Die Kreuzzüge

Grundlagen zu den Kreuzzügen

Im 9. und 10. Jahrhundert sahen die meisten Ritter vor allem die adelige Fehde als ihre Hauptaufgabe. (Fehde: Rechtbrüche werden unter Adeligen mit Waffen geregelt ohne eine höhere Instanz einzuschalten.) Allerdings hatte das Volk, vor allem die Bauern und auch die Kirche sehr unter diesen Fehden zu leiden. Daher wollte man die Ritter zum Kampf gegen Heiden und Ketzer motivieren um ihnen damit neue christliche Werte und Aufgaben zu geben. Damit lässt sich die hohe Beteiligung der Ritter an den Kreuzzügen erklären.

bild 91: Ein Heer der Kreuzritter

Bild 91: Ein Kreuzritterheer auf dem Weg ins Heilige Land. Wegen Nahrungsknappheit und Krankheiten sterben viele Kreuzritter schon auf dem Weg. Nach einem Gemälde von Gustave Doré.

Inhalt

Vorgeschichte

Um die Ideologie der Kreuzzüge zu verstehen ist es sinnvoll einen kurzen Blick auf ihre Vorgeschichte zu werfen. Im Laufe des 11. Jahrhunderts kam es immer wieder zu feindlichen Übergriffen muslimischer Herrscher auf Christen und ihre Heiligtümer. So wurde im Jahr 1009 unter Kalif al-Hakim die Grabeskirche in Jerusalem zerstört, die zu den größten Heiligtümern der Christenheit zählt. Bei dieser Zerstörung wurde auch das Felsengrab Christi abgebrochen. Als im Jahr 1071 Seldschuken (Seldschuken = islamisches Herrscherhaus der Turkstämme Zentralasiens) in Palästina einfielen wurde Jerusalem, das zum byzantinischen Herrschaftsgebiet gehörte, von Muslimen erobert. Es kam immer wieder zu Überfällen „wilder Muslim-Horden“ auf Christen und zu Zerstörungen von Kirchen und Altären.

Kaiser Alexios I Kommnenos von Byzanz wurde mehr und mehr von den Seldschuken angegriffen und sah sich nicht mehr in der Lage genügend Truppen aufzubringen um Byzanz vor den Muslimen zu verteidigen. Daher bat er im Jahr 1095 den Papst und das westliche Abendland um Hilfe.

Papst Urban II. griff diesen Hilferuf auf und hielt im November 1095 auf dem Konzil von Clermont eine Rede in der er die Verwüstungstungen der heiligen Stätten durch die türkischen Seldschuken beklagte und das anwesende Volk aufforderte große christliche Armeen aufzustellen um im Namen Gottes ihren Brüdern im Osten zu helfen und die „Heiden“ aus den heiligen Orten zu vertreiben. Das Volk reagierte mit voller Begeisterung auf diesen Aufruf. Damit begann die Kreuzzugsbewegung, die rund300 Jahre dauern sollte.

Der Bauernkreuzzug

Bereits im Frühjahr 1096 setzte sich ein großer Heereszug in Richtung Jerusalem in Bewegung. Dieser Heereszug bestand zum Großteil aus unorganisierten Horden von Bauern, die sich aus dem Kreuzzug das Lob Gottes erhofften. Die Bauern wurden auf dem Weg ins heilige Land immer unruhiger und fingen an zu plündern und zu morden. Vor Allem Juden, die nicht bereit waren das Christentum anzunehmen wurden von den Bauernhorden umgebracht. Als dieser Zug nach Byzanz kam wurde er sofort von Kaiser Alexios I. mit Schiffen über den Bosporus gebracht. Hier trafen sie erstmals auf Muslime und mussten bald feststellen, dass sie den kampferprobten muslimischen Türken unterlegen waren. Viele Bauern wurden getötet, die überlebenden flohen zurück nach Byzanz.

Die sieben Kreuzzüge

1. Kreuzzug (1096 – 1099)

1096 startete der erste große Kreuzzug der Ritter. Nachdem 1098 Edessa und Antiochia erobert werden konnten zog das Ritterheer nach Jerusalem weiter. Die Heilige Stadt konnte nach fünfwöchiger Belagerung unter Robert von der Normandie und Gottfried von Bouillon 1099 eingenommen werden. Das Heer richtete in Jerusalem ein wahres Blutbad an, bei dem nicht nur Muslime, sondern auch Juden ermordet wurden. Unter Gottfried von Bouillon wurde das Königreich Jerusalem mit den Lehensstaaten Antiochia, Edessa und Tripolis gegründet. (Gottfried von Bouillon lehnte den Königstitel ab und nannte sich „Herzog des heiligen Landes“)

2. Kreuzzug (1147 – 1149)

Nachdem im Jahr 1144 die Grafschaft von Edessa von Muslimen zurückerobert wurde, drängte Benedikt von Clairvaux auf einen neuen Kreuzzug. König Ludwig VII. von Frankreich und Konrad III. machten sich daraufhin mit einem Kreuzfahrerheer auf den Weg nach Jerusalem. Der Kreuzzug stellte sich jedoch als reiner Fehlschlag heraus. Er scheiterte, da die Teilnehmer Bündnisse gegeneinander schlossen und das Heer zudem Damaskus angegriffen hat, eine Stadt deren Einwohner zuvor die Christen unterstützt hatte, sich aber nach der Belagerung auf die Seite der Muslime stellte.

bild 89: Kreuzritter geraten in Hinterhalt

Bild 89: Kreuzritter im heiligen Land geraten in einen Hinterhalt. Man sieht noch den Pfeil in der Brust des vordersten Reiters stecken. Aufgescheucht reiten die Pferde weiter.

3. Kreuzzug (1189 – 1192)

Auch der dritte Kreuzzug stellte sich als Misserfolg heraus. 1187 nahm Sultan Saladin Jerusalem ein, worauf in Europa der Ruf nach einem erneuten Kreuzzug stark wurde. Dieser startete 1189 unter Friedrich I. Barbarossa, Philipp II. von Frankreich und Richard I. „Löwenherz“. Das erste Unglück geschah bereits auf dem Weg nach Jerusalem: Friedrich Barbarossa, der maßgeblich an der Vorbereitung des Kreuzzuges beteiligt war, ertrank 1190 beim Baden, seine Truppen kehrten nach Deutschland zurück.Philipp II. und Richard I. marschierten jedoch weiter und konnten auf ihrem Weg nach Jerusalem Akkon erobern. Allerdings gelang es ihnen nicht auch Jerusalem zurück zu gewinnen. Sie konnten lediglich eine Erlaubnis zu Pilgerbesuchern mit dem Sultan vereinbaren.

bild 90: Kreuzfahrer an Weihnachten

Bild 90: Die christlichen Kreuzfahrer feiern Weihnachten in Bethlehem. Für die erstaunten Moslems am linken Bildrand ist Weihnachten kein Feiertag. Nach einem Gemälde von F. Kirchbach.

4. Kreuzzug (1202 – 1204)

Der vierte Kreuzzug strebte erstmals ein anderes Ziel an: Das Heer machte sich nach Ägypten auf, wo mittlerweile das Zentrum des Islam lag. Jedoch stellte sich der Kreuzzug als absolute Katastrophe heraus. Unter dem Einfluss Venedigs änderte das Heer seinen Kurs und marschierte auf Konstantinopel zu. Die Hauptstadt von Byzanz wurde erobert und geplündert. Damit wurde das Bollwerk gegen die Osmanen zerstört und die Macht Venedigs andererseits gestärkt. Der Kreuzzug war ein großer Skandal, da ein christliches Heer, das im Namen Gottes auszog eine christliche Stadt plünderte und eroberte.

5. Kreuzzug (1228 – 1229)

Auch der fünfte Kreuzzug hatte Ägypten zum Ziel. Der gebannte Kaiser Friedrich II. zog aus und konnte mit Sultan Elkamil von Ägypten einen Vertrag aushandeln durch den die Christen Jerusalem, Bethlehem und Nazareth zurück gewannen

bild 88: Aufbruch zum 5. Kreuzzug.

Bild 88: Zum 5. Kreuzzug verabschiedet sich Elisabeth von Thüringen von ihrem Gemahl. Der Künstler schafft in diesem Bild eine romantische Aufbruchsstimmung mit küssenden Pärchen und wartenden Rittern. Nach einer Originalzeichnung von A. Zick.

6. Kreuzzug (1248 – 1254)

Trotz des schlechten Rufes, die die Kreuzzüge zu dieser Zeit bereits hatten brach Ludwig IX. von Frankreich zu einem Kreuzzug nach Ägypten auf. Auch dieser Kreuzzug war ein einziger Fehlschlag. Das christliche Heer wurde in Ägypten geschlagen, die Teilnehmer wurden gefangen genommen oder ermordet. Ludwig IX. geriet selbst in Gefangenschaft und wurde nur gegen hohes Lösegeld wieder frei gelassen.

7. Kreuzzug (1270)

Trotz des großen Misserfolgs brach Ludwig IX. 1270 erneut zu einem Kreuzzug auf. Aber auch dieser scheiterte, da unter den Kreuzfahrern die Beulenpest ausbrach, die auch dem König das Leben kostete. 1291 wurde Akkon als letzte christliche Befestigung von den Muslimen erobert. Damit endete der letzte große Kreuzzug.

weitere Kreuzzüge

Im 14. und 15. Jahrhundert wurden weitere Kreuzzüge gegen Heiden vor allem im Osten geführt. Diese waren hauptsächlich von Ritterorden organisiert und endeten mit der Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453.

Aber nicht nur die Kriege gegen Nichtchristen anderer Länder wurden als Kreuzzüge bezeichnet, sondern auch die Kämpfe gegen von der Kirche als Ketzer bezeichneten Menschen und die Rückeroberung der iberischen Halbinsel von den Maurern, die so genannte Reconquista.

Gründe für die Kreuzzüge

Kreuzzug als „gerechter Krieg“

Einer der entscheidenden Gründe für die Kreuzfahrer sich dem Kampf gegen Muslime und andere Nichtchristen anzuschließen war die religiöse Motivation. Jerusalem wurde von den Christen als Eigentum angesehen, dass ihnen geraubt wurde. Damit hatten sie in ihren Augen das Recht zu den Waffen zu greifen und die Stadt zurück zu erobern. Für sie galt somit der Kampf gegen Muslime und bald auch gegen alle Nichtchristen als „gerechter Krieg“ und bald auch als „heiliger Krieg“.

Drei Kriterien für einen „gerechten Krieg“ sind dabei ausschlaggebend: 1. eine Autorität, in diesem Fall, musste zum Kampf aufrufen, 2. es muss ein gerechter Kriegsgrund vorliegen, in diesem Fall der Raub und die ungerechte Behandlung von Christen und 3. der Krieg muss in guten Absichten geführt werden, im Fall der Kreuzzüge im Namen Gottes.

Als Belohnung versprach die Kirche allen Kreuzfahrern den Ablass (= Nachlass zeitlicher, in der Beichte auferlegter Strafen für die Sünden). Viele Kreuzfahrer glaubten bald, dass ihnen auch Sünden im Jenseits erlassen werden, wenn sie gegen Muslime kämpfen und Jerusalem befreien. Die Kirche widersprach nicht.

wirtschaftlicher Aspekt

Aber es gab auch wirtschaftliche und soziale Gründe sich an den Kreuzzügen zu beteiligen, denn die Kreuzfahrer durften das eroberte Land behalten. Vor Allem für Ritter, die keinen Erbanspruch auf das Land und Vermögen des Vaters hatten, bildeten die Kreuzzüge eine gute Möglichkeit Land zu erwerben. Durch Ruhm und Ehre konnten die Kreuzfahrer sozial weiter aufsteigen.

Folgen der Kreuzzüge

Eine entscheidende Folge der Kreuzzüge war die Schwächung Konstantinopels durch den vierten Kreuzzug, durch die eine Eroberung der Stadt durch die Türken erst möglich wurde. Auf der anderen Seite war auch der Aufstieg Venedigs und Genuas eine Folge der Kreuzzüge. Weiterhin führten die Kreuzzüge zu einer Verbesserung der Kampftechniken und vor allem zu einem Kulturtransfer vom Orient in das westliche Abendland, der die Bildung und auch den Alltag im Westen stark beeinflusste.

Ein weiteres Resultat der Kreuzzüge war die Entstehung der Ritterorden, die vor allem im 14. und 15. Jahrhundert eine große Rolle im Kampf gegen Heiden gespielt haben. Die drei größten Ritterorden, die aus dieser Zeit hervorgingen sind:

Die Johanniter

Ihre Aufgaben lagen im Waffendienst und Krankendienst. Der Johanniterorden ging aus der Bruderschaft des Spitals in Jerusalem hervor und wurde 1113 von Papst Paschalis II. bestätigt. Seinen Namen Malteser erhielt der Orden auf Grund seines Sitzes in Malta von 1530 bis 1798. Heute hat der Orden seinen Hauptsitz in Rom.

Die Tempelherren oder Templer

Zu ihren Aufgaben zählte der Schutz des Heiligen Landes und der Pilger. Zwischen 1118 und 1121 gegründet (das genaue Jahr lässt sich heute nicht mehr feststellen) wurde der Orden Anfang des 14. Jahrhunderts der Ketzerei und Sodomie angeklagt und 1312 auf dem Konzil von Vienne vom Papst offiziell aufgelöst.

Der Deutsche Orden

Seine Hauptaufgabe lag in der Krankenpflege. Der Orden wurde 1190 gegründet und 1198 zum Ritterorden erhoben. Auf Grund seiner Ansiedlung in Preußen war der Deutsche Orden maßgeblich an den Kreuzzügen des 14. und 15. Jahrhunderts gegen Heiden im Osten beteiligt.

8 Comments:

  1. Helmut Bröhl

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    für meine Ahnenforschung fehlen mir noch Angaben un d zwar von
    „Ritter Dietrich von Broel“ wlcher am 3. Keuzzug teilgenommen haben soll.
    Wenn Sie hierüber Unterlagen haben würde es mich sehr freuen.
    Mir freundlichen Grüßen
    Helmut Bröhl

  2. Danke schön für diese Informationen ich halte nähmlich bald ein refarat in der schule

  3. Kreuzfahrten u. Folgen

    Die Motivation zu allen Kreuzzügen war religiöser Fanatismus, die schlimmste
    Form von Fanatismus. Und natürlich Bereicherung.
    Was heute passiert gleicht dem früheren Wahnsinn.
    Wie schön u. friedlich könnte die Welt ohne Religionen sein.

    • Dem läßt sich wohl kaum noch etwas hinzufügen!

    • zu "Kreuzfahrten u. Folgen"

      So friedlich und schoen ist ihre Welt ohne Religionen: Stalin, Hitler, die DDR, die napoleonischen Kriege… Haben sie jemals in der Schule etwas ueber den zweiten Weltkrieg gehoert??? Und zu dem schoen welches sie ansprechen, haben sie jemals schonmal wenigstens ein Bild von dem zerbombten Pforzheim gesehn. Ja dass ist echt schoen. Mein Respekt fuer diesen unqualifizierten Beitrag.
      Ich finde diesen Artikel sehr informativ und in einem sachlich, objektiven guten Stil geschrieben.

  4. HANS PETER DETLEFF

    Armes Pferdl!! :(((

  5. zu "Kreuzfahrten u, Folgen

    ich vermute es sind Kreuzzüge gemeint; auch nichtrelegiöser Fanatismus, gepaart mit Suc ht nach Besitz und Macht kann die gleichen Folgen haben.

  6. Pferde laufen. Menschen reiten….😉

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