Münzen und Siegel im Mittelalter

Die Münzen und Siegel der Herrscher als Bildquelle

Die Bilder der alten deutschen Kaiser sind uns hauptsächlich durch ihre Siegel hinterlassen. Diese Siegel waren anfangs oval, dann breitrund, sind bis zu Ludwig dem Bayer nur einseitig, von Sigismund an münzartig auf beiden Seiten bedruck. Seit Friedrich I. wurden sie mit Schnüren angehängt. Seit Heinrich II. sind die Kaiser auf dem Thron sitzend abgebildet. Diese Siegel heißen „Majestäts-Siegel“ oder „Thron-Siegel“. Seit Maximilian I. verschwinden die Kaiserbilder und die Siegel enthalten bloß den Reichsadler. Auf dem Szepter Heinrichs III. erscheint zuerst bei Ludwig dem Bayer, als kleines Wappenschild zur Seite des thronenden Königs seit Karl IV. Auf den Siegeln des Kaisers Sigismund kommt zuerst der doppelte Reichsadler mit den Heiligen-Scheinen als Unterscheidungszeichen der kaiserlichen von der Königswürde vor. Seit Karl V. ist auf der Brust des zweiköpfigen Adlers ein Schild mit den kaiserlichen Länderwappen. Szepter, Schwert und Reichsapfel in den Klauen des Adlers sind Zutaten späterer Zeiten.

Dass die Künstler im Sinne hatten, auf den Siegeln und Münzen die Bildnisse treu darzustellen, ist wohl glaubwürdig, aber durch das ganze Mittelalter, auch in den größeren Skulptur- und anderen Bildwerken ist eine wirkliche Naturtreue nirgends erreicht. Es fehlte der Sinn und lange auch das Vermögen dazu. Die Siegel- und Münzbilder auf unserer und auf der folgenden Tafel erinnern beim ersten Blick an die starre, tote byzantinische Kunst. Künstler aus Byzanz bedienten das deutsche Reich, bis sich eine neue, eigentümliche abendländische Kunst entfaltete. So müssen wir uns denn mit den sehr unvollkommenen gleichzeitigen Kaiserbildern begnügen bis zum Ende des Mittelalters.

Inhalt


Die Kaiser und Könige zur Karolingerzeit

Karl I. der Große

Kaiser ab 800. Karl I., der große Sohn des Frankenkönigs Pippin, der vollkommenste Vertreter des Kaisertums, geboren 742 in Aachen, zur Regierung gelangt 768, von Papst Leo in Rom 800 als römischer Kaiser gekrönt, 814 in Aachen gestorben und begraben, im 12. Jahrhundert von papst Paschalis heilig gesprochen, erscheint auf einem Siegel von 807 mit Lorbeerkranz, das Oberkleid auf der rechten Schulter zugeheftet, in schwachbärtigem Profil mit der Umschrift: + Christe Protege Carolum, Regem Francorum: Christe beschütze Karl, den Frankenkönig. Auf einer seiner kleinen und geringhaltigen Münzen steht vorn Carolus und hinten der Name des Münzmeisters Odalricus.

Widukind (auch: Wittekind)

König der Sachsen. Widukind, der von Karl besiegte und bekehrte Sachsenherzog, ist auf seinem Grabstein aus dem XI. Jahrhundert in der Kirche zu Engern in Westfalen abgebildet, unbärtig, die Herzogskrone auf dem Haupt, in der Linken das Lilienszepter, die Rechte über dem reich geschmückten Mantel zur Brust erhoben, in goldgestickten roten Schuhen auf einem Kissen stehend.

Ludwig I. der Fromme

Kaiser ab 816. Ludwig I., der einzig hinterbliebene Sohn Karls, der Fromme genannt wegen seiner kindlichen Ehrerbietung gegen seinen Vater, wurde 778 geboren, schon zu Lebzeiten Karls von der Reichsversammlung zu Aachen zum Nachfolger ernannt, trat 814 die Regierung an, wurde 816 zu Rheims von Papst Stephan zum Kaiser gekrönt, starb nach vielen Drangsalen von seinen Söhnen und der Geistlichkeit 840 auf einer Rheininsel und wurde im Dom zu Metz begraben. Auf seinem Siegel, einer Gemme, trägt er Schnurrbart und Lorbeerkranz. Die Umschrift lautet: + Christe, beschütze Hludowic den Kaiser. Auf seiner Münze ist das belorbeerte Brustbild von der Inschrift umgeben: Hludowic Imperator Augustus; die Rückseite zeigt ein Kreuz-gekröntes Kirchengebäude mit der Umschrift: +Christiana Religio (der römische Kaiser ist der Beschützer der christlichen Religion).

Lothar I.

Kaiser ab 823. Lothar I., der älteste Sohn Ludwigs, 817 von ihm zum Mitregenten angenommen, 823 von Papst Paschalis zum Kaiser gekrönt, ging nach vielem Streit mit seinen Brüdern und nach Teilung des Reiches unter seine Söhne als Mönch in das Kloster Prüm und starb 855. Den unverdienten Lorbeer auf dem bärtigen Kopf hat er in seinem Siegel mit der Umschrift: + Christe hilf dem Kaiser Hlotharius. Eine seiner schlecht geprägten Münzen enthält vorn ein Kreuz im Feld mit der Umschrift: + Hlotarius Imperator (Kaiser) und auf der Rückseite ein Kirchengebäude mit der Umschrift: Treveris Civi(tas) d. h. Stadt Trier. Die Abbildung ist nach einem Miniatur-Gemälde des 9. Jahrhunderts in einer Bibelhandschrift in St. Gallisto zu Rom. Der Kaiser sitzt, in den faltenreichen Mantel gehüllt, mit der Rechten auf den Herrscherstab gelehnt, auf dem mit einem Pfühl belegten Thron.

Ludwig II.

Kaiser ab 855. Ludwig II. folgte 855 seinem Vater, besaß Italien und die Kaiserkrone und starb 875 ruhmlos in Mailand. Sein Siegel hat die Umschrift: Christe, schütze Hludowic den Kaiser. Seine Münze hat im Feld ein Kreuz und die Umschrift: Hludowicus Imperator; auf der Rückseite steht Colonia und ein Kreuz: die Münze wurde also in dem „heiligen“ Köln geschlagen, das unter Ludwig II. stand, als er nach seines Bruders Lothars Tod auch Austrasien bekam.

Karl II., der Kahle

Kaiser ab 875. Karl II., der Kahle, vierter Sohn Ludwig I., regierte seit 840 Frankreich, ließ sich 875 von Papst Johann zu Rom als Kaiser krönen, besaß aber nie Deutschland, gehört also nicht zu den deutschen Kaisern, und starb 877. In dem Miniaturgemälde der Bibelhandschrift zu St. Gallisto, früher in der St. Paulskirche zu Rom, aus dem 9. Jahrhundert, sitzt der Kaiser im Prachtegwand auf dem Thron. Die vier Frauengestalten über seinem Haupt sollten die vier Kardinaltugenden: Weisheit, Gerechtigkeit, Mäßigkeit, Tapferkeit vorstellen. Zwei Engel kommen rechts und links segnend auf Wolken herab. Rechts vom Kaiser sind zwei Waffenträger, links seine Gemahlin Richildis und eine Hofdame. Das Bild ist gleichzeitig. Tracht und Bewaffnung schließt sich noch sehr an die Antike an. In der Linken hält der Kaiser Szepter und Weltkugel mit schwer zu deutender Inschrift. Die Münze hat die Umschrift: + Ehre sei Christo, dem Könige, Sieg dem Carolus: die Rückseite enthält im Feld das Monogramm K(A)R(O)L(U)S mit der Umschrift: In Vico Namuco (Namür): Carolus defende potenter: verteidige mächtig.

Ludwig der Deutsche

König ab 840. Ludwig der Deutsche, der dritte Sohn Ludwigs I., geboren 804, erhielt 840 von seinem Vater und behielt im Vertrag von Verdun 843 Ostfranken, d. i. das deutsche Land östlich vom Rhein, das er in schweren Kämpfen gegen die Slaven verteidigte und nach Kaiser Ludwigs Tod mit dem östlichen Teil von Lotharingen vergrößerte. Er starb 876 in Frankfurt und wurde im Kloster Lorsch begraben. Sein mit Perlen umrahmtes Siegel hat die Umschrift: + Christe, beschütze Ludwig den König. Seine Münze hat im Feld ein Kreuz mit vier Kugeln in dessen Winkeln; die Umschrift lautet: + Hludovicus Imperator. Die rückseite enthält ein Kirchengebäude mit der Umschrift: +ristiana Religio.

Ludwig der Jüngere

König von Ostfranken. Ludwig der Jüngere, König von 876-882, der zweite Sohn Ludwigs des Deutschen, erlangte nach dessen Tod die Regierung über Sachsen, Thüringen, Friesland und Deutsch-Lotharingen, starb in Frankfurt und ist neben seinem Vater in Lorsch begraben. Seine Münze hat vorn im Feld ein Kreuz, in dessen Mitte ein Kügelchen, um dasselbe rückwärts gestellte Ludovicus, äußere Umschrift: + Gratia Die Rex (von Gottes Gnaden König); auf der rückseite ist ein Kreuz mit zwei Kügelchen in jedem Winkel und die Umschrift: Mettis Civitas (Metz ist der Prägeort gewesen).

Karlmann

König von 876-880. Karlmann, Ludwigs des Deutschen ältester Sohn erhielt Bayern, Kärnthen, Mähren, Böhmen und einen Teil von Ungarn, konnte aber die Kaiserkronge nicht erlangen. Die Münze hat vorn im Feld ein kreuz mit einer Kugel in jedem Winkel und die Umschrift Carloman König; die Rückseite ist wie die Münze darüber.

Karl III., der Dicke

Kaiser seit 881. Karl der Dicke, der jüngste Sohn Ludwigs des Deutschen, erhielt bei der Teilung Alemannien und einen Teil von Oberlotharingen. Nach dem Tod seiner Brüder wurde er Alleinherrscher über den größten Teil des Reiches Karls des Großen und vom Papst Johann VIII. als römischer Kaiser gekrönt. Wegen seiner schwachen Regierung allgemein verachtet, wurde er 887 zu Tribur abgesetzt. 888 starb er. Im Kloster Reichenau im Bodensee liegt er begraben. Sein Siegel mit der Umschrift Carolus Imperator zeigt nur die Binde eines Lorbeerkranzes, der ihm allerdings nicht geziemte, im linken Arm hat er ein ovales Schild mit einem Fahnenspieß. Seine Münze hat vorn ein Kreuz mit vier Kugeln und die Umschrift Karolus Re(x); auf der Rückseite steht Colonia zwischen einem durchgestrichenen S (St) und einem schlechten A, d. i. Sancta. Die Münze wurde geschlagen im „heiligen Köln“.

Arnulf von Kärnten

Kaiser ab 896. Arnufl, der natürliche Sohn Karlmanns, wurde in Tribur anstatt Karls des Dicken zum König gewählt und 896 vom Papst Formosus zum Kaiser gekrönt. In Italien vergiftet, starb er in Regensburg 899. Sein Siegel mit der Umschrift Arnolfus Rex zeigt ihn mit Lorbeer, Schild und Spieß. Seine Münze trägt die schlechte Umschrift Arnolpus Re(x).

Ludwig das Kind

König ab 900. Ludwig, Arnulfs Sohn, wurde 900 auf dem Reichstag zu Forchheim zum deutschen König gewählt. Das Reich wurde vom Erzbischof Hatto von Mainz und Herzog Otto von Sachsen verwaltet. Die Ungarn griffen es an, bis ihnen ein jährlicher Tribut gezahlt wurde. Unvermählt starb Ludwig 911 in Regensburg als letzter Deutschkarolinger. Mit Schild und Speer steht der arme junge König auf seinem geringen Siegel. Seine Münze hat vorn ein Kreuz, in dessen oberen Winkel ein S und im unteren links einen so genannten gordischen Knoten; die Umschrift Hludovicus Imp. Ist nach innen gerichtet. Auf der Rückseite steht im Feld wieder der Knoten, wohl ein Sinnbild der Dreieinigkeit, wie es sich auch gut reimt zu der Umschrift, die verkehrt gestellt lautet: + xristiana Religio.


Die Kaiser und Könige zur Zeit der Ottonen

Karl der Einfältige

König ab 893 vom Westfrankenreich. Karl der Einfältige, im Jahr 879 nachgeborener Sohn Ludwigs II., des Stammlers, von 899-923 König von Frankreich, erhielt Lothringen durch Hilfe des Grafen Reginar trotz dem deutschen König Konrad I. In seine rMünze steht vorn ein Kreuz mit der Umschrift: Karolus pius rex (der fromme König Karl) und auf der Rückseite schlecht geschrieben: Argentina Civitas (Straßburg).

Konrad I.

König ab 911. Knorad I., Herzog von Franken wurde 911 zum König gewählt, bei aller Tatkraft und Weisheit jedoch gegen die inneren und äußeren Feinde wenig glücklich und starb 918. Auf seinem Siegel trägt er Schild und Fahne. Umschrift: + Chuonradus Rex. Seine Münze hat auf der vorderseite eine Kirche mit der Umschrift: Cho(n)ra(du)s. R(ex).

Heinrich I., der Vogler

Ab 919 König des Ostfrankenreichs. Heinrich I., geboren 876, Herzog von Sachsen, auch der Finkler oder Städtegründer genannt, der mächtigste Gegner Konrads I. und nach dessen Willen zu seinem Nachfolger gewählt 919, befestigte und verteidigte das Reich mit Macht und Glück gegen Dänen, Lothringer, Slaven und Ungarn. Er starb, ohne als Kaiser gekrönt zu sein, 936 in Memleben und wurde in Quedlinburg beigesetzt. Sein Bidl ist nach einem Miniaturgemälde in dem Manessischen Codex der Minnesänger. Zierlich hält er in der Rechten das Szepter, in der Linken ein Spruchband. Im Siegel trägt er – wie vor ihm keine – die Krone auf dem Haupt, den Schild in der Linken und in der Rechten die Fahne. Umschrift: Henricus Rex (Heinrich der König). Auf seiner Münze steht um das Kreuz Henricus Rex, die Rückseite enthält nur den Prägeort: Argentina civitas: Straßburg.

Otto I., der Große

Kaiser ab 962. Otto der Große, geboren 912, Sohn Heinrichs und von ihm zum Nachfolger empfohlen, wurde sofort in Aachen 936 als König gewählt. Die Ungarn, Böhmen, Slaven, Franzosen, Dänen, Bayern, Lombarden, Römer, Griechen und Polen fühlten nacheinander die Wucht dieses gewaltigen Mannes, der von Papst Johann 962 in Rom als Kaiser gekrönt wurde, nachdem er sich zuvor die lombardische Krone nahm. 973 starb er in Memleben und in Magdeburg wurde er beigesetzt. Am Haupt-Portal des Domes selbst steht seine Bildsäule aus dem Anfang des 14. Jahrhundert mit Krone, Szepter und Reichsapfel. In einer Kapelle des Domes auf dem Altar steht seine erste Gemahlin Editha von England (+ 947) mit dem Gebetbuch in der Rechten. Wenn diese Steinbilder auch nicht gleich nach dem Tod des Kaiserpaares gefertigt wurden, was man wohl nach den schon ziemlich ausgebildeten Gesichtszügen, sowie nach der Bewegung, welche in Händen und Gewändern vorherrscht, annehmen muss, so fällt ihr ursprung doch jedenfalls in eine Zeit, in der sich der Kaiser-Ornat noch nicht geändert hatte; auch hatte der Künstler ohne Zweifel noch viele Bildnisse vor sich, die aus der Lebenszeit dieser kaiserlichen Personen stammten. Die 19 Kugeln in der Scheibe, die der Kaiser in der Hand hält, sollen der Sage nach 19 Tonnen Goldes bezeichnen, welche Otto für den Dombau gab; doch ist darin viel eher der Reichsapfel, orbis terrarum, zu erkennen, der in dieser frühen Zeit auch öfter nur als Scheibe ohne Kreuz dargestellt wurde. In der Linken hält der Kaiser das Szepter, welcher abgebrochen ist. Editha hält in der Rechten das Evangelienbuch. – Die Figuren waren, wie noch aus Überresten von Farben zu erkennen ist, ursprünglich bemalt! (Hefner.) – Eine Art Pikelhaube trägt Otto I. auf dem Siegel. Mit der Umschrift Otto Imperator Augustus. Auf dem Bild ist sein Ring-Siegel mit der Umschrift Oddo Rex. Der vorwärts stehende Kopf trägt eine flache Krone, oben ein Kreuz, hinter demselben (auf unserem Bild nicht sehr deutlich) Flammen wie auf byzantinischen Münzen des Kaisers Heraclius. Seine münze hat vorn das Kreuz mit der Umschrift + Oddo Rex und auf der rückseite Sancta Colonia.

Otto II.

Kaiser von 973 bis 938. Otto II., Sohn des vorigen, schon 961 als 6jähriger Knabe zum König und 967 zum Mitkaiser gekrönt, hatte mit Dänen, Böhmen, Frankreich, Römern und Griechen in Unteritalien schwere Kämpfe und starb nach der unglücklichen Schlacht gegen die Sarazenen bei Basantello das Jahr darauf erst 28 Jahre alt 983 in Rom, wo er begraben ist. Er ist mit seiner Gemahlin, der griechischen Prinzessin Trophanu dargestellt auf einem byzantinischen flachen Elfenbeinschnitzwerk (Diptychon, Doppeltäfelchen). Umrahmt von einer Säulenarchitektur steht Christus mitten auf einem kunstvollen Fussschemel in erhabener Größe und in feierlich antikem Gewandwurf, beide Hände legt er segnend dem auf niedrigeren Schemeln stehenden, viel kleineren, puppenhaft aufgeputzten Kaiserpaar auf. Der Verfertiger hat sich selbst in unterwürfigster Demut am Schemel des Kaisers, der übrigens etwas höher steht, als die Kaiserin, nach der Sitte seiner Zeit angebracht. Das Elfenbein-Relief ist im hotel Cluny zu Paris. Das Siegel des Kaisers zeigt ihn mit Strahlenkrone, Szepter und Reichsapfel. Die Münze hat um das Kreuz dieselbe Umschrift Otto Imperator Augustus; auf der Rückseite steht Moguntia und Civitas (Stadt Mainz) um ein Kirchengebäude.

Otto III.

Kaiser von Otto III., als 2jähriges Kind 983 in Aachen als König, 996 in Rom von Gregor V. zum Kaiser gekrönt, starb auf seinem dritten Römerzug ohne Erben in der Blüte der Jugend in Paterno 1002. Seine Münze zeigt sein belorbeertes Brustbild ziemlich edlen Styles wie auf römischen Kaisermünzen und auf der Rückseite das Kreuz mit der Umschrift Otto Rex.

Heinrich II., der Heilige

Kaiser von 1014 bis 1024. Heinrich der Zweite, Sohn Heinrich des Zänkers von Bayern und Urenkel König Heinrichs I., geboren 973, nahm die Leiche Otto’s III. in Empfang und geleitete sie bis Augsburg, von wo sie nach Aachen geführt wurde. Seine Bayern und die Franken wählten ihn zum König und 1002 wurde er in Mainz gekrönt. Die Kaiserkrone empfing er 1014 und 1024 starb er in Grona bei Göttingen kinderlos als der letzte des sächsischen Hauses, das so kräftig angefangen und so schwach geendet hat. Er ist in Bamberg begraben. Papst Eugen III. hat ihn 1146 heilig gesprochen. Seine Statue mit Blätterkrone, Reichsapfel und Szepter, ein Werk des 13. Jahrhunderts, steht am Dom zu Bamberg, dessen Bistum er gestiftet hat. Das Bild bildet das Titelblatt einer von Heinrich II. dem Bamberger Domschatz geschenkten Handschrift. Da sitzt er mit seltsam verzierter viereckiger Krone, Reichsapfel und Szepter, auf dem ein Vogel steht, im Kaiserschmuck auf reich verziertem Thron, links von den weltlichen, rechts von den geistlichen Würdenträgern umgeben. Seine Münze hat im Feld der Vorderseite den linksgewendeten Kopf mit zurück gekämmten Haaren, die Umschrift ist schlecht abgekürzt: Heinricus Im(p)erato®. Auf der Rückseite ist ein kleines Kreuz, auf dessen Balken am Ende die Buchstaben Bona gestellt sind; dazu gehört auch die Umschrift: Davantria (Bona Davantria, die Stadt Deventer als Münzstätte).


Die Kaiser und Könige zur Salierzeit

Konrad II., der Ältere

Kaiser von 1027 bis 1039. Konrad der Salier, Sohn des Herzogs Heinrich von Franken, 1024 auf der großen Campa zwischen Worms und Mainz zum König gewählt und in Mainz gekrönt, erhielt 1027 die Kaiserkrone in Rom. Mitten im Verfolgen seiner großen Entwürfe, nachdem er mit mächtiger Hand das Reich gegen seine äußeren und inneren Feinde, zu denen sein aufrührerischer Sohn, Ernst von Schwaben, gehörte, gekräftigt, starb er 1039 und wurde in dem von ihm gegründeten Dom zu Speyer beigesetzt. Seine Münze zeigt den bärtigen Kopf linkshin gewendet mit der lückenhaften Umschrift: Sanctus Mauricius. Auf der rückseite steht eine runde Stadtmauer mit der Umschrift Magadeburg.

Heinrich III.

Kaiser von 1039 bis 1056. Heinrich, nach Konrads II., seines Vaters Willen 1028 erst 11 Jahre alt in Aachen als deutscher König gekrönt, folgte 1039 im Reich, erhielt 1046 in Rom die Kaiserkrone, starb 1056 in Botfeld am Harz und wurde in Speyer beigesetzt. In wiederholten Zügen gegen Böhmen, Ungarn, Oberlothringen und in Italien zeigte er seine gewaltige Kraft und sein Ansehen erhielt die Ruhe im Innern des Reiches. Seine Siegel zeigt ihn mit Krone, Adler, Szepter und Reichsapfel (ohne Kreuz). Die Umschrift lautet: Heinrich, durch Gottes Gnade König. Auf seiner Münze trägt sein bärtiger Kopf eine niedrige Krone. Umschrift: Heinricus Rex. Die Rückseite hat die Umschrift Minteona (statt Mindonum, Minden).

Heinrich IV.

Kaiser von 1084 bis 1105. Heinrich IV. war noch nicht 6 Jahre alt, als Heinrich III., sein Vater, starb und seine geistvolle Mutter Agnes die Regierung übernahm. Schlecht von Erzbischof Hanno in Köln erzogen und noch mehr von Erzbischof Adelbert von Bremen verdorben, empörter er die Sachsen, überwarf er scih mit Papst Gregor VII. und musste sich 1077 vor demselben in Canossa demütigen. Von dem Gegenpapst Clemens III. 1084 in dem eroberten Rom zum Kaiser gekrönt, aber von Paschalis II. abermals gebannt, unterlag er seinem gegen ihn empörten Sohn Heinrich. Von ihm gefangen und zur Abdankung gezwungen, starb er in Lüttich, 1106. Der papst ließ ihm auch im Tod 5 Jahre lang nicht in Ruhe; erst im Jahr 1111 durfte er kirchlich beigesetzt werden. Das Siegel des unglücklichen Mannes zeigt ihn auf dem Thron mit Reichsapfel und Adlerszepter und der Umschrift: Heinrich, von Gottes Gnaden König. Seine Münze enthält sein bärtiges Brustbild mit einem – hier zum ersten Mal vorkommenden – Kreuzstab zu beiden Seiten und der Umschrift: Hinricus Rex. Auf der rückseite sieht man die Heiligen Simon und Judas unter einem Kreuz. Umschrift: S(anctus)s Simon Juda.

Rudolf von Schwaben

Gegenkönig. Rudolf, Herzog von Schwaben, wurde von den Sachsen und Schwaben gegen Heinrich IV. zum König gewählt und 1077 von Erzbischof Siegfried in Mainz gekrönt, 1080 von Herzog von Bouillon in der Schlacht bei Mölsen an der Elster getötet und im Dom zu Merseburg begraben. Hier ist sein Erzdenkmal, eine prächtige Grabplatte in halberhabener Arbeit, unmittelbar nach dem Tod des Königs ausgeführt, wichtig für die Trachtenkunde der Zeit.

Heinrich V.

Kaiser von 1111 bis 1125. Heinrich V. wurde vom Papst des Eides gegen seinen Vater Heinrich IV., der ihn zum Mitregenten angenommen hatte, entbunden, setzte diesen 1104 ab und gelangte nach dessen Tod zur Regierung. 1111 zwang er in rom den Papst, ihn zum Kaiser zu krönen. Nachdem er 1121 das Reich beruhigt hatte, schloss er 1122 in Worms das Concordat mit dem Papst. Seine Kämpfe nach außen und innen dauerten bis er 1125 in Nimwegen kinderlos starb. Mit ihm erlosch das fränkische Kaiserhaus. Das Siegel zeigt sein Bild mit eigentümlicher Blätterkrone und hat die Umschrift: Heinricus Dei gratia Romanorum IIII Imperator Augustus (von Gottes Gnaden der vierte, römischer Kaiser-Augustus). Seine Münze enthält einen vorwärts blickenden, belorbeerten Kopf mit der Umschrift: Henricus Rex, und auf der Rückseite ein Kirchengebäude mit der Inschrift + IHO, einem „gordischen Knoten“ auf jeder Seite und der Umschrift: Sancta Colonna (Köln). SAN ist von der Linken zur Rechten, CTA von der Rechten zu Linken zu lesen.


Ein Kaiser aus sächsischem Hause

Lothar III., von Supplinburg (auch: Süpplingenburg)

Kaiser von 1133 bis 1137. Lothar III., Herzog von Sachsen, 1125 in Mainz zum König gewählt und in Aachen gekrönt, holte sich 1133 in Rom die Kaiserkrone, starb nach einem zweiten glücklichen Römerzug 1137 in Bertina bei Trient und wurde in seinem Kloster Königslutter (Braunschweig) beigesetzt. Auf unserer unganz geschlagenen Münze sind von seinem Namen nur die Buchstaben ARIUS zu lesen; die Rückseite enthält die Heiligen Simon und Judas. Die andere Münze zeigt ihn auf einer Bank sitzend mit einer Kopfbedeckung, von der beiderseits ein Kreuz herabhängt. Mit der Rechten schultert er sein Lilienszepter, in der Linken hält er ein Kreuz (mit Reichsapfel?). Die Buchstaben LR sind Abkürzung des Namens Lothar.


Die Kaiser und Könige zur Stauferzeit

Konrad III.

Erst Gegenkönig, dann König von 1138 bis 1152. Konrad III., der erste der Staufer, Sohn Herzog Friedrichs von Schwaben und Enkel Heinrichs IV. mütterlicherseits, 1138 in Koblenz zum König gewählt und in Aachen gekrönt, hatte stets mit den Welfen zu kämpfen (1140 vor Weinsberg) und starb 1152 in Bamberg, ohne die Kaiserwürde empfangen zu haben. In seinem Siegel sitzt er auf prächtigem Thron mit einer Krone, von der zwei Kreuzchen herabhängen. Die Hand mit dem Reichsapfel ruht auf dem linken Schenkel. Das Lilienszepter hat fünf Blätter. Umschrift: Cunradus Dei gratia Romanorum Rex II. (von Gottes Gnaden der zweite, römischer König).

Friedrich I. von Hohenstaufen, Barbarossa

Kaiser von 1155 bis 1190. Friedrich Barbarossa (Rotbart), 1121 geboren, 1147 Herzog von Schwaben, 1152 in Frankfurt zum König gewählt und in Aachen gekrönt, erhielt 1155 die lombardische Königskrone in Pavia und die Kaiserkrone von Papst Hadrian IV. Nach schwerer aber glorreicher Regierung starb er 61 Jahre al 1190 auf seinem Kreuzzug im Fluss Saleph und wurde in Antiochien beerdigt. Wir haben leider von dem gewaltigen Fürsten, der sechs Römerzüge unternommen hatte und unter dem die deutsche Kunst so sehr erblühte, kein anderes und besseres altes Bildnis, als das Flachrelief über einem Portal des Doms zu Freysingen aus dem Ende des 12. Jahrhunderts. Da sitzt er auf einem adlerfüßigen Thron mit dem Szepter in der Linken neben seiner Gemahlin Beatrix (und dem Bischof Otto.) „Die Zeichnung des Kettengeflechts ist erst später eingehauen, nach den bezeichnenden Stücken der Plattenrüstung zu schließen, nicht vor der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts oder wohl eher noch am Anfang des 15. Jahrhunderts, der damaligen Sitte gemäß, die für Ritter, Fürsten und Könige die Darstellung in kriegerischer Rüstung verlangte. Dass eine solche hier nicht die ursprüngliche Darstellung war, geht auch aus dem Mangel des Schwertes und des Wehrgehänges deutlich hervor. Der Thron des Kaisers mit seinen Adlerfüßen ist noch ganz in der altherkömmlichen Gestalt der früheren Jahrhunderte. Der Kaiser hat wahrscheinlich eine anliegende Beinbekleidung, (wie der Bischof), und Schuhe; ob die Spornleder gleichzeitig oder später eingehauen sind, kann nicht ermittelt werden, das letztere ist wahrscheinlich, ebenso auch, dass der Sporn abgebrochen sein mag. Die kurze, unten mit einer Borte verzierte Tunica schließt oben eng um den Leib. Die mit großen runden Steinen besetzte Borte über der Brust mag zu dem nunmehr weggemeiselten Besatz des Mantels gehören. Merkwürdig ist die Krone durch die Spangen, die über die Ohren herabgehen. Der obere Teil des Szepters ist abgebrochen. – Bei dem Bild der Kaiserin hat keine solche spätere Veränderung stattgefunden. Wir finden sie mit einer kurzen Ärmeltunika bekleidet, die unten und vorn herunter mit einer breiten Borte geschmückt ist. Am rechten Vorderarm trägt sie ein mit Perlen geschmücktes Armband, in der Rechten eine Schale, in der Linken ein Tuch. Das Unterkleid, mit engen bis an die Handknöchel reichenden Ärmeln fällt bis auf die Fußspitzen herab. Obgleich die Behandlung der ganzen Skulptur, namentlich die Krone der Kaiserin, noch sehr roh ist, so ist doch die Stellung der Figuren freier als im früheren byzantinischen Stil. Das Relief zeigt noch Spuren von Farben.“ (Hefner-Alteneck.)

Auf dem Bild ist derselbe Kaiser Friedrich Barbarossa, nach einem lebensgroßen Flachrelief im Kreuzgang des Klosters St. Zeno bei Reichenhall. „Das Bildnis des Kaisers ist aus dem nämlichen Material, wie die sämtlichen Gesimse und Kapitäle des Kreuzgangen; es steht in einer nischenförmigen Vertiefung, deren Breite jener der darunter befindlichen Fensterbrüstung vollkommen entspricht, woraus hervorgeht, dass das Denkmal ursprünglich für die Stelle bestimmt war, die es heute noch einnimmt; wir wissen aus Urkunden, dass der Rotbart im Februar 1170 für mehrer Tage das Kloster St. Zeno bei Salzburg besucht und ihm bedeutende Vergabungen gemacht hat. Aus allen diesen Gründen können wir mit Recht annehmen, dass dieses Relief ein gleichzeitiges Bildnis jenes Kaisers ist. Der Kopf ist mit besonderem Fleiß gearbeitet und zeigt jene monumentale Ruhe, die bei den älteren Skulpturen so häufig gefunden wird. – Der Kaiser trägt in der Rechten das kurze, mit einer Lilie gezierte Szepter, in der Linken den Reichsapfel mit dem Kreuz.“ (Hefner-Alteneck.)

Auf dem Siegel sitzt der Rotbart bartlos auf dem Thron, der eine Rücklehne hat; an der Krone hängen beiderseits zwei lange, mit Perlen gestickte Bänder herab; auch der Saum des Mantels ist mit Perlen gestickt. Das Lilienszepter endet oben in einem Kreuz. Umschrift: Friedrich, von Gottes Gnaden römischer Kaiser Augustus. Auf der Vorderseite seiner Münze sitzt der Kaiser auf einem verzierten Bogen und hält mit der Rechten das Schwert im Schoß, in der Linken den Reichsapfel; über seiner rechten Schulter strahlt ein achteckiger Stern. Umschrift: Rex F(ri)ede(ricus). Auf der Rückseite ist eine dreitürmige Burg, unter dem mittleren Turm hält ein gekröntes Brustbild mit Glorie das Lilienszepter und den Reichsapfel. Umschrift: Sanc(tus Karolus). Die Münze ist in Aachen geprägt. Vorn das gekrönte Brustbild des Kaisers mit der Umschrift Augustus; auf der Rückseite eine dreitürmige Burg, darüber rechts und links je zwei Kügelchen. Der stehende gekrönte Kaiser im langen Gewand ist vorwärts gekehrt, mit Lilienszepter in der Linken statt sonst in der Rechten; im Feld vir Rosen. Rückseite: Eine große Rose in einem mit 8 Halbbogen umgebenen Kreis, in jedem Halbkreis eine Lilie – sehr anmutig. Der linkshin reitende Kaiser mit Krone, Harnisch und spitzem, reich verziertem Schild hält in der Rechten eine flatternde Fahne. Hinter dem Pferd erhebt sich auf einem Bogenstück eine Burg. Umschrift: + Friedericus Imperator Mulchusigensis Denar III. Die Münze ist ein Mühlhäuser Drei Denar Stück – aus äußerst dünnem Silberblech, aber gutem Gehalt und ausgezeichnet schönem Stempelschnitt.

Heinrich VI.

Kaiser von 1191 bis 1197. Heinrich, der erstgeborene Sohn Friedrichs I., hatte schon 1164 die Zusage der einstigen Nachfolge und die Huldigung als König der Deutschen erhalten und wurde 1191 in Rom als Kaiser gekrönt. In Sizilien, das er neben Neapel erobert hatte und wo er grausam gegen seine Feinde gewütet hatte, starb er 1197 in Messina. Die Umschrift seines Siegels heißt: Heinrich, von Gottes Gnaden, der Römer König. Auf der Münze reitet der Kaiser im Panzer mit Fahne und Reichsapfel zwischen zwei Kuppeltürmen; in dem Feld vor und über dem Pferd sind drei Kreuze und eine Rose. Die umschrift ist schwer zu entziffern.

Philipp von Schwaben

König von 1198 bis 1208. Philipp, der Bruder von Heinrich VI., war zum Reichsverweser ernannt worden, bis Heinrichs VI. junger Sohn Friedrich II. aus Sizilien nach Deutschland kommen würde. Die Partei der Hohenstaufen wählte ihn 1198 selbst zum König; 1208 ermordete ihn Otto von Wittelsbach in Bamberg. Begraben wurde er in Speyer. Auf seiner Münze sitzt er auf einer Galerie zwischen zwei Türmen mit langem Kreuzszepter in der Rechten und statt des gewöhnlichen Reichsapfels eine (Welt-)Kugel haltend. Eine Kügelchen schwebt über derselben wie unter dem rechten Arm des Königs. Auf dem Bild ist Philipps gekröntes Brustbild mit Lilienszepter in der Linken und einem Falken in der Rechten; auf der Rückseite steht der vorwärts gekehrte „Jungfrauenadler“. Eines der ersten Beispiele von Anbringung des Adlers auf Münzen.

Otto IV., von Braunschweig

Kaiser von 1209 bis 1218. Otto, der Sohn Heinrichs des Löwen von Braunschweig, wurde von den Welfen 1198 zum König gewählt, kam aber erst nach der Ermordung Philipps 1208 durch neue Wahl in Halberstadt ins Regiment. Papst Innozenz krönte ihn 1209 in Rom zum Kaiser. Entthront starb er 1218 auf der Harzburg und wurde in der Blasiuskirche in Braunschweig begraben. Auf seiner Münze reitet er im Panzer mit Krone, Kreuzszepter und Löwenschild auf hübschem gepanzertem Ross, hinter dem eine Mondsichel steht. Umschrift: Otto Imperator.

Friedrich II.

Kaiser von 1220 bis 1250. Friedrich wurde, bei seines Vaters, Heinrichs VI., Tod erst 4 Jahre alt, zum König gewählt, aber gegen Philipp und Otto bei Seite gestellt; kam 1212 gegen Otto aufs Neue zur Wahl und 1215 zur Krönung in Aachen. Nach dem Tode Otto’s 1218 erhielt er in Goslar die Reichsinsignien und 1220 von Papst Innozenz III. in Rom die Kaiserkrone. 1228 nach glücklichem Kreuzzug setzte er sich in Jerusalem die Krone des Königreichs Jerusalem selbst auf. Bis zu seinem Ende in stetem Kampf mit dem Papst und mit den Empörungen in Deutschland und Italien, starb 1250 in Fiorentino in Apulien der geistvolle, tapfere, mit der Kirche zerfallene Enkel Kaiser Rotbarts. Sein Marmorbild ist jetzt in Capua an der Seite der Porta Romana, früher in dem Castell delle Torri, einem bei Capua nach den Angaben Friedrichs II. gebauten Schloss. Das Bild ist ein Miniaturbild aus einer lateinischen Abhandlung über die Falkenzucht, die Friedrich selbst verfasst hat. Ein Beamter überreicht in der Tracht eines Falkners dem Fürsten einen Falken. Über seinen Kopf hat der Falkner seine Kappe (capellum) gezogen. Das anmutige Gemälde atmet den Geist der kunstreichen Hohenstaufenzeit. Das Siegel hat die Umschrift: Friedrich, durch Gottes Gnade der Römer König, Mehrer des Reichs (semper augustus) und König Siziliens. Die Münze hat vorn einen zum Auffliegen bereiten Adler und auf der Rückseite den belorbeerten Kaiserkopf mit der Umschrift: Caesar Augustus Imperator Romanorum. Auf der Münze rechts oben ist nur der gekrönte Kaiserkopf zu sehen.

Heinrich Raspe

Gegenkönig 1246/47. Heinrich Raspe, Landgraf von Thüringen, von Friedrich II. zum Reichsverweser ernannt, wurde, nachdem Friedrich II. auf dem Konzil zu Lyon in den Bann getan war, durch Papst Innozenz 1246 zum König ernannt. Der „Pfaffenkönig“ starb nach seiner Niederlabe in Aachen 1247 auf der Wartburg und ist in der Katharinenkirche in Eisenach begraben. Auf seinem Siegel trägt er eine flache Krone ohne Kreuz. Die Umschrift seines Siegels ist wie die des Siegels Friedrich II.: Heinricus Dei Gracia Romanorum Rex et semper Augustus.

Konrad IV.

König von 1237 bis 1254. Konrad, der jüngere Sohn Friedrichs II., schon zu Lebzeiten seines Vaters 1237 zum König gewählt, erhielt das Reich 1250, verließ es aber, um Sizilien zu behaupten und starb in Bavello im Neapolitanischen 1254, vergiftet von seinem unechten Bruder Manfred, als letzter König der Deutschen aus dem großen Haus der Staufer. Seine Münze mit der Umschrift CO(N)RA(D) auf der Vorderseite, hat auf der Rückseite ein Kreuz mit vier kleinen Kreuzen in den Winkeln und einer unverständlichen Umschrift.


Die Epoche der springenden Königswahlen im Spätmittelalter

Wilhelm von Holland

Gegenkönig und von 1254 bis 1256 König. Wilhelm, Graf von Holland, nach dem Tode Raspe’s in Neuss als Gegenkönig gewählt und 1248 in Aachen gekrönt, konnte erst nach Konrads Tod zum alleinigen Besitz der Königswürde kommen. Zwei Jahre darauf 1256 wurde er im Feldzug gegen die Friesen erschlagen. Die Rückseite seiner Münze hat um ein Turmbegäude mit zwei Fahnen auf den Seiten die Umschrift Tremonia (Dortmund als Münzstätte).

Richard, Prinz von Cornwall

König von 1257 bis 1272. Richard, 1257 von einem Teil der Reichsfürsten in Frankfurt als König erwählt und in Köln gekrönt, wurde durch Leutseligkeit und Rechtlichkeit beliebt, ging mehrere Mal nach England und starb dort 1272. Seine Münze, schlecht geschlagen, hat auf der Rückseite einen Turm und eine unverständliche Umschrift.

Konradin der Kleine

Herzog von Schwaben von 1254 bis 1268. Konradin, zu deutsch Konrad der Kleine oder Jüngere, Sohn König Konrads IV., geboren 1252, ging unter König Richards Regierung, nachdem er seine geringen Erbländer seinen Oheimen in Bayern verpfändet hatte, 1266 mit Friedrich von Baden nach Italien, um sein Erbe, Neapel und Sizilien, dem Karl von Anjou zu entreißen. Schon hatte er, der 18jährige Jüngling, Rom genommen, da wurde er am 23. August 1268 bei Tagliacozzo geschlagen, auf der Flucht zu Astura vom Fürsten Frangipani verraten und mit seinem Freund Friedrich von Baden am 29. Oktober in Neapel enthauptet. Der letzte Hohenstaufe ist auf unserem anmutigen Bild aus dem Manessischen Minnesänger-Codex zu Paris auf der Falkenjagd dargestellt. Konradin trägt ein weites Gewand mit engen Ärmeln – Schaube – ohne Gürtel, lederne Handschuhe, die bis auf die Hälfte des Vorderarms heraufreichen und schwarze Stiefel mit Schnäbeln, ohne Sporen. Sein Haupt ist mit der Krone geschmückt. Der Sattel liegt auf einer viereckigen Unterdecke; der Zaum besteht in einer einfachen Trense; das Vorderstück des Reitzeugs ist mit Schellen besetzt. Der Fuß ruht in einem Steigbügel von jetzt noch gebräuchlicher Form. Der hinter Konradin reitende Begleiter hat die linke Hand, auf der er den Falken trägt, durch einen Handschuh geschützt; sein gleichfalls langes und weites Gewand ist mit eine rKapuze (Gugel) versehen. Reitzeug und Steigbügel haben dieselbe Gestalt, wie jene Konradins, nur fehlen die Unterdecke und die Schellen am Vorderstück. – Das Wappen in der Ecke zeigt ein schwarzes, rot gerändertes, in Kleeblättern auslaufendes Kreuz in goldenem Feld. Die Überschrift im Codex: Kunig Chounrat der Junge, lässt über den Gegenstand des Bildes keinen Zweifel. Die Schnabelschuhe, die Schellen am Pferdezeug, sowie die Gugel, deuten auf das 14. Jahrhundert hin; die langen Schauben hingegen auf das 13. Jahrhundert. Die Bilder dieser Handschrift sind also spätere, etwas veränderte Nachbildungen älterer Bilder, die ncoh dem 13. Jahrhundert angehören. (Hefner-Alteneck.)

Rudolf I., von Habsburg

König von 1273 bis 1291. Rudolf, Graf von Habsburg, 1273 in Frankfurt zum König erwählt und in Aachen gekrönt, unterwarf 1276 den Herzog Heinrich von Bayern, besiegte 1278 den König Ottokar von Bähmen, brachte dem Reich den lang entbehrten Frieden und hob seine Hausmacht auf eine ungeahnte Höhe. Er gelobte dem Papst einen Kreuzzug, der Papst ihm die Kaiserkrönung, aber beide hielten ihr Wort nicht. Bei aller sonstigen Achtung vor ihm gingen die Kurfürsten, seine Habsucht und Willkür fürchtend, nicht darauf ein, seinen Sohn Albrecht zum König zu wählen. Er starb 1291 in Germersheim und wurde in Speyer bestattet. Sein Siegel stellt ihn in der bedeutend fortgeschrittenen Kunst seiner Zeit auf reich geschmücktem Thron dar mit Lilienszepter und Reichsapfel. Auf seiner Münze trägt er das Schwert und in der linken Hand den Reichsapfel. Auf der Rückseite steht unter einem dreitürmigen Gebäude eine Krone. Umschrift: Civitas Bobardiensis (Boppard.)

Kaiser Heinrich VII.

Das gekrönte Brustbild hat Lilienszepter und Reichsapfel neben sich. Auf der Rückseite steht unter einer dreitürigen Burg ein Adler. Umschrift: FERA-RT (Frankfurt als Prägeort).

Adolf, Graf von Nassau

1292 durch die Ränke seines Oheims, des Bischofs Gerhard von Mainz, zum König gewählt und zu Aachen gekrönt, wurde wegen des Versuchs, Thüringen an sein Haus zu bringen, entsetzt und fiel bei Göllheim durch die Hand des Gegenkönigs Albrecht von Österreichs. 2. Juli 1298. Später wurde er in Speyer beigesetzt. Sein Siegel stellt ihn auf gotischem Thron sitzend dar. Seine Münze zeigt ihn mit dem doppelschwänzigen nassauischen Löwen im Schildfeld auf der Brust. Auf der Rückseite ist in einem Dreieck das Brustbild des heiligen Reinhold, Brustbild mit Blumenkrone. Umschrift: DAM-ONIA, d. i. Tremonia, Dortmund.

Albrecht I.

Sohn König Rudolfs, 1298 zu Frankfurt gewählt und 1308 von seinem Neffen Johann von Schwaben bei Windisch gemeuchelt, wurde in Speyer beigesetzt. Sein Siegel hat die gewöhnliche Darstellung und Umschrift. Seine Münze hat auf der Rückseite um das Turmgebäude die Umschrift: Urbs Aquensis Vince. S. M. (Aachen).


Die Herrscher des Spätmittelalters

Heinrich VII.

Graf von Luxemburg, der erste deutsche König, der von eigentlichen Kurfürsten gewählt wurde, erhielt 1309 die deutsche Krone zu Aachen und 1311 in Mailand die lombardische, 1312 in Rom die Kaiserkrone. Mit einer Hostie vergiftet, starb er 1313 zu Benevent. Seine Münze ist ähnlich der Fig. 7 und auch in Aachen geschlagen.

Ludwig IV.

Herzog von Bayern, wurde ein Jahr nach Heinrichs Tod in zwiespaltiger Wahl zugleich mit Friedrich dem Schönen von Österreich 1314 gewählt. Friedrich ließ sich auf dem Feld bei Bonn, Ludwig zu Aachen krönen. Letzterer gewann die Schlacht bei Ampfing 1322 und Friedrich zum Gefangenen; drei Jahre darauf brachte er ihn gütlich zum Aufgeben der Krone und zu einem Bündnis mit ihm. Nachdem er sich 1327 zu Mailand die eiserne Krone hat aufsetzen lassen, wurde er in Rom von zwei Bischöfen zum Kaiser gekrönt. Nach ununterbrochenen sinnlosen Kämpfen mit dem Papst und den vom Papst geschützten Gegnern, starb er 1347 auf der Jagd zu Fürstenfeld und wurde in der Frauenkirche zu München begraben. Auf unserer Goldmünze sitzt er im altgotischen Stuhl mit dem Schwert in der Rechten, ein Wappenschild mit dem doppelten Adler mit der Linken haltend. Umschrift: Ludovicus Dei gratia Romanorum Imperator. Auf der ebenso schön gezeichneten Rückseite ist ein schön verziertes, großes Lilienkreuz in einem Vierpass. Umschrift: Christus vincit, Christus regnat, Chr. imperat (Christus siegt, regiert, herrscht). Eine andere wohlgeprägte Münze zeigt den Kaiserkopf von vorn und die Umschrift: Aquis Grani Caput Inpi, d. i. Münze von Aachen, Kopf des Kaisers.

Ludwig der Bayer

Statue Ludwigs des Bayern aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Das Original dieser lebensgroßen Figur besteht aus rotem Sandstein und gehört zu den geretteten Bruchstücken des herrlichen, im Jahr 1812 durch die damalige französische Regierung zerstörten Kaufhauses in Mainz, wo an den Zinnen des Mauerkranzes die Bilder der Kaiser und Kurfürsten in voller Rüytung angebracht waren (Die Einweihung des Kaufhauses wohl um 1313, die Figuren aber später in die Zinnen eingesetzt).Ein Panzergeflecht – der altdeutsche Name ist Brünne – bedeckt Arme und Beine; ein solches wurde auch auf dem Oberkörper getragen und zwar über einem gesteppten wollenen oder ledernen Wams; in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde zum besseren Schutz der Brust zwischen der Brünne und dem Wams noch eine aus Eisen oder Stahl geschmiedete Brustplatte eingelegt. Über der Brünne trug man den Waffenrock (Brünnirock) im 13. Jahrhundert ganz knapp anliegend, den oberen Teil der Hüften umschließend.Auf unserem Bild ist er an seinem unteren Teil vorn und an den Seiten aufgeschnitten. Die Ecken sind umgelegt, wahrscheinlich war die Figur bemalt, und der Rock mit den umgeschlagenen Ecken zeigte auf diese Weise die beiden heraldischen Farben des Schildes. Die Knie wurden durch lederne Binden geschützt, auf welchen geschmiedete, nach der Rundung der Knie gebogene Platten befestigt waren. Diese sind die ersten Anfänge der späteren geschmiedeten oder Plattenrüstungen. Die kurzen Ärmel des Waffenrockes, sowie die Kniebinden enden dem allgemeinen Geschmack jener Zeit gemäß in einer Reihe unten abgerundeter „Zatteln“.Über dem Waffenrock hängt die Helmbrünne, die als Kapuze über den Kopf gezogen werden konnte, hinten hinab über derselben sitzt die Beckenhaube. An einem Riemen über der Schulter hängt vorn der Schild mit dem damals noch einköpfigen Reichsadler, auf dem Rücken der Stechhelm mit der Helmzierde. Dolch und Schwert hängen an einer schmalen Kuppel und werden noch überdies durch eine Kette gehalten, die vorn an der Brust befestigt ist. Diese Sitte begann mit dem Anfang des 14. Jahrhunderts und dauerte bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Kaiser Ludwig der Bayer

Grabmal in der Frauenkirche zu München. Der etwa 100 Jahre nach dem Tod des Kaisers gesetzte Grabstein befindet sich in dem von Kurfürst Maximilian I. von Bayern – seinem kaiserlichen Ahnherrn – im Jahr 1622 aus Marmor und Erz nach Peter Candid’s Zeichnung errichteten Denkmal. Der alte Grabstein besteht aus einem mächtigen Stück rötlichen Marmors, das das ganze Innere des späteren Maximilianischen Marmors ausfüllt und an den 4 schräg abwärts laufenden Kanten der Einfassung folgende Inschrift enthält: „Anno dm. mcccxlvii an. drittn. tag. nach dionisy. starb der allerdurchleuchtigst. Romisch. Kaiser. Ludwig &c. &c.“Auf der unteren Hälfte des Steines befinden sich (in Relief) die Herzöge Ernst und Albrecht, auf der oberen Hälfte die Figur des Kaisers, wie er in kaiserlichem Ornat, die Krone auf dem Haupt, den (weggebrochenen) Szepter in der Rechten, den Reichsapfel in der Linken, auf einem gotischen Thron sitzt. Die perlenumwobene Einfassung des durch eine reiche Spange auf der Brust zusammengehaltenen Mantels enthält Darstellungen der 12 Apostel. Die Füße des Kaisers stehen auf einem Tragstein, der mit 3 Wappenschilden verziert ist, in der Mitte der doppelköpfige Reichsadler mit dem bayrischen Herzschild, links der pfälzische Löwe, rechts die 21 bayrischen Rauten.Es ist ein ausgezeichnets Werk des 15. Jahrhunderts, und namentlich die Gesichtsbildung höchst ausgezeichnet und bedeutend. Besonders charakteristisch ist der eigentümliche Zug der zusammengezogenen Augenbrauen, welcher sich auch an der Mainzer Skulptur, obgleich er hier in jüngeren Jahren dargestellt ist, vorfindet (Hefner).Fig. 10 ist eines der Basreliefs am Grabmal des Guido Tarlati de Pietramala, Bischofs und Herrn von Arezzo in der Domkirche dieser Stadt aus dem 14. Jahrhundert. Guido Tarlati krönt in der Kirche des heiligen Ambrosius zu Mailand Ludwig und seine Gemahlin in Gegenwart der Geistlichkeit und des Hofes. Auf dem Altar steht die Krone für die Kaiserin und daneben der Kommunionkelch. Über dem Bischof ist die Kuppel der Kirche angedeutet. Die Inschrift besagt: diess Werk machte Meister Augustinus und Meister Angelo von Siena 1330. Diess sind die ausgezeichneten Schüler der berühmten Nicolo und Giovanni von Pisa.Fig. 24 ist das kunstreiche Grabmal des Erzbischofs Peter von Aspelt (1305 – 1320) zu Mainz, welcher den KAisern Heinrich VII. und Ludwig dem Bayer die Hände auflegt, daneben ist König Johann von Böhmen ohne Reichsapfel. Die Füße der vier Figuren stehen auf Löwen, der Kopf des Erzbischofs ruht auf einem Kissen.

Friedrich der Schöne von Österreich

Fig. 13. Sohn des Königs Albrecht I., Ludwigs Gegenkönig und nachheriger Mitregent, hatte, in der Schlacht bei Ampfing 1322 gefangen, 1325 zu Ulm auf die Krone verzichtet und starb 1330 auf dem Schloss Guttenstein. Seine Münze hat auf der Rückseite unter einem dreitürmigen Gebäude einen Adler.

Karl IV.

Enkel Königs Heinrich VII. von Luxemburg, Sohn des Königs Johann von Böhmen, wurde schon zu Lebzeiten Ludwigs zum König 1346 gewählt, aber nicht anerkannt. Nach Ludwigs Tod wurde ein neuer König in der Person des Grafen Günther von Schwarzburg gewählt, dieser aber, ohnehin an Gift erkrankt, konnte sich nicht halten und trat um Geld seine Rechte ab an Karl, der sich nun neu wählen und zu Aachen krönen ließ. Er wusste nur seine Hausmacht zu vermehren und ließ sich 1354 zu Mailand als lombardischer König und 1355 zu Rom als Kaiser krönen.Auf dem Reichstag zu Nürnberg 1345 gab er die goldene Bulle, das Gesetz über die Kaiserwahlen. 1365 ließ er sich auch die arelatische Krone von Burgund aufsetzen. 1378 starb er in Prag, wo er in der Wenzelskirche begraben ist. Neben dem den Interessen seines Hauses pflegte er Kunst und Wissenschaft in Böhmen mit Erfolg.Sein schönes Siegel zeigt ihn im Ornat, mit kreuzweisen Bändern über der Brust (der bischöflichen Stola ähnlich); eine Laubkrone auf dem Kopf läuft spitz wie eine Bischofsmütze aus und ist mit einem Kreuzbügel versehen. Wie bei einer Bischofsmütze fallen an der Krone zwei Bänder (Infuln) hinten herab. Auf beiden Seiten sind einfache, lebhaft bewegte Adler als Schildhalter (der böhmische Löwe ist links). Unter dem Fußbrett ist in einem Bogen der Buchstabe W. Die Umschrift ist in deutscher Minuskel, nur die Anfangsbuchstaben sind Majuskel: „Karolus Quartus Divina Favente Clementia Romanorum Imperator Semper Augustus et Boemie Rex.“ (Karl der vierte durch Gunst göttlicher Milde römischer Kaiser, immer Mehrer des Reichs und Böhmens König).

Günther von Schwarzburg

Grabmal. Der oben genannte Günther von Schwarzburg (gest. 1349) ist auf dem drei Jahre nach seinem Tod von seinen Anhängern, den Reichsministerialen in Frankfurt, errichteten Grabmal aus rotem Sandstein im Dom zu Frankfurt am Main in voller Prachtrüstung abgebildet. Der Stein ist bemalt und noch in den ursprünglichen Farben erhalten.Günther ist bekleidet mit dem ärmellosen Waffenrock seiner Zeit, der zwar anliegend ist, aber sich noch nicht zum Lendner verengt hat. Der Waffenrock ist mit dem Wappen Günthers, dem Löwen blasoniert; vorn bis zur Höhe der Hüften aufgeschnitten zeigt er an den umgeschlagenen Ecken das Pelzwerk, womit er gefüttert ist. Die Arme sind durch Panzerärmel geschützt, darüber sind am Ober- und Unterarm Schienen aus gepresstem und gestepptem Leder befestigt; dieselben sind in den inneren Biegungen der Achsel und des Ellbogens ausgeschnitten, um die Bewegungen nicht zu erschweren. Zwischen den breiten Streifen aus gesottenem Leder sind sie gesteppt und mit kleinen Knöpfchen und Buckeln verziert. Die Ellbogen sind mit eisernen (vergoldeten) bauchig geschmiedeten Kacheln, die mittels eines Riemens befestigt wurden, versehen. Die wohlgearbeiteten eisernen Handschuhe haben geschiente Finger.Die Beine sind mit den gleichen ledernen Schienen besetzt, wie die Arme. Um die Knie sind die ledernen Binden befestigt, auf denen die ausgebogenen eisernen Platten befestigt sind. Die Schuhe sind aus Leder und gleichfalls gesteppt, die Sporen mit breiten, durch Buckeln verzierten, Riemen werden mittels oben auf den Reihen sitzenden Schnalle gehalten. Die Beckenhaube mit dem Ringkragen hat einen herunterhängenden Nasenschirm mit einem Öhr, um an der Beckenhaube befestigt zu werden. An dem ritterlichen, mit Schnalle und Buckeln verzierten Gürtel ist rechts der Dolch befestigt und links das Schwert. In der Rechten hält Günther den Stechhelm seines Geschlechtes (Löwen), die Linke ruht auf dem Schwert (dessen Griff abgestoßen) und auf dem Löwenschild. Die Füße stehen auf zwei Löwen (Hefner).

Wenzel, König zu Böhmen

Fig. 14. Schon zu Lebzeiten seines Vaters Karl IV., obwohl erst 15 Jahre alt, 1376 zu Frankfurt durch große Geldversprechungen zur Königswahl gebracht und zu Aachen gekrönt, trat nach seines Vaters Tod 1378 die Regierung an. Faul, roh und sinnlich wie kein anderer, wurde er von den böhmischen Ständen gefangen und 1400 von den deutschen Kurfürsten abgesetzt zu Rense. 1418 starb er in Prag.Seine Münze hat den Kaiserkopf und den einfachen Adler ohne Umschrift.Fig. 21. ist das Siegel Wenzels mit der Umschrift: „Von Gottes Gnaden römischer Kaiser, stets Mehrer des Reichs und König von Böhmen.“

Ruprecht, Pfalzgraf bei Rhein

Fig. 19. Ruprecht wurde 1398 zu Boppard zum König gewählt und 1401 zu Köln gekrönt, während viele Reichsstände und auch die Krönungsstadt Aachen an Wenzel festhielten. Auf seinem Römerzug von Visconti am Gardasee geschlagen, musste er umkehren, ohne die Kaiserkrone geholt zu haben. 1410 starb er in Oppenheim. In der von ihm gestifteten Heiliggeistkirche in Heidelberg ist er begraben und dort ist sein und seiner (mit den Füßen auf einem Hund ruhenden) Gemahlin Denkmal im weichen, edlen Stil seiner Zeit.Dieses schöne Werk in erhabener Arbeit deckte früher das Grab des Kaisers und der Kaiserin im Chor der genannten Kirche, wurde aber später in die, die Kirche in zwei Hälften (eine katholische und eine evangelische) teilende Mauer eingesetzt.Ruprecht wie seine Gemahlin (Elisabetz, Burggräfin von Nürnberg) erscheinen im kaiserlichen Ornat und stehen auf Löwe und Hund, den Zeichen der Stärke und Treue; der Kaiser hält in der Rechten das Szepter, in der Linken den Reichsapfel, jener ist abgebrochen. Bei der Kleidung der Kaiserin ist bemerkenswert, dass sie sich nur allein durch die Krone von der gewöhnlichen Tracht der vornehmeren Frauen des 14. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts unterscheidet; diese sitzt auf der das Haar verhüllenden, gefältelten Haube, welche sich das Kinntuch, Riesen genannt, anschließt.Dieses Denkmal von grauem Sandstein trägt keine Spur ehemaliger Bemalung, nur Kronen, Agraffe, Szepter, Reichsapfel, Kleidersäume waren ursprünglich vergoldet (Hefner).

Sigismund

Fig. 22. Sigismund, Wenzels Bruder, zweiter Sohn Karls IV., König von Ungarn und Böhmen, wurde 1414 zum deutschen König in Aachen und 1434 in Rom zum Kaiser gekrönt. Ebenso talentvoll und unterrichtet als leichtsinnig und verschwenderisch, daher immer in Geldverlegenheit, konnte er nichts besseres tun, als 1415 Johannes Huss in Konstanz wortbrüchigerweise verbrennen lassen. In Folge davon brach in Böhmen nach Wenzels Tod 1419 der hussische Krieg aus, der bis 1436 währte. Neben diesem von den Angelegenheiten Ungarns und von den Türken in Anspruch genommen, starb Sigismund 1437 zu Znaym und wurde in Großwardein begraben.Sein schönes Siegel hat die Umschrift „Sigismund von Gottes Gnaden Kaiser, stets Mehrer des Reichs, und von Ungarn, Böhmen, Dalmatien, Crotaien König“. Von der mitraförmigen Krone hängen zwei Bänder (Infuln) auf die Schultern herab. Pber dem Unterkleid sind zwei sich kreuzende Bänder mit Kreuzen besetzt (die bischöfliche Stola), ebenso ist das Oberkleid mit kleinen Kreuzen gesäumt.Fig. 20. Auf der Rückseite der Münze hält der Reichsadler mit dem rechten Fang den Jülich-Bergischen, mit dem linken den Ravensberger Schild unter sich, umschlossen von einem Dreipass. Umschrift: „Moneta nova Moelhemensis“ (neue Münze von Mühlheim).

Albrecht II., Herzog von Österreich

Albrecht erhielt durch seine Gemahlin Elisabetz, die einzige Tochter Sigismunds, die ungarische Krone und wurde 1438 als deutscher König in Aachen gekrönt. Er starb auf der Rückkehr vom Türkenkrieg 1439 und wurde zu Stuhlweißenburg beigesetzt. Sein prachtvolles Siegel ist ein Meisterwerk der Stempelschneidekunst. Der König sitzt auf einem sehr reichen gotischen Thron mit der Bügelkrone, dem Szepter und Reichsapfel angetan wie Sigismund (Fig. 22). Neben ihm sind rechts und links drei Löwen, oben eckige, unten abgerundete Wappenschilde haltend, rechts oben ist der einköpfige Reichsadler, mitten Böhmen, unten Altösterreich (5 Adler), links unten Altungarn, weiterhin Dalmatien (drei gekrönte Löwenköpfe), unten der luxemburgische Löwe, am Thronschemel der Bindeschild des Herzogtums Österreich sichtbar. Die lateinische Umschrift in Majuskel heißt: Albertus von Gottes Gnaden römischer König immer Mehrer des Reichs, und Ungarns, Böhmens, Dalmatiens, Croatiens, Rameserviens, Galliziens, Ladomiriens, Comaniens und Bulgariens König, Oesterreichs und Luxemburgs Herzog.

Fig. 17. Seine Münze in der oberen Abteilung unserer Tafel (rechts gegen die untere Ecke) zeigt auf der Hauptseite den Reichsapfel in einem Dreipass mit drei Ecken, Umschrift: „Albrechtus, Romanorum rex“, auf der Rückseite Maria mit dem Jesuskind und die Umschrift: „Moneta-No-Basiliensis“ (neue Münze von Basel).

Friedrich III., Erzherzog von Österreich und Steiermark

Fig. 28. Friedrich wurde 1439 zum König gewählt, in Aachen gekrönt und holte sich 1452 die Kaiserkrone in Rom. Während seiner 53jährigen schwachen Regierung zerfiel der Friede und die Kraft des deutschen Reiches. Durch die Vermählung seines Sohnes Maximilian mit Maria, der Erbin von Burgund, legte er dafür den Grund zu der überwiegenden Macht des Hauses Österreich. 1436 bewirkte Friedrich die Wahl des Mximilian zum römischen König. 1490 erhielt dieser auch die ungarische Krone. 1493 starb Friedrich in Linz an einem Fußleiden, das er sich durch die Gewohnheit zuzog, die Türe mit dem Fuß aufzustoßen. In Wiener-Neustadt wurde er in der von ihm erbauten kaiserlichen Gruft beigesetzt. Das Bild des schwachen Kaisers sehen wir auf der Denkmünze, die zum Andenken an den Ritterschlag geprägt wurde, welchen er bei seiner Anwesenheit in Rom 1469 auf der Tiberbrücke 122 Rittern vom goldenen Sporn erteilt hat.

Fig. 26. Münz-Siegel. ist ein Prachtwerk aus der Blütezeit der Stempelschneidekunst. Auf einem gotischen Thronsessel gleich einem prächtig geschnitzten Chorstuhl dieser Zeit, unter drei mit Giebeln und Säulen reich verzierten Baldachinen sitzt der Kaiser mit der bischöflichen Mitra über der Krone, Szepter und Reichsapfel in den Händen.Seine Kleidung ist wie bei Sigismund. An der Seite des Thrones ist rechts das Schild mit dem zweiköpfigen Reichsadler, links das Wappenschild des Erzherzogtums Österreich. Auf jeder Seite außerhalb des Thrones halten Löwen zwei Wappenschilder, rechts Altösterreich, über welchem ein Band mit der Inschrift: „A. E. J. O. U.“ Dann der Schild mit dem Wappen von Kärnten; links oben der Steirische Löwe, dann der Adler von Tirol.Unten am Fuß des Thrones ist rechts der Adler von Krain, links der Habsburger Löwe. Zwischen den Füßen sind wieder drei kleine Wappenschilde von einer Krone überragt und zu beiden Seiten die vier Buchstaben A. E. J. O. und unten vollends U. Unten steht am Thronsitz in Majuskelschrift auf lateinisch: „welcher geboren ist am Tag Matthäi des heiligen Apostels im Jahre des Herrn 1415.“ In zwei Zirkeln läuft die Umschrift: „Majestätssiegel Friedrichs, von Gottes Gnaden Königs der Römer, immer Mehrer des Reichs, Herzog von Steiermark-Kärnten und Krain, Graf von Tirol.Die Buchstaben A. E. I. O. U., die Friedrich auf Siegel und Denkmäler setzen ließ, werden verschieden ausgelegt:- Austriae Est Imperare Orbi Universo (Österreich muss über den ganzen Erdkreis herrschen), oder- Austria Erit In Orbe Ultima (Österreich wird auf Erden das letzte [Reich] sein), oder- Austria Electa Juste Omnia Vincit (Österreich das Auserwählte, überwindet alles mit Recht), oder- Aller Erdreich ist Österreich Untertan, oder- Aller Ehren ist Österreich voll.Wir bemerken wie, je schwächer da sReich, desto größer und prächtiger das Kaisersiegel, und desto großsprecherischer seine Inschrift wurde.

Fig. 23. Auf der schönen Münze ist Friedericus Romanorum Imperator in ganzer Figur dargestellt, das Lilienszepter schulternd, ein Stern zu seinen Füßen. Auf der Rückseite steht in deinem Doppelsechspass, der im Inneren mit Lilien verziert ist, der Reichsapfel und die Umschrift: „Neue Münze von Dortmund (Tremoniensis).

Kaiser Maximilian I.

Fig. 29. Siegel. In der Mitte ist der einfache Adler mit der Königskrone über dem Schild, rechts das Wappen von Österreich und Habsburg, links von Burgund und Tirol. Über jedem Wappenschild ist der Feuerstrahl samt Flammen aus der Ordenskette des goldenen Vließes, das zwischen den zwei unteren Wappenschildern hängt. Im Siegelfeld züngeln Feuerfunken.Umschrift: „Maximilian von Gottes Gnaden, römmischer König, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund, Brabant, Lucemburg und Geldern, Pfalzgraf von Hennegau, Graf von Flandern, Tirol, Holland, Landgraf von Elsass, des hl. Reiches Markgrad un der Herr von Friesland.Fig. 25. Die Silbermünze hat vorn dsa gekrönte Brustbild Kaisers mit der umschrift: „Neue Münze von Nördlingen 1494.“ (Früher haben wir nie eine Jahreszahl auf den Münzen gefunden.) Auf der Rückseite breitet der einköpfige Adler stolz sein schönes Gefieder. Umschrift: „Maximilian, römischer König.“

Quelle:

  • Weisser, Professor Ludwig (Hrsg.); Merz, Dr. Heinrich. Bilder-Atlas zur Weltgeschichte nach Kunstwerken alter und neuer Zeit. 4. Aufl. Stuttgart: Verlag von Paul Neff, 1890.

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