Piraten

Piraten im Mittelalter

Die Piraterie hat eine lange Geschichte und Tradition. Bereits seit es die Seefahrt bzw. den Seehandel gibt, gibt es im Grunde auch Piraten. Hartmut Roder, der als Historiker am Übersee-Museum tätig ist, erklärte „Die Geschichte der Piraterie ist unlösbar verflochten mit der Handels-, Kriegs-, Sozial- und Rechtsgeschichte“.1

Unter Piraterie versteht man im Allgemeinen Gewalttaten, Eigentumsdelikte (Plünderungen) oder Freiheitsberaubung, die zu eigennützigen Zwecken, mittels eines privaten Seefahrzeuges, auf hoher See, also gegen ein anderes Schiff, oder gegen Gebiete, die keiner staatlichen Gewalt unterliegen, begangen werden.2

Die genauen Anfänge der Piraterie kann man nicht datieren. Je nach Betrachtungsweisen gibt es verschiedene Anfangsdaten und Hochzeiten der Piraterie. Fakt ist allerdings, dass bereits in den Büchern des Herodots, also in der Antike, von Seeräubereien berichtet wird.

Im Mittelalter beginnt die Seeräuberei etwa im 7. Jahrhundert, wo es vermehrt zu Angriffen auf christliche Gebiete, durch arabische Flotten, kommt. Etwa zeitgleich (zwischen dem 7. – 9. Jahrhundert) versuchen sich kroatische und serbische Piraten den byzantinischen Handel zu eigen zu machen.3

Ab dem 8. Jahrhundert trieben außerdem die Wikinger, also die Piraten aus Skandinavien, ihr Unwesen auf den Meeren. Sie bedrohten vorrangig Deutschland und Frankreich, wo sie bis ins 10. Jahrhundert hinein mehrfach angriffen.4 Anfangs hielten sie sich dabei hauptsächlich an den Küstengebieten auf, benutzten später dann aber u. a. auch die Flusssysteme.5

Der bekannteste deutsche Pirat ist Klaus (Claas) Störtebeker. Er war ein Freibeuter, also ein Schiffsführer, der skrupellos andere Schiffe kapert und mit allen Mitteln Gewinn erzielen will – auch auf Kosten anderer.6 Dennoch galt er auch als Beschützer der Armen und Schwachen. Es gibt nur wenige Überlieferungen. So ist sein Geburtsdatum und -ort unbekannt. 1401, wahrscheinlich am 21. Oktober, wurde er, wie viele andere Seeräuber auch, durch Enthauptung hingerichtet. Seit 1394 war Störtebeker einer der Anführer der Vitalienbrüder.7

Die Vitalienbrüder (auch Liekedeler: niederdeutsch „Gleichteiler“) waren eine Freibeutergemeinschaft, die in der Nord- und Ostsee tätig war. Als Helfer des schwedischen Königs Albrecht versorgten sie von 1389 – 1392 Stockholm mit Lebensmittel (Vitalien), das zu dieser Zeit von König Margaret von Dänemark besetzt war. Ab 1392 dann kaperten die Brüder eigenmächtig vorrangig Hanseschiffe in der Nordsee. 1398 wurden die Vitalienbrüder vom deutschen Orden von ihrem Stützpunkt auf Gotland verbannt. 1400 bzw. 1401 wurden sie von der Hanse besiegt.8 Mehr als 70 Männer wurden daraufhin auf dem Grasbrook, vor der Hafeneinfahrt von Hamburg hingerichtet.9

Quellen

1 http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/verbrechen/piraten/ [Stand: 27.12.2014]
2 Brockhaus – Das Taschenlexikon, Band 17 Piad – Regeq, S. 5881, F. A. Brockhaus in der wissenmedia GmbH, Gütersloh, München 2010
3 http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Piraterie#Mittelalter [Stand: 27.12.2014]
4 Jerrer, Dr. Georg Ludwig: Die Weltgeschichte für Kinder, Band 2, 5. Ausgabe, Friedrich Campe Verlag, Nürnberg 1833
5 Ulrich Weidunger: Die Wikingereinfälle im Bereich der südlichen Nordsee. In: Hartmut Roder (Hrsg.): Piraten – Die Herren der Sieben Meere. Edition Temmen, Bremen 2000
6 http://www.duden.de/rechtschreibung/Freibeuterei#b2-Bedeutung-b [Stand: 26.04.2015]
7 Brockhaus – Das Taschenlexikon, Band 21 Stic – Tiu, S. 7372, F. A. Brockhaus in der wissenmedia GmbH, Gütersloh, München 2010
8 Brockhaus – Das Taschenlexikon, Band 23 Verdu – Weltq, S. 8238, F. A. Brockhaus in der wissenmedia GmbH, Gütersloh, München 2010
9 Blazek, Matthias: Seeräuberei, Mord und Sühne – Eine 700-jährige Geschichte der Todesstrafe in Hamburg 1292–1949, S. 46, ibidem-Verlag, Stuttgart 2012

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