen Schwertstreich geschehen und der Papst würdigte es als Geschäft mit Ungläubigen herab. Hatte sich der sonst so taktisch geschickte Friedrich so sehr im Papst getäuscht oder war er schon so verzweifelt, dass er keinen anderen Ausweg sah?
Denkbar wäre ebenfalls, dass Friedrich aufbrach, um dem Papst zu demonstrieren, dass er auch als gebannter Kaiser immer noch die größere Macht besaß und sich weder einen Termin vorschreiben ließ noch überhaupt das ganze Unternehmen weder aufzwingen noch verbieten ließ. Dies spräche für das Bild Friedrichs als modernen Kaiser, der sich nach seinem eigenen Menschenverstand richtete und sein Handeln nicht durch religiöse Einschüchterung beeinflussen ließ. Und auch wenn er überzeugt war, dass er Gott für die glückliche Fügung danken müsse, so fuhr er nicht als Kreuzfahrer im eigentlichen Sinne ins Heilige Land, um als religiöser Fanatiker gegen die Muslime Krieg zu führen, sondern um durch positive Ergebnisse bei seinem Volk in großem Ansehen zu stehen.(65)Wie diese Erfolge erreicht werden war für Friedrich wohl zweitrangig beziehungsweise ob sie nun mit militärischen Mitteln erreicht werden mussten oder nicht. Ich denke der Weg über den Verhandlungstisch war für Friedrich ein großer Erfolg und auch auf diese Weise von Anfang an beabsichtigt. Ob diese Vorgehensweise den Papst beeindrucken
würde, dürfte wohl kaum eine Rolle für Friedrich gespielt haben. Er hatte einen Weg gefunden, wie er sowohl Gott danken konnte und doch von der Kirche unabhängig
seinen Kreuzzug durchführen und so dieser seine Macht beweisen konnte.

V Abschlusskommentar

„Man muss Friedrich und den Papst je als Gefangene ihrer selbst sehen, jener des Aachener Gelübdes, von dem er nicht zurücktreten konnte, weil es Herrschaftsprogramm und persönliche Verpflichtung darstellte, und nicht entbunden werden wollte,
weil es ein Druckmittel gegenüber Fürsten und Papst darstellte, dieser ein Gefangener des Kreuzzuges, den er ausrufen, mit Kreuzzugssteuern und Ablaßzusage fördern, aber in Ermangelung eigener militärischer Macht nicht selber durchführen konnte, obwohl von ihm so Entscheidendes für die Stellung des Papsttums abhing, daß ihm vorerst alles bis hin zur Kaiserkrönung untergeordnet wurde.“(66) Diese Aussage von Rudolf Hiestand passt sehr gut, um die Argumente noch einmal zusammenzufassen. Der Grund für Friedrich, das Kreuzzuggelübde abzulegen, lag meiner Meinung nach zunächst hauptsächlich in der Tradition seiner Vorfahren. Sein Großvater Friedrich Barbarossa starb während seines Kreuzzuges, sein Vater hatte einen Kreuzzug geplant, starb jedoch vor dessen Umsetzung. Die Dankbarkeit gegenüber Gott darf man dabei sicherlich nicht vergessen, sie spielt gewiss für Friedrich eine Rolle und er wollte sich sicherlich erkenntlich zeigen. Doch kann man wohl sagen, dass Friedrich zum einen andere
Prioritäten hatte als auf Kreuzzug zu fahren, nämlich die Sicherung seiner Herrschaftsnachfolge in Deutschland und in Sizilien. Eventuell wollte er sich auch erst bei Gott bedanken, wenn diese ebenfalls erfolgreich abgeschlossen waren, da ja sich sein Schicksal durchaus noch hätte wenden können. Zum anderen benutzt Friedrich sein Kreuzzugversprechen jedoch immer wieder als Druckmittel gegenüber dem Papst, um diesem einerseits dessen Abhängigkeit zu verdeutlichen, andererseits um sich
persönliche Vorteile zu verschaffen, wie z.B. die Kaiserkrönung, die Königswahl seines Sohnes Heinrich (VII.) oder die Zusicherung des päpstlichen Schutzes seiner Herrschaft während des Kreuzzuges. Daran trägt meiner Meinung nach Papst Honorius III. jedoch selbst die Schuld. Er setzte seine Priorität auf den Kreuzzug und damit auf eine Angelegenheit, in der er fast vollkommen abhängig vom Kaiser war, wie die Niederlage vor Damiette 1221 zeigt. Sein Nachfolger Papst Gregor IX. interessierte sich nicht mehr
für die Durchführung eines Kreuzzuges. Zwar war auch er enttäuscht, dass das Unternehmen – zumindest in seinen Augen – scheiterte, doch verfolgte er andere Ziele, bei denen er mehr Einfluss hatte und dies mit Erfolg. Dass Friedrich letztendlich doch als Gebannter und trotz ausführlichen Verbots des Papstes auf Kreuzzug geht, ist wohl zum einen Ergebnis seines Glaubens: Jetzt, wo er auch die Herrschaftsnachfolge gesichert hat, möchte er sich wohl wirklich bei Gott bedanken. Zum anderen war es
wohl aber auch seine Absicht, dem neuen Papst seine Macht zu demonstrieren und auch hier die Grenzen auszutesten, wie weit er bei ihm gehen kann.

VI Literatur- und Quellenangaben

1. Quellen

  • Holder-Egger, O. und von Simson, B. (Hrsg.), Die Chronik des Propstes Burchard von
    Ursberg, Monumenta Germaniae Historica SSrG 16, Hannover und Leipzig ²1916

  • Huillard-Bréholles, J.-L. (Hrsg.), Historia Diplomatica Friderici Secundi, Band III,
    Turin 1963.

  • Jaffé, P. (Hrsg.), Notae S. Emmerammi, in: Monumenta Germaniae Historia, SS 17,
    Stuttgart.

  • Pertz, G. (Hrsg.), Reineri Annales, Monumenta Germaniae Historica SS 16, Stuttgart
    1994.

  • Rodenberg, C. (Hrsg.), Epistolae Saeculi XIII Pontificum Romanorum, Monumenta
    Germaniae Historica, Bd I, Weidmann 1883.

  • Waitz, G. (Hrsg.), Annales S. Pantaleonis, Monumenta Germaniae Historica SSrG 18,
    Hannover 1880.

  • Weiland, L.(Hrsg.), Constitutiones et Acta Publica Imperatorum et Regum, Monumenta
    Germaniae Historica, Bd. II, Hannover 1896.

  • Winkelmann, E. (Hrsg.), Acta imperii inedita, Bd 1, Insbruck 1880.

2. Literatur

  • Abulafia, D. Herrscher zwischen den Kulturen. Friedrich II. von Hohenstaufen, Berlin
    1991.

  • van Eickels, K. und Brüsch, T., Kaiser Friedrich II. Leben und Persönlichkeit in Quellen
    des Mittelalters, Düsseldorf 2000.

  • Hechelhammer, B., Kreuzzug und Herrschaft unter Friedrich II., Ostfildern 2004.
  • Hiestand, R., Friedrich II. und der Kreuzzug, in: Friedrich II. Tagung des Deutschen
    Historischen Instituts in Rom im Gedenkjahr 1994, hrsg. von Arnold Esch und Norbert
    Kamp, Tübingen 1996.

  • Kluger, H., Hochmeister Hermann von Salza und Kaiser Friedrich II., Marburg 1987.
  • Mayer, H.-E., Geschichte der Kreuzzüge, Stuttgart 1980.
  • Mitteis, H., Die deutsche Königswahl. Ihre Rechtsgrundlagen bis zur goldenen Bulle,
    Brünn/München/Wien ²1944 ND 1981.

  • Nette, H., Friedrich II. von Hohenstaufen in Selbstbildnissen und Bilddokumenten,
    Hamburg 1975.

  • Rall, H. und Rall, M., Die Wittelsbacher in Lebensbildern, Regensburg 1986.
  • Runciman, S., Geschichte der Kreuzzüge, München 1983.
  • Selge, K.-V., Die Ketzerpolitik Friedrichs II., in: J. Fleckenstein (Hrsg.), Probleme um
    Friedrich II., Sigmaringen 1974, S. 309-343.

  • Stürner, W., Friedrich II., Teil 1: Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland
    1194-1220, Darmstadt 1992.

  • Stürner, W., Friedrich II., Teil 2: Der Kaiser 1220-1250, Darmstadt 2000.

Fußzeilen

  1. Vgl. Hechelhammer, B., Kreuzzug und Herrschaft unter Friedrich II., Ostfildern 2004, S. 18.
  2. Pertz, G. (Hrsg.), Reineri Annales, Monumenta Germaniae Historia SS 16, Stuttgart 1994, S. 673.
  3. Alle Übersetzungen vorgenommen durch Christian Behrens.
  4. Huillard-Bréholles J.-L. (Hrsg.), Historia Diplomatica Friderici Secundi, Band III, Torino 1963, S. 39.
  5. Hechelhammer, Kreuzzug und Herrschaft, S. 54.
  6. Waitz, G. (Hrsg.), Annales S. Pantaleonis, Monumenta Germaniae Historica, SSrG 18, Hannover 1880, S. 236.
  7. Hechelhammer, Kreuzzug und Herrschaft, S. 55.
  8. Nette, H., Friedrich II. von Hohenstaufen in Selbstbildnissen und Bilddokumenten, Hamburg 1975, S. 15.
  9. Stürner, W., Friedrich II., Teil1: Die Königsherrschaft in Sizilien und Deutschland 1194-1220, Darmstadt 1992,
    S. 178.

  10. Vgl. van Eickels, K. und Brüsch, T., Kaiser Friedrich II. Leben und Persönlichkeit in Quellen des Mittelalters,
    Düsseldorf 2000, S. 84.

  11. Hiestand, R., Friedrich II. und der Kreuzzug, in: Friedrich II. Tagung des Deutschen Historischen Instituts in
    Rom im Gedenkjahr 1994, hrsg. von Arnold Esch und Norbert Kamp, Tübingen 1996, S. 131.

  12. Vgl. Hechelhammer, Kreuzzug und Herrschaft, S. 41f.
  13. Vgl. Selge, K.-V., Die Ketzerpolitik Friedrichs II., in: J. Fleckenstein (Hrsg.), Probleme um Friedrich II.,
    Sigmaringen 1974, S.

  14. Mayer, H.-E., Geschichte der Kreuzzüge, Stuttgart 1980, S. 195f.
  15. Winkelmann, E. (Hrsg.), Acta imperii inedita, Bd 1, Insbruck 1880, S. 127.

  16. Vgl. van Eickels, K. und Brüsch, T., Kaiser Friedrich II., S. 85.
  17. Siehe MGH, SS16, S.673.
  18. Vgl. van Eickels, K. und Brüsch, T., Kaiser Friedrich II., S. 86ff.
  19. Vgl. Hechelhammer, B., Kreuzzug und Herrschaft, S. 78f.
  20. Vgl. Mayer, H.-E., Geschichte der Kreuzzüge, S.194f.
  21. Siehe Acta imperii inedita, Bd 1, S. 127.
  22. Vgl. Hechelhammer, B., Kreuzzug und Herrschaft, S. 90f.
  23. Abulafia, D. Herrscher zwischen den Kulturen. Friedrich II. von Hohenstaufen, Berlin 1991, S. 132.
  24. Vgl. Historia diplomatica, Bd 1,2, S. 630f.
  25. Siehe Hechelhammer, B., Kreuzzug und Herrschaft, S. 102.
  26. Stürner, W., Friedrich II., Teil 1, S. 186.

  27. Mitteis, H., Die deutsche Königswahl. Ihre Rechtsgrundlagen bis zur goldenen Bulle, Brünn/München/Wien
    ²1944 ND 1981, S. 146

  28. Rodenberg, C. (Hrsg.), Epistolae Saeculi XIII Pontificum Romanorum, Monumenta Germaniae Historica, Bd
    I, Weidmann 1883, Nr.106, S. 76.

  29. „super eo autem“, Historia Diplomatica, Bd 1,2 S.804.
  30. ebenda S.802-805.
  31. ebenda S. 805f.
  32. MGH Epp. saec. XIII, Bd I, Nr. 116, S. 83.
  33. Hechelhammer, B., Kreuzzug und Herrschaft, S. 114.

  34. Vgl. van Eickels, K. und Brüsch, T., Kaiser Friedrich II., S. 102 sowie Stürner, W., Friedrich II., Teil 1, S. 248.
  35. Stürner, W., Friedrich II., Teil 1, S. 248.
  36. Weiland, L.(Hrsg.), Constitutiones et Acta Publica Imperatorum et Regum, Monumenta Germaniae HIstorica, Bd. II, Hannover 1896 Nr. 85, S. 106.
  37. „licet non inciderimus in latam sententiam impedimentis evidentibus prepediti…” Acta imperii inedita, Bd 1, S. 245.
  38. MGH, SS 16, S. 678.
  39. van Eickels, K. und Brüsch, T., Kaiser Friedrich II., S. 111.

  40. Holder-Egger, O. und von Simson, B. (Hrsg.), Die Chronik des Propstes Burchard von Ursberg, Monumenta Germaniae Historica SSrG 16, Hannover und Leipzig ²1916, S. 114.
  41. MGH Epp. saec. XIII, Bd I, Nr. 146, S. 104.
  42. Historia Diplomatica, III, S. 40.
  43. Vgl. Rall, H. und Rall, M., Die Wittelsbacher in Lebensbildern, Regensburg 1986, S. 30.
  44. Vgl. Hechelhammer, B., Kreuzzug und Herrschaft, S. 123.
  45. MGH Epp. saec. XIII, Bd I, Nr. 176 S. 123.

  46. Vgl. Stürner, W., Friedrich II., Teil 2, S. 86.
  47. Vgl. Runciman, S., Geschichte der Kreuzzüge, München 1983, S. 942f.
  48. ebenda S. 945.

  49. Historia Diplomatica, Bd II/I, S.207.
  50. ebenda, Band III, S.40f.
  51. MGH Epp. saec. XIII., 1, Nr. 194 S. 136ff.
  52. Hechelhammer, B., Kreuzzug und Herrschaft, S. 132.
  53. MGH Epp. saec. XIII, 1, Nr. 225 S.153.

  54. Vgl. Stürner, W., Friedrich II., Teil 2, S. 93.
  55. Vgl. Kluger, H., Hochmeister Hermann von Salza und Kaiser Friedrich II., Marburg 1987, S. 36.
  56. MGH Const. 2, S.129ff Nr 102.
  57. Historia diplomatica, Bd III, S. 44.
  58. MGH Epp.saec. XIII, 1, S. 281ff.
  59. Jaffé, P. (Hrsg.), Notae S. Emmerammi, in: Monumenta Germaniae Historia, SS 17, Stuttgart 1990, S.574.
  60. MGH SSrG 16, S. 121-124.
  61. Stürner, W., Friedrich II., Teil 2, S. 143.
  62. ebenda S. 142f.
  63. MGH Epp. Saec. XIII, 1, Nr. 831 S. 731.
  64. siehe Runciman, S., Geschichte der Kreuzzüge, S. 964.

  65. Vgl. Hechelhammer, B., Kreuzzug und Herrschaft, S. 294 und Runciman, S., Geschichte der Kreuzzüge, S. 963.
  66. Hiestand, R., Friedrich II. und der Kreuzzug, S. 134.

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