Der Teufel im Mittelalter

Grundlegendes

Wir kennen heutzutage den Teufel als rotes Geschöpf mit Schwanz, Hörnern und Hufen. Mit seinem Dreizack wird er sinnbildlich für alle Schrecken dargestellt. Jedoch sah der Teufel nicht immer so aus. In der Vorstellung früherer Epochen wandelte sich das Bild des Teufels von dem eines von Gott verbannten Engels am Anfang bis hin zu der uns bekannten Gestalt heute. Auch die Boshaftigkeit des Teufels wurde mit der Zeit immer schlimmer. Ursprünglich beeinflusste der Teufel die Menschen nur indem er sie verführte. Übrigens war der Teufel von Anfang an gar kein Wesen, es gab einfach Vorstellungen von schlimmen Dingen, die eine Verkörperung brauchten.

Inhalt


Der Teufel im Christentum

Die Vorstellungen über den Teufel sind uneinheitlich, es gibt viele Namen, wie aus dem griechischen Diabolos (übersetzt: Verwirrer), aus dem hebräischen Satan (übersetzt: Ankläger) oder dem lateinischen Luzifer (übersetzt: Lichtbringer).

Ritter, Tod und Teufel

Bild 78: Ritter, Tod und Teufel (von Albrecht Dürer, 1513). Der Ritter reitet mit seinem Hund, der Treue versinnbildlicht, einen Weg entlang. Ihn begleitet der Tod auf einem alten, kranken Pferd und eine Teufelsgestalt aus verschiedenen Tieren. Die Eidechse am unteren Bildrand versinnbildlicht Gottestreue. Deutung: Der Ritter reitet in Gottestreue gegen Jerusalem, immer den Tod auf seinen Fersen und der Teufel wartend wegen Untaten.


Die deutschen Heiden und der Wandel der Sichtweise ihrer Götter

Bevor das Christentum in Deutschland einzog, gab es eine eigene deutsche Mythologie. Die Verehrung der Natur und ihrer Elemente führte zu vielen verschiedenen Geschichten und Vorstellungen über Götter. Naturkatastrophen und besondere Ereignisse wurden nicht auf eine böse Macht geschoben, sondern zeugten von eigenem Vernachlässigen der Götter, Elben, Trolle, usw. Es gab keine urbösen Gestalten, alle Wesen hatten gute und schlechte Seiten. Eine Art schrecklicher Teufel, wie wir ihn heute kennen, einen bösen Gott oder eine immerzu zerstörerische Gewalt, gab es nicht.

Die Götter der heidnischen Deutschen wurden dann aber von der katholischen Kirche nach und nach dämonisiert, also als besonders schlecht dargestellt. Die Zauberer und Heiler der Heiden wurden bald mit dem Teufel in eine Ecke gerückt, da sie ein Gegengewicht zur Heilkunde der christlichen Klöster waren und deshalb verdrängt werden mussten. Das Bild, das die Menschen von den heidnischen Göttern hatten, wurde also durch dir Kirche dämonisiert, denn anfangs kämpften die heidnischen Götter (die Asen) mit Jesus gemeinsam gegen verschiedene Dämonen und den Teufel. Nachdem sich das Christentum immer mehr gefestigt hatte, wurden die heidnischen Götter immer mehr verdrängt, bis sie mit dem Teufel gleichgesetzt waren.


Der Teufel und die Bibel

Die Bibel schreibt anfangs nicht direkt über einen Teufel, sondern der Teufel wird umschrieben; als Herr der Fliegen oder Antichrist nimmt er in der Bibel erheblichen Einfluss auf die Menschen. Der Teufel ist ein gefallener Engel, er wollte dieselbe Macht wie Gott erreichen. Gott gewann aber die Schlacht im Himmel und verbannte ihn in die Hölle. Nach diesem Vorfall versuchte der Teufel immer wieder, die Schöpfung Gottes zu stören und zu verführen, wie z.B. in Gestalt der Schlange im Paradies, die Eva zum Kosten von der verbotenen Frucht verführt. Der Teufel prüft im Alten Testament den gottesfürchtigen Hiob auf seinen Glauben zu Gott: Hiob hat alles, was man braucht: einen Hof, Untergebene, eine Familie, usw. Der Teufel behauptete, dass Hiob nur Gott huldigt, da er nichts misst im Leben, daraufhin lässt Gott dem Teufel freie Hand und dieser nutzt die Möglichkeit, lässt Hiobs Frau und Kinder sterben, ihn krank werden, Hiob wird von Räubern überfallen, verliert alles auf dieser Welt. Doch bleibt er trotzdem Gott treu, sodass der Teufel seine Behauptung zurückzieht. Hier wird ein negativer, böser Einfluss des Teufels erkennbar.

Der Teufel wird vom Engel Michael gefesselt

Bild 80: Der gefesselte Teufel / Das himmlische Jerusalem (entstanden von 1530 bis 1532 von Matthias Gerung)

Seit der Vertreibung der Menschen aus dem Paradies gelten Frauen als anfälliger gegenüber dem Teufel, da Eva im Paradies vom Teufel in Schlangengestalt verführt wurde, von den verbotenen Früchten zu essen. In der Bibel werden die Frauen auch im 1. Timotheus 2 angewiesen, sich nicht zu schmücken, Untertan zu sein und niemals einem Manne Herr sein. Mit der Begründung, dass Adam nicht verführt wurde, sondern Eva zuerst die Grenze des Verbotenen übertreten hatte.


Der Teufel als Erziehungsmethode

Wie schon erkennbar wird der Teufel als „Erziehungsmethode“ immer wieder eingesetzt. Diese Methode, die auf Angst basiert, ist vor allem im Hochmittelalter sehr präsent gewesen. Der Teufel, als Gegenpart zu dem absolut liebenden Gott, wurde so immer mehr unmenschlich böse, zum Verführer. Er wird zunehmend dargestellt als absolut hässliche Figur, welche zusätzlich Attribute von verschieden Tieren an ihrem Körper hat, wie Hufe oder Hörner. Diese Unterscheidung zwischen Gut und Böse ist in den polytheistischen Götterwelten nicht vonnöten gewesen, da jeder Gott gute wie schlechte Seiten hatte und beide ausleben konnte.

Die größte Veränderung der Gestalt des Teufels fand in der Zeit der Hellenisierung der jüdischen Städte in Palästina um 30 v. Chr. statt. Zu dieser Zeit glaubten die Menschen an einen nahenden Messias, welcher die Gerechtigkeit zurück in die Welt bringen sollte und ein Endgericht schafft. Die Entstehung des Christentums beeinflusste die weitere Darstellung. Es gab nun den Glauben an einen Dualismus zwischen Gut und Böse, zwischen Gott und dem Teufel. Mit dem Teufel gab es nun einen Schuldigen an allem Bösen, eine Apokalypse zum Untergang der Welt, eine Teilung in gerechte und ungerechte Menschen und somit die Schaffung von Schuld und Buße. Die Menschen nehmen diesen neuen Glauben auf und durch die weite Verbreitung kam dieser Dualismus auch nach Deutschland.

Der Teufel erhielt ab Beginn des Mittelalters an immer mehr an Bedeutung.Die katholische Kirche versuchte die Menschen mit schrecklichen und hässlichen Bildern über den Teufel die einfache Bevölkerung in Angst und Schrecken zu halten, um ihnen ein Bild der Hölle zu machen. Im Jahre 1235 wurde die Folter im Kampf gegen den Teufel eingesetzt, jedoch nicht ohne den Hintergedanken der katholischen Kirche konkurrierende Kirchen, wie die Kartharer oder Waldenser, zu denunzieren und zu verfolgen. Anschuldigungen mit dem Teufel zu paktieren oder mit schwarzer Magie Tiere oder Felder zu beschwören reichten aus, um durch Folter zu einem Geständnis zu zwingen. Dieser Kampf gegen andere Gruppierungen und unliebsame Personen musste durch immer neue Geschichten und Ängste aufrecht gehalten werden.


Die Hölle

Durch die genauere Beschreibung des Teufels wurde auch die Schaffung und Ausschmückung der Hölle ein immer wichtigeres Anliegen der Kirche. Während des Mittelalters hat die katholische Kirche eine strenge Zensur für Künstler eingeführt, um unliebsame Gedanken fern zu halten. Jedoch galt diese Zensur nicht für die Ausschmückung der Hölle mit grässlichen und grausamen Gestalten sowie Foltermethoden und Leiden. Deshalb entwickelte sich eine ganze Künstlerszene die zumindest in diesem Bereich sich frei ausleben konnte.

Die Hölle wird als Gegenpart zum Himmel gesehen. Alle Sünder und Büßer werden in dieser auf ewig leiden, gefoltert und gequält. Es wurden sogar Lagepläne und Grundrisse der Hölle angefertigt, um die Menschen immer mehr an die Existenz der Hölle zu gewöhnen. Die Fantasie ließ die Hölle immer weiter gestalten: sie liegt im Erdinnern, ist dauerhaft heiß und qualvoll. Der Teufel versuchte auch immer wieder, die Seelen der Menschen durch einen Vertrag zu bekommen, diese Menschen mussten den Teufel als ihren „Herrn“ anerkennen, erhielten aber dafür Macht, Geld und sexuelle Befriedigung.


Die Teufelsaustreibung

Da es den Teufel als bösen Gegenspieler zu Gott gibt, muss es auch eine Möglichkeit geben, den Teufel wieder auszutreiben, den Exorzismus. Hier versuchen Priester oder Heilige einen menschlichen Körper von einem Dämon oder dem Teufel zu befreien, welche den Besitz des Körpers übernommen haben. Die Dämonenaustreibung geht auf das Neue Testament zurück, in Matthäus 8, Markus 5 und Lukas 8 wird über sie berichtet. Auch steht in der Bibel, dass man dem Teufel Widerstand leisten müsse, dann würde er weichen.

Die Teufelsaustreibung hat nach vorgegebenen Ritualen abzulaufen. Der Exorzist muss ein weiser Geistlicher sein, vor der Teufelsaustreibung muss er gefastet und gebetet haben und von einem Bischof autorisiert sein. Zusätzlichmuss die verdächtige Person geprüft werden, ob dieser wirklich von einem Dämon befallen ist. Abnormale Krankheiten oder auffälliges Verhalten, das Sprechen fremder oder alter Sprachen, eine übernatürliche Kraft und eine unbegründete Abneigung gegenüber Gott sind Anzeichen, vom Teufel besessen zu sein. Bei Weihwasser, dem christlichen Kreuz oder dem Vortragen heiliger Texte beginnt der oder die Besessene zu toben und zu fluchen. Es werden dem Teufelsopfer Fragen zu Anzahl und Aussehen der Dämonen gestellt, ein Kreuz, Weihwasser und Reliquien müssen immer in der Nähe sein. Während des Austreibens der Dämonen oder Geister muss die ganze Zeit gebetet werden, hierbei muss herausgefunden werden, welcher Dämon den Betroffenen plagt und ihm mit den Worten „Weiche Satan!“ befehlen, aus dem Körper zu gehen. Formeln und Gebete unterstützen die Austreibung. Doch nicht nur Menschen können von Dämonen besessen sein, auch Tiere und Gegenstände waren nicht vor ihnen gefeit.


Das Aussehen des Teufels

Im frühen Mittelalter wurde erst ab dem 10. Jahrhundert der Teufel in Bildern gezeigt. Anfangs sah der Teufel schrecklich und grausam aus, herrschte folternd in der Hölle mit vielen anderen Dämonen. Ab dem 12. Jahrhundert geriet die Figur des Teufels von dem Urbösen zu einer komischen Gestalt. Er wurde immer mehr dumm dargestellt, öfter auch vertrieben bis er im 15. Jahrhundert sogar zur Volksbelustigung diente.

Der Teufel benutzt Mönche als seinen Dudelsack

Bild 79: Der Teufel benutzt Martin Luther als seinen Dudelsack. Karikatur von Eduard Schön, die verbildlichen soll, dass Luther das sagt, was der Teufel ihm „einbläst“. Der katholische Zeichner wollte somit gegen die Lehre des Protestantismus aufwarten. Die Tonsur spielt auf Luthers Zeit als katholischer Mönch an – und somit auch darauf, dass er seine Gelübde gebrochen hatte.

Die Gestalt des Teufels änderte sich auch über die Zeit erheblich. Kennen wir den Teufel heute als rote Gestalt mit Hörnern und Schwanz, mal stark und brutal, mal süß und niedlich, manchmal sogar als weibliche, sexbesessene Teufelin, so war der Teufel im Mittelalter anfangs ein gefallener Engel. Bis ins 10. Jahrhundert wurde er in Kirchen nicht abgebildet, erst in der Romanik (950 bis 1250) wurden erste Bilder vom Teufel gezeigt, jederzeit als völlig irreal oder als Wahnvorstellung. Nach und nach entwickelte sich sein Aussehen mit Bockfuß, Ziegenbart, Flügeln und einem Schwanz, teilweise mit Pfeilspitze am Ende. In der Zeit von 1140 bis 1500, der Gotik, wurde der Teufel in vielen Kirchen dargestellt, hier erschien er nun als Schlange oder Ungeheuer, Fratzen des Teufels wurden auch an privaten Häusern dargestellt. In Parks werden viele Wasserspeier erbaut und als Portalfigur wird der Teufel häufig dargestellt.


Die Wissenschaft und der Teufel

Da die Wissenschaft teilweise den Ansichten der katholischen Kirche widersprach, musste diese darauf reagieren. Um ihre Macht nicht zu verlieren, ließ sie alle Wissenschaftler als Partner des Teufels nennen, welche auch von ihm heimgesucht werden. Viele Wissenschaftler forschten aber im Geheimen weiter und tauschten sich auch untereinander aus. Diesen Ungehorsam gegenüber der katholischen Kirche hat diese mit härtesten Strafen belegt, doch hatten die Wissenschaftler oft die Möglichkeit, ihren Aussagen zu widersprechen und konnten sich so retten.

Augustinus und der Teufel

Bild 81: Der heilige Augustinus und der Teufel. Ölgemälde von Michael Pacher 1471-1475.

Quellen

  • Die Informationen zu diesem Beitrag wurden aus verschiedenen Fachbüchern zusammengetragen. Leider existiert diese Literaturliste nicht mehr. Wer aber mehr Informationen über die Darstellung des Teufels erfahrn möchte, kann sich das Buch „Teufel, Geister und Dämonen: Das Unheimliche in der Kunst des Mittelalters“ besorgen:

One Comment:

  1. Was hier steht, mag zwar richtig sein, aber fairerweise denke ich sollte noch erwähnt werden, dass das, was Menschen taten, nicht unbedingt auch ihren Gott wahrlich vertritt.
    Auch finde ich, dass die „eigene deutsche Mythologie“ zu sehr so dargestellt wird, als ob sie besser war, als das, was mit der katholischen Kirche dann kam. Ich behaupte nicht, dass das nur besser war, aber es war bestimmt auch nicht schlechter als die Menschen es vorher hatten. Es war schon immer im Menschen selbst drinnen, vorherrschen zu wollen, über anderen zu stehen bis zu dem Punkt von Unterdrückung. Und wie auch heutzutage, konnten damals manche Menschen sich besser beherrschen als andere. Wut, Eifersucht und dergleichen da bin ich mir sicher, haben auch damals schon manche in sich so übernehmen lassen, dass sie gewalttätig reagierten – die Menschen haben sich darin nicht verändert, ganz bestimmt nicht, auch nicht darin, eine grausame Ader auszuleben.
    Und wenn Sie die Bibel mit einem offenen Verstand lesen, werden sie mit Martin Luther übereinstimmen, dass da vieles nicht so praktiziert wird, wie es Gott wollte und in seinem Wort festlegte.
    Nur weil wir heutzutage aufgeklärt und realistisch sind – oder uns es einbilden zu sein – bedeutet das ja nicht, dass die geistige Welt nicht existiert. Die geistige Welt, also Gott, Engel und auch gefallene Engel, die zu Dämonen wurden.
    Ich habe über unser heutiges rationales Denken hier etwas geschrieben, wenn es Sie interessiert:
    https://esgibtkeinengott.wordpress.com/2014/02/23/trans-rationalsein/

    Es ist gut, über alles zu informieren, aber dann sollte man alle Seiten erwähnen – auch Engel und Menschen die Gutes getan haben, nicht nur die katholische Kirche als Übel aller Zeiten darstellen. Die Wahl die jeder einzelne Mensch in seinem Leben trifft, macht das Übel oder das Gute – und diese Wahl hat uns Gott gegeben. Er wollte uns nicht bevormunden, sondern hat uns einen Verstand gegeben, (und auch sein Wort, die Bibel, nach dem wir uns richten können), mit dem wir Entscheidungen treffen sollen.

    Übrigens vertrete ich die Anschauung, dass die Welt genug Hölle kennt, so lasst ihr uns ein wenig mehr Himmel zeigen!

    Der Gott der Liebe segne Sie!
    Charle

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