Mittelalterliche Romane

Mittelalter-Romane sind heutzutage sehr beliebt. Dementsprechend groß und vielseitig ist das Angebot. Es werden einem Romane zu jedem Zeitabschnitt, über jede Region, über jedes Ereignis und über nahezu jede Person im Mittelalter angeboten. Einen möglichst umfangreichen Überblick über das Angebot, mit Klassikern, aber auch Geheimtipps, bieten wir mit dieser Liste. Wir stellen einzelne Romane, aber auch Romanserien vor.

C


Caren Benedikt: Die Kerzenzieherin
Deutschland, genauer gesagt Hattingen, im Jahre 1225. Es geht in diesem Roman um die junge Novizin Ellin, die Zeugin eines Komplotts gegen den Erzbischof von Köln wird. Sie versucht noch rechtzeitig von diesem Komplott zu berichten, doch da wurde der Erzbischof bereits ermordet. Die Täter wissen von der Zeugin und versuchen diese natürlich zum Schweigen zu bringen, bevor sie sie verraten kann. Ellin sieht keinen anderen Weg als ihr altes Leben aufzugeben, zu flüchten und irgendwo ganz neu anzufangen. Sie hofft, dass sie ihre erlernte Kunst des Kerzenziehens dafür nutzen kann. Doch die Mörder des Erzbischofs geben nicht auf und versuchen Ellin weiterhin ausfindig zu machen. Auf ihrer Flucht begegnet Ellin vielen Menschen und sie versucht an mehreren Orten ihr Glück zu finden. Es ist eine spannende Geschichte mit Höhen und Tiefen, die nicht selten ganz unerwartete Wendungen nimmt.

Caren Benedikt: Die Duftnäherin
Lünen, 1349. Die 16jährige Anna lebt allein mit ihrem Vater. Ihre Mutter starb, als Anna noch ein kleines Mädchen war. Sie hatte ihrer Tochter aber schon damals viel von Bremen erzählt. Also macht sich das junge Mädchen auf, um ihrem trinkenden und gewaltsamen Vater zu entfliehen und an den Ort zu gelangen, von dem sie so viel Gutes gehört hatte. Sie ahnte, dass ihr Vater ihr folgen würde, deshalb legte sie eine falsche Spur, die ihn erst einmal Richtung Köln schickte. So verschaffte sich Anna auf ihrer Reise einen kleinen Vorsprung. Auf ihrem Weg nach Bremen trifft sie einen Jungen und sie reisen fortan gemeinsam. Annas Vater ist derweil in Köln angekommen, wo er für Angst und Schrecken sorgt. Er macht seinem Ruf, als gewaltsamer und grausamer Mann, dort alle Ehre. Anna und ihr Freund sind derweil in Bremen angekommen. Endlich kann Anna ihrer Leidenschaft, dem Nähen, wieder nachkommen. Und damit nicht genug! Sie entwirft eine ganz neue Art von Kleidern – duftende Kleider. Alles scheint für sie perfekt zu laufen. Dabei ahnt das junge Mädchen aber nicht, dass ihr Vater ihre wahre Spur inzwischen aufgenommen hat und den Plan hegt sie endgültig zu töten.

Charlotte Lyne: Das Mädchen aus Bernau
1320 in Brandenburg. Magda Harzer, die Protagonistin, und ihre drei Brüder machen sich auf den Weg nach Cölln-Berlin, wo sie ihr Glück finden wollen. Zu dieser Zeit herrschte ein erbitterter Kampf um die Kaiserkrone und es dauert nicht lange bis Papst Johannes XXII. den Kirchenbann über die Stadt verhängen will und es zum absoluten Chaos kommt. Die Geschwister werden in die betrügerischen Machenschaften hineingezogen und getrennt. Einer der Brüder wird sogar wegen Aufruhr und Mord verhaftet – unschuldig natürlich. Aber Magda will sich den Intrigen und zweifelhaften Handlungen nicht kampflos beugen. Zusammen mit dem jungen Franziskaner-Mönch Thomas beginnt Magda einen spannenden Kampf, um ihren Bruder zu befreien. Charlotte Lyne erzählt hier eine schöne Familiengeschichte und gibt so einen kleinen Einblick in das Leben im 14. Jahrhundert. Es gibt nicht viele historische Details und Fakten, aber man bekommt einen Eindruck über das Leben, die Leute und die Gewohnheiten. Im Buchinneren ist eine Karte des alten Berlins abgedruckt, die viele Straßen, Gassen und Orte aufzeigt und so für eine bessere Orientierung sorgt.

D


Daniel Wolf: Das Salz der Erde
1187 im Herzogtum Oberlothringen. Salzhändler Michel de Fleury übernimmt, nach dem Tod seines Vaters, das Familiengeschäft. Doch in Varennes herrscht Armut und Willkür; die Geschäfte laufen nicht gut. Schuld daran ist der korrupte Bischof und ein Ritter, der die Handelswege, nach eigenem Interesse, kontrolliert. Aber Michel will so nicht weitermachen. Er hat beobachtet wie Mailand befreit wurde und wünscht sich dies auch für Varennes. Und dafür ist er bereit alles zu geben. Ihm ist bewusst, dass es schwer wird für seine Heimat die Freiheit zu erkämpfen, aber er möchte sie dennoch dorthin führen. Auf diesem steinigen Weg tauchen aber immer mehr Feinde und Neider auf, die sich Michel in den Weg stellen. Sie schrecken vor keiner Grausamkeit zurück und ziehen sogar die große Liebe des jungen Mannes, Isabelle, mit hinein.

Dennis Vlaminck: Domfeuer
1248 in Köln – der Neubau des Doms ist geplant. Doch er steht unter keinem guten Stern und es gibt noch heute zahlreiche Legenden über diese Zeit und eben dieses Bauvorhaben. Ein Werkmeister und drei wohlhabende Spender werden in nur einer Nacht ermordet. Der Täter scheint schnell ermittelt, denn neben einer der Leichen steht Paulus, der Hafenknecht, mit einer Klinge in der Hand und einem blutverschmierten Hemd. Für die ganze Stadt ist er der Schuldige und wird gejagt. Doch Paulus ist nur Opfer unglücklicher Umstände. Deshalb versucht er, während seiner Flucht, den wahren Täter zu finden. Dabei geht er ein großes Risiko ein, denn er muss in der Stadt bleiben, um die Tat aufzuklären. Der Roman ist flüssig und kurzweilig und dennoch sehr spannend, informativ und lehrreich. Nahezu jedes Detail entspricht der Wahrheit und es gelingt dem Autor geschickt historische Fakten in die Handlung einzubauen. Durch viele Nebensächlichkeiten und äußerst detaillierte Beschreibungen ist das Köln des 13. Jahrhunderts so lebendig, wie nie.

Donna W. Cross: Die Päpstin
814 wird Johanna, Tochter eines Dorfpriesters und dessen heidnische Frau, geboren. Es ist eine düstere Zeit, in der der Aberglaube regiert. Johannas Vater kämpft einen bitteren Kampf gegen diese bösen Mächte. Viele Frauen, sogar die Hebamme, werden als Hexe verurteilt und verfolgt. Eines Tages erkennt jemand bei Johanna eine ganz besondere Gabe. Als einziges Mädchen lehrt man sie die Philosophie und Logik. Johanna ist eine ehrgeizige und wissbegierige junge Frau, deren Verstand und Gelehrtheit vielen ein Dorn im Auge ist. Nur ein Ritter, der zunächst nur ihr enger Vertrauter und Freund ist, später aber die Rolle des Mannes an ihrer Seite einnimmt, bleibt stets treu an ihrer Seite. Johanna ist sich dessen bewusst, dass Frauen, wie sie, gefährlich leben. Aus diesem Grund gibt sie sich als Mönch aus und geht in ein Kloster. Einige Jahre später ist sie Medicus und reist nach Rom, zum Papst. Schicksalhafte Ereignisse führen dazu, dass Johanna schließlich selbst auf dem Stuhl des Papstes sitzt. Die Thematik dieses Romans ist äußerst spannend, interessant und prekär. Während die Kirche die Existenz einer Päpstin von Grund auf leugnet, sind sich Wissenschaftler in der ganzen Welt immer sicherer, dass es eine Päpstin gegeben haben muss. Donna W. Cross bietet dem Leser hier eine Geschichte, die auf höchstem Niveau recherchiert wurde und nahezu ausschließlich aus Fakten besteht. In ihrem Nachwort setzt sie sich noch einmal mit der Thematik wissenschaftlich auseinander und formuliert eine Pro- und Kontraliste.

E


E.W. Heine: Das Halsband der Taube
1231 wird Ludwig von Bayern Opfer eines Mordanschlages. Bei der Suche nach dem Täter führen die Spuren in den Orient. Alle Zeichen weisen in die Richtung eines Tempelordens, zu Kaiser Friedrich II. und nach Persien, zum Oberhaupt der moslemischen Assassinen. Ein junger Templer wird geschickt, um die Tat zu untersuchen und aufzuklären. Die Reise erweist sich als steinig und gefährlich, doch Orlando erreicht schließlich sein Ziel. Auf mysteriösem Wege erfährt der junge Mann immer mehr über die schrecklichen und tiefgründigen Hintergründe des Mordes. Dieser Roman bietet einen kleinen Einblick in die Anfänge des Fundamentalismus und des heiligen Krieges. Auch wenn dies eher erzählerisch und nicht gerade wissenschaftlich geschieht. Der Autor bietet nur wenige historische Fakten, dafür aber detaillierte Phantasievorstellungen, besonders wenn es um erotische und gewaltsame Szenen geht. Die Geschichte ist unterhaltsam und relativ leicht und flüssig zu lesen, der Wahrheitsgehalt blieb dabei aber leider auf der Strecke.

F


Frank Baer: Die Brücke von Alcantára
Spanien im Jahr 1064. Während des ersten christlichen Kreuzzuges begegnen sich drei Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Ein christlicher Söldner, ein jüdischer Arzt und ein verbannter arabischer Dichter. Die Herrschaft der Muslime scheint bald vorbei zu sein und die Reconquista kurz bevor zu stehen. Die Kämpfe zwischen Christen und Muslimen nehmen immer mehr zu. Die drei Protagonisten versuchen in dieser schwierigen Zeit zu überleben und dabei sich selbst, ihren Überzeugungen und ihrem Glauben treu zu bleiben. Die Leser dieses Romans sind sich einig, dass „Die Brücke von Alcantára“ ein echter Geheimtipp ist. Frank Baer zählt nicht zu den bekannten und kommerziellen Autoren von historischen Romanen. Seine Geschichten sind eher unauffällig und unspektakulär und greifen nicht gerade die im Trend liegenden Themen und Epochen auf. Aber er überzeugt mit gut recherchierten Fakten und Detailgenauigkeiten, sowie mit liebevoll, wenn auch nicht gerade komplexen, Charakteren, die sich im Laufe der Handlung noch entwickeln. Wer also vom Mainstream mal Abstand nehmen möchte und einfach nur Lust auf eine lehrreiche, informative und dennoch spannende und interessante Geschichte hat, der sollte hiermit gut beraten sein.

Frank Schätzing: Tod und Teufel
Viele Mythen ranken sich um den Bau des Kölner Doms. Eine davon besagt zum Beispiel, dass die Dombaumeister einen Pakt mit dem Teufel eingegangen wären. In diesem Roman von Frank Schätzinger geht es um den Tod eines dieser Dombaumeister. Jacop, der Protagonist, beobachtet eines abends, wie der Dombaumeister von einer dunklen Gestalt vom Gerüst gestoßen wird. Jacop eilt herbei und wird dabei vom Täter gesehen. Der Mörder will den Zeugen nun ausschalten und verfolgt ihn. Jacop erzählt auf der Flucht seinen Freunden davon, was er gesehen hat, doch die glauben ihm nicht. Gerüchten zu folge haben Augenzeugen gesehen, dass der Dombaumeister einfach, ohne Fremdeinwirkung, vom Gerüst gestürzt sei. Auch wenn ihm seine Freunde nicht glauben, will der Mörder sicher gehen und tötet jeden, dem Jacop von seinen Beobachtungen erzählt hat. Eine packende Geschichte über Mord, Flucht, Gerechtigkeit, Verschwörung und Macht. Frank Schätzinger verbindet fiktive Personen und Geschichten mit realen Persönlichkeiten und Geschehnissen dieser Zeit und erzählt so eine spannende Geschichte über den Machtkampf zwischen dem Kölner Erzbischof und den Kölner Patriziern.

H


Helga Glaesener: Die Rechenkünstlerin
Ende 14. Jahrhunder in Heidelberg – zu Zeiten der Gründung der ersten Universität in Deutschland. Charlotta Buttweiler erfährt vom Tod einer Freundin. Sie sei unglücklich von einem Hocker gestürzt. Aber Charlotta fällt etwas Ungewöhnliches auf: Würgemale am Hals, die weder für einen Unfall, noch für einen Selbstmord sprechen. Deshalb macht sich die junge Studentin selbst auf die Suche nach der Wahrheit.
Die meisten Leser kritisieren den Titel des Romans. Erwartet man eine Geschichte, in der ein weibliches Mathegenie im Vordergrund steht und die als Rebellin in diesem damals männlichem Gebiet gilt, so wird man am Ende enttäuscht. Charlotta liebt die Mathematik und geht dieser auch leidenschaftlich nach, doch geschieht dies eher am Rande der Geschichte und hat keine große Bedeutung. Der Charakter der Charlotta ist interessant und sympathisch und so folgt man der sturen Außenseiterin gern durch die Handlung, wobei ziemlich jede Thematik, die das Mittelalter ausmacht, auch Erwähnung findet. Dennoch fehlt einfach der Rote Faden, wodurch man ziel- und planlos durch die Geschichte irrt und ziemlich plötzlich am Ende, unerwartet, die Auflösung vorgesetzt bekommt. Helga Glaesener verwendet auch einige Male lateinische Zitate, zu denen sie aber keine Übersetzungen liefert. Das ist ein großer Nachteil für Leser ohne Lateinkenntnisse und schadet so deutlich und drastisch dem Lesevergnügen.

I


Iny Lorentz: Die Wanderhure
Konstanz zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Marie ist die Tochter eines Kaufmanns und lebt ein gutes Leben. Ruppertus Splendidus, ein fragwürdiger Graf, hält eines Tages um die Hand der hübschen Kaufmannstochter an. Seine Zweifel ignorierend willigt der Handelsherr ein und verheiratet seine Tochter. Doch aus der glücklichen Ehe wird nichts. Schon bald stellt sich heraus, dass es Ruppertus nur ums Geld ging. Durch eine Intrige ihres Mannes, wird sie verhaftet und in den Kerker gesperrt, wo sie nachts vergewaltigt wird, um sie beim Prozess der Prostitution zu beschuldigen. Sie wird für schuldig befunden und zur Strafe auf dem Marktplatz ausgepeitscht und zur Stadt hinaus getrieben. Marie wird außerhalb der Stadt aufgelesen und gesund gepflegt, doch fortan muss sie tatsächlich der Prostitution nachgehen. Doch sie schwört Rache dafür, dass man ihr einst so schönes Leben zustört hat.
Die Rezensionen gehen von „Meisterwerk“, bishin zu „billiger Groschenroman“. Fakt ist, dass die Geschichte wohl interessant und spannend geschrieben wurde und dass die düstere Atmosphäre des Mittelalters spürbar ist. Historisch liegt dem Roman allerdings nicht all zu viel zu Grunde. Die Charaktere sind platt und ihrem Denken und Handeln zu modern. Außerdem hat der Autor nicht darauf geachtet eine Facetten reiche Geschichte zu erzählen: es gibt nur schwarz und weiß, gut und böse und sämtliche Klischees und Vorurteile wurden bedient.

Iny Lorents: Die Kastellanin
Nach ihrem schweren Leben im ersten Buch der Wanderhuren-Sage, führt Marie inzwischen wieder ein glückliches Leben, an der Seite ihres Ehemannes Michel. Das Glück scheint perfekt, als Marie schwanger wird und sie dabei sind eine richtige kleine und vorallem glückliche Familie zu werden. Allerdings wird das Glück getrübt, als Michel, gegen die Hussiten, in den Krieg ziehen muss. Er ist mutig, tapfer und edel, sodass er sogar zum Ritter geschlagen wird. Doch eines Tages verschwindet er spurlos und wird schließlich sogar für tot erklärt. Damit beginnt für Marie erneut eine schwierige Zeit, in der sie sich zahlreichen Anfeindungen ausgesetzt fühlt. Flucht scheint ihr das einzige Mittel. Auf einer abenteuerlichen Reise versucht Marie ihren Mann zu finden, denn sie ist fest davon überzeugt, dass er noch lebt.
Auch im zweiten Band sind sich die Leser uneinig. Fans der „Wanderhure“ fanden auch die Fortsetzung gut. Allerdings scheinen sich die Geschichten sehr zu ähneln, was das Lesevergnügen mindert. Auch die Spannung scheint im zweiten Teil auf der Strecke zu bleiben. Historisch ist auch in diesem Roman nicht all zu viel an Fakten zu erwarten, sondern mehr Romantik und Drama. Lediglich die Erwähnung des Krieges gegen die Hussiten ist ein Pluspunkt, da dieser eher selten in historischen Romanen thematisiert werden.

Iny Lorents: Das Vermächtnis der Wanderhure
Auch im dritten Teil der Sage hat sich zu Beginn wieder alles zum Guten gewendet. Marie lebt erneut ein glückliches, eigentlich sorgenfreies, Leben und ist erneut schwanger. Doch im Laufe der Zeit hat sich Marie einige Feinde gemacht, die ihr dieses Leben nicht gönnen. Und so schmiedet eine ihrer Erzfeindinnen den Plan Marie zu entführen und für tot erklären zu lassen. Der Plan gelingt und Marie wird als Sklavin immer weiter verkauft. Mit ihrem Sohn, den sie inzwischen zur Welt gebracht hat, lebt sie von einen Tag in den anderen und in ständiger Angst und Gefahr. Nach einigen Abenteuern, vielen Höhen und Tiefen und unter Lebensgefahr schafft es Marie schließlich zurück nach Hause. Doch auch dort ist nichts mehr, wie es einmal war.
Die Bewertungen des dritten Romans unterscheiden sich kaum, von denen der vorangegangenen Bänden. Mangel an historischen Fakten, dafür aber viel Dramatik und Romantik. Auffällig ist, dass sich beim dritten Band ein typischer Verlauf für die ganze Sage bemerkbar macht. Es beginnt alles sehr harmonisch und nahezu perfekt, doch darauf folgt die große Katastrophe. Marie passiert etwas Schreckliches, alles Erdenkliche geht schief und sie muss von ihrem bisherigen Leben Abschied nehmen. Nach unendlichen Abenteuern, Qualen und ausweglosen Situationen, wendet sich das Blatt aber und für Marie wird alles wieder gut. Bemängelt werden außerdem die logischen Fehler. Während Marie im 2. Teil ihren geliebten Mann unter allen Umständen finden will, findet sich Michel im 3. Teil einfach so mit dem Verschwinden seiner schwangeren Frau ab. In diesem Band wird außerdem das fehlende Lektorat und die dadurch unzähligen Fehler kritisiert.

Iny Lorentz: Die Tochter der Wanderhure
Zwischen der Handlung des letzten Teils und diesem liegen ca. 12 Jahre. Eine Angabe, die einem leider so nicht viel bringt. Ausgehend von der Zeitangabe 1410, im ersten Band, werden im Verlauf der Saga keine weiteren Zeitangaben geliefert. Alles weitere muss man sich, ausgehend von 1410, selbst errechnen. Diesmal geht es nicht um Marie, die mit ihrer Familie wieder ein glückliches Leben führt, sondern, wie der Titel schon verspricht, um die Tochter – Trudi.
Während die eine Hälfte der Leser eine deutliche Verbesserung zum dritten Teil entdeckt, ist die andere Hälfte gleich bleibend enttäuscht. Einig sind sich alle darin, dass man die ersten 200 – 250 Seiten als unnützes Geplänkel bezeichnet. Erst danach geht der eigentliche Handlungsrahmen wirklich los und die Geschichte geht ihren Weg und bleibt spannend und überraschend. Offenbar bringt der Protagonistenwechsel, von Marie zu Trudi, frischen Wind in die Saga.

Iny Lorentz: Töchter der Sünde
Wieder beginnt der Roman in einer Idylle. Marie lebt glücklich und zufrieden auf Burg Kibitzstein, ihre Töchter sind inzwischen alle verheiratet. Während es im letzten Roman um Tochter Trudi ging, geht es diesmal um Sohn Falko, der nun auch endlich sesshaft werden soll. Aber Falko ist ein Hitzkopf, der keine Gelegenheit auslässt, sich Feinde zu machen und lieber seinen Dickkopf durchsetzt, anstatt sich Gedanken über Ehe und Familie zu machen. Der junge Mann erhält eine wichtige Aufgabe, die ihn nach Roman führt. Doch kann er zunächst widerstehen, beginnt dann aber eine gefährliche Affäre. Kann er dennoch die Ankunft des deutschen Königs Friedrich III. und dessen Kaiserkrönung, wie vorgesehen, vorbereiten? Oder macht ihm seine unüberlegte Liebesbeziehung einen Strich durch die Rechnung?
Historisch bietet der fünfte Teil der Saga nun ein klein wenig mehr. Hintergrund dieser Geschichte ist die Kaiserkrönung Friedrich III., durch Papst Nikolaus V. Interessant dabei sind die verschiedenen politischen Beweggründe und Machenschaften, die diese Krönung verhindern sollten. Anhänger und Freunde der Wanderhuren-Sage werden enttäuscht sein, denn außer der Tatsache, dass Falko der Sohn der Wanderhure ist, hat dieser Roman nichts mehr mit der eigentlichen Geschichte zu tun und die Leser fragen sich, ob dieser Umstand vielleicht sogar nur im Nachhinein hineingeschrieben wurde, um bessere Verkaufszahlen zu erreichen.

Iny Lorentz: Die List der Wanderhure
Mit „Die List der Wanderhure“ macht das Autorenpaar, das hinter Iny Lorentz steckt, in der Zeit einen großen Sprung zurück. Allerdings geht es diesmal mehr um die Äbtissin Isabelle, als um Marie und Michel – diese sind diesmal eher Statisten. Isabelle hütet in ihrem Kloster ein Geheimnis. Gerüchten zu folge das Versteck des Heiligen Grals. Das Kloster wird von Ordensrittern überfallen – viele Nonnen werden getötet, aber die meisten werden gefangen genommen. Nur die Novizin Justina kann fliehen und übernimmt Isabelles Aufgabe. Als aber auch sie getötet werden soll, greifen Marie und Michel ein. Damit beginnt auch für die beiden ein Wettlauf mit dem Tod.
Wie die Handlung schon verrät, ist auch dies keine Wanderhuren-Geschichte. Die Saga der Wanderhure endete quasi mit dem dritten Band. Während Marie und Michel in Band 4 und 5 nur noch als Grundlage dienten, sind sie nun wieder Teil der Story. Historische Fakten sucht man erneut vergeblich, was aber auch viel daran liegt, dass die Suche nach dem Heiligen Gral ein Mysterium ist und wahrscheinlich auch für immer bleibt. Geblieben ist aber ein spannender Schreibstil, der mit meist sehr detaillierten und brutalen Sexszenen, die selbst Fans der Sage für übertrieben und unnötig halten, der die eher flache Geschichte erzählt.

J


Jan Guillou: Der Kreuzritter – Aufbruch
Der erste Teil der Trilogie ist eine Einleitung auf die Thematik. Es geht um das Gebiet, dass später zu Schweden wird, im 12. Jahrhundert. Der Protagonist ist Arn, der von seinen Eltern zur Ausbildung in ein Kloster geschickt wird, weil er Gott geweiht sei. Doch als er als junger Mann dort entlassen wird, dauert es nicht lang bis er eine schwere Sünde begeht und fortan, als Bestrafung, als Tempelritter leben muss. Gerade im ersten Band wird man mit vielen unbekannten Begriffen konfrontiert, weshalb es hilfreich wäre sich vor oder während dem Lesen ein wenig mit der skandinavischen Geschichte und deren Begrifflichkeiten auseinander zu setzen.

Jan Guillou: Der Kreuzritter – Verbannung
Arn macht sich als Tempelritter gut. Bereits im Kloster hatte man sein kriegerisches Talent gefördert, was ihm nun zu Gute kommt. Dennoch scheint der Kampf nahezu aussichtslos zu sein. Der Autor vermittelt dem Leser im zweiten Band dieser Trilogie einen guten Überblick und eine schöne Einführung in eine sehr düstere und grausame Zeit. Er stellt wichtige Personen und Ereignisse des 2. und 3. Kreuzzuges vor und erzählt dabei die Geschichte des jungen Arn weiter, der inzwischen die Beweggründe und Absichten aller beteiligten Parteien durchschaut hat und nun im gewissen Maße zwischen den Stühlen sitzt.

Jan Guillou: Der Kreuzritter – Rückkehr
20 Jahre lang war Arn auf dem Kreuzzug im Heiligen Land. So lang ist es her, dass Arn zu Hause war. Zu Hause, wo seine Geliebte, Freunde und Verwandte auf ihn warteten. Doch ein Happy End ist nicht zu erwarten. Es gibt zwischendurch immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen und Arns Herzensdame gerät in Schwierigkeiten. Arn ist mit den Jahren aber erwachsen, selbstbewusst und weiser geworden und versucht so der Frau seines Lebens geschickt zu helfen und endlich mit ihr glücklich zu werden.

Jan Guillou: Der Kreuzritter – Das Erbe
Eigentlich sind die Kreuzritter-Romane nur eine Trilogie. Doch so ganz konnte der Autor damit wohl nicht abschließen. Die Geschichte des fiktiven Arn Magnusson ist zu Ende erzählt und er stirbt schließlich. Doch die erdachte Geschichte wird mit der Wirklichkeit verknüpft, als Jan Guillou Birger Jarl (Birger Magnusson), als Enkel des verstorbenen Arn, einführt. In dem Roman tritt Birger Jarl in die Fußstapfen seines Großvaters und auch im wahren Leben war er maßgeblich an der Entstehung einiger Gesetzgebungen beteiligt. Da über die Jugend dieses Mannes nicht viel bekannt ist, erzählt Guillou eine fiktive Geschichte über das Erwachsenwerden dessen. Ein spannendes Auf und Ab und Hin und Her, dass damit abschließt, dass Schweden gegründet wird.

K


Ken Follett: Die Säulen der Erde
Dieser historische Roman ist ein echter Klassiker, wenn nicht sogar DER Klassiker unter den Mittelalterromanen. Man bekommt eine sehr gute Darstellung über das damalige Leben. Der Konflikt zwischen Adel, Klerus und dem einfachen Volk steht dabei im Mittelpunkt des Geschehens. Das Volk leidet unter der Ausbeutung und es kommt nicht selten zu blutigen Auseinandersetzungen. Der junge Prior Philip hält aber dennoch an seinem Wunsch nach Frieden fest. Er möchte eine Kathedrale errichten, „Die Säulen der Erde“, die als Wahrzeichen gegen das Böse und als Zeichen der Hoffnung dienen soll. Unterstützt wird er bei diesem Vorhaben von seinem Baumeister Tom Builder, dessen Stiefsohn Jack und die Grafentochter Aliena, die allesamt bereit sind an der Seite von Philip um Leben und Tod zu kämpfen, um die Kathedrale zu errichten.

Ken Follett: Die Tore der Welt
England im Jahr 1327. In der Fortsetzung des Bestsellerromans „Die Säule der Erde“ geht es wieder um junge Briten, genauer gesagt die Nachfahren der Hauptakteure aus dem ersten Teil, die ihr Leben im Mittelalter meistern. Dabei erhält der Leser erneut detaillierte und interessante Einblicke und Hintergrundinformationen. Merthin und sein Bruder Ralph sind die Nachkommen von Jack, dem Erbauer der Kathedrale. Caris, die Tochter eines Wollhändlers träumt davon später einmal als Ärztin den Menschen zu helfen. Ihr Vetter, Godwyn, ein Mönch, mit dem festen Willen Prior zu werden, begleitet sie. Gwenda, die Tochter eines Tagelöhners, hingegen hat keine großen Ambitionen, Wünsche und Träume. Sie hört einfach nur auf ihr Herz und folgt ihrer Liebe. Die fünf jungen Menschen gehen einen steinigen Weg, der Glück, aber auch Unglück bereit hält. Es ist eine Geschichte voller Höhen und Tiefen, in der sie mit Hass, Liebe, Stolz, Rache, Glück, Leid und vielem mehr konfrontiert werden. Krieg, Pest, Hexenverfolgung, das alles sind Gefahren, gegen die sie ankämpfen müssen und bei dem sie die Hoffnung nie aufgeben dürfen, um ihre Ziele nie aus den Augen zu verlieren.

L


Lothar Englert: Friesische Freiheit
Friesland im 14. Jahrhundert. Schon immer mussten die Landsleute ihr friedliches Leben und ihr Hab und Gut verteidigen. Sie kämpften erfolgreich gegen Wikinger, Deutsche und alle, die ihnen ihren Besitz streitig machen wollten. Sogar gegen Adelige; Grafen, Fürsten oder Könige verteidigten sie ihr Leben. Doch nun droht Bedrohung aus den eigenen Reihen. Reiche Großbauern wollen noch mehr und gönnen dem kleinen Mann nichts mehr. Das Rechtssystem in Friesland wird reformiert und ist aus diesem Grund nicht mehr so stabil. Es gibt viele Neuerungen, die nur mäßig eingehalten werden. Ein Kampf um Macht, Geld und Ehre entfacht. Alte bewährte Traditionen treffen auf neue unbeständige Modernisierungen. Korruption, Gewalt und sogar Mord sind die Folge.

Lothar Englert: Die holländische Brille
1564 wurde David Fabricius, in Ostfriesland, als Sohn eines Schmiedes, geboren. Ostfriesland stand zu dieser Zeit unter der Herrschaft von Graf Edzard II., Graf Johann und Graf Christoph. Es herrschten, aufgrund der Reformation, große religiöse Unstimmigkeiten. Und dennoch entschied sich David Fabricius, als er alt genug war, ein Theologiestudium zu beginnen. Er versucht, als Pastor, seiner Gemeinde halt zu bieten, was nicht immer leicht ist. Außerdem ist er wissenschaftlich sehr aktiv, was ihm ebenfalls viel Missgunst einbringt. Dennoch wird er zu einem bedeutenden Theologen und Hobbyastronom, der sein Talent und sein Interesse an der Wissenschaft und der Zukunft an seinen Sohn weitergibt.

Lothar Englert: Friesisch blau
Nachdem Lothar Englert bereits Romane im 15. und 16. Jahrhundert angesiedelt hat, spielt dieser nun am Ende des 13. Jahrhunderts in Emden. Ein Tuchhändler, dessen Geschäfte bislang gut liefen und dessen Plan es war als Bürgermeister zu kandidieren, gerät plötzlich in finanzielle Nöte. Schuld daran kann man ihm nicht geben, denn es liegt einfach an den zu hohen Kosten, die keinen Gewinn zu lassen. Er kämpft um seinen Tuchhandel, doch mehr und mehr wird ihm bewusst, dass er sich davon verabschieden muss. Damit drohen auch seine politischen Ziele zu scheitern. Doch kurz bevor er aufgibt, ergibt sich ein lukratives Geschäft. Mit nur einer Transaktion, mit einem Fernhändler, könnte er alle seine Probleme beseitigen. Aber die Frage ist: Was setzt er dabei aufs Spiel? Ist das Geschäft sauber?

N


Noah Gordon: Der Medicus
England Anfang des 11. Jahrhunderts. Es geht um einen Jungen namens Robert ‚Rob‘ Jeremy Cole, der nach dem Tod seiner Eltern von einem Baderchirurgen als Lehrling aufgenommen und in die Heilkunst eingeführt wird. Rob hat eine besondere Gabe: ist sein Patient dem Tod nahe, kann er dies in seinen Händen spüren. Von seiner Gabe begeistert erkennt Rob, dass es seine Bestimmung ist den Menschen zu helfen. Dafür sucht er den besten Lehrmeister der Welt. Nachdem auch der Bader stirbt, macht sich Rob auf die Suche nach anderen Lehrmeistern. Er reist um die ganze Welt, trifft auf immer neue Lehrmeister, von denen er einiges lernt. Auf seiner langen Reise, um seinen Lebenstraum zu verwirklichen, findet Rob neue Freunde, die zu seiner Familie werden, auch wenn er sich manchmal als jemand ganz anderer ausgeben muss. Der Medicus ist eine spannende und packende Geschichte, die historisch allerdings sehr ungenau ist. Orte werden falsch dargestellt und kartographiert, es werden Orte durchreist, die es damals noch gar nicht gab, die Namensgebung ist zeitlich nicht korrekt und auch die Stände gab es in dieser Form im 11. Jahrhundert noch nicht. Die Geschichte beschreibt dementsprechend eine fiktive Welt, die dem Mittelalter lediglich ähnelt. Dies gibt der Autor im Nachwort aber auch ohne Umschweife zu.

R


Rebecca Gablé: Das Lächeln der Fortuna
England im Jahr 1360. Robin, der Sohn des Earl of Waringham, ist gerade 12 Jahre alt, als sein Vater wegen Hofverrat angeklagt wird. Fortan ist der Junge mittellos und gehört von einen auf den anderen Tag zum armen Volk. Er wird von allen Seiten schikaniert und muss sich dem Spott, Hohn und Boshaftigkeiten des gehobenen Standes aussetzen. Besonders der junge Mortimer, Sohn des neuen Earls, macht es sich zur Aufgabe Robin das Leben schwer zu machen. Aber Robin bleibt tapfer. Durch den Rückhalt seiner Schwester und einigen Freunden hält der Junge durch, nimmt die Schikanen hin und geht seinen Weg. Robin durchlebt mehr Tiefen als Höhen, doch er ist stark und klammert sich an seine Begabung mit Pferden umzugehen. Er glaubt fest daran, dass er sich, trotz vieler Rückschläge, wieder zurück an den Hof arbeiten kann. Der Roman ist definitiv ein Bestseller! Das liegt an dem Schreibstil von Rebecca Gablé, die es trotz einfacher Formulierungen schafft, den Leser zu unterhalten und zu fesseln. Die Vermischung von Fakten und Fiktion ist interessant und selten. Neben einer unterhaltsamen Geschichte bietet „Das Lächeln der Fortuna“ eine kompakte Übersicht über die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Rebecca Gablé: Die Hüter der Rose
England 1413. „Die Hüter der Rose“ ist die direkte Fortsetzung zu „Das Lächeln der Fortuna“. Robin ist der Earl of Waringham, ist verheiratet und hat Kinder. Doch sein Sohn John hegt den Verdacht, dass sein Vater ihn zu einer geistlichen Laufbahn zwingen will. Aus diesem Grund läuft er weg, flüchtet nach London und tritt dort in den Dienst von Heinrich V., dem amtierenden König von England. Dieser möchte den Hundertjährigen Krieg, der zu dieser Zeit stockte, wieder antreten und siegreich zu Ende bringen. John beginnt mit der typischen Knappenausbildung und wird später sogar zum Ritter geschlagen. John wird enger Vertrauter des Königs und dessen Freunde. Doch als er Juliana of Wolvesey, die Tochter des Bischofs, entführt und heiratet, fällt John auch in Ungnade des Königs. Bis zum Tod des Königs begnügt sich John mit einem schlichten Leben bei seinem Bruder. Doch nach dem Tod des Königs ernennt ihn der Bischof zum Captain der Leibwache und zum Ausbilder einjährigen Thronfolgers. John wird zu einer höchst wichtigen Person und ist an vielen bedeutenden Ereignissen dieser Zeit beteiligt und entscheidend.

Rebecca Gablé: Das Spiel der Könige
England 1455. Es tobt gerade der berühmte Rosenkrieg zwischen den Häusern Lancaster und York. Julian, der Sohn von John, aus „Die Hüter der Rose“, wurde unerwartet zum Earl of Waringham. England ist zweigeteilt und so muss sich John für eine Seite entscheiden. Er schlägt sich zunächst auf die Seite der Yorks, dessen Edward 1461 auf den Thron kommt. Doch das Haus Lancaster gibt nicht auf und es tobt ein 30jähriger Krieg, der nicht nur strategisch, sondern vorallem auch emotional geführt wurde und bei dem nicht selten das einfache Volk geopfert wurde. Während Julian immer mehr an seiner Entscheidung zweifelt, Edward zu unterstützen, hat seine Zwillingsschwester Blanche ganz eigene Probleme. Ihre Ehe ist der reinste Horror. Ihr Mann, der bereits zwei frühere Ehefrauen beerdigt hatte, hatte dies nun augenscheinlich auch mit Blanche vor. Ihre einzige Rettung ist die Flucht – dementsprechend schlägt sie ihm die Hand ab und nutzt ihre Chance. Als gesuchte Verbrecherin ist nicht nur Blanches eigenes Leben schwierig, sie macht auch ihren Bruder verwundbar. Blanche verliebt sich neu und geht eine Ehe mit Jasper Tudor ein; dem Bruder des Königs. Ihre Ehe bleibt aber illegitim, da ihr Mann noch immer lebt und sich an ihr rächen will. Julian steht mittlerweile wieder, wie seine ganze Familie, hinter dem Hause Lancaster. Er und Jasper organisieren gemeinsam über See den Widerstand gegen die Yorks.

Rebecca Gablé: Der dunkle Thron
England 1529. König Henry VIII. ist König von England. Er möchte sich von seiner derzeitigen Gemahlin Katharina von Aragón scheiden lassen, um seine Mätresse Anne Boleyn zu heiraten. Nur noch ein Mann steht zwischen dem Wunsch des Königs und der Erfüllung. Doch dieses Problem wird schnell und einfach gelöst: Der Mann wird verhaftet und hingerichtet. Sein Sohn, der 14jährige Nicholas of Waringham muss vom Internat zurückkehren und sich um sein Erbe, sowie um seinen Brüder zu kümmern. Nick ist mit der ganzen Situation überfordert. Die Verantwortung für seinen Bruder und für ihr ganzes Leben werden noch dadurch erschwert, dass seine Stiefmutter keine Möglichkeit auslässt, um ihn bloß zu stellen und sein gutes Ansehen zu beschmutzen. Zu allem Überfluss bittet die Königin ihn außerdem darum sich, im Falle einer Scheidung, um ihre Tochter Mary zu kümmern. Kurz darauf werden Katharina und Mary vom König vom Hofe verbannt. Nick bleibt aber auf der Seite der Verstoßenen und zieht so den Ärger und die Missgunst des Königs auf sich. Eine schwierige Zeit für Nick bricht an. Er muss seine Familie zurücklassen und sich vom Hofe fernhalten, während der König seine Liebeseskapaden weiterführt. Nick und Mary verbindet inzwischen eine innige Freundschaft und sie stehen zueinander, gegen den König. Nick ist viele Jahre vom Hofe weg, kennt seine eigenen Kinder kaum und kämpft darum seinem Leben wieder einen Sinn zu geben. Zusammen mit Mary schafft er dies auch letztendlich. Es ist eine spannende Geschichte über das Leben am Hof, unter Henry VIII. und seinen Ehefrauen. Aber auch eine interessante Geschichte Marys, bis zu ihrer Krönung im Jahre 1553.

Rebecca Gablé: Das zweite Königreich
England 1064. Cædmon, ein junger Engländer, wird bei einem Piratenüberfall schwer verwundet und wird dadurch zum Krüppel. Seinen Vater belastet dies sehr, deshalb kommt es ihm gelegen, als ein alter Freund auftaucht und einen Vermittler sucht, der Englisch und Normannisch spricht. Cædmons Mutter war Normannin, deshalb ist er beider Sprachen mächtig und wird von seinem Vater auf die Reise geschickt. Den Jungen erwarten einige Abenteuer, bei denen er stets als Vermittler tätig ist – mal gewollt, mal ungewollt. Es ist ein ständiges Auf und Ab und als sich Cædmon dann auch noch verliebt, wird es ganz kompliziert. Die fiktive Geschichte Cædmons ist spannend und interessant, denn immer wieder verliert er seine gerade aufgebaute Gunst und sein Vertrauen. Doch ebenso oft gewinnt er all dies auch geschickt zurück. Dass die erdachte Geschichte dieses Jungen eingeflochten ist in gut recherchierte und detaillierte historische Ereignisse, macht das ganze noch interessanter.

Rebecca Gablé: Hiobs Brüder
England im 12. Jahrhundert, während des englischen Bruderkriegs. Der Roman ist in drei Teile aufgeteilt. Diese handeln jeweils von den Personen Losian, Alan und Simon. Im ersten Teil geht es um Losian, der in einer Festung in Yorkshire eingesperrt ist, weil er sein Gedächtnis verloren hat; zusammen mit 17 anderen Männern, die alle als verrückt, krank oder behindert gelten. Durch ein Unwetter gelingt den Männern jedoch die Flucht. Sie streifen quer durchs Land, bis Losian schließlich als Burgherr wieder erkannt und als Alan identifiziert wird. Doch damit wurde nicht automatisch alles gut. Alan passte nicht mehr in sein altes Leben und bekam immer neue Probleme. Als nach und nach sein Gedächtnis zurückkehrt, merkt er, dass er nicht mehr die Person von damals ist. Der dritte Teil handelt von Simon de Clare, der in der Festung eingesperrt war, weil man ihn als besessen erklärt hatte. Die Gruppe begibt sich schließlich nach Frankreich. Sie alle stehen auf Henrys Seite, gegen König Stephan, wobei Simon zum wichtigsten Berater wird.

Rebecca Gablé: Der König der purpurnen Stadt
1330 in England, hat der Waisenjunge Jonah kein leichtes Leben. Er wohnt bei seinem Cousin, für den er auch arbeitet. Die einzige, die er von seinem Talent, als Tuchhändler, überzeugen kann, ist seine Großmutter. Nach ihrem Ableben erhält er deshalb ein ansehnliches Erbe, um sein Talent auszubauen und zu nutzen. Doch das bringt ihm Neider ein, u. a. seinen Cousin, der ihn sogar töten will. Durch glückliche Umstände lernt Jonah König Edward III. und dessen Frau Philippa kennen, die sein Talent ebenfalls erkennen und fördern. Jung und übermütig, wie Jonah ist, riskiert er aber alles und muss improvisieren, um nicht alles zu verlieren. Es ist eine spannende Geschichte über Erfolge und Misserfolge, Glück und Unglück, Reichtum und Armut.

Rebecca Gablé: Das Haupt der Welt
Deutschland im Frühmittelalter. 929 beendet Heinrich I. die Belagerung in Brandenburg. Prinz Tugomir und seine Schwester werden nach Magdeburg verschleppt, nachdem deren Festung gefallen ist. Dragomira, bekommt recht bald ein Kind von Heinrichs Bruder Otto und Tugomir erhält Ansehen als Heiler. Eine spannende Geschichte um Macht, Vertrauen, Neid und Intrigen beginnt. Tugomir scheint die ganze Zeit über ein relativ hohes Ansehen zu haben, wird aber dennoch skeptisch beäugt. Otto, der schließlich zum König gewählt wird, muss schwere Entscheidungen treffen, Schlachten führen und seinen Thron wahrlich verteidigen. Die fragwürdige Beziehung zwischen Otto und Tugomir wird auf eine harte Prüfung gestellt. Das besondere an diesem Roman ist, dass hier gänzlich auf fiktive Figuren verzichtet wurde.

Robert Low: Raubzug – Die Eingeschworenen Band 1
Die Eingeschworenen sind eine Gruppe von Wikingern. Sie reisen über die Weltmeere und gehen auf Raubzüge, bei denen sie es vorrangig auf christliche Artefakte abgesehen haben. Der junge Orm wird von seinem Vater in diese Gruppe eingeführt. Sie alle glauben bzw. schwören auf Odin, weshalb es zu großen Konflikten zwischen den Eingeschworenen und überzeugten Christenanhängern kommt. Die Eingeschworenen sind berüchtigt für ihre Brutalität und ihrem Drang nach Blut vergießen. Doch im Vordergrund dieser Geschichte steht etwas anderes – die Suche nach dem Schwert von Attila dem Hunnenkönig. Diese mächtige Waffe, so heißt es, macht seinen Besitzer unschlagbar. Orm, der sich in dieser düsteren Welt noch zurecht finden muss, gerät mitten zwischen die Fronten und muss sich in diesem Streit behaupten, um zu überleben. Der Autor hat sich sehr bemüht viele historische Fakten in der Geschichte unterzubringen und bietet dem Leser so, neben einer Action geladenen Wikingergeschichte, einen interessanten Einblick in die nordische Kultur. Über kleine historische Fehler können die meisten Leser hinweg sehen.

Robert Low: Runenschwert – Die Eingeschworenen Band 2
Im ersten Teil, Raubzug, lernt der Leser zunächst die Eingeschworenen kennen und natürlich den Protagonisten, Orm. Dieser ist inzwischen im Besitz des legendären Runenschwert, was ihm nicht gerade wenige Neider und Feinde beschert. Auf der Seite der Wikingergruppe gab es große Verluste und noch immer scheinen sie kein Oberwasser zu haben. Sie werden angegriffen und das wertvolle Runenschwert wird gestohlen. Der Versuch, es zurück zuholen, führt die Gruppe dieses Mal in den östlichen Mittelmeerraum, bis hin zum heiligen Land. Auf ihrer Reise und am Ziel angelangt warten wieder viele Schlachten, Missgunst, Verrat und viele weitere Abenteuer auf die Männer. Historisch wieder gut recherchiert und spannend erzählt. Und auch im zweiten Band gibt es kleine historische Fehler, die dem Lesevergnügen aber nicht schaden.

Robert Low: Drachenboot – Die Eingeschworenen Band 3
Nach ihrer letzten Schlacht kehren die Männer in ihre Heimat zurück. Sie wollen sich ein neues zu Hause erbauen und zur Ruhe kommen. Doch Odin hat andere Pläne für die Gruppe. Sein Ruf bringt sie dazu ihr Drachenboot wieder fahrtauglich zu machen und aufs Meer zu schicken. Ein hinterhältiger Überfall auf ihre gerade errichtete Siedlung weckt den Kampfgeist der Eingeschworenen und sie schwören Vergeltung. Blutrünstig wie eh und je machen sich die Wikinger wieder auf die Reise, um ihre Angreifer zu bestrafen und um den, noch lange nicht vergessenen, Silberschatz endlich zu finden. Robert Low bietet im dritten Teil wieder eine packende und spannende Wikingergeschichte, bei der er mit Gewalt während den Kämpfen und Schlachten nicht geizt. Seine detaillierten Beschreibungen, die teilweise nicht blutiger sein könnten, sind nichts für schwache Nerven und geben einen recht realistischen Einblick in diese düstere, brutale und grausame Zeit.

Robert Low: Rache – Die Eingeschworenen Band 4
Auch im vierten Teil der Romanserie sind die Eingeschworenen noch immer berühmt, berüchtigt und gefürchtet. Auf ihrer Suche nach Gold, Silber, christlichen Artefakten und anderen Schätzen mussten sie, trotz ihrer Gewaltbereitschaft und ihrem Ruf, einige Rückschläge einstecken und Verluste ertragen. Doch noch immer hat Vergeltung die höchste Priorität bei der Wikingergruppe. Allerdings wird ihr nächster Racheplan gestört, denn die Gruppe rund um Orm erhält einen höchst offiziellen Auftrag. Sie sollen die schwedische Königin beschützen, deren Leben und somit das gesamte schwedische Königreich in Gefahr ist. Die Leser sind sich weiterhin einig, dass Robert Low sehr gut recherchiert und schöne und durchaus interessante historische, sowie kulturelle, Einblicke in eine faszinierende Zeit gibt. Seine Liebe fürs Detail und die sehr authentisch formulierten Kampfszenen machen die Geschichte von Orm, der manchmal etwas viel Glück hat, zu etwas Besonderem.

Robert Low: Blutaxt – Die Eingeschworenen Band 5
In Irland liegt ein Mann im Sterben und mit letzter Kraft spricht er seine letzten Worte. Gerichtet sind sie an Olaf Tryggvason, dem norwegischen Prinzen, der gerne auch Krähenfuß genannt wird. Er ist ebenfalls Mitglied der Eingeschworenen und soll nun die norwegische Krone tragen. Doch Olaf ist jung und unerfahren. Er versucht seinen Weg zu gehen, macht dabei aber viele Fehler und gerät in so manche gefährliche Situation. Band 5 der Serie bringt einen deutlichen Bruch. Während vorher der sympathische Orm der Protagonist war, taucht dieser nun nur noch selten auf und wird von dem naiven, arroganten und unsympathischen Olaf abgelöst. Die Leser sind sich fast einstimmig einig, dass Orm einfach fehlt und das Lesevergnügen deutlich gemindert ist. Ein weiterer Grund dafür ist aber auch die neue Struktur des Romans. Während Low in den vorherigen Bänden immer eine fortlaufende Geschichte, mit einem klaren Handlungsstrang erzählt hat, versucht er nun mehrere Handlungsstränge zu erzählen und diese miteinander zu verknüpfen. Dabei geht aber nicht sonderlich geschickt vor und der Lesefluss ist durch ständig wechselnde und nicht immer nachvollziehbaren Handlungen deutlich gestört.

S


Sabine Weigand: Die silberne Burg
Deutschland 1415. Erzählt werden in diesem Roman die Geschichten von drei Protagonisten, die sich alle zufällig und mit ganz unterschiedlichen Gründen einer zwielichten Gruppe anschließen, um den Rhein entlang zu reisen. Sara ist eine junge Jüdin aus Köln, die bis zum Tod ihres Mannes ein glückliches Leben führte. Doch nach ihrer religiösen Neuverheiratung, mit dem Bruder des verstorbenen Mannes, lebt sie nur noch in Angst. Ihr neuer Gatte misshandelt sie, weshalb sie schließlich flüchtet und Schutz bei ihrem Onkel sucht. Dieser weckt ihr Interesse an der Medizin und bildet sie darin auch aus. Der Ritter Ezzo hat einen geheimen Auftrag der Königin von Ungarn. Nur deshalb schließt auch er sich der reisenden Gruppe an. Der Mönch Ciaran verbirgt in seiner Harfe ein großes Geheimnis, das die Kirche um jeden Preis vernichten will – das Vermächtnis des Ketzers John Wyclif. Um möglichst unerkannt zu bleiben, schließt auch er sich der Gruppe an. Alle drei haben eine bewegende Vergangenheit und große gegenwärtige Probleme. Sara kämpft darum irgendwo als Ärztin praktizieren zu können, ist dabei aber ständigem Judenhass ausgesetzt. Ezzo kämpft einen innerlichen Kampf und Ciaran flüchtet vor der Kirche. Auf ihrer gemeinsamen Reise versuchen alle zur Ruhe zu kommen und ihren persönlichen Frieden zu finden. Doch beim Konzil von Konstanz geraten alle drei in Machtintrigen und geraten in große Gefahr.

T


Tanja Kinkel: Die Löwin von Aquitanien
Frankreich im 12. Jahrhundert. Geht man vom Klappentext aus, scheint es eine Biographie über Eleonore von Aquitanien zu sein, die sich mit den vielen Überlieferungen der damaligen Königin von Frankreich und England beschäftigt. Die Autorin scheint ein großes historisches Wissen zu haben, weshalb sie in ihrer Geschichte viele fundierte Fakten beschreibt. Allerdings kann die Fülle an Informationen in einem einzigen Roman nicht untergebracht werden, weshalb einige der Nebengeschichten deplatziert wirken und nur oberflächlich behandelt werden. Dennoch ist „Die Löwin von Aquitanien“ ein unterhaltsamer und leidenschaftlicher Roman, der dem Leser einen interessanten Einblick in das Leben von Eleonore bietet.

Tanja Kinkel: Die Puppenspieler
Ende des 15. Jahrhunderts in Wandlingen, Deutschland. Der Papst verkündete gerade, dass er die Hexenverfolgung billigte. Richards Mutter, eine Sarazenin, die aber mittlerweile zum Christentum übergetreten war, wies die Annäherungen eines Mannes zurück, der sie daraufhin der Hexerei beschuldigte. Der kleine Richard musste mit ansehen, wie seine Mutter auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Da auch sein Vater bereits tot war, kam der Junge bei Verwandten unter. Jakob Fugger, sein Onkel, ist Kaufmann. Anfangs zieht sich Richard zurück, doch mit der Zeit fasst er Vertrauen und sein Interesse am Familiengeschäft wächst. Die Geschäfte führen ihn recht bald nach Rom, Florenz und Venedig und Richard entdeckt die Vielseitigkeit des Lebens. Kunst, Politik, Glaube und sogar die Liebe lernt er kennen. Doch diese führt ihn schnell wieder zum Thema Hexerei. Dabei hatte sich Richard, nach der Hinrichtung seiner Mutter, fest vorgenommen den Hexenglauben zu bekämpfen. Eine Zwickmühlensituation für den jungen Mann, der sich ohnehin in einige Intrigen verwickelt.
Es ist schon auffällig, dass sich die Lesermeinungen, im Bezug auf historische Romane, immer in zwei Lager teilen. Während bei vielen Romanen die historischen Fakten vernachlässigt werden, scheint Tanja Kinkel den Lesern ein wenig zu genau recherchiert zu haben. Sie bringt viele wichtige Ereignisse ein und nutzt dafür Namen wie Jakob Fugger, Kaiser Maximilian, Lorenzo di Medici und Cesare Borgia. Doch leider stört die Fülle der Fakten beim folgen der Geschichte und somit das Lesevergnügen, selbst wenn die Autorin zugibt, dass sie einige chronologische Veränderungen vornehmen musste, damit es in die Geschichte passte.

Tilman Röhrig: Wie ein Lamm unter Löwen
Italien im Jahr 1196. In Jesi wird am Weihnachtstag auf dem Marktplatz der Thronerbe Kaiser Heinrich VI. geboren. Er soll auf den Namen Roger-Konstantin getauft werden, was dem Vater missfällt. Der ohnehin nicht begeisterte Vater nimmt der Mutter das Kind kurz nach der Geburt weg und lässt es nach seinem Großvater Barbarossa, auf den Namen Friedrich taufen. Dieser Roman ist quasi eine Art Lebenslauf Friedrich II. und historisch ziemlich korrekt. Die chronologischen Eckdaten und Informationen wurden in eine abwechslungsreichen, amüsanten und durchaus interessanten Geschichte verpackt. Auch wenn einige Charaktere teilweise nur oberflächlich ausgearbeitet sind, so zum Beispiel Friedrich selbst, so ist dieser Roman dennoch ein sehr gutes Werk, um sich über die Geschichte des Königs und späteren Kaisers auf unterhaltsame Art und Weise zu informieren.

U


Umberto Eco: Der Name der Rose
Anfang 14. Jahrhundert in Italien, genauer gesagt im ligurischen Apennin. Dort findet, in einer Benediktinerabtei, ein Treffen statt, um über diverse Themen und Probleme zu diskutieren und Machtverhältnisse auszugleichen. Gleichzeitig gilt es aber auch noch einen mysteriösen Todesfall zu klären. Eben jene Ermittlungen bilden den roten Faden des Romans. Dieser rote Faden gibt einen komplexen Einblick in das mittelalterliche Leben. Es werden zahlreiche Blickwinkel angesprochen, nahezu jede „Schicht“ wird berücksichtigt und bietet Einblicke in sowohl theologische, historische und philosophische Aspekte, die zu damaliger Zeit relevant waren. Es ist schon etwas Besonderes, dass so viele Themen geschickt in die Geschichte verflochten und somit mal oberflächlich, mal detailliert behandelt werden. Ein großes Geheimnis wird in den Klosterbibliotheken gehütet und der Bibliothekar ist bereit alles zu tun, um dieses Geheimnis zu hüten. Eine spannende und faszinierende Geschichte, um einen Mordfall und einem Geheimnis. Stehen die beiden Dinge in Verbindung? Können die beiden aufgeklärt bzw. gelüftet werden? Auf jeden Fall ist dem Leser eine spannende, interessante und auch lehrreiche Geschichte garantiert.

Umberto Eco: Baudolino
Das prachtvolle Konstantinopel – eingenommen, ausgeraubt und in Brand gesteckt. Baudolino ist einer der Ritter, des vierten Kreuzzuges, die für diese Tat verantwortlich waren. Baudolino ist der Protagonist dieses Romans und führt den Lesen auch durch diesen. Er erzählt auf quirlige Art viele Geschichten, beginnend damit, dass er als 13jähriger Kaiser Barbarossa traf. Dieser fand Gefallen an dem Jungen und adoptierte ihn. Daraufhin folgen weitere Geschichten, wie Baudolino an der Seite von Barbarossa diverse Abenteuer erlebt. Der frühere Bauernsohn erlebt u. a. die Italienzüge, den großen Kreuzzug ins Heilige Land und nimmt Einfluss auf die Heiligsprechung Karl des Großen. Aber der Junge hat auch ein großes Geheimnis. Es heißt, dass Barbarossa im Fluss ertrunken sei, doch in Wahrheit starb er schon in der Nacht davor. Es war Mord und Baudolino ist sich sicher den Täter zu kennen. Den Roman kann man gut in zwei Teile spalten. Im ersten Teil erzählt Baudolino auf recht amüsante Weise viele historische Ereignisse. Im zweiten Teil, nach Barbarossas Tod, geht es um die Suche nach dem Reich des Priesters Johannes, die hauptsächlich aus fiktiven Geschichten besteht und auch einige Fabelwesen des Mittelalters beinhaltet. So wie man das Buch in zwei Teile zerlegen kann, so spalten sich auch die Lesermeinungen. Die eine Hälfte ist begeistert von dieser ungewöhnlichen und kreativen Art und Weise historische Ereignisse zu erzählen. Die andere Hälfte ist genervt von dem aufdringlichen und albernen Art des Protagonisten und hätte sich mehr Ernsthaftigkeit gewünscht. Vorallem der Bruch innerhalb des Romans, von historischen Fakten in der ersten Hälfte und der Verwendung von Phantasie, Mythen und Legenden in der zweiten Hälfte sorgen für Uneinigkeit bei den Lesern.

W


Wolfgang David: Der bleiche Tod der Sarazenen
Deutschland, 980, unter der Herrschaft von Otto II.. Otto tat sich schwer damit neue Gegner zu finden. Aber er möchte auch kein ruhiges Leben ohne Krieg führen. Trotzdem seine Frau, Theophanu, skeptisch ist, fasst Otto den Plan den Islam zu besiegen und somit zum Beschützer des Christentums zu werden. Sein Plan beinhaltet die Vertreibung der Araber vom Festland, sodass er fortan über ganz Italien herrschen kann. Doch der Kriegsschauplatz liegt weit entfernt. Zu weit, um den Plan vor den Arabern lang genug geheim zu halten, um einen Überraschungsangriff zu starten. Außerdem wird das Vorhaben auch von anderen Geschehnissen innerhalb und außerhalb der Region beeinflusst. Dennoch zieht Otto II. mit einem riesigen Heer in den Süden. Allerdings endet der Feldzug in einer Katastrophe – für beide Seiten. Dieser Roman ist packend und spannend, von der ersten bis zur letzten Seite. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass Wolfgang David nicht einfach nur einen Roman verfasst hat, der seinen Gedanken entsprang. Der Autor hat für dieses historische Werk sehr gut recherchiert und bietet darum nicht nur interessante, sondern auch sehr fundierte Einblicke in eine längst vergangene Zeit.

Ein Kommentar:

  1. Michael E. Kalkreuth

    Sehr geehrter Schnieders,
    beim Durchlesen Ihrer Netzseiten bin ich auf die Listung von mittelalterlichen Romanen gestoßen.
    Als Autor eines historischen Romans, der in der Spätantike im heutigen deutschen Südwesten spielt, kam mir als Anfrage in den Sinn, ob Sie mein Buch ANGENE der Liste beifügen könnten.
    Einzelheiten des Romans finden Sie auf der Seite http://www.edition-mek.de.
    Mit besten Grüßen,

    Michael E. Kalkreuth

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