Handel im Mittelalter

Der Handel von der Antike bis zum Frühmittelalter

Schon aus der ältesten Zeit wird uns berichtet, dass die Phönizier von den Küsten Germaniens Bernstein holten. Später kamen römische Kaufleute bis zur Nord- und Ostsee und erhandelten im Inneren Germaniens Pferde, Rinder, Pelzwerk, Felle und Wolle, Rauchfleisch, Honig und Rüben. Im Übrigen ist ein eigentlicher Handelsverkehr bei den alten deutschen Stämmen nicht vorhanden gewesen. Jeder besorgte sich seine Bedürfnisse selbst; Grund und Boden lieferte ihm die Stoffe für Nahrung, Kleidung und Wohnung; er bearbeitete ihn mit Hilfe seiner Knechte.

Inhalt

Markt und Messe

Erst als die Fürsten sich mit einem Kreise von Dienstmannen umgaben und die Klöster eine Gemeinde höriger und leibeigener Tagelöhner, Bauern und Handwerker um sich sammelten, begann der eigentliche Handel. Als die gewerblichen Erzeugnisse der Leibeigenen sich mehrten und durch die Bedürfnisse der Königspfalzen und Klöster nicht mehr gänzlich verbraucht wurden, war man darauf bedacht, die übrigen Produkte zu verkaufen. Die klugen Mönche benutzten den Umstand, dass an den hohen Kirchenfesten und an den Festtagen der Schutzheiligen eine Menge gläubigen Volkes bei den geistlichen Stiften und den Domkirchen zusammenströmte, zur Einrichtung von Märkten.

Da gleichzeitig die feierlichen Messen in den Kirchen abgehalten wurden, so wurden bald die Namen Markt und Messe gleichbedeutend, und der jährlich abgehaltene Markt einer Stadt richtete sich stets nach einem kirchlichen Festtag (Michaelis-, Johannis-, Fastnachtsmarkt usw.) Auf diesen Märkten stellten die Handwerker ihre Erzeugnisse aus, die dann von dem aus Nah und Fern herbeigeströmten Landvolk eifrigst gekauft wurden. Auch die Königspfalzen boten eine willkommene Gelegenheit zu der Einrichtung der an bestimmten Jahrestagen, namentlich an solchen, wo der Herrscher sich in der Pfalz aufhielt, abgehaltenen Märkten. Somit ist es erklärlich, dass der eigentliche Handel erst mit der Entwicklung des Städtewesens seinen Anfang nahm.

bild 236: mittelalterlicher kaufladen.

Bild 236: Kaufladen, wie er im Mittelalter oft von Handwerkern und Händlern verwendet wurde, um die Waren zu verkaufen. Hinter oder über dem Kaufladen lagen oft die Wohn- und Schlafräume.

System und Regeln der Märkte

In der Folge wurde den Städten das so genannte Marktrecht ausdrücklich verliehen. Damit wurden die Märkte, die man bis dahin zu den gewohnten Zeiten abgehalten hatte, gesetzlich bestätigt und der landesherrliche Schutz allen am Markthandel Teilnehmenden zugesichert. Wenn einer Stadt das marktrecht erteilt werden sollte, übersandte der Landesherr ihr meistens seinen Handschuh als Zeichen. Der Marktplatz war von Anfang an in den Städten der Mittelpunkt des ganzen Lebens und Verkehrs; er fehlte selbst in der kleinsten Stadt nicht und lag gewöhnlich in der Mitte des ganzen Ortes. Vielfach zierte ihn das steinerne Rolandsbild, eine Ritterstatue, das Wahrzeichen der städtischen Rechte und Freiheiten. *)

*) Der Name Roland soll eine Säule bedeuten, die auf der „roten Erde“, dem „roten Lande“, d. i. der Blutgerichtsstätte, errichtet war; erst als man die ursprüngliche Bedeutung nicht mehr verstanden habe, wird behauptet, sei er mit dem Ritter Roland, dem Paladin Karls des Großen, in Verbindung gebracht worden.

Auch lag in den allermeisten Fällen unmittelbar am Markt das Rathaus. Der Marktplatz nämlich war in ältester Zeit zugleich die Gerichtsstätte, wo öffentlich Recht gesprochen und das Urteil vollzogen wurde, so dass auf manchen Märkten noch jetzt der Pranger (Schandpfahl) erhalten ist. Nach und nach baute man jedoch am Marktplatz ein eigenes Haus, wohin sich das Gericht zurückzog. In anderen Fällen war der Marktplatz in unmittelbarer Nähe der Kirche, weil der Markt ursprünglich auf dem gefriedeten Raum um die letztere am Tage ihres Schutzheiligen abgehalten worden war.

Wenn der Markt seinen Anfang nehmen sollte, wurde am Rathaus oder am Turm eine Fahne ausgesteckt, und so lange diese aushing, durfte der Markthandel dauern. Auch wurden Anfang und Schluss des Marktes häufig durch Glockengeläut verkündet.

Die Ausdehnung des Handels über die Märkte und Messen hinaus

Zunächst beschränkte sich nun der Handel auf den Verkehr dieser Märkte und Messen, zu denen die am Orte ansässigen Handwerker ihre Waren lieferten. Auch mochte es wohl vorkommen, dass jemand mit gekauften oder selbst gefertigten Waren von einem Markt zum anderen zog. Solcher Hausiererhandel, der von Hof zu Hof, von Stadt zu Stadt getrieben wurde, mag wohl gleich anfangs besonders in den Händen der Juden gewesen sein, da der Deutsche ihn anfänglich noch verschmähte. Doch kamen auch schon frühzeitig Kaufleute von fernen Gegenden herbei, um ihre Waren feilzubieten, besonders seitdem Karl der Große für Anlegung von Handelsstraßen gesorgt hatte. So fuhren die Friesen die deutschen Flüsse hinauf, um auf den Märkten in Köln, Mainz und anderen Orten ihre Waren zum Verkauf auszulegen, worunter namentlich ein selbst gefertigter Wollenstoff, Fries genannt, berühmt war.

Später bereisten viele Kaufleute die der großen Städte und kauften und verkauften dort ihre Waren. Im 16. Jahrhundert brachte ein Nürnberger Kaufmann in die Frankfurter Messe mehr als 1000 Stück Waren und viele Italiener verkauften hier manchmal für mehrere Tonnen Goldes Samt und Seide. Es strömten dort Kaufleute aus den Niederlanden, aus England, Polen, Böhmen, Frankreich, ja fast aus ganz Europa zusammen.

Die Waren wurden anfänglich auf den Märkten vielfach nur ausgetauscht; der Handwerker in der Stadt verkaufte die Erzeugnisse seines Fleißes gegen die Produkte des Feldes an den Landmann. Erst in späterer Zeit bediente man sich des allgemeinen Tauschmittels, des Geldes.

Weitere Entwicklung der Märkte

Die Händler, namentlich die fremden, erhielten auf dem Markt besondere Plätze zugewiesen, wo sie ihre Waren auslegten; die einheimischen Handwerker und Kaufleute boten ihre Produkte vielfach in den Gewölben ihrer Häuser oder in den so genannten „Lauben“ vor denselben feil. Wenn sie auf dem Marktplatz besondere Verkaufsplätze hatten, wurden dort vielfach Bänke, Buden und Hallen errichtet, die allmählich ihr Eigentum wurden. Als die Ausübung der Landwirtschaft immer mehr aus den Städten schwand, musste den Stadtbewohnern öfter Gelegenheit gegeben werden, ihre Bedürfnisse an Gemüsen, Früchten, Fleisch usw. einzukaufen. Darum wurden nach und nach gewisse Tage, häufig bis zu dreien wöchentlich, bestimmt, an denen Markt abgehalten werden durfte. Diese Tage erhielten den Namen Wochenmärkte. Vielfach fand sich in größeren Städten ein eigener Markt für eine bestimmte Gattung von Waren, was aus den noch jetzt erhaltenen Namen Grün-, Fisch-, Gänse-, Schweine-, Heu-, Hafer-, Hopfenmarkt hervorgeht.

Alle Waren, die an den Markt gebracht wurden, waren einer strengen Aufsicht unterstellt. Größere Mengen durften nur auf der Stadt- oder Fronwage abgewogen werden. Besondere Beamte waren angestellt, um die Warenschau abzuhalten, die sich namentlich auf die Lebensmittel erstreckte, damit eine Verfälschung derselben verhindert wurde. Aber auch die Erzeugnisse des Handwerks wurden sorgfältig geprüft, ebenso die den Handwerkern dargebotenen Stoffe, wie Holz, Teer, Flachs etc.

Wie aus kleinen Anfängen der Markthandel mehr und mehr zu größerem Umfang emporwuchs, so hatte sich auch der Großhandel immer mehr ausgedehnt, der zwischen einzelnen Städten und Ländern, ja bis über das Weltmeer hin schwunghaft betrieben wurde. Auch dieser Handel wuchs mit der Gründung und Ausdehnung der Städte. Die ältesten freien Bürger, die sich um die Bischofssitze, Klöster und Königspfalzen sammelten, sind die Kaufleute gewesen, die darum auch in der Folge die Patrizier in den Städten blieben und mit den ritterbürtigen Grundbesitzern zusammen die so genannten Geschlechter bildeten.

Die Handelswege und Handelswaren des Fernhandels

Schon unter den Karolingern ging ein Handelsweg vom Rhein aus über Soest, Braunschweig und Magdeburg nach dem Osten zu den Slawen. Noch wichtiger waren die uralten Handelsstraßen, die von Italien über die Alpenpässe nach Deutschland führten. Eine dieser Pässe folgte dem Rheintal nach Konstanz und Basel, ging dann stromabwärts nach Straßburg, Mainz und Köln und endete in den Niederlanden. Ein anderer Weg ging von Regensburg oder Augsburg, dann über Nürnberg entweder zum Rhein oder über Erfurt nach Magdeburg, Braunschweig, Lübeck, Bremen und Hamburg. Eine dritte Straße kam direkt von Konstantinopel die Donau aufwärts über Wien und verzweigte sich über Regensburg nach dem Rhein hin oder über Prag nach dem Norden Deutschlands hin und über Breslau nach dem Osten hin.

Auf diesen Handelswegen kamen besonders die Produkte des Morgenlandes, die in die italienischen Handelsstädte Venedig, Pisa und Genua eingeführt waren, nach Deutschland hinein. Es waren Seide aus China, Zimt aus Indien, Gewürze aus Arabien, Waffen aus Damaskus, Webereien aus Kleinasien. Dafür führten die deutschen Kaufleute die Handelsartikel ihres Landes aus: Tuche und Leinen, Wein und Bier, Roggen, Weizen, Flachs, Hanf, Öl, Holz, Mehl, Spielwaren. Aus dem Norden und Osten hatten sie Eisen, Kupfer, Pelzwerk, Fischwaren, Pech, Harz, Teer, Holz; vom Süden, namentlich aus Spanien, Salz, Kork, Südfrüchte und feine Weine.

Der Handel auf den Wasserwegen

Wie mächtig der Handel allmählich geworden war, zeigt uns die Tatsache, dass im Jahre 1474 allein 72 Danziger Schiffe die Westküste Frankreichs aufsuchten; aus derselben Stadt fuhren jährlich 600 bis 700 Schiffe mit Getreide nach Endland, im Jahre 1481 nicht weniger als 1100 Schiffe, große und kleine, nach Holland. Von hier wurden in Danzig binnen fünf Jahren zwölf Millionen Taler, also nach unserem Geldwert etwa 360 Millionen Mark, bezahlt. Die Größe der Schiffe war von 60 bis 300 Getreidelasten; einzelne hatten bis zu 400 Mann Besatzung und dienten zugleich als Kriegsfahrzeuge. Die Schiffe wurden auf ihren Fahrten außerdem meistens von bewaffneten Orlogsschiffen oder Friedenskoggen begleitet. (Die Koggen unterschieden sich von den alten, galeerenartigen Fahrzeugen des Mittelmeers durch ihren rundbäuchigen Bau, ihren starken Kiel, die mächtigen Steven, den hohen Bord und den starken, hohen Mast in der Mitte, dessen Korb steuerwärts einen Ausbau mit Zinnen hatte.)

Es gab etliche Gefahren, die den Kaufleuten auf fremden Meeren, auf den unsicheren Handelsstraßen in anderen Ländern drohten. Darum glichen auch die Kauffahrten zu Lande einem förmlichen Kriegszuge. An der Spitze des Zuges der Frachtwagen und der gewappneten Fuhrleute, die in langer Reihe die Handelsstraßen entlang zogen, ritten die Kaufherren, gepanzert und das Schwert am Sattelknopf befestigt. In vielen Fällen mussten die Handelszüge von den umwohnenden Grafen und Rittern gegen viel Geld sicheres Geleit erkaufen, seitdem die Raubritter die Handelsstraßen unsicher machten. Auch besondere Zölle wurden erhoben: Brückenzoll beim Passieren einer Brücke, Torgeld bei der Einfahrt in eine Stadt, Fährgeld beim Überschiffen eines Flusses etc.

bild 237: kogge - ein handelsschiff der hansa

Bild 237: Eine Kogge aus dem 14. Jahrhundert. Dieses Schiff wurde als Handelsschiff genutzt und in besonderen Fällen auch als Kriegsschiff, wenn man sich gegen Piraten wehren musste. Die Fracht in den riesigen Lagerräumen war teuer – und so kämpfte man auch unter Einsatz des eigenen Lebens darum gegen die Piraten.

Zusammenschlüsse von Kaufleuten und die Hansa

Um die ihnen drohenden Gefahren gemeinsam besser abwehren zu können, schlossen die Kaufleute mit Vorliebe sich aneinander an, woraus ähnlich wie bei den Handwerkern mit der Zeit dauernde Verbindungen entstanden. Man versuchte, sich an den fremden Handelsplätzen gemeinsame Herbergen, Landungs- und Hafenplätze zu erwerben. Wie die Kaufleute in der Heimat sich zu Gilden und Innungen verbanden, so stifteten sie im Ausland ähnliche Einrichtungen, durch die jeder einzelne geschützt war.

Solche Handelsniederlassungen gab es vornehmlich in London, in Visby auf der Insel Gotland, in Brügge und in Nowgorod. Die hier gemeinsam arbeitenden Handelsverbindungen hießen die „Hansa“. Bald umfasste diese Hansa nicht allein Verbindungen von Kaufleuten einer Stadt zum Zweck des gemeinsamen Handels im Ausland, sondern es vereinigten sich auch die Kaufleute mehrerer Städte zu Handelsbündnissen. Lübeck, Wismar, Rostock, Greifswald, Danzig, Köln, Dortmund, Hamburg, Bremen und Andere bildeten im 13. Jahrhundert einen Bund zum gemeinsamen Schutz, dessen Macht alsbald eine außerordentliche Ausdehnung gewann. Lübeck war der Vorort dieses Bundes. Hierher kamen die Gesandten des Bundes und berieten über Sicherung der Handelsstraßen, Anlegung neuer Verbindungen, Strand- und Stapelrecht. Zur Unterhaltung des Bundes diente eine gemeinsame Abgabe.

Hatte eine Stadt ihre Verpflichtungen nicht erfüllt, so wurde sie „verhanset“, d. h. aus dem Bund gestoßen und geächtet. Eine solche Strafe hatte stets furchtbare Folgen, da die Schiffe der Stadt weggenommen wurden und ihr Handel zu Grunde ging. Bald hatte die Hansa eine solche Ausdehnung gewonnen, dass ihre Schiffe, als ein Dänenkönig ihre Handelsniederlassung auf der Insel Gotland zerstört hatte, Kopenhagen eroberten und dem Bund eine Zeitlang die Herrschaft über die skandinavischen Reiche verschafften. Die Lübecker versuchten sogar unter ihrem Bürgermeister Wullenweber, in Schweden einen neuen König auf den Thron zu setzen.

Weitere Ausdehnung der Hansa

Zur gründlichen Ausbeutung ihres Handels errichteten die Hanseaten überall so genannte „Komptoirs“ oder „Kontoren“, d. h. große Kaufhäuser mit Läden, Speichern, Warenhäusern und Wohnungen. In diesen fand nicht ein gemeinsamer Ein- und Verkauf von Waren statt, sondern jedes Mitglied trieb seine Geschäfte auf eigene Faust; die Hansa sorgte nur dafür, dass die Mitglieder ehrbar lebten, also ihr keine Schande machten, damit sie ebenso reell im Verkehr verfuhren, um dem Kredit der deutschen Kaufleute nicht zu schaden und schließlich, dass an den Vorrechten und Vorteilen der Hanseaten kein Nichthanseat Anteil hatte.

In einigen Komptoirs oder Kontoren, z. B. in Bergen, bestand eine fast klösterliche Hausordnung. Kein Mitglied durfte, so lange es dem Komptoir angehörte, heiraten; jeder musste sich verpflichten, zehn Jahre darin zu bleiben. Das Komptoir (Kontor) war in mehrere Höfe abgeteilt, von denen jeder eine Art Familie mit einem Faktor an der Spitze bildete. Neben den ernsten Geschäften fanden auch allerlei Belustigungen, Spiele und dergleichen statt. So wurde z. B. bei der Aufnahme neuer Mitglieder allerhand Schabernack mit ihnen getrieben. Man nannte das „hänseln“ (von Hanse), worunter wir heute noch das Gleiche verstehen.

Über die Güte und das Maß der Waren, die in den Kontoren feilgeboten wurden, übten hanseatische Beamte strenge Kontrolle; Unregelmäßigkeiten wurden streng bestraft. Kein Hanseat durfte mit einem Nichthanseaten in Geschäftsgemeinschaft treten; kein Fremder durfte in ein hanseatisches Geschäftshaus aufgenommen werden. In Bergen hatte die Hansa mit ihrem Kontor ein vollständiges deutsches Stadtviertel inne; in Nowgorod beherrschte sie den ganzen Handel; auch in London hatte sie ihre eigene Niederlassung, den Stahlhof.

Reichtum der deutschen Städte des Spätmittelalters

Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts war Deutschland der Mittelpunkt des ganzen Welthandels. Welcher Reichtum an einzelnen Orten herrschte, beweist uns die Erzählung von dem reichen Augsburger Kaufmann Fugger und Karl V. Fugger hatte dem Kaiser einmal eine ansehnliche Summe gegen eine Schuldverschreibung vorgestreckt. Als 1530 Karl V. aus Italien nach Augsburg kam, kehrte er bei Fugger ein und entschuldigte sich, dass es ihm noch nicht möglich sei, die Summe zu bezahlen. Obwohl es im Juni war, war es doch kalte Witterung und der Kaiser bemerkte, dass er den Unterschied des italienischen und des deutschen Klimas recht deutlich fühlte. Fugger ließ sogleich ein Kaminfeuer anzünden, legte einige Bündel Zimt auf das Holz, zog des Kaisers Schuldverschreibung hervor und zündete damit die Zimtrollen an. Eine Unze Zimt aber kostete zu jener Zeit zwei Dukaten!

bild 238: ein reiches wohnhaus aus dem mittelalter

Bild 238: Die Wohnstube eines reichen Kaufmanns. So könnte man sich auch die Wohnstube von Fugger vorstellen. Nur edle Materialien wurden für die Gefäße im Hintergrund verwandt, die Möbel sind fein geschnitzt, ein Silberteller ziert die Wand, der Kamin beheizt den Raum und das Bärenfell als Zeichen von Reichtum liegt in der Bildmitte.

Ein Italiener um das Jahr 1500 schildert den Reichtum der deutschen Städte:

„Durchwandern wir nur die merkwürdigsten derselben, so wird uns ihre Herrlichkeit und ihr Schmuck klar entgegenleuchten. Wo giebt es in ganz Europa eine prachtvollere Stadt als Köln mit seinen herrlichen Kirchen, Rathäusern, Türmen und bleigedeckten Gebäuden, seinen reichen Einwohnern, seinem schönen Strom und seinen fruchtbaren Gefilden ringsum? Wir erblicken Mainz mit prächtigen Kirchen und anderen herrlichen, sowohl öffentlichen, als Privatgebäuden. Weiterhin Worms, wenn auch keine große, doch eine recht hübsche Stadt. Auch das sehr bevölkerte und schön gebaute Speier wird niemand mißfallen. Straßburg mit seinen Kanälen ist ein zweites Venedig, aber gesunder und anmutiger, weil Venedig von salzigen und übelriechenden, Straßburg von süßen und hellen Gewässern durchströmt ist. Außer dem Münster, einem herrlichen Bauwerk, giebt es dort viele andere hervorragende Kirchen und Klöster; mehrere der geistlichen und bürgerlichen Häuser sind so schön, dass kein König sie zu bewohnen sich schämen würde.In Basel sind die Dächer der Kirchen und der Privathäuser mit vielfarbigen und glänzenden Ziegeln gedeckt, was bei darauf fallenden Sonnenstrahlen einen herrlichen Anblick gewährt. Die reinlich gehaltenen, mit Gärten, Brunnen und Höfen versehenen Bürgerhäuser sind von außen glänzend und weiß bemalt. Bern ist so mächtig, dass es mit leichter Mühe zwanzigtausend Bewaffnete ins Feld stellen kann. Augsburg übertrifft an Reichtum alle Städte der Welt; auch in München herrscht großer Glanz. In Österreich ist Wien die vorzüglichste Stadt mit wahrhaft königlichen Palästen und Kirchen, die Italien bewundern könnte. Den Eindruck der St. Stefanskirche zu schildern, müssen wir aus Mangel an Darstellungskunst unterlassen. Unmöglich ist es, Nürnberg zu übergehen. Wenn man diese Stadt aus der Ferne erblickt, zeigt sie sich in wahrhaft majestätischem Glanze, der beim Eintritt in ihre Thore durch die Schönheit ihrer Straßen und die Sauberkeit ihrer Häuser bewährt wird. Die Kirchen sind ehrwürdig und prachtvoll; die kaiserliche Burg blickt stolz und fest herab, und die Bürgerhäuser scheinen für Fürsten erbaut. Aufrichtig zu reden: kein Land in Europa hat bessere und freundlichere Städte als Deutschland. Ihr Äußeres ist frisch und neu; es ist, als wären sie erst vorgestern fertig geworden.“

bild 239: der dom von regensburg

Bild 239: Der Dom von Regensburg in einem Holzschnitt. Als Zeichen von Reichtum erbauten manche Städte die höchsten Döme und Kathedralen, die die Baumeister planen konnten.

Der Handel sinkt mit dem Ausgang des Mittelalters

Der blühende Wohlstand, der nach dieser Schilderung in dem äußeren Aussehen der Städte bemerkbar gewesen sein muss, war in erster Linie eine Folge des Aufschwungs, den der Handel mehr und mehr genommen hatte. Aber ab dem 15. Jahrhundert änderten sich die Verhältnisse bedeutend. Die Entdeckung Amerikas und des Seeweges nach Ostindien brachte es mit sich, dass der Handel allmählich andere Bahnen einschlug, und dass Ost- und Nordsee nicht mehr wie früher die Tummelplätze des Seehandels blieben.Lissabon und Antwerpen wurden jetzt die wichtigsten Handelsplätze.

Auch der Zwischenhandel, der früher die Waren von den Küstenplätzen des Mittelmeeres in den Norden und den Osten geführt hatte, nahm ab, da die Schiffe jetzt unmittelbar in die Ost- und Nordseehäfen fuhren. Außerdem riss England, seitdem es unter der Königin Elisabeth (1558 bis 1603) reiche Kolonien angelegt hatte, den größten Teil des Handels an sich; besonders wurde den deutschen Kaufleuten das Vorrecht auf dem Londoner Markt genommen und so überflügelte diese Stadt bald Bremen, Hamburg und Lübeck. Dazu kam, dass die Hansa durch innere Streitigkeiten nach und nach zerfiel. Noch später zerstörte der Dreißigjährige Krieg den Handel Deutschlands vollständig und nur langsam vermochte er, sich wieder zu erheben.

 

Quellen:

  • Böe, A. Kulturbilder aus Deutschlands Vergangenheit für Schule und Haus. 2., vermehrte und verbesserte Auflage. Leipzig: Verlag von Gustav Gräbner, 1896.

One Comment:

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich möchte einen Mittelalter Webshop eröffnen und möchte fragen ob ich das Bild 236 von der Bude verwenden darf.
    Da der Name meines Shops “ Mittelalter Krambude“ lauten wird.
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Hinrichs

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