Landkarten von Germanien zur späten Römerzeit

Landkarten von Deutschland und EuroDie Karte stellt die Wohnsitze der keltischen und germanischen Völker dar. Die keltischen Völker, die über Gallien, Britannien und Rätien verbreitet waren, wurden von den Römern unterworfen. Die germanischen Völker lassen sich aufteilen in 1) die westrheinischen Germanen, die längere Zeit unter römischer Herrschaft standen, 2) die Germanen zwischen Rhein, Elbe und Donau und 3) die suevischen oder östlichen Germanen jenseits der Elbe.

Gallien, Britannien und Germanien zur Römerzeit [1]

Landkarte von Germanien, Gallien und Britannien zur Römerzeit

Zu den westrheinischen Germanen, die schon früh durch die römische Herrschaft von ihren Stammesgenossen auf dem rechten Rheinufer getrennt wurden, gehören:

  • die Nemeten (zwischen Straßburg und Speyer) und die Vangionen (in der Gegend von Worms). Beide also in dem späteren Germania superior und teilweise in dem ursprünglichen belgischen Gallien (einschließlich Germania inferior)
  • die Treverer zu beiden Seiten der Mosel, deren Hauptort Col. Treverorum (Trier) sich in der Folge zur Hauptstadt von ganz Gallien erhob
  • die Aduatiker an der mittleren Maas
  • die Nervier an der Sambre
  • die Menapier an der Schelde
  • die Moriner an dem Fretum Gallicum (Canal la Manche)
  • die Tungern zwischen Maas und Schelde
  • die Eburonen an der Maas
  • die Bataver im Deltaland des Rheins, deren Gebiet von Julius Cäsar noch zu Germanien gerechnet wurde und unter Augustus schon zu Gallien.

Zu diesen gallischen Germanen kamen zuletzt noch die Ubier (von Neuwied bis Köln gegenüber) hinzu, die unter Augustus auf die linke Rheinseite versetzt wurden und namentlich im batavischen Freiheitskrieg als treue Bundesgenossen der Römer erscheinen.

Die eigentlichen Germanen lassen sich in drei Hauptstämme aufteilen, deren Namen auf die drei Söhne des (mythischen) gemeinschaftlichen Stammvaters Man zurückgeführt werden: Ingo, Isco und Irmino:

  1. die Istävonen (auch Iscävonen) auf dem rechten Ufer des Mittel- und Niederrheins vom Einfluss des Mains bis zur Mündung der Yssel. Zu diesen gehörten:
    1. die Usipeter, teils am Mittelrhein, teils am Niederrhein (von der Insel der Bataver aufwärts bis zur unteren Lippe)
    2. die Tenkterer, die stets in Verbindung mit den Usipetern erscheinen, nahmen etwa um die Mitte des ersten Jahrhunderts die Wohnsitze der von Augustus auf das linke Rheinufer (in die Schutzgewalt der Römer) versetzten Ubier ein
    3. die Sigambrer (auch Sicamber – wahrscheinlich die Gamabrinen des Strabo und die Gambrivier des Tacitus) in dem Bergland zwischen Lippe und Lahn bis zum Rhein
    4. die Brukterer zwischen der Lippe und der oberen Ems
    5. die Chamaver, nördlich der Lippe bis zu den Grenzen der Friesen
    6. die Marsen, ein später ganz verschollener Name für Völkerschaften im Norden der Brukterer bis zu den Cheruskern und nördlich bis zu den Chauken.
  2. Die Ingävonen oder die Küstenbewohner an der Nordsee vom Ausfluss des Rheins bis in die kimbrische Halbinsel (Jütland):
    1. die Friesen in dem Küstenland von der östlichen Mündung des Rheins bis jenseits der Ems und auf den Inseln an dieser Küste, von ihren stammverwandten Nachbarn durch besonderes Recht und besondere Sprache bis auf den heutigen Tag geschieden
    2. die Amsibarier im Binnenland (südlich von den Friesen und Chauken) zu beiden Seiten der mittleren Ems
    3. die Chauken (Chauci) in den Marschländern von der unteren Ems bis zur unteren Elbe, also zu beiden Seiten der unteren Weser, wahrscheinlich auch eine Völkerverbindung wie die Cherusker (s. unten)
    4. die Angrivarier im Binnenland zu beiden Seiten der Weser (oberhalb des Einflusses der Aller) und der unteren Aller; sie erscheinen später unter dem Namen der sächsichen Engern
    5. die Saxonen im Osten der unteren Elbe (im heutigen westlichen Holstein), ein kleiner Stamm, dessen Name nach der Zeit des Ptolemaios für Jahrhunderte lang aus der Geschichte verschwindet, dann wiederum in Britannien auftaucht und von da aus zum Festland getragen wird, kam zuerst für die Friesen am Rhein, dann, im Gegensatz zu den Franken, für die Niederdeutschen zwischen Rhein und Elbe in Gebrauch.Wie man (nach Plinius und Ptolemäus) den westlichen Teil der Halbinsel Jütland als die Heimat der Cimbern angenommen hat, so glaubte man auch die geschichtlich eng mit ihnen verbundenen Teutonen im hohen Norden suchen zu müssen, und Ptolemäus nennt auf der Ostseite der unteren Elbe die Teutonen – ein Name, der einst (bei Pytheas) die Germanen im Allgemeinen, nicht einzelne Völkerschaften derselben bezeichnet zu haben scheint.
  3. Die Hermionen, südlich von den Ingävonen und östlich von den Istävonen, bestehen nur aus den beiden Völkern oder vielmehr Völkerverbindungen der Cherusker (zu beiden Seiten der Weser), deren Name bald eben so spurlos verschwindet, wie der der Marsen und der südwestlich von diesen bis zum Rhonegebirge wohnenden Chatten (die Vorfahren der späteren Hessen), die sich von der Werra bis zum Ausfluss der Lahn in den Rhein ausdehnten. Zu ihnen gehörten die Mattiaken am Taunus, Mainz gegenüber.

Die östlichen Germanen oder Sueven (östlich von den Chatten, die früher auch zu den Sueven gerechnet wurden), lassen sich ebenfalls in drei Gruppen aufteilen.

  1. Zu der südlichen Gruppe gehörten:
    1. die Hermunduren auf der Nordseite der oberen Donau bis auf die Nordseite des Mains, wo sie an die Chatten grenzten
    2. die Narisken zwischen der Donau und dem Fichtelgebirge
    3. die Markomannen, die sich beim Vordringen der Römer von der oberen Donau nach Böhmen zurückzogen
    4. die Quaden, der südöstlichste Suevenstamm, an der March (Marus)
    5. die Semnonen an der mittleren Elbe (wo sie Nachbarn der Cherusker waren) bis zur Oder
    6. die Langobarden (nördlich von den Semnonen) an der unteren Elbe. Außerdem rechnet Tacitus (Germ. 40) zu den Sueven sieben Völker, die sämtlich den gemeinschaftlichen Herthadienst kennen und von denen nur zwei, die Varini und die Angeln (die am weitesten gegen Norden – an die Schlei – vorgeschobenen Sueven), durch anderweitige Nachrichten beglaubigt sind.
  2. Zu der nordöstlichen Gruppe gehörten:
    1. die Burgundionen zwischen der unteren Oder und der unteren Weichsel
    2. die Rugier an der Küste des baltischen Meeres
    3. die Gothonen (ein Kollektivname für eine ganze Völkergruppe) im Osten der unteren Weichsel
  3. Eine südöstliche Gruppe bildeten die zahlreichen Stämme der Lygier. Gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. gewannen die Römer auch dauernde Besitzungen auf dem rechten Ufer des Oberrheins und auf dem linken Ufer der oberen Donau, die Tacitus agri decumates, Zehntländer, nennt – im Gegensatz zu solchen, die römische Provinzialeinrichtungen hatten. Um diese zu schützen, führten sie den (durch einen Graben und zahlreiche Türme und Kastelle) befestigten Grenzwall auf (Vallum Romanum), vielleicht größtenteils nur eine hochliegende Heerstraße, die sich nach den noch vorhandenen Spuren von der Donau bei Kelheim bis an den Niederrhein (vllt. bis zum Siebengebirge) erstreckte. (Quelle)

Germanien und die germanischen Stämme zur Römerzeit (vor 400) [2]

Landkarte von Germanien und den Germanischen Stämmen zur Römerzeit

Germanische Stämme und ihre Wanderungen (Völkerwanderung) [3]

Landkarte, die die Germanischen Völker und ihre Wanderungen zeigt

Quellen

  1. Pütz, Prof. Wilhelm: Historisch-Geographischer Schulatlas. Erste Abtheilung: Die Alte Welt. Siebente, verbesserte Auflage. Blatt VIII. Verlag von Georg Joseph Manz. Regensburg, 1877. (http://gei-digital.gei.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-5625780)
  2. Keppel, Karl: Geschichts-Atlas in 27 Karten. 18. Auflage. S. 6. Verlag von R. Oldenbourg. München, o. J. (http://gei-digital.gei.de/viewer/image/PPN683333097/28/#head)
  3. Baldamus, Alfred; Schwabe, Ernst; Koch, Julius (Hrsg.): F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas. 41. Auflage. S. 13. Verlag von Velhagen und Klasing. Bielefeld und Leipzig, 1918. (http://gei-digital.gei.de/viewer/image/PPN679423346/55/#head)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

CAPTCHA-Bild

*