Unterschied zur heutigen Ernährung


Die Ernährung des Mittelalters im Vergleich zu Heute

Um die Ernährung der verschiedenen Schichten von heute mit damals vergleichen zu können, sind erst einmal die grundlegenden Unterschiede der Ernährung vom Hochmittelalter mit der Ernährung heutzutage zu klären. Denn schon allein das Spektrum der Nahrungsmittel hat sich in dieser Zeit um ein Vielfaches gesteigert und geändert. Heute kann man sehr viele Lebensmittel kaufen, die es im Hochmittelalter nicht gegeben hat. Auch die Tatsache, dass man heute kaum noch auf die verschiedenen Jahreszeiten angewiesen ist, darf nicht außer Acht gelassen werden. Frisches Obst und Gemüse kann man in fast jedem Supermarkt erwerben, ohne diese beispielsweise auf dem eigenen Feld anbauen zu müssen, wie dies früher der Fall gewesen ist.

Aber nicht nur die Möglichkeit Lebensmittel zu jeder Zeit schnellstmöglich zu erwerben hat sich im Laufe der Zeit ermöglicht, sondern auch die Anzahl der Zubereitungsmöglichkeiten hat sich erhöht. Backofen, Mikrowelle und Gas/-Elektroherd, sowie andere elektronische Küchengeräte ermöglichen es, Nahrungsmittel schneller und vielfältiger zuzubereiten. Somit spielt auch die Entwicklung der Wissenschaft eine wichtige Rolle beim Thema Ernährung. Auch die Veränderung des Schönheitsideals beeinflusst die Ernährung. Damals wie heute. Ob die Ernährung aber zum Beispiel auch in der heutigen Gesellschaft eine Frage der Bildung beziehungsweise eine Frage des Geldes und somit der gesellschaftlichen Stellung ist, wird das folgende Kapitel klären.

Inhalt


Einkommen und Bildung

Die Ernährung im Hochmittelalter hing stark von der finanziellen Lage und der gesellschaftlichen Stellung des Einzelnen ab, wie die bisherigen Kapitel zeigten. Im Vergleich dazu stellt sich jetzt die Frage, ob oder inwieweit sich dieser Sachverhalt in der heutigen Gesellschaft wieder finden lässt. Um dies herauszufinden muss untersucht werden, ob Abweichungen in der Ernährung zwischen gebildeten und weniger gebildeten Personen bestehen. Gebildet meint hier einen höheren Schulabschluss, wie beispielsweise das Abitur.

Eine der größten Untersuchungen zur Gesundheitsförderung in Deutschland, die „Urmel-Ice“ Untersuchung, beobachtete dazu drei Jahre lang Grundschüler aus Ulm und Umgebung. Sie untersuchten dabei die Kinder nach Kriterien wie beispielsweise Bauchumfang, Hautfaltendicke oder Körperfett. Hierbei wurde zwischen Kindern unterschieden von: Eltern mit Abitur oder ähnlichem hohen Abschluss, Eltern mit dem Abschluss der Mittleren Reife, Eltern mit einem Abschluss bis zur Mittleren Reife und Eltern mit keinem Abschluss oder einem Hauptschulabschluss. Das Ergebnis war eindeutig. Je höher der Bildungsabschluss der jeweiligen Eltern war, desto niedriger war das Risiko der Kinder Übergewicht zu entwickeln.

Ernährung und Bildung scheinen also in unmittelbarem Zusammenhang zu stehen. Wobei für manche Menschen der Begriff Bildung den Vorwurf in sich trägt, dass „der tendenziell Ungebildete […] sich eben nicht genug Gedanken über seine Ernährung“ mache. Deshalb ist es sinnvoll nicht nur von Bildung, sondern auch von Geld zu sprechen. Belegt ist, dass Menschen mit niedrigerem Einkommen ein höheres Risiko mit sich bringen an Übergewicht zu erkranken als Besserverdienende. Kinder die schon in armen Verhältnissen aufwachsen, leiden häufiger unter Übergewicht, als Kinder wohlhabender Eltern. Verschiedene Studien zeigen einen direkten Zusammenhang zwischen der Schichtzugehörigkeit einer Person und der Häufigkeit vom Verzehren bestimmter Nahrungsmittel. So essen sozial schwächer gestellte Menschen im Durchschnitt weniger „frisches Obst und Gemüse, Milchprodukte, Frischfleisch und fettarme Fleischerzeugnisse“. Im Gegensatz zu besserverdienenden Haushalten werden mehr „Konserven, fettreiches Fleisch, billige Wurstsorten […]“, Fertig- und Halbfertigprodukte mit hohem Fettgehalt und geringer Nährstoffdichte“ gegessen. Arme Kinder essen auch weniger Obst, Gemüse und Vollkornbrot und ernähren sich stattdessen gehäuft von Fast Food. Dies kann man damit erklären, dass vollwertiges Essen im Durchschnitt um ein Drittel teurer ist als „billiges“. Ein Hartz- IV Empfänger beispielsweise könnte sich laut einer Studie schon allein durch den geringen Tagessatz kein durchgehend gesundes Essen leisten. Zudem kommt hinzu, dass eine Tiefkühlpizza länger satt hält als die vom Preis her vergleichbare Menge an Obst oder frischem Gemüse. Abschließend kann man also sagen, dass Bildung und Einkommen ihren Teil dazu beitragen, dass sich arme Familien im Durchschnitt schlechter ernähren als reichere Familien. Sowohl im Hochmittelalter als auch heute beeinflusst also die finanzielle Lage des Einzelnen, manchmal auch gegen besseres Wissen, erheblich seine Ernährung.


Veränderung des Schönheitsideals

Nicht nur Bildung und Einkommen beeinflussen die Ernährung. Auch das Schönheitsideal der Gesellschaft hat einen Einfluss darauf, von welchen Lebensmitteln wie viel, zu sich genommen wird.

Im Hochmittelalter war das Schönheitsideal ein anderes als das heutige. Eine dünne Frau beispielsweise brachte ihrem Mann damals keine Ehre, da es hieß, er könne sie nicht richtig ernähren. Über eine korpulentere Frau hingegen hieß es, dass ihr Mann sie mehr lieben würde, da er ihr das Essen nicht neidete. Die Körperform sagte also etwas über die soziale Lage aus. So eiferte man im Hochmittelalter eher einer beleibteren Figur nach und probierte dementsprechend auch seine Ernährung danach zu richten.

Heutzutage entspricht das Schönheitsideal nicht mehr dem des Hochmittelalters. Anstatt einer „fülligeren“ Figur wird im europäischen Raum eine schlanke Silhouette bevorzugt. Besonders durch Medien wird dieses Schönheitsideal vermittelt und verstärkt. Dementsprechend reagieren viele Menschen mit einer Änderung ihrer Ernährung indem sie sich auf fettarme Kost umstellen oder Diäten beginnen. Besonders in den höheren Schichten wird, vor allem von Frauen, versucht dem Schönheitsideal zu entsprechen. Auch untere Schichten werden durch das Schönheitsideal in ihrer Ernährung beeinflusst, jedoch nicht so sehr wie gesellschaftlich höher gestellte Personen. Somit kann man sagen, dass das Schönheitsideal die Menschen im Hochmittelalter gleichermaßen beeinflusste wie heute, wobei aber ganz unterschiedliche Schönheitsideale angestrebt wurden und werden.

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