Belagerung von Stuttgart

1286 Belagerung von Stuttgart

Graf Eberhard von Württemberg hatte häufig den Landfrieden gebrochen und sich damit die Feindschaft von König Rudolf von Habsburg zugezogen. Rudolf versammelte daher sein Heer und zog von Ulm aus in Richtung Stuttgart, um den Grafen zu unterwerfen.

Graf Eberhard rüstete ebenfalls auf, um Gegenwehr zu leisten. Dabei hatte er Unterstützung durch die Grafen von Montfort, Zollern und Helfenstein. Das königliche Heer Rudolfs hatte schon mit erstem Widerstand in Nürtingen zu kämpfen. Denn zu dieser Zeit war es üblich, dass sich die Landbevölkerung auf dem befestigten Kirchhof sammelte, wo sie dann von Rudolf belagert wurde. Aber Rudolfs Heer durchbrach die Befestigung, erstürmte den Kirchhof und zerstörte die ganze Stadt Nürtingen.

Danach zog Rudolf mit seinen Truppen in Richtung Esslingen, während Graf Eberhard mit seinem Heer vor der königlichen Übermacht bis nach Stuttgart zurückwich. Hinter den Stadtmauern hoffte er, Rudolf Widerstand leisten zu können. Aber Rudolf eroberte zunächst die bei Cannstadt gelegenen Burgen Brye und Berg und ließ beide schleifen (zerstören?). Das gleiche Schicksal ereilte wahrscheinlich auch das Stammschloss Württemberg auf dem roten Berg.

Schließlich erreichte Rudolf Stuttgart und belagerte die Stadt. Das Hauptheer des Königs hatte sich als Lager eine Wagenburg auf dem Berg eingerichtet, über den man nach Stuttgart kommt, wenn man von Esslingen aus startet. Daher hat diese Gegend heute noch den Namen „Wagenburg“.

Graf Eberhard verteidigte indessen Stuttgart tapfer und fügte dem Heer Rudolf herbe Verluste zu – einerseits verlor Rudolf viele Männer bei den vergeblichen Bemühungen, die Stadtmauer zu überwinden und andererseits plante Eberhard Ausfälle aus der Stadt heraus, bei denen er kleine Gruppen von Rudolfs Heer angriff und niederschlug. Dabei wurde Eberhard von einem kleinen württembergischen Heer unterstützt, das sich auf der südöstlich von Stuttgart gelegenen Weißenburg verschanzt hatte und bei den Ausfällen aus Stuttgart heraus tatkräftig mitwirkte.

König Rudolf war mittlerweile der Bemühungen der Belagerung überdrüssig und ließ sich auf die angebotene Unterwerfung von Graf Eberhard ein. Diese Vereinbarung wurde am Martini-Abend beschlossen und beinhaltete folgende Hauptpunkte:

  1. Freilassung aller Gefangenen
  2. Verbindliche Zusage durch den Grafen Eberhard, sich 2 Jahre lang ruhig und friedlich zu verhalten
  3. Übergabe der Stadt Stuttgart an Rudolf und Schleifung (Zerstörung?) der Stadtmauern

Um diesen Frieden zu bekräftigen musste Graf Eberhard schwören, ihn einzuhalten und musste seine Burgen Wittlingen und Rems an König Rudolf von Habsburg abtreten. [2, S. 607-608]

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