Geschichte der Hexenprozesse

Einführung

Da die Geschichte der Hexenprozesse auch ins Mittelalter hineinreicht, wollen wir an dieser Stelle darauf eingehen – selbst wenn die Hochzeit der Hexenverfolgung erst nach dem Mittelalter beginnt. Die Anfänge der Hexenverfolgung finden sich in der Antike, das Ende war erst in der Neuzeit. Im Alten Testament wird aufgefordert, eine Hexe nicht am Leben zu lassen. Im Neuen Testament wird nicht über Hexen geredet. Grundlage für die Hexenprozesse war die Angst der Menschen, dass eine Verschwörung gegen die Christenheit durch den Teufel in Gang war. Drei Viertel der angeblichen Hexen waren Frauen. Vereinzelt wurden auch Kinder verurteilt.

Inhalt

Die karolingische Zeit bis zum Hervortreten der Hexenprozesse

Gesetze gegen die heidnische Hexenverfolgung

Der Klerus dieser Periode zeichnet sich nicht durch hohe Gelehrsamkeit aus, aber er versuchte, seine beschränkten Kreise mit Eifer und Liebe auszufüllen und darin ging auch der große Kaiser Karl Hand in Hand mit ihm. Es war eine richtige, später leider wieder verwischte, Aufklärung, wenn seine Kapitularien anerkannten, das so genannte Hexen- und Zauberwesen sei heidnischer Aberglaube. So lesen wir, um nur ein Beispiel anzuführen, in einer seiner Verordnungen: “Glaubt jemand, vom Teufel betrogen, nach heidnischer Weise, ein Mann oder ein Weib sei eine Hexe und esse Menschen und verbrennt er sie deshalb und gibt ihr Fleisch zum Verzehren, soll er am Leben bestraft werden.”

Die Zauberer wollte er eingezogen wissen, um sie zu belehren und zu bessern und nur, wenn sie hartnäckig auf ihrem Unsinn beharren, soll man sie mit Gefängnis, aber ja nicht am Leben strafen. Ein Aachener Konzil jener Zeit erklärt: “Wenn jemand glaubt, es stehe in der Gewalt eines Anderen, dass ohne die Einwirkung des Schöpfers seine Gestalt verändert wurde, so ist er ungläubiger als ein Heide.”

Rückschritte im Spätmittelalter

Man sieht, welch große Rückschritte spätere Zeiten in dieser Sache gemacht haben, so dass man diejenigen für ungläubiger als die Heiden hielt, die der Hexenriecherei nicht beipflichten wollten. Es geht eben im Großen wie im Kleinen, im Individuen- wie im Völkerleben: Ebbe und Flut im Guten und Schlimmen wechseln auch im sittlichen und intellektuellen Leben einander ab. Dagegen setzte der byzantinische Kaiser Leo, hundert Jahre nach dem abendländischen Kaiser Karl, die Todesstrafe auf alle angeblichen Zauberübungen. Noch 400 Jahre lang kamen im Abendland fast keine Hinrichtungen von Zauberern und Hexen vor und die wenigen, die vorkamen, waren ungesetzlich, ja der alte Hexenglaube schien sich zu vermindern. Schön und wahr sagt Soldan: “Mit einem gewissen Gefühl der Befriedigung dürfen wir Abschied nehmen von dem Zustand der Dinge im Abendland, wie er dem Schluss des 12. Jahrhunderts entgegen geht.

Wie schwer auch immer die Übel seien, die in anderer Hinsicht diese Zeit belasten, in einem Stück ist es besser geworden. Die Blutgesetze der christlich-römischen Kaiser sind vergessen; Staat und Kirche haben sich verbunden zu ernster, aber menschlicher Zucht für den bösen Willen oder die Torheit; Konzilien und Lehrer haben manchen althergebrachten Irrtum bekämpft und wenn auch nicht dem Zauberglauben überhaupt, doch dem Hexenglauben so viel Boden abgerungen, dass dieser in der Folgezeit nur fast schrittweise das Verlorene wieder erwerben kann. Nur am Hof von Byzanz vollendet sich zu blutiger Konsequenz, was Konstantin und seine nächsten Nachfolger in glücklicher Halbheit gelassen hatten.”

Beginn und Verlauf der Hexenprozesse

Aus den Resten altheidnischen Aberglaubens bildet sich der neuheidnische Aberglaube und wird vollständiger und schrecklicher. Das Wetter machen, Gestalt verändern, Krankheiten anhängen, unbegreifliches Kurieren und dergleichen hatte sich infolge allerlei Ketzerein und deren grausamen Verfolgungen erst zum Wahn eines Teufelsbundes ausgebildet und dieser sich bald zum Aberglauben der Teufelsbuhlschaft gesteigert. Das erste Beispiel soll im Jahr 1275 in Toulouse vorgekommen sein. Unter den dort lebendig Verbrannten war auch die sechsundfünfzigjährige Angela, Herrin von Labarthe. Sie gestand, ohne Zweifel auf der Folter oder im Angesicht der Folter, sie habe jede Nacht fleischlichen Umgang mit dem Satan gepflogen und daher ein Ungeheuer mit Wolfskopf und Schlangenschwanz geboren, zu dessen Ernährung sie in jeder Nacht kleine Kinder habe stehlen müssen. Doch minderten sich in Frankreich die Hexenprozesse wieder, noch bevor sie in Deutschland in ihrer größeren Ausdehnung auftreten.

Und hier hat die Kirche das unstreitige Verdienst wahrer Aufklärung; denn schon Papst Alexander IV. (1254-1261) versuchte, durch seine Verordnung das zu weit Gehen der Inquisition zu beschränken, einen geordneten Rechtsgang herzustellen und möglichste Milde eintreten zu lassen. Die Synode von Langres aber im Jahre 1404 trat dem Hexenwahn entschieden entgegen, indem sie nicht Strafen, sondern Belehrung und Disziplin für solche Vorkommnisse vorschrieb und sie als Betrügereien darstellte. Zugleich war es sehr klug, sehr milde Büßungen aufzustellen und dem Glauben entgegen zu wirken, dass der Mensch, der sich dem Teufel ergeben habe, durch keine Reue und Buße mehr dem Teufel entrissen werden könne.

Ab dem 15. Jahrhundert wird es „sehr ungemütlich“

Bis in das 15. Jahrhundert kamen, wie Wächter sagt, in Deutschland wohl hier und dort Prozesse wegen Zauberei vor und wurden Zauberer und Zauberinnen verurteilt. Vom Ende des 15. Jahrhunderts an ist Deutschland von einer wahren Hexenepidemie ergriffen. Da die Bulle Innozenz VIII. Vom 5. Dezember 1484 und später das Buch “Der Hexenhammer” erschienen, so wollte man kurzweg diesen beiden die Schuld aufbürden, was aber historisch falsch ist. Denn der volle Wahn war bereits da und die Deutschen berichteten so an den Papst, wie er denn richten musste.

Ungerechtigkeiten während den Hexenprozessen

Nun schien alles in Ordnung und zu Recht zu bestehen: der Wahn hatte sich eine legale Uniform angelegt und die Hexerei wurde für ein Ausnahmeverbrechen erklärt und danach behandelt. Hat man sich durch den Unsinn der zwei ersten Teile des Hexenhammers durchgearbeitet, so empört der dritte Teil geradezu jedes Rechtsgefühl. Hierfür nur ein Beispiel: Weil die Hexen oft aus Furcht vor der Todesstrafe nicht bekennen wollen, so werden allerlei Vorschläge gemacht, wie man ihnen versprechen könne, dass sie am Leben bleiben dürfen, wenn sie gestünden, ohne dass man dieses Versprechen halten müsse; es könne z. B. Ein Richter dieses Versprechen ablegen und dann das Todesurteil durch einen anderen Richter fällen lassen! Ein ganzes Buch könnte man allein darüber schreiben, was man nun für Verbrechen entdeckte und weil sie von den Angeklagten, wenn auch nur durch die fürchterlichen Qualen erpresst, eingestanden worden waren, geglaubt und bestraft wurden.

Die Feuerprobe an einer Hexe, während des Verhörs
Ein Raum voller Richter und Vollstrecker, die an einer beschuldigten Hexe eine Feuerprobe machen.
„Hexenverhör“ aus Bildersaal deutscher Geschichte : zwei Jahrtausende deutschen Lebens in Bild und Wort. – Stuttgart [u.a.], 1890. – Bd. 1

Mit Schmerz und Unwillen wendet man sein Auge ab von dem schrecklichsten der Schrecken, vom Menschen in seinem Wahn. Es gibt kaum einen Unsinn oder ein grausiges und schmutziges Fantasiestück, das nicht zu einem Bild entworfen und als Wahrheit ausgegeben worden wäre. Es schützte kein Alter, kein Geschlecht, kein Stand, keine Tugend, so dass man jetzt mit Recht sagen kann: “Da musste die Hölle im Spiel sein, eine solche Verblendung und Wut kann nur satanisch sein, eben weil an der Hexerei nichts war, zumindest nichts Reales; wenn man auch zugibt, dass zu allen Zeiten Hexereiversuche gemacht worden sind. So wenig, wie ich gewisse, zu Protokoll genommene, und wie man sagte, einbekannte Verbrechen dem Leser vorführen mag, weil sie dem Verstand der Menschheit zur Schmach gereichen, so wenig mag ich die unglaublich grausamen, ekelhaften und schamlosen Qualen und Torturen bei den Hexenprozessen jener Zeit verzeichnen, weil sie dem Herzen der Menschheit zur Schande gereichen. Können Jahrhunderte so tief fallen?Kann die Menschheit bis zu solchem Grad entwertet werden? Alle Leiden und Plagen, die über den Einzelnen oder ganze Völker ergehen, haben zuletzt ihren Sinn, Zweck und Nutzen; was aber gewann man durch die Hexenprozesse? Bis jetzt noch nicht einmal so viel, dass wir vor ähnlichen Erscheinungen ganz sicher sein können.

Zweifelhafte Überführungen der Hexen

Zwischen der ersten Einkerkerung der Hexe bis zu ihrem letzten Atemzug liegt ein unbeschreiblicher Weg voll Jammer und Elend. Ist es da ein Wunder, wenn selbst die Unschuld zusammenbrach und man alles zu Protokoll bekam, was man wünschte, wie z. B. Kinder von 7 bis 11 Jahren angaben, wie oft sie vom Teufel ein Kind bekommen haben. In wahrer Monomanie suchte und fand man. Bald schlug sich dazu noch Rache, Feindschaft, Wolllust und Habgier; denn Leib und Seele, Gut und Habe der Hexen waren verfallen und dem Raub vollständig preisgegeben. In allen Ländern lief es voll von Spähern: wen man wollte, zog man ein und wer eingezogen war, musste um jeden Preis überführt werden. Sah die eingezogene Person dem Richter in die Augen, so las er darin den Teufelsspuk; sah sie ihm nicht in die Augen, so war sie verdächtig; schlief sie lange, so war das ein Beweis, dass sie die Nacht über bei einem Hexentanz war; war sie traurig, so deutete das auf ihr Verbrechen hin; war sie heiter, so hatte das der Teufel bewirkt; ob sie erschrocken oder gefasst war bei ihrer Verhaftung – beides bezeugte ihre Schuld; hatte sie früher kein ganz ehrbares Leben geführt, so war das ein Beweis ihres Bundes mit dem Teufel; hatte sie bisher ehrbar und fromm gelebt, so war das nur ein Mittel zur Verheimlichung jenes Bundes gewesen; gestand sie, so musste sie elend sterben; gestand sie nicht, so musste sie sich zu Tode foltern lassen oder schließlich an Leib und Seele ganz gebrochen zum falschen Geständnis und dann erst zum Tode bringen lassen.

Die Schande der Hexenprozesse

Die Hexenprozesse und ihre unvertilgliche Schmach kann kein Land dem anderen, kein Glaube dem anderen, kein Stand dem anderen in die Schuhe schieben; denn er wütete in allen europäischen Ländern; er war in katholischen wie in nicht-katholischen Ländern zu Hause; der Theologe, Philosoph, Jurist, Arzt, Bürger und Bauer war von diesem Wahn ergriffen wie die untersten Volksschichten. Es sei mir erlaubt, die vor mir liegenden Berichte über jene Justizmorde einzelner Länder zu übergehen. Zu tausenden fielen solche Opfer in Deutschland. Schlussbemerkung: die traurigste Zeit Deutschlands, die des 30jährigen Krieges, zeigt die vollste, schrecklichste Ausdehnung der Hexenprozesse in den deutschen Ländern.

Quelle:

  • Carl Haas: Die Hexenprozesse: Ein cultur-historische Versuch nebst Dokumenten, ab Seite 1, Dübingen: H. Laupp’sche Buchhandlung Verlag, 1865

2 Comments:

  1. Hexen od Hexeriche?

    Ich war an der Weltaustelling der Hexen in Graz, 1987, uns wurde erzählt, dass viel mehr Männer als Hexeriche umgebracht wurden als Frauen, was stimmt jetzt? Danke T Grob

  2. nice ^^ allerdings ..

    Cool! Ich mache einen Vortrag darüber.. Schon traurig ):

    Frage: Könnte dazu eine „Biografie“ erschaffen werden? Wichtige Jahre mit kurzem stichpunkthaltigem Erklärungstext dazu.. DANKE!! <33

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