Heinrich I.

Heinrich I., der auch unter dem Namen Heinrich der Vogler bekannt war, lebte von 876 bis 936 und gehörte zum sächsischen Adelsgeschlecht Ottonen. Er war ab 912 Herzog von Sachsen und ab 919 König des Ostfrankenreichs.

Konrad I., Heinrichs Vorgänger, starb am 23. Dezember 918. Kurz vor seinem Tod rief er aber noch einmal seinen Bruder Eberhard zu sich. Heinrich bat seinen Bruder darum die königlichen Insignien, nach seinem Tod, an den Herzog von Sachsen, Heinrich, zu überreichen.

„Ich fühle Bruder, dass ich dieses Leben nicht länger behalten kann, da Gott es so befiehlt und eine schwere Krankheit mich bedrückt. Darum überlege bei dir selbst, sorge, was dich hauptsächlich angeht, für das ganze Frankenreich, und beachte meinen brüderlichen Rat. Wir können, Bruder, Truppen aufstellen und ins Feld führen, wir besitzen Burgen, Waffen, die königlichen Insignien und alles, was königliche Würde erfordert, aber wir haben kein Glück und keine Eignung. Das Glück, Bruder, ist mit der hervorragendsten Befähigung an Heinrich übergegangen, die Entscheidung über das Reich liegt bei den Sachsen. Deshalb nimm diese Abzeichen, die heilige Lanze (hat erst Heinrich erworben, J. R.), die goldenen Armspangen mit dem Mantel, das Schwert und die Krone der alten Könige, gehe zu Heinrich und mache Frieden mit ihm, damit du ihn immer zum Verbündeten hast. Denn warum ist es nötig, dass das Frankenvolk mit dir vor ihm zusammensinkt? Er wird wahrhaftig König sein und Kaiser über viele Völker. Nach diesen Worten starb der König, ein tapferer und mächtiger Mann, im Krieg wie im Frieden hervorragend, freigiebig, mild und mit allen Vorzügen ausgestattet.“1

Eberhard verzichtete auf die Krone, da sein Bruder nicht daran glaubte, dass sich seine Familie gegen die Sachsen auf Dauer durchsetzen konnten. Ob Eberhard diese Meinung teilte und ob er freiwillig auf die Krone verzichtete ist nicht überliefert. Doch die Macht, die Heinrich besaß, die konnte den Frieden und den Zusammenhalt im Reich sichern. Deshalb kam Eberhard dem Wunsch seines Bruders nach und rief Heinrich 919 in Fritzlar zum König aus. Als der Mainzer Erzbischof Heinrich die traditionelle Salbung anbot, lehnte dieser sie ab. Er begründete dies damit, dass ihm das Wohlwollen Gottes und der Wille der Versammlung genüge. Die Salbung sollte Würdigeren als ihm zuteil werden. Daraufhin erhoben alle Teilnehmer der Versammlungen ihren rechten Arm in den Himmel und riefen mehrfach laut den Namen des neuen Königs.
Laut der älteren Forschung war dies ein Akt, um die Unabhängigkeit von der Kirche zu demonstrieren. Die neuere Forschung tendiert aber dazu, dass sich Heinrich nicht hervorheben wollte und sich nicht über „die Großen“ stellte. Zu den Großen gehörten damals die Herzöge von Schwaben (mit Elsass), Franken (mit Hessen), Bayern und Lothringen. Heinrich legte viel Wert auf Kompromisse. Er wollte die Großen nicht gewaltsam unterwerfen, sondern sie für seine Politik gewinnen. Aus diesem Grund verhandelte er immer erst, bevor er als letzten Ausweg militärische Angriffe befahl. Um auf der Verhandlungsebene möglichst erfolgreich zu sein, knüpfte Heinrich so genannte Freundschaftsbindungen (amicitia). Dies waren familienähnliche Verbindungen, „künstliche Verwandtschaften“, die zur gegenseitigen Unterstützung verpflichteten und eine gewisse Gleichrangigkeit herstellten. Solche Bündnisse hegte Heinrich beispielsweise mit Herzog Burkhard von Schwaben und dem Bruder seines Vorgängers, Eberhard.
Heinrichs Amtszeit ist von Erfolgen geprägt. So wehrte er z. B. erfolgreich die Bedrohung Ungarns ab, in dem er 933 bei Riade an der Unstrut seinen größten Erfolg feierte.
Eigentlich war Heinrichs Nachfolge mit der karolingischen Tradition geklärt, die besagte, dass das Reich unter den Söhnen aufgeteilt wurde. Heinrich hatte vier Kinder. Einen Sohn (Thankmar), aus seiner ersten Ehe mit Hatheburg, sowie drei Söhne (Otto, Heinrich und Brun) aus zweiter Ehe mit Mathilde. Heinrich brach allerdings mit der Tradition und ernannte Otto zum Alleinerben. Er ließ seine erste Ehe annullieren, wodurch Thankmar keinen Anspruch mehr auf den Thron hatte. Brun schied automatisch als Thronfolger aus, da er Geistlicher war und Heinrich blieb zwar weltlich, ihm wurden aber keinerlei Aufgabengebiete zugesprochen. 929 bzw. 930 holte sich Heinrich persönlich bei den Herzögen die Zustimmung für diese neue Hausordnung, die besagte, dass künftig nur noch ein Sohn die Königswürde erhalten würde, der Älteste. Auch in seinem Testament 936 hielt Heinrich nochmals fest, dass sein Sohn Otto Thronfolger werden sollte.

Quellen:
– Rogge, Jörg: Die deutschen Könige im Mittelalter: Wahl und Krönung, WBG (Wiss. Buchges.), Darmstadt 2011, S. 4-7

Fußnoten:
1 Widukind von Corvey, Sachsengeschichte, Buch 1, Cap. 25 (Übersetzt in: Rotter/Schneidmüller, Sachsengeschichte; S. 67)

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