Ernährung im Frühmittelalter


Zusammenfassung

Die Ernährung im Frühmittelalter unterschied sich in weiten Teilen von der Ernährung späterer Jahrhunderte. Durch den Verlust von Handel und Kultur und durch den Rückgang der Bevölkerung gab es zeitweise wenig zu Essen, aber auch Zeiten mit genügend Nahrung für die ganze Bevölkerung.Durch die Verminderung des Ackerbaus wurde die Ernährung mehr auf Fleisch, Beeren und wildes Obst gestützt als auf Getreide und Gemüse. Viele Menschen gingen selbst jagen, um sich ihr Fleisch zu verdienen und verzehrten dies oft noch an Ort und Stelle.Insgesamt ernährten sich die Reichen von den gleichen Dingen wie die Armen, die Ernährung unterschied sich nur in der Menge der Nahrung. Einige Quellen verraten etwas, wenn auch wenig, über die bei Tisch zur Verfügung stehenden Speisen, Gewürze, Geschirr und Zubereitung der Speisen im frühen Mittelalter.
Inhalt


Ausgangssituation im Frühmittelalter


Verlust von Kultur

Seit dem Untergang des römischen Reiches, also in den Wirren der Spätantike bis hinein ins 6. Jahrhundert, gingen Handel, Kultur und Wissenschaft auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands immer mehr zugrunde. Die Bevölkerung konnte nicht mehr von den Errungenschaften der Römer profitieren, die ihre Kultur mit in die besetzten Gebiete gebracht hatten und die sich noch bis in die germanischen Wälder hinein ausbreitete. Denn als die Römer verschwanden, wussten die Bewohner nördlich der Alpen nicht, wie sie die Gebäude und Straßen der Römer in Schuss halten sollten oder wie sie die Felder am besten bewirtschaften und die Nahrung ohne fremdländische Gewürze schmackhaft zubereiten konnten. Daher wurden die Speisen im Allgemeinen einfacher.


Rückgang der Bevölkerung

Die Wirren der Spätantike und der Völkerwanderung bedeuteten nicht nur ein Verlust von Kultur, sondern auch einen Rückgang der Bevölkerung. Denn durch viele Überfälle fremder Stämme und durch Krankheiten, wie die Justinianische Pest und im Zuge davon auch durch Nahrungsmittelknappheit, die durch den verringerten Handel kaum ausgeglichen werden konnte, kamen unzählige Menschen ums Leben. Insgesamt lag somit die Bevölkerungsanzahl im frühmittelalterlichen Deutschland niedriger als noch in der Antike. Durch diesen Bevölkerungsrückgang gab es aber im Frühmittelalter zeitweise wieder mehr Nahrung für die übrig gebliebenen Menschen – zumindest solange es keine größeren Missernten oder besonders strenge Winter gab.


Allgemeiner Anstieg tierischer Nahrung

Die Deutschen im Frühmittelalter ernährten sich viel mehr von Milch und Fleisch, als man es aus späteren Jahrhunderten kennt. Denn der Verlust eines anspruchsvollen Ackerbaus machte es nötig, dass die Menschen statt Weizen weniger anspruchsvolles Getreide, wie bspw. Roggen, anbauen mussten und weniger Erträge von ihren Feldern ernten konnten. Man geht auch davon aus, dass viele Nutztiere gehalten und dementsprechend auch geschlachtet wurden. Im Frühmittelalter durfte außerdem noch jeder Mensch Fleich verzehren, wenn er es jagen und erlegen konnte. Zumindest wurde das Jagen in den Wäldern nicht unter Strafe gestellt wie in späteren Jahrhunderten. Zum Teil wurde sofort nach beendigter Jagd noch unter freiem Himmel das Mahl zubereitet und eingenommen.Sowohl die arme als auch die reiche Bevölkerung ernährte sich von ungefähr den gleichen Nahrungsmitteln. Einen Unterschied zwischen den gesellschaftlichen Schichten gab es nur bei der Menge der Nahrungsmittel, die verzehrt wurden. Die arme Bevölkerung hatte insgesamt weniger zu Essen und musste dementsprechend auch besser damit haushalten.


Weitere Nahrungsmittel aus den Quellen

In den Bildern der Herrad von Landsberg (aus dem 12. Jahrhundert) ist die Tafel (im Kloster?) ziemlich sparsam besetzt und an Gerichten findet man: Fische, wilde Schweinsköpfe, gekochte Früchte und Schüsseln mit Brei; alles in offenen, flachen Metallgefäßen. Löffel kommen überhaupt nicht vor, dafür aber Messer und Gabeln mit zwei Zinken. Wie im Altertum wurden zu dieser Zeit die Teller durch flache Brote ersetzt. Darauf fanden dann die Speisen ihren Platz. Die Brote sind dreieckig oder rund. Im „Herzog Ernst“ werden als Zutaten für das Brot erwähnt: Pfeffer, Wurz, Essig, Salz und Schmalz.

Im „Meier Helmbrecht“ (869) wird als Bauernkost aufgetragen: „Ein Kraut, viel kleine geschnitten, feist und mager in beiden Sorten, ein gut Fleisch lag dabei, ein feister Käs, ferner eine feiste Gans am Spieße gebraten, michel und groß, gleich einem Trappen, dann ein gebratenes und versottenes Huhn.“

Im „Parzival“ (423, 16) gibt es als Nachtkost: „fasan, pardrise, guote vische und blankiuvastel (Brote). Außerdem heißt es in „Willehalm“ (134, 9):

„Der pfauwe vor im gebraten stuont mit salsen, din dem wirte kunt was, daz er bezzer nie gewan, den kapun, den vasan, in galreiden din lampriden pardrise begunt er miden."

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