Die Bauern nach der Völkerwanderung

Einführung

Nach den Wirren der Völkerwanderung bekommen wir einen besseren Einblick in das Leben des deutschen Landbauers, weil die Merowinger-Könige uns ab ca. 600 die ältesten Rechtsbücher und Urkunden hinterlassen haben. Daher wissen wir auch, dass zu dieser Zeit der Acker in Hufen gemessen wird, wobei ein Hufe 30 Morgen groß ist und der Morgen*) je nach Landschaft und Bodenbeschaffenheit variiert. Ein Bauer hatte also mindestens eine Hufe.

*) Ein Morgen war damals die Fläche Ackerland, die ein Bauer mit einem Pflug an einem Vormittag beackern konnte; also ca. 2500 m².

Inhalt

Der Bauernhof und die Die Hufe

Zur Hufe gehörte der umzäunte Hof, der mit einem Tor geschlossen werden konnte. Innerhalb des Zauns stand das Wohnhaus mit Stall und Scheune; daneben der Garten – im Südwesten Deutschlands oft Weingärten. Die meisten Höfe liegen in Dörfern und sind durch Dorfgassen getrennt, nur ein Teil der Niedersachsen, die Marsch- und Gebirgsbewohner, besitzen einzelne, von Nachbarn weit entfernte, Höfe inmitten ihrer Hufen. Die Hufe ist aber meist keine zusammen hängende Bodenfläche, sondern durch Wälder, Berge und Flüsse geteilt.

Anordnung des Dorfes

Das gesamte Pflugland eines Dorfes ist in drei Teile geteilt: Winterfeld, Sommerfeld und Brachfeld und jedes dieser drei Felder ist wieder in kleinere Einheiten eingeteilt, und zwar immer nach Boden und Lage geordnet. Jede Hufe besteht hierbei aus viereckigen Ackerstücken, die in allen drei Hauptfeldern der Dorfflur verteilt sind. Die viereckigen Ackerstücke sollten dabei ein möglichst gleiches Maß haben. Außerdem umfasst jede Hufe noch einen Anteil der Gemeindewiesen, Weiden und des Holzes. Denn um den Ackerboden herum erstreckt sich das Weideland der Gemeinde und der Wald, in dem die beliebte Eichelmast der Schweine erfolgte. Und so sind die Grenzen des Landes festgelegt, wo die Knaben an den Grenzhügeln auf die Wange geschlagen und am Ohr gezogen werden. Hier entsteht auch bald die alte Sitte, vor verbotenen Fußwegen ein kleines Bündel Stroh aufzustellen, um den Vorübergehenden zu warnen.

Die Menschen auf dem Hof

Mit der Zeit werden die Hufe geteilt, weil Bauern jedem Sohn ein Stück Land vererben wollen und Leibeigene sitzen in Haus und Huf, um die schon früh sehr verschiedenen Grade von Hörigkeit und Lasten auszuhalten. Im Haushalt eines Freien arbeiten unfreie Diener, die vergleichbar mit den römischen Sklaven sind. Der Unterschied ist nur, dass sie vor Gott mit den Freien gleichberechtigt sind: sie können teilhaben an den heiligen Bräuchen der Kirche, können mit Erlaubnis ihres Herrn Ehen schließen und sogar selbst Priester werden. Dennoch hat der Herr das Recht über ihr Leben.

Außer den Höfen von Freien und Leibeigenen gab es noch den Hof eines Großgrundbesitzers mit einem Herrenhaus, dem Saal, und einer größeren Anzahl Hütten für Knechte und Arbeiter. Denn noch sind diese Handwerker, Wagner, Töpfer, Waffenschmiede und Goldschmiede zum größten Teil Unfreie, weil es noch kaum unabhängige Städte und Märkte gab, die Einfluss auf die Landschaft nehmen konnten.

Einige Nahrungspflanzen des Frühmittelalters

Auf dem Acker werden Getreidearten angebaut, wie Roggen, Hafer, Weizen, Gerste, Dinkel, Emmer und Hirse. In den Gärten werden Sellerie, Rote Beete, Kürbisse, Karotten, Mangold, Pastinakwurzeln, Kopfsalat, Weißkohl, Knoblauch, Küchenzwiebel, Lauch, Lattich, Gurke, Rettich, Linsen usw. angebaut. Man versuchte mit Gesetzen, die Obstpflanzen zu schützen. Die Geistlichen haben edle Gewächse aus Italien gebracht und Pfirsiche und Aprikosen bauen sich die Wohlhabenden auch in ihren Gärten an.

Der Aufbau des Bauernhauses

In Bayern werden die ersten Häuser aus Balken gezimmert mit Galerien auf der Außenseite und dem typisch flachen, hervorspringenden Dach; wir können annehmen, dass zur gleichen Zeit in Sachsen Häuser gebaut wurden mit heidnischen Pferdeköpfen am Giebel und einem großen Strohdach über der Diele mit Herd, Schlafzellen und Viehställen. In Thüringen hausten die Menschen auf dem fest gestampften Hausboden in Häusern, wo im Hintergrund eine erhöhte Bühne den wichtigsten Teil des Hauses, den Frauenraum und die Schlafstellen, abschloss. Oft hatten solche Höfe ein Badehaus und für die Winterarbeit stiegen die Frauen noch in das unterirdische Frauengemach, wo der Webstuhl für sie zur Arbeit bereit stand; die Räume für Dienerinnen und Herrin waren getrennt.

Die Nutztiere des Bauernhofes

Auf dem Hof flatterten viele Geflügelarten herum, darunter Schwäne und sogar Kraniche, die bis zum dreißigjährigen Krieg als Gebieter des deutschen Hühnerhofes geschätzt wurden. Die liebste Beschäftigung der Bauern war die Pferdezucht. Die Hengste, die zum Krieg tauglich waren, konnte er für sehr hohe Preise verkaufen; sie wurden an einer Leine auf der Koppel weiden gelassen. Wer ein Pferd von der Weide stahl, musste mit schwerer Rache rechnen. Es gab aber auch Händler, die mit Betrügereien Pferde verkauften und das Gesetz versuchte, vor ihnen Schutz zu bieten. Allem Nutzvieh hängten die Süddeutschen klingende Schellen um den Hals, die Franken hängten diese Schellen auch den Schweinen im Laubwald um.

Quelle:

  • Freytag, Gustav (Hrsg.). Neue Bilder aus dem Leben des deutschen Volkes. Leipzig: Verlag von S. Hirzel, 1862.
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