Bestattungen im Mittelalter

In der Antike und Völkerwanderungszeit ließen sich die Germanen auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands verbrennen oder beerdigen. Durch das Christentum wurde die Feuerbestattung verboten und erst im 19. oder 20. Jahrhundert haben wir die freie Wahl wiedererlangt, uns nach dem Tod auch verbrennen lassen zu können.

Bestattung je nach Stand

Die Bestattung der Toten hatte dann im Mittelalter eine sehr kirchliche Prägung. Sie erfolgte meist noch am Tag des Todes und unter gewissen Formalitäten, die dem Stand des Verstorbenen entsprechend sehr unterschiedlich waren:

Gewöhnliche Menschen wurden ohne Sarg auf einem Brett liegend bestattet und in den Kleidern, in denen sie gestorben waren, der Erde übergeben.

Vornehmere Menschen
wurden im Sarg beigesetzt, der bis ins 14. Jahrhundert auch mal aus Stein bestand. Der Tote wurde von seinen Angehörigen zu Grabe getragen, wie die spätmittelalterliche Bestattung auf unserem Bild zeigt. An der Beerdigung beteiligt war oft eine der zahlreichen Bruderschaften, die für diesen Zweck gegründet wurden. Diese waren einfache Zweckgemeinschaften von Männern, die gegenseitig die Beerdigungen der jeweils anderen „Brüder“ besuchten. Als weibliches Gegenstück zu den Bruderschaften gab es eine Reihe von Klageschwestern.

Sehr arme Menschen
wurden mit der Hilfe von Stiftungen beerdigt. Eine Stiftung war in diesem Fall eine von einem reichen „Stifter“ gegründete Einrichtung, die nur diesem Zweck diente. Der reiche Herr hoffte, mit solch einer Stiftung zur Verbesserung seines Seelenheils beizutragen.

Grabschmuck

Es wurden zahlreiche Verordnungen erlassen, die gegen luxuriöse Grabbeigaben vorgingen. Daher fällt bei mittelalterlichen Gräbern auf, dass in der Regel keinerlei Schmuck mit ins Grab gegeben wurde. Die kirchliche Seelenmesse als eigentliche Totenfeier wurde teils aus christlichem Eifer und teils aus modischer Erscheinung abgehalten. Auch gegen sie musste man mit einschränkenden Verboten vorgehen, da sie sonst übertrieben abgehalten wurden.
Dahingegen ungehindert konnten die Menschen ihrem Drang nachgehen, das Grab des Toten mit prunkvollen Steinen oder Denkmälern zu schmücken. Unser heutiger Brauch, teure Grabsteine für die Toten zu kaufen, stammt noch aus dieser Zeit.

Lage des Friedhofs

Friedhöfe aus mittelalterlicher Zeit haben sich in Deutschland nicht erhalten. Friedhöfe wurden auf dem Land schon immer um die Kirche herum angelegt. In der Stadt wurden sie anfangs nur um die Pfarrkirche angelegt, später aber, als die Bevölkerungsanzahl wuchs, wurden sie auch um die übrigen Kirchen angelegt. Am Anfang des 16. Jahrhunderts wurden sie aber wegen wachsenden Platzmangels und wegen der Seuchengefahr von den Kirchen weg an den Stadtrand verlegt. In vielen Dörfern hat sich die Anlage bis auf den heutigen Tag an derselben Stelle erhalten.

In Anbetracht des begrenzten Raums für zahlreiche Tote wurden vorhandene Gräber immer wieder benutzt. Die alten Knochen wurden dann entnommen und in Beinhäusern aufgestapelt. Frühzeitig aber drängten die Gräber auch in die Kirche selbst und dort vor allem in den Kreuzgang. Die so liegenden oder aufgestellten Grabsteine und Epitaphien trugen zur bedächtigen Stimmung in den Gottesbauwerken bei. Der mit Grabskulpturen geschmückte Kreuzgang des Augsburger Domes wirkt beinahe wie ein Friedhof.

Quelle:

  • Herre, Paul. Deutsche Kultur des Mittelalters im Bilde. Leipzig: Verlag von Quelle und Meyer, o. J.

Ein Kommentar:

  1. ohhh mein Gott ich habe eine Lehrerin die habe ich in Gesselschaftswissenschaft und die hat fast alle Informationen von hier

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*