Friedrich II.

Der gelehrte Kaiser Friedrich der Zweite

Friedrichs des Zweiten Name muss mit hoher Achtung ausgesprochen werden, denn er war einer der mutigsten, geistreichsten, hochherzigsten und zugleich gelehrtesten Fürsten, die jemals auf dem deutschen Thron saßen.

Friedrich wurde im Dezember 1194 geboren. Schon 1212 kam er zur Regierung, aber erst im Jahr 1220 wurde er in Rom vom Papst zum Kaiser gekrönt, nachdem er 1215 die Krönung in Aachen erhalten hatte. Er musste dafür versprechen, einen Kreuzzug ins heilige Land zu unternehmen. Zu Hause aber hatte Friedrich viel dringendere Geschäfte, deswegen schob er den Kreuzzug auf.

Dies wurde ihm erst vom Papst Honorius III., dann von Gregor IX., der beinahe so gewalttätig war wie Gregor VII., sehr übel genommen. In seinem Zorn sprach Gregor IX. (1227) den Bannfluch gegen ihn aus und drohte, ihm die Kaiserwürde zu entziehen.

bild 84: Die Krönung Friedrichs des Zweiten als Kind

Bild 84: 1189 wird Friedrich II. noch als Kind im Dom zu Palermo zum König von Sizilien gekrönt. Nach einer Originalzeichnung von A. Zick.

Inhalt

Friedrich der zweite unternimmt einen Kreuzzug

Friedrich hatte den vorigen Papst Honorius so lange wie möglich durch Ausreden hingehalten. Gregor IX. aber sah wohl ein, dass es dem Kaiser nicht ernst war und sprach daher gleich den Bann über ihn aus, den er auch dann nicht zurück nahm, als Friedrich sich endlich 1228 im September wirklich zur Fahrt nach Palästina entschloss und sie auch glücklich durchführte. Die Verbindungen, in denen er mit dem Sultan Kamel von Ägypten, einem Neffen des großen Saladin, stand, kamen ihm dabei besonders zu Gute. Er schloss einen Waffenstillstand auf zehn Jahre mit den Ungläubigen, während dem Jerusalem und die heiligen Orte im Besitz der Christen blieben.

Zwar versuchte der Patriarch von Jerusalem und die Meister der Tempelherren und der Johanniter, Friedrich alle möglichen Hindernisse in den Weg zu legen; aber Friedrich meisterte alle Hindernisse, nicht zuletzt durch die Hilfe Hermanns von Salza, und setzte sich selbst in der Kirche zu Jerusalem 1229 die Krone auf, da er durch Heirat auch den Titel eines Königs von Jerusalem erworben hatte.

Friedrich kehrt nach Europa zurück

bild 83: Prinzessin Isabelle bei Stolzenfels am Rhein

Bild 83: Im Jahr 1235 zog Kaiser Friedrich II. mit einer Schar edler Ritter nach Stolzenfels am Rhein. Dort legte ein glänzendes Schiff an, dem Isabella entstieg, die liebliche Tochter Heinrichs III. von Endland, des Kaisers auserwählte Braut. Knieend empfängt Friedrich die Geliebte, um sie von hier nach Worms zu führen, wo dann in auserlesener Pracht die Hochzeit stattfand. Nach einem Aquarell von A. Zick.

Währenddessen versuchte Gregor, Unruhen in Neapel anzustiften und ein päpstliches Heer, unter Friedrichs eigenem Schwiegervater, Johann von Brienne, war in Apulien eingefallen. Nun landete aber Friedrich II., den seine Feinde für tot ausgegeben hatten, zu jedermanns Erstaunen wohlbehalten wieder in seinen Landen an; und plötzlich wurde alles anders. Er ging den Schlüsselsoldaten mit einem mutigen Heer zu Leibe, schlug sie und schloss 1230 mit dem Papst Frieden. Strenger verfuhr er gegen seinen eigenen ältesten Sohn Heinrich, der sich (1235) zum Oberherrn in Deutschland hatte aufwerfen wollen, zur Strafe seines Aufbegehrens aber in Gefangenschaft auf einem Schloss in Apulien sterben musste.

bild 82: Friedrich II. verabschiedet Ritter des Deutschen Ordens

Bild 82: Im Mai 1236 befindet sich der Kaiser in Marburg. Ritter in weißen Mänteln mit schwarzem Kreuz ziehen an ihm vorüber und jubeln ihm begeistert zu, und den Rittern folgt niederes Kriegsvolk. Es sind Mitglieder des Deutschen Ritterordens, der im Jahr 1190 im Heiligen Land gegründet worden war, kampferprobte Ritter. Sie ziehen ins heidnische Preußen, um dort in unwegsamer Wildnis mit Schwert, Bibel und Axt Christentum und Kultur auszubreiten. Herzog Konrad von Masovien hat sie gerufen, damit sie ihm Hilfe leisten gegen die heidnischen Preußen. Aber das Reich hatte dem damaligen Hochmeister des Deutschen Ordens, Hermann von Salza, und seinen Nachfolgern das eroberte Land als Reichslehen zugesichert. Darum ruht auch des Kaisers Auge mit Ernst auf dem Ritter, der von ihm Abschied nimmt. Die Linke legt er dem Ritter wie segnend auf die Schulter. Nach einem Gemälde von P. Janssen.

Friedrichs II. Streitigkeiten mit den Päpsten

Auch die Städte in Oberitalien hatten sich seine Abwesenheit zu Nutzen gemacht und sich seinem Gehorsam zu entziehen versucht. Dafür wurden sie nun hart gezüchtigt. Friedrich eroberte Mailand und nahm blutige Rache an den Aufrührern. Er eroberte auch Urbino und Toscana. Nun aber erfolgte ein dritter Bannfluch von dem erbitterten Gregor, der es immer mit den rebellischen Städten hielt. Zur Antwort zog Friedrich, anstatt wie Heinrich IV. Buße zu tun, an der Spitze seines Heeres nach Mittelitalien und belagerte Rom.

Der Papst aber schrieb an die deutschen Fürsten und ermahnte sie, statt des abscheulichen Friedrichs, des Ungläubigen, des Gottesverächters, einen anderen christlichen Kaiser zu wählen, der mehr Achtung für die Kirche Jesu und ihre Diener habe. Aber die Fürsten regten sich nicht und Gregor IX. starb darauf vor Ingrimm und Verdruss (1241). An seine Stelle kam 1243 Innozenz IV., der nicht friedlicher dachte. Da Friedrich sich nicht vor ihm demütigen wollte, setzte er (1245) den Kaiser förmlich ab und brachte es wirklich dahin, dass ein Landgraf in Thüringen von einer Partei deutscher Fürsten zum Gegenkaiser gewählt wurde: Heinrich, mit dem Beinamen Raspe oder der Rauhe.

Friedrich behielt die Oberhand; einige Zeit darauf starb er aber in Apulien, wahrscheinlich an Gift. (1250).

Schluss

Dieser große Mann war nicht nur Krieger, sondern zugleich ein eifriger Beschützer der Wissenschaften und der Schulen. Mit seinem Tod sank der Glanz des deutschen Reiches und das kaiserliche Ansehen, sowohl in Deutschland als auch in Italien. Die Befehdungen und das Faustrecht nahmen aufs Neue überhand und veranlassten unbeschreibliche Zerrüttungen.

Quelle:

  • Bär, Adolf und Quensel, Paul (Hrsg.) et al. Bildersaal Deutscher Geschichte, S.76-80. Stuttgart, Berlin, Leipzig: Union Deutsche Verlagsgesellschaft, o. J.
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