Hexenverfolgung in Heidelberg

Den vorhandenen Dokumenten zufolge wütete der Hexenwahn in Heidelberg hauptsächlich zwischen 1450 und 1500 mit dem traurigen Rekord „Ort der frühesten Massenhexenprozesse“ überhaupt gewesen zu sein. Die Scheiterhaufen für die Hinrichtungen wurden außerhalb der Stadtmauern am Neckarufer errichtet (Neuenheimer Neckarwiese). Nach der Wende zum 16. Jahrhundert starb in Heidelberg keine Hexe mehr den Feuertod. Der Hexenturm bei der Universität wurde erst seit 1684 so benannt. Zuvor hieß er nur Diebsturm oder Gefängnisturm. Wahrscheinlich saß dort nie eine Hexe und wartete auf ihre Hinrichtung.Ein Zeitzeuge, Matthias von Ketmat, Hofkaplan und Chronist des Pfälzer Kurfürsten Friedrich des Siegreichen, beschrieb, dass er während seiner Reisen viele Hexen habe brennen sehen in Heidelberg und andernwärts. Er beschreibt den Hexenglauben als allerverfluchteste Sekte von Unholden. Er berichtete von zwei Frauen, die 1475 als Hexen in Dilsberg verbrannt wurden. Eine der Frauen gestand, ihren Nachbarn mittels eines Schadenszaubers am Kopf verletzt zu haben, indem sie ihm ein Haar genommen und in einen Baum gestoßen habe. Dieses Haar fand man angeblich später. Ebenso berichtet er von Salben und Tinkturen, die aus den Leichen von satangeweihten Kindern gewonnen wurden. Den Ausbruch der Pest in verschiedenen Ortschaften z. B. erklärt von Ketmat so, dass aus den Lungen, Eingeweiden und Lebern der satangeweihten Kindern ein Pulver hergestellt wurde, welches in den Nebel gestreut wurde und sich so in der Ortschaft verteilte. Im 15. Jahrhundert gab es zahlreiche Gründe, weshalb ein Schadenszauber von Hexen angewandt werden konnte. Es gab immer wieder Seuchen, Dürren, Hungersnöte, Unwetter, Überschwemmungen, Erdbeben, Feuersbrünste. Chroniken beschreiben, dass zwischen 1407 und 1491 in Heidelberg ein Dutzend Mal die Pest ausgebrochen sei.

Als erste Hexe wurde in Heidelberg wohl 1447 eine Frau namens Johanna Opfer der Hexenjagd. Von Ketmat spricht davon, dass die Unholde, die Katzen und Besen reiten, über den Heiligenberg auf die Angelgrube (heute: Langer Kirschbaum) und die Kurnau (heute: Schafbachtal nach Schönau) fahren. Die Gegend um den „Münchelpass“ wird heute noch als (Hexen) Tanzplatz bezeichnet.

Als einer der wichtigsten Gegner der Hexenprozesse gilt ein 1524 geborener Heidelberger Universitäts-Professor für Mathematik und Philosophie, der ein Jahr als Rektor tätig war. Obwohl er selbst an Hexerei und Zauberei glaubte, veröffentlichte er 1585 unter dem Pseudonym Augustin Lerchheimer eine kritische Schrift über die Hexenprozesse „Christlich bedencken und erinnerung von Zauberey, woher was und wie vielfeltig sie sei„. Um nicht enttarnt zu werden, vermied Lerchheimer jeden wissenschaftlichen Bezug, da man selbst als Gegner der Hexenprozesse als Ketzer verfolgt und verbrannt werden konnte. Er wollte erreichen, dass die Prozesse humaner und gerechter abgehalten werden. Er sprach sich gegen die Anwendung von Folter aus, da diese Fehlurteile begünstigt haben. Jedoch fand seine Schrift kein nennbares Gehör und so appellierte er an den Gerechtigkeitssinn der Richter.

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