Bedeutung von Städtenamen

Jeder Ortsname hat eine bestimmte Bedeutung. Da sich aber im Laufe der Zeit die Ortsnamen erheblich verändert haben, können wir die ursprüngliche Bedeutung kaum noch anhand des Namens erahnen. Nur, wenn wir den ursprünglichen Namen einer Stadt herausfinden, können wir Rückschlüsse auf die Bedeutung gewinnen. Die Forschung der Städtenamen kann uns dabei helfen, die Herkunft bestimmter Namensbestandteile zu erkennen und somit interessante Fakten über den eigenen Ortsnamen zu herauszufinden.

Deutung der Ortsnamen

Wer hätte denn bspw. erahnt, dass der Name des Ortes Arolsen früher Adalolteshusen war? Und das bedeutete so etwas wie das „Haus des Adelholt“. Da wir seltenst noch weiter in die Vergangenheit oder noch tiefer in die Entstehung des Namens blicken können, müssen wir unsere Fantasie einschalten: Lebte in diesem Ort vllt. ein gewisser Adelholt, der in seinem großen Haus oft Besuch empfing – so dass viele Leute sich über das Haus des Adelholt austauschten? Und wurde so mit der Zeit der Name „Adalolteshusen“ für das Dorf gebräuchlich, weil dadurch jeder wusste, wo man hingeht? So oder so ähnlich wird es gewesen sein – wir werden es wohl leider nie mit Gewissheit sagen können.

Viele Ortsnamen lassen sich nur aus ihrer ursprünglichen Benennung erklären. Da wird aus dem verschollenen flint (=Feuerstein) später Flinswangin, bis es Heute Fleischwangen heißt und mit der ursprünglichen Benennung nichts mehr gemeinsam hat.
Oder das altdeutsche Wort kien (Fichte) steckt bspw. in Kienbach; das altdeutsche apholtra (Apfelbaum) steckt in Affalter, Apelder oder Affaltrach. Und die Beispiele lassen sich beliebig weiterführen.

Probleme bei der Deutung

Manchmal tappen wir aber auch im Dunkeln, wenn es bspw. zwei oder mehr Erklärungen für eine Wortherkunft gibt. Schauen wir uns bspw. den Namen des heutigen Königswinter (im 11. Jahrhundert Wintere) an, für den es zwei mögliche Herkunftserklärungen gibt:

  • eine germanische Sitte, Ortschaften im Gebirge nach der Sommer- und Winterseite zu benennen (also der Mittagssonne zu- oder abgewandten Lage)
  • das altdeutsche Wort veinatrin (Weinstock), das ebenso für Königswinter in Frage käme

Andere Male existieren zwei oder mehr althochdeutsche Wörter, die sich sowohl ähnlich anhören als auch für die selbe Stadt in Frage kommen, wie bspw. „elaho“ (Elenn oder Elch) und „alhs“ (Tempel). Beide könnten der Ursprung für die Städte „Elichpach“ (Heute Elbach) und „Elenhenwang“ (Heute Ellwangen) sein.

Das gleiche Problem haben wir bei dem Ortsnamen Scalcobrunno (Heute Scalcobach), für den ebenso zwei ursprüngliche Wörter in Frage kommen:

  • der Riesenhirsch „scelaho“ (Schelch), der bis ins zehnte Jahrhundert in den deutschen Wäldern lebte
  • oder das spätlateinische Wort „scalcus“ (Schalk)

Quelle:

  • Kallsen, Prof. Dr. Otto: Gründung und Entwicklung der deutschen Städte im Mittelalter. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses. Halle a. S. 1891.

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