Die Muslimische Expansion in Frankreich (ab 719)

719 Eroberung von Narbonne

Im Jahr 711 fielen muslimische Truppen aus Berbern und Arabern in Spanien und Portugal ein und eroberten fast die gesamte iberische Halbinsel, wo sich zuvor die christlichen Westgoten niedergelassen hatten. Spanien und Portugal standen zu dieser Zeit also unter muslimischer Herrschaft und der Eroberungsdrang der Muslime führte dazu, dass sie zum ersten Mal die Pyrenäen überquerten und damit die Freiheit des gesamten europäischen Festlandes bedrohten. Die hierauf folgende Entwicklung der muslimischen Expansion entscheidet also auch darüber, ob West- und Mitteleuropa in den folgenden Jahren ebenfalls unter muslimische Herrschaft fallen.

Narbonne war damals die Hauptstadt Septimaniens, einem Gebiet in Südfrankreich, das sich von den Pyrenäen entlang der Mittelmeerküste Richtung Osten erstreckte. Als Zama, der Statthalter des Kalifen in Spanien, ein muslimisches Heer über die Pyrenäen führte und auf Narbonne traf, kam es zu einer Schlacht. Die Einwohner von Narbonne verteidigten ihre Stadt mit allen Kräften, doch die muslimische Übermacht war zu stark und die Stadt fiel. Daraufhin töteten die Angreifer alle Einwohner von Narbonne und bevölkerten danach die menschenleere Stadt mit muslimischen Einwohnern neu.

Mit Narbonne als Zentrum konnte Zama weitere Truppen aussenden und das gesamte Umland erobern. Auf diese Weise unterwarf er das gesamte christliche Septimanien, und legte den gotischen Einwohnern Tributzahlungen auf. [1, S. 250]

720 Schlacht bei Toulouse

Zama, der zuvor Narbonne erobert und die Region Septimanien in Südfrankreich unterworfen hatte, drang auf Befehl des Kalifen in Aquitanien ein und belagerte Toulouse. Aquitanien war damals eine große Region, die den Südwesten Frankreichs bildete. Odo, der Herzog von Aquitanien, wurde über die Belagerung unterrichtet und stellte ein Heer zusammen. Mit diesem zog er Richtung Toulouse, um die Stadt von der muslimischen Bedrohung zu befreien.

Vor den Mauern der Stadt kam es zu einer erbitterten Schlacht, die mit der Niederlage der Muslime endete. Zama selbst wurde getötet und das reichhaltige Gepäck der Angreifer fiel in die Hände der Aquitanier. [1, S. 251]

725 Eroberung von Nimes und Carcassonne

Ambiza (’Anbasa ibn Suhaym al-Kalbi), der neue Statthalter des Kalifen in Spanien, führte ein muslimisches Heer über die Pyrenäen und eroberte Carcassonne und Nimes im Süden Frankreichs entlang der Mittelmeerküste ohne auf beachtlichen Widerstand zu stoßen. [1, S. 251]

725 Eroberung von Autun (22. August)

Ambiza zog durch ganz Burgund ohne auf Widerstand zu stoßen und eroberte weite Teile des Landes. Burgund zog sich damals bis nach Zentralfrankreich hinauf und grenzte an das Elsaß – die Bedrohung auch für heutige deutsche Gebiete war dadurch enorm.

Die burgundische Stadt Autun, in Richtung des heutigen Ostfrankreich gelegen, musste sich gegen einen Angriff der Muslime mit aller Kraft verteidigen. Jedoch war die muslimische Stärke zu groß, so dass Autun am 22. August von den Muslimen erobert und geplündert wurde. Ambiza konnte daraufhin mit reichhalitiger Kriegsbeute beladen nach Septimanien zurückkehren. [1, S. 251]

731 Belagerung und Eroberung von Arles

Abd ar-Rahman war der Statthalter des Kalifen von Córdoba. Er drang über die Rhone vor und belagerte Arles im heutigen Südfrankreich. Nachdem die Einwohner der Stadt mehrere Angriffe der Muslime abgewehrt hatten, sandten sie nach Hilfe bei Karl Martell aus, der ein fränkisches Heer zur Rettung von Arles aussandte.

Aber Abd ar-Rahman dem fränkischen Heer entgegen und überzog es mit einer blutigen Niederlage. Daraufhin setzte er die Belagerung von Arles ungehindert fort und eroberte die Stadt im Sturm. Er ließ die Stadt plündern und alle Einwohner massakrieren. [1, S. 253]

731 Belagerung von Sens

Abd ar-Rahman drang an der Spitze eines muslimischen Heeres bis nach Sens-sur-Seille vor, das westlich der heutigen Schweiz in Ostfrankreich liegt. Er belagerte die Stadt, aber Bischof Odo konnte die Einwohner ermutigen, die Angriffe der Muslime abzuwehren und sie sogar mit einem Ausfall in die Flucht schlagen. [1, S. 253]

732 Eroberung von Bordeaux

Abd ar-Rahman überschritt mit einem maurischen Heer die Pyrenäen aus der Richtung von Pamplona und drang durch das Land der Basken in Gallien ein. Er griff Bordeaux im heutigen Westfrankreich an, eroberte die Stadt im Sturm, ließ sie vollständig plündern und die Einwohner töten. [1, S. 253f]

732 Schlacht an der Dordogne

Herzog Odo von Aquitanien zog sich vor den übermächtigen Muslimen hinter die Dordogne zurück. Aber Abd ar-Rahman folgte ihm, griff ihn an und schlug seine Streitkräfte mit entsetzlichen Verlusten. Nach dem Tod er meisten seiner Männer floh Herzog Odo zu Karl Martell ins Frankenland, was seine einzige Rettung war. [1, S. 253]

732 Schlacht bei Tours und Poitiers

Nach der Niederlage des Herzogs Odo von Aquitanien an der Dordogne verwüsteten die Mauren ungehindert Perigord, Saintogne, Angoumois und Poitou im heutigen Westfrankreich. Die Muslime hatten also schon das heutige Süd- und Westfrankreich unter ihre Gewalt gebracht und bedrohten somit auch Mitteleuropa mit dem heutigen Deutschland. Bei Tours und Poitiers sollte es zur Entscheidungsschlacht kommen. mehr…

733 Niederlage der Araber

Abd al-Malik, Statthalter von Spanien, beschloss den Krieg gegen die Franken in Aquitanien fortzusetzen. Als er seine Truppen in Richtung Pyrenäen in Marsch setzte, bereiteten sich die dortigen Gebirgsvölker auf die Ankunft der Araber vor. Sie besetzten die Engpässe und Schluchten und warteten auf die Ankunft der muslimischen Feinde.

Das muslimische Heer zog mit wenig Vorsicht durch die Schluchten und wurde überrascht, als von allen Seiten Pfeile und Felsbrocken auf sie herabregneten. Nur wenige entkamen dem Tod, woraufhin Abd al-Malik das Vorhaben aufgab und sich nach Córdoba zurückzog. [1, S. 255]

737 Belagerung und Eroberung von Avignon

Karl Martell hatte Maurontius den Oberbefehl über die fränkischen Truppen in Avignon übertragen. Aber Mautontius lieferte die Stadt den Arabern unter dem Statthalter Abd al-Malik aus, den der Feldherr Ottman mit einem Truppenkorps nach Avignon schickte. Als Karl Martell von diesem Verrat erfuhr, versammelte er ein Heer und schickte eine Vorhut voraus. Diese zog unter dem Befehl seines Anverwandten Childebrands nach Avignon und belagerte die Stadt, die von den Arabern heftig verteidigt wurde. [1, S. 256]

737 Schlacht am Fluss Berre

Nachdem Karl Martell die Araber aus Avignon vertrieben hatte, zog er nach Narbonne. Als er erfuhr, dass Abd al-Malik ein Heer unter Amru zur Unterstützung der Stadt gesendet hatte, rückte Karl dem Heer des Amru entgegen. Am Fluss Berre, einige Kilometer von Narbonne entfernt, traf er auf das Heer der Araber, die er ohne zögern angriff.

Den ersten gewaltigen Vorstoß der Franken fingen die Araber ab. Aber als kurz darauf ihr Feldherr Amru getötet wurde, flohen sie in wilden Haufen. Viele der Flüchtenden wurden von den fränkischen Kriegern eingeholt und abgeschlachtet. Ein Teil der Araber versuchte, sich auf Schiffe zu retten, fielen aber mit den Schiffen der fränkischen Flotte in die Hände. [1, S. 256f]

739 Eroberung von Avignon

Karl Martell eroberte Avignon, das von den Arabern besetzt war und zwang ihren Verbündeten, Herzog Maurontius, zur Flucht ins Gebirge. [1, S. 257]

759 Belagerung von Narbonne

Die Araber hatten sich in Narbonne festgesetzt. Der fränkische König Pippin zog mit seinem Heer vor dise Stadt und belagerte sie. Aber die Muslime verteidigten sie mit solchem Nachdruck, dass Pippin sein Ziel nur durch Verrat erreichen konnte.

Er setzte sich mit den christlichen Einwohnern von Narbonne in Verbindung und vereinbarte einen hinterhältigen Pan: Auf ein Zeichen hin überfielen die Einwohner die muslimischen Verteidiger der Stadt und töteten sie bis auf den letzten Mann. Daraufhin öffneten sie den Franken die Tore und Narbonne kam nach 40 Jahren muslimischer Herrschaft unter fränkische Oberherrschaft. [1, S. 264]

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