Nahrungsmittel im Mittelalter


Nahrungsmittelvielfalt

Im Laufe des gesamten Mittelalters, das über ca. 1.000 Jahre reicht, gab es unterschiedlichste Nahrungsmittel, die zu verschiedenen Zeiten zu verschiedenen Anlässen von verschiedenen Bevölkerungsschichten verzehrt wurden. Auf den Wiesen wurden essbare Pflanzen geerntet, in den Wäldern wurden Beeren gesammelt und Wildtiere gejagt, auf den Bauernhöfen wurden Masttiere gehalten und Feldfrüchte, Gemüse, Obst und Getreide, angebaut und in den Flüssen, Seen und am Meer wurden Fische und Meeresfrüchte gefangen. Vor allem bei Festen der Adligen konnte man die Vielfalt der Nahrung erleben. Darüber darf aber nie vergessen werden, dass es immer wieder Perioden der Hungersnot gab, in denen besonders die arme Bevölkerungsschicht litt.

Weitere Nahrungsmittel im Hochmittelalter

Sehr weit ausgebildet schien das Küchenwesen an der hochmeisterlichen Hofhaltung zu Marienburg in Preußen zu sein.Dort aß man die Suppe mit Mohrrüben, Schoten, Petersilienwurzel und Knoblauch.Dann gab es als Gemüse Kohl, Möhren, Kumst, Kresse, Meerrettich, Erbsen und Schoten, Schnittlauch.Dann kamen Gerichte von Fischen, wie Karpfen, Lachs, Moränen, Schmerlen, Lampreten, Aal, Bressem, Dorsch und Hecht. Als getrocknete Fische gab es Streckfuß, Bergerfisch, Stockfisch und Krebse.An Fleischspeisen hatte man Pökelfleisch, Rinds-, Kalbs-, Schöps- und Schweinebraten, Schinken, Hühner-, Gänse- und Entenbraten. An Wildbret gab es Reh-, Hirsch-, Elenn-, Eber- und Hasenbraten, Eichhörnchen, Rebhühner, Stare, kleine Vögel, Kaninchen und Kraniche. Außerdem gab es Mehlspeisen.

Den Durst förderten Reunaugen, schonische oder bornholmische Heringe und Käse aus Schweden und England. Inländischen Käse erhielt das Gesinde. Butter genoss man nicht.Es gab außerdem an Obst Hasel- und Walnüsse, Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen, Erdbeeren und Weintrauben.Als Konfekt reichte man den Gästen: Cannel-, Cubelm-, Koriander-, Kardamon- und Aniskonfekt, dann Kaiserbissen, die als Morsellen schon im 13. Jahrhundert erschienen, Pariskerne, Rosinen, Datteln, Mandeln und Pfefferkuchen.Als Gewürz wandte man an: Pfeffer, Ingwer, Caneel, Nelken, Muskatblume, Anis, Safran und Kümmel, die man in Norddeutschland unter dem Namen Krude zusammen fasst.An Süßungsmitteln gab es Zucker, mit dem man sehr sparsam umging, da im Jahr 1410 ein Pfund eine halbe Mark kostete. Statt des Zuckers benutzt man Honig.

Tiere, die als Nahrung dienten

Aus einem 1581 erschienen Buch von M. Marx Rumpolt haben wir eine Liste von Tieren, die dieser zu Essen verarbeitete. Da man die Tiere zu dieser Zeit nicht neu erfunden hat, können wir davon ausgehen, dass auch die Menschen im Mittelalter diese Tiere schon aßen: Ochse, Kuh, Stier, Kalb, Hammel, Lamm, Geis, Spansau, Hirsch, Dendel, Tannwild, Reh, Hase, Wildschwein, Elenn, Auerochs, Büffel, Bär, Gems, Steinbock, türkisches Schaf, Murmeltier, Biber, Igel, Kaninchen, Eichhörnchen. Unter den Vögelnerscheinen: Adler, Strauß, Schwan, Trappe, indianischer Hahn, Fasan, Reiher, Schnepfen, Grünspecht, Steinrabe, Taube, Wachtel, Krametsvögel, Drossel, Amsel, Lerche, Star, Nachtigall, Schwalbe, Krähe, Kuckuck, Wiedehopf und kleine Vögel. Von den Fischen nennt er: Hausen, Dieck, Stör, Korausche, Neunaugen, Hering, Böckling, Stockfisch u. s. Dann kommen Krebse, Austern, Schnecken, Muscheln, Schildkröten und Frösche. Dazu zählt er noch viele Gemüsearten als Beilage auf.


Tiere, die nicht als Nahrung dienten

Dann finden wir aber auch, dass in Europa eine ziemliche Anzahl Pflanzen noch gar nicht allgemein in den Kreis der Nahrungsmittel aufgenommen wurde. Genau so wie manche Tiere: Pferd, Igel, Ratte, Hund, Katze, Krähe, einige Insekten und Würmer, die z. B. in China allgemein genossen wurden.


Die Formen des Brotes

Interessant ist, welche Form das Brot und das übrige Gebäck in Europa seit den bis ins 13. Jahrhundert reichenden platten Kuchen angenommen hat, wenn der Raum dies sonst gestattete. Die stabförmigen Brote der Franzosen, die Brezeln und Kringeln des mittleren Deutschlands, die Pumpernickel der Westfalen, die Semmelzeilen Sachsens, die hörnlein von Augsburg und die Wecken in Nürnberg bieten eine überaus reiche Formenfülle dar.

Gewürze des Mittelalters

Die indischen Gewürze wurden seit den Zeiten der Römer auf dem Landweg eingeführt. Über das Mittelalter ließ dieser Handel etwas nach und seit den Zeiten der Portugiesen und Holländer wurden diese Gewürze zur See aus Asien eingeführt. Seitdem vermehrte sich auch der Gebrauch des Zuckers und verdrängte den Honig, den man seit alter Zeit, besonders in Preußen und Nürnberg, zur Herstellung der berühmten Lebkuchen benutzte. Ingwer und Negelin, Zitwan und Zittewin, Galgan und Muskat waren im 13. Jahrhundert (Flore und Blanscheflur 2081) die wichtigsten Gewürze der Reichen; Anis, Fenchel und Kümmel waren die Gewürze der geringeren Stände. Seit dem kamen die nuen Gewürze dazu und mit dem durch die vermehrte Zufuhr ermäßigten Preis wurde ihr Gebrauch auch allgemeiner.


Ein zweitägiges Menü aus dem Jahre 1303

Aus dem 14. und 15. Jahrhundert sind uns mehrere Küchenzettel noch erhalten, woraus wir schließen, dass sich an den weltlichen und geistlichen Fürstensitzen zu dieser Zeit die Kochkunst stark ausbildete. Vermutlich weil sich fahrende Ritter an diese Höfe zurück zogen. Bei Einweihung der Frauenkirche zu Weißenfels, am 15. September 1303, fand ein zweitägiges Gastmahl statt, bei dem jeden Tag drei Gerichte aufgetragen wurden. Am ersten Tag begann das erste Gericht mit Eiersuppe mit Safran, Pfefferkörnern und Honig. Danach gab es Hirsegemüse, Schaffleisch mit Zwiebeln darüber und gebratenes Huhn mit Zwetschgen. Das zweite Gericht bestand aus Stockfisch mit Öl und Rosinen, Bleier in Öl gebacken, gesottenen Aal mit Pfeffer und gerösteten Böckling mit Senf. Als drittes Gericht gab es Speisefische sauer gesotten, gebackenen Barben und Schweinskeule mit Gurken.

Am zweiten Tag bekamen die Gäste zuerst gelbes Schweinefleisch, einen Eierkuchen mit Honig und Weinbeeren und gebratenen Hering. Als zweites Gericht bekamen sie kleine Fische mit Rosinen, kalte Bleier, gebraten, die vom Vortag übrig waren und eine gebratene Gans mit roten Rüben. Als drittes gab es gesalzenen Hecht mit Petersilie („Peterlin“), einen Salat mit Eiern und einen Gallert mit Mandeln besetzt. Das alles kostete übrigens acht Gulden 15 Groschen 9 Pfennige.

Das Kochbuch „Kuchemaistrey“

Aus dem 15. Jahrhundert haben wir ein Kochbuch, das bereits durch Druck vervielfältigt wurde. Der Name des Buches, das ohne Ort und Jahr erschien, ist „Kuchemaistrey“ (32 Blätter in ca. A4). Das Büchlein enthält bereits 169 Rezepte. Es beginnt mit den Fastenspeisen und zwar mit der Zubereitung der Fische und Krebse, wo Krebspasteten und Krebstorten, Sülzen und Biberschwänze auftauchen. Es wird auch Anleitung gegeben, wie man sie mit Honigwasser vergolden und versilbern kann, was jedoch nur für kalte Speisen und Lebkuchen tauge. Es folgen Speisen von dürren Fischen und eine Anleitung, wie man die Speisen färben kann; und zwar grün mit zerstoßener Petersilie und blau mit Kornblumen. Der erste Teil endet mit den Müfsern.

Der zweite Teil handelt von Fleischspeisen und beginnt mit der vielartigen Zubereitung der Hühner. Dann folgt eine Anleitung zur Herstellung von gepresstem Schweinskopf, gesotten und gebraten, von Füllung in Braten und Geflügel, von Leberfälz, Spießbraten, auch Fischbraten, Küchlein (Fleischklöße), Rechmus usw.

Der dritte Teil behandelt die Eierspeisen und das Backwaren, der vierte Teil behandelt die Soßen, Senf und Latwergen, der fünfte Teil den Essig und Wein. Zum Schluss folgen dann Mittel gegen den verdorbenen Magen: „Item, wer mit lust hat zu essen, der mache im eine salffe von knoblauch und nem 3 pleter von saluen und wenigs brot und saltz, zustoß und zutreibs mit essig und thu den knoblauch darein. Nym zwu zehen ingwers und 30 pfefferkorner, zu stoß die klein und thu sie darzu. Und geuß essig darauf und meng es woll. Solche salffen soltu 3 oder 4 tag essen, so gewinst du guten lust zu essen.“

Übrigens ermahnt der Autor die Leser, namentlich die Jungfrauen, zur Mäßigkeit.

Quelle:

  • Klemm, Gustav Friedrich. Handbuch der germanischen Alterthumskunde. Dresden: Walthersche Hofbuchhdlg, 1836.

  • One Comment:

    1. Gut beschrieben danke

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