Historisieren: Die Geschichte des Wappens

Einführung

Das Wort „Historisieren“ ist verwandt mit dem Wort „Geschichte“. Historisieren bei Wappen bedeutet somit nichts anderes als folgende 4 Aspekte der Wappenkunde: die Geschichte des Wappens, der Ursprung, der Fortgang und die Veränderung.

Inhalt

Der Heraldiker, ein Geschichtsschreiber?

Beim Historisieren übernimmt der Heraldiker die Rolle eines Geschichtsschreibers ein, er muss überall nach der Wahrheit streben und um diese zu finden, darf er nur „aus den reinsten und ergiebigsten Quellen schöpfen.“

Diese Quellen sind auch die historischen Erzählungen und Untersuchung, aber sie werden auch hier in eine Rangordnung gebracht. Die wichtigsten Quellen sind 1. die Wappen und Adelsbriefe, 2. die Siegel und 3. die Münzen, weitere Quellen sind 1. Denkmäler, wie Grabsteine, Gemälde, Kirchenfahnen und Totenschilde, 2. die Lebensbriefe, 3. die Geschichtsschreiber, 4. die Turnierbeschreibungen, 5. alte Familien-/Stammbücher, Beschreibungen feierlicher Einzüge, Prozessionen und Leichenbegängnisse, sowie 6. Wappensammlungen und Wappenbücher.

Sind Familien oder Länder schon in der bekannten großen Geschichte vertreten, braucht man die historischen Schriften vom Erwerb eines Landes oder Rechts, eine umständliche Suche nach Beweisen und Ausführungen ist unnötig, es wird als Tatsache hingenommen, die durch z.B. Siegel oder Denkmäler bewiesen wird. Der Land- oder Rechtserwerb, welche auf dem Wappenbild zu sehen ist, betrifft wiederum eine bestimmte Zeit, in der das Wappenbild in das Landes- oder Familienwappen aufgenommen wurde.

Wappen deuten bedeutet nicht Gründe für die Farbengestaltung zu finden, warum Familien bestimmte Symbole aufnahmen, bestimmte Hintergründe wählten, sondern zu beweisen, dass jedes Wappen einzigartig ist und nur zu diesem einen Land oder Familie gehören kann.

Wie entstehen Wappen?

Der wahre Ursprung eines jeden Wappens ist selten herauszufinden, man versucht nur das älteste Siegel oder die älteste Nachricht zu finden, bis man es schafft eine noch ältere Nachricht oder ein noch älteres Siegel zu finden.

Die Wappen von Staaten und geschichtsträchtiger Familien bestehen au mehreren anderen Wappen, versteht ein Heraldiker sein Fachgebiet kann er die verschiedenen Länder, Rechte, Würden und Vorzüge ohne Probleme durch die Wappenbilder schnell erkennen. Aber es muss auch die Zeit und den Grund angeben, weshalb der Staat oder die Familie an das Recht oder das Land gekommen sind und somit das Wappen geändert oder erweitert wurde. Dazu gehört 1. eine chronologische Sammlung der Siegel, Denkmäler u.s.w. und 2. eine kurze Zusammenstellung von Urkunden, Geschichtsbüchern und Familiennachrichten.

Oft sind in Wappen auch Wappenbilder von Rechten oder Ländern vorhanden, die die Besitzer gar nicht besitzen, weil sie entweder hoffe diese noch zu bekommen oder sie diese einmal besessen haben. Auch ist es möglich, dass einige Rechte oder Länder nicht im Wappenbild zu sehen sind, diese Fälle beachtet man beim Historieren des Wappens kaum.

Wenn jemand sein Wappen beweisen möchte, muss er versuchen alle Siegel oder Urkunden zu sammeln. So sind auch Siegel der geistlich-gewordenen Personen der Familie wichtig, auch Siegel eingeheirateter Familienmitglieder, sowie Siegel von erloschenen Familien, Länder und Rechten, die dem Wappeninhaber eigen wurden. Es gibt auch heute noch kritische und zweideutige Wappen von Königen, großen Fürsten und Familien.

Quelle:

  • Johann Christoph Gatterer: Johann Christoph Gatterers Praktische Heraldik, Nürnberg: Bauer- und Mann Verlag, 1791.
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