Otto II.

Otto II.

Otto der zweite war beim Tod seines Vaters 20 Jahre alt. Da bestätigten ihn die deutschen Fürsten und Edlen in der Königswürde. Strotzend vor Kraft, voller Sehnsucht nach Ruhm wollte Otto II. das Deutsche Reich bis nach Sizilien ausbreiten. Aber viele Fehden hielten ihn davon ab.

Otto musste sich eine Zeit lang erst mit dem rebellischen Herzog Heinrich II. von Bayern, dann mit den aufrührerischen Italienern herumschlagen. Er ging nach Rom und zog von da gegen die Griechen und Sarazenen in Apulien und Kalabrien zu Felde; da es aber zur Schlacht kam, wurde er bei Basantello (Juli 982) von den treulosen Römern und den anderen Italienern verlassen; er musste fliehen und hatte das Unglück, auf der Fluch von griechischen Seeräubern gefangen zu werden.

Zum Glück kannten sie ihn nicht und er verschwieg ihnen weislich seinen Rang; versprach ihnen aber ein großes Lösegeld, wenn sie ihn in Kalabrien, wo sich seine reiche Gemahlin befinde, aussetzen wollten. Dies geschah. Während aber die Schiffer nahe am Land das Lösegeld in Empfang nahmen, stürzte sich Otto, der ein trefflicher Schwimmer war, in die See, schwamm dem Ufer entgegen und entkam ihnen glücklich. Er unternahm dieses Wagnis, weil er Grund zur Sorge hatte, die treulosen Griechen wollten ihn, ungeachtet des erhaltenen Lösegeldes, nach Konstantinopel schleppen und ihm seine Freiheit nie wieder geben.

Im Frühjahr 983 kamen die deutschen Fürsten zum Kaiser nach Verona auf den Reichstag, rissen die Schwerter aus den Scheiden und riefen: „Frisch auf, o Kaiser! Führ‘ uns hinab gegen die Griechen und Heiden; wir wollen mit ihnen Rechnung halten.“ Da blühte des Kaisers Hoffnung wieder frisch auf und er rüstete mit Macht. Zuvor aber bestellte er des deutschen Reichs Geschäfte und verlieh die erledigten Herzogtümer Franken, Schwaben und Bayern.

Damals Leopold, ein Graf im Donaugau beim Kaiser um die Markgrafschaft Österreich. Er zeigte dem Kaiser einen zerbrochenen Bogen, um seine Ansprüche zu unterstreichen. Der Bogen hatte es in sich, denn vor vielen Jahren hatte Leopold, damals noch ein Jüngling, den Kaiser Otto I. ganz allein auf der Jagd getroffen, als sich Otto nicht gegen einen angeschossenen Eber wehren konnte, weil ihm der Bogen zerbrach. Da hatte Leopold den wütenden Keiler erlegt und vom Kaiser den zerbrochenen Bogen erhalten, dass er ihn als Wahrzeichen vorweise, „wenn ein Reichslehen vergeben wurde.“ Also gab Otto II., um dieses Versprechen seinen Vaters zu erfüllen, jetzt dem Babenberger Leopold die Markgrafschaft Österreich. Und Leopold verwaltete sie als rechter Grenzhüter des deutschen Reichs, brach die stolzen Türme der Eisenburg, worin die Ungarn dem deutschen Land noch Trotz boten und jagte diese bis übers Kahlengebirge, dass das Land Österreich endlich wieder deutsch wurde, wie in uralten Zeiten, und auch deutsch blieb.

Otto II. starb in Rom am 7. Dezember 983.

abb. 7: otto i. auf eber-jagd schenkt seinen zerbrochenen bogen dem babenberger leopold

Quelle:

  • Dr. Georg Ludwig Jerrer: Die Weltgeschichte für Kinder, Band 2, 5. Ausgabe, Nürnberg: Verlag von Friedrich Campe, 1833.

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