Konstantin der Große

Einführung

Es ist schon gesagt worden, dass im 3. Jahrhundert ein Kaiser schnell auf den nächsten folgte, dass die meisten Kaiser von den Soldaten gewählt und wieder abgesetzt, meist ermordet wurden; und dass sich keiner von ihnen herausragte. Unaufhörlich hatten auch die besseren Kaiser, mal mit den deutschen Völkern, die von Jahr zu Jahr heftiger gegen die Grenzen Italiens und Griechenlands drängten, sich herumzuschlagen und mal gegen innere Unruhen zu kämpfen. Oft wussten sie nicht, wohin sie sich zuerst wenden sollten und darum nahmen manche von ihnen Gehilfen an. Der Hauptkaiser gab sich dann den Titel „Augustus“ und der Hilfskaiser wurde „Cäsar“ genannt.

Inhalt

Konstantin war anfangs nur einer von 6 Kaisern

So gab es am Anfang des 4. Jahrhunderts zu gleicher Zeit 6 Kaiser. Der jüngste unter ihnen, Konstantin, später „der Große“ genannt, war der klügste unter allen. Mit inniger Freude sah er, wie die anderen fünf sich verunreinigten und aufeinander losgingen. Er hielt es immer mit dem Stärksten und so ging einer nach dem anderen unter. Dabei wusste sich der schlaue Mann die Liebe der Soldaten durch eine List zu verschaffen. Es war ihm nämlich bekannt, dass die meisten Soldaten Christen waren.

Die Kaiser bekriegen sich

Daher behauptete er eines Tages, als er gegen einen der Nebenkaiser zu Felde zog, er habe am Abend über der sinkenden Sonne die helle Gestalt eines Kreuzes gesehen und darüber die Worte gelesen: „In diesem Zeichen wirst du siegen!“ Am folgenden Morgen erzählte er, er habe in der Nacht einen Traum gehabt: Jesus sei ihm mit einem Kreuz erschienen und habe ihm befohlen, ein ganz ähnliches Kreuz zu fertigen und vor dem Heer umher tragen zu lassen; dann würde er siegen. Das tat Konstantin schnell und nun gingen seine christlichen Soldaten mit einem Feuer in die Schlacht, dass alles vor ihnen weichen musste. Zuletzt blieb ihm nur noch ein Nebenkaiser übrig, sein Schwager Licinius. Auch diesen besiegte er schließlich in einer entscheidenden Schlacht. Licinius fiel ihm zu Füßen und bat, ihn als Privatmann leben zu lassen. Konstantin der Große versprach es ihm mit einem Schwur, brach aber diesen bald und ließ ihn ermorden, den Mann seiner leiblichen Schwester! Das vermag die Herrschsucht!

Die Taten Konstantins des Großen

Wir wollen Konstantin zwar nicht als guten Menschen preisen, aber er war eine denkwürdige Erscheinung. Drei Stücke sind es, weswegen er für die Geschichte sehr wichtig ist: 1. Er begünstigte die Christen und bekannte sich zur christlichen Religion. 2. Er verlegte die Residenz der Kaiser von Rom nach Byzanz, die Stadt, die ab dann in Konstantinopel umbenannt wurde. 3. Er brach das Ansehen der Soldaten, indem er eine ganz neue Hof- und Staatseinrichtung machte und die Macht der Geistlichkeit hob.

Konstantin unterstützt die Christen

Zwar ließ er sich erst am Ende seines Lebens taufen, aber er war den Christen sein ganzes Leben lang sehr geneigt und tat ihnen allen möglichen Vorschub. Er beförderte nur Christen zu Ehrenstellen und empfahl dem Volk, sich taufen zu lassen. Nun brach für diese bedrängten Leute eine ganz andere Zeit an. Nun kamen sie froh aus dem Dunkel hervor; die Zeit der harten Prüfung war vorüber. Der Kaiser ließ ihnen neue Kirchen bauen oder verwandelte heidnische Tempel in christliche Kirchen. Es wurde ein pompöser Gottesdienst eingeführt und die bis dahin so bescheidenen Priester mit herrlichen Kleidern, Macht, Ehre und Ansehen versehen.

Ob aber die Religion dabei gewann? – Gewiss nicht! Dass gleichzeitig der Gottesdienst mit vielen Zeremonien überladen wurde, von denen Jesus und die Apostel nichts gewusst hatten, könnte man am ersten übersehen, weil sie nur Nebensachen sind; aber die Geistlichen wurden nun stolz, herrsch- und streitsüchtig, verfolgten die anders-, oft vernünftiger-denkenden Christen und verirrten sich nach und nach so von dem wahren Geist des Christentums, dass man ihn kaum noch in ihrer christlichen Lehre erkennen konnte.

Konstantins Veränderungen im Reich

Konstantin der Große verbot zuletzt das Opfern in den heidnischen Tempeln ganz und brachte dadurch die Priester sehr gegen sich auf. Das mochte wohl mit die Ursache sein, weswegen er die Residenz nach Konstantinopel verlegte. Auch lag diese Stadt mehr in der Mitte seines Reiches. Nun begann ein großer Bau. Die schönsten Bildsäulen aus Italien und Griechenland ließ er zu der neuen Residenz bringen und einen Palast nach dem anderen aufbauen. Dann führte er eine solche Menge von Beamten ein und verordnete einen so strengen Hofzeremoniell, dass von der früheren Verfassung Roms kaum noch eine Spur zu finden war.

Quelle:

  • Friedrich Nösselt: Lehrbuch der Weltgeschichte für Töchterschulen und zum Privatunterricht heranwachsender Mädchen: Mit Stahlstichen, Band 2, Ausgabe 14, Max Verlag: 1867.
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