Die Sachsenkriege

Einführung

Die Sachsenkriege begannen im Sommer 772. Karl der Große wollte mit seinem fränkischen Heer die Sachsen bezwingen. Warum er dies wollte, kann zwei Beweggründe haben: 1. Karl wollte die Raubzüge unterbinden, die die Sachsen in fränkisches Gebiet unternahmen. 2. Karl wollte die Sachsen christianisieren und ihr Gebiet in sein fränkisches Reich eingliedern. Die erste Aktion Karls des Großen war die Zerstörung der Irminsul, des heiligen Baumes der Sachsen. Darauf folgten mehrere Feldzüge in das Sachsenreich. Die Sachsen wehrten sich erbittert. 792 kam es zum letzten größeren Widerstand der Sachsen aber erst 804 verstummen die letzten kleinen Unruhen.

Inhalt

Die Sachsen

Die Sachsen, von welchen hier die Rede ist, wohnten in dem heutigen Westphalen und in Niedersachsen bis gegen zur Elbe hin. Sie waren eben dasselbe Volk, das sich unter dem Namen Katten, Cherusker, Brukterer so tapfer gegen die Römer geschlagen, und die Legionen des Varus unter Hermanns Anführung vertilgt hatte. Zu Karls Zeiten hatten sie keine Könige, sondern nur einen gemeinschaftlichen Feldherrn, wenn Kriege mit den Nachbarn entstanden. Freiheit war ihr Ruhm und ihr Glück. In ihrem Lande waren weder Städte, noch Spuren von Reichtum zu finden; meistens lebten sie von der Jagd und der Viehzucht in Armut.

Unwissenheit und Aberglauben. Ihren Götzen, besonders Wodan, den sie eifrig verehrten, brachten sie bei großen Gefahren Menschenopfer. Christliche Religionsprediger durften sich nicht unter ihnen blicken lassen; sie konnten sie nicht ausstehen, und schlugen sie alle Tod, weil sie sich sorgten, von ihnen verführt und um ihre Freiheit gebracht zu werden.

Karl will die Sachsen zum Christentum zwingen

Karl, der von dem Hass dieser Völker gegen die Religion der Christen hörte, glaubte ein recht gutes Werk zu tun, wenn er sie zwänge, dem bösen Heidentum abzuschwören und den wahren Gott zu erkennen.

In diesem Glauben wurde er von seiner Geistlichkeit noch mehr bestärkt. „Steht nicht“, sagte diese, „in der Schrift: zwinget sie, herein zukommen? Also nur recht nachdrücklich drauf schlagen mit der Schärfe des Schwertes; wenn sie einmal getauft sind und sehen, wie sanft und gut und selig der christliche Glaube die Menschen macht, so werden sie froh sein, dass man ihnen denselben mit Gewalt aufgedrungen hat“. Außer diesem religiösen Anlass wollte auch Karl den fortwährenden Räubereien und Einfällen dieser Sachsen dadurch ein Ende machen. Außerdem könnten die aufrührerischen Sachsen als Christen besser unter Kontrolle gehalten werden.

Die Sachsenkriege beginnen

Er zog im Jahre 772 gegen die Sachsen zu Felde. Sie wehrten sich mutig unter ihrem tapfern Anführer Wittekind, wurden aber dennoch geschlagen, und mussten zusehen, wie die ihren Götzen geheiligte Irmensäule umgestürzt und ihre Priester darauf ermordet wurden. Diese Säule stand im heutigen Fürstentume Paderborn auf einem großen runden Platz. Vielleicht war sie dem tapfern Hermann zu Ehren errichtet worden, und hieß deswegen ursprünglich Hermannssäule. Wie dem nun sei, Karl machte Frieden mit den Sachsen, ließ sich Geiseln geben und ließ Mönche und Soldaten bei ihnen zurück. Die Mönche, damit sie ihnen das Evangelium predigen, die Soldaten, damit sie sie im Gehorsam erhalten konnten.

Die Sachsen wehren sich

Alles umsonst. Die Sachsen empörten sich dreimal, und zwar das dritte Mal wieder unter der Anführung ihres Wittekind, der nach dem ersten Frieden nach Dänemark geflohen war. Jetzt, da er wieder kam, und die Kirchen und Klöster sah, die von den Franken angelegt worden waren, zerstörte er sie alle, verjagte die Priester und Bischöfe, rottete das Christentum aus, führte seine Götzen wieder ein, und schlug wiederholt Karls Feldherrn, bis dieser endlich selbst erschien und den feindlichen Wittekind in einer blutigen Schlacht an der Weser bezwang.

Das Blutgericht von Verden

Der Sieger, Karl der Große, verlangte von den geschlagenen Sachsen, sie sollten ihm seinen Feind Wittekind ausliefern; aber Wittekind war nicht mehr zu haben, denn er hatte sich sogleich nach dem verlorenen Treffen weislich entfernt. Dies erzürnte Karl so heftig, dass er 4500 gefangenen Sachsen im Jahre 782 bei Verden an der Aller die Köpfe abschlagen ließ. Dies war eine abscheuliche Grausamkeit, die ewig Karls Ruhm beflecken wird. Die wackeren Leute kämpften für ihre Freiheit; sie konnten und sollten nicht wie rebellische Untertanen behandelt werden; aber auch offenbare Rebellen schlachtet man nicht zu Tausenden.

Reaktion der Sachsen

Auf das sächsische Volk machte diese Strenge einen sehr üblen Eindruck. Sie schworen den Franken blutige Rache, und gaben ihrem Gott Wodan ein Gelübde, dessen Worte noch auf dem Rathhausarchiv in Goslar zu lesen sind und das ich euch mitteilen will. Es wird euch Vergnügen machen, aus demselben zugleich zu sehen, was vor tausend Jahren in unserm Vaterlande, und besonders in Niedersachsen, für Deutsch gesprochen wurde:

Hili kroti Woudana (heiliger großer Wodan) ilp psk un osken Pana Uittikin (hilf uns und unserm Fahnherrn Wittikind) ok Kelta (auch dem Unterfeldherrn) of den aiskena Karlevi (gegen den abscheu lichen Karl) ten slactenera (den Schlächter). Ik tif ti in our (ich gebe dir einen Auerochsen) un tou skapa (und zwei Schaafe) un tat rofe (und den Raub). Ik slacte ti all fanka; (ich schlachte die alle Gefangenen) up tinen iliken Artisberka (auf deinem heiligen Harzberge).

Es wurden also auf dem Harz die Gefangenen geschlachtet, und wahrscheinlich waren die großen Steine, welche noch heutigen Tages auf der höchsten Spitze des Brockens liegen, die Altäre, auf denen sie ihr Leben verbluteten.

Erneute Kriege raffen die Sachsen dahin

Der Krieg fing demnach mit größerer Erbitterung aufs Neue an, als vorher. So viel Franken die Sachsen in ihre Hände bekamen, so viele wurden dem Wodan geopfert. Karl aber durchzog das Land mit seinem Heere, und hauste fürchterlich. Noch drei Schlachten musste er gewinnen, ehe er den Frieden erzwingen konnte. Endlich ließ Wittekind, der sich wieder an die Spitze seiner Sachsen gestellt hatte, sich zu Unterhandlungen bereden. Er sah wohl ein, dass sein mutiges Volk, bei aller seiner Tapferkeit, am Ende unterliegen musste, denn die Franken waren viel besser geübt und gerüstet.

Die gepanzerten Feinde schienen unverwundbar; wo sie eindrangen, da floss nur Sachsenblut, und alle Gegenwehr war vergeblich. Karl versprach dem Wittekind bei seiner fürstlichen Ehre, ihm einen Teil des Sachsenlandes als Lehen zu geben, das heißt, ihn zum Regenten über Sachsen zu setzen, aber so, dass er unter Karls Oberherrschaft stehen, ihm Treue geloben, und Hilfe leisten sollte, wenn er dazu aufgefordert werden würde. Diese Bedingungen wurden angenommen, und erfüllt.

Die Sachsen lassen sich taufen

Wittekind ließ sich hierauf taufen, und viele tausend Sachsen folgten seinem Beispiel freiwillig. Viele tausend andere wurden heerdenweise mit dem Schwerte in die Flüsse getrieben, und empfingen eine wahre Nottaufe. Dies geschah im Jahre 786. Aber erst 18 Jahre darauf, im Jahre 804, wurde es in dem Lande ganz ruhig, denn noch immer machten die heidnischen Sachsen dem König der Franken viel zu schaffen. Um sie leichter in Gehorsam zu erhalten, ließ Karl 10,000 sächsische Familien nach Flandern, Frankreich und Italien versetzen, wodurch eine Menge deutscher Kolonien in diesen Ländern entstanden. In Sachsen legte er Burgen und Bischofssitze an, aus denen nach und nach Städte wurden, wie Magdeburg, Halle, Bremen, Münster und Osnabrück.

abb. 2: wittekind lässt sich taufen und karl der große ist taufpate

Schlusssatz

Allen Sachsen wurde nun der Götzendienst bei schwerer Strafe verboten, und um sie besser zu beobachten, heimliche Kundschafter ausgesandt und heimliche Gerichte angelegt, von denen ich euch bald mehr erzählen werde.
Quelle:
  • Dr. Georg Ludwig Jerrer: Die Weltgeschichte für Kinder, Band 2, 5. Ausgabe, Nürnberg: Verlag von Friedrich Campe, 1833.

Ein Kommentar:

  1. Hallo,
    Hast du nur eine Quelle benutzt?
    Kannst du bitte noch dazu schreiben mit welchen Seiten im Buch du gearbeitet hast?
    Vielen Dank

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