Kaiser Friedrich III

Drei Monate nachdem Albrecht verstorben war, wurde Herzog Friedrich V. von Steiermark, Kärnten und Krain, 1415 geboren, zum deutschen König gekrönt. Friedrich übernahm gemeinsam mit dessen Mutter die Vormundschaft für Ladislaus Postumus, dem nachgeborenen Sohns Albrecht II.. Mit der Geburt von Ladislaus begann auch der Streit ums Erbe Albrechts. Im Mai 1440 wurde Ladislaus König von Ungarn, doch Wladislaw III. von Polen wurde zum Gegenkönig gewählt. Allerdings starb dieser 1444 im Kampf gegen die Osmanen, sodass fortan Ladislaus anerkannt wurde. Schlesien, Lausitz und Mähren erkannten ebenfalls sein Erbrecht an.

Die böhmischen Stände boten Friedrich derweil die böhmische Krone an, doch er lehnte ab und verweigerte darüber hinaus die geforderte Herausgabe von Ladislaus und der Bestellung eines Landesverwesers für Böhmen. Daraufhin wurde Georg von Podiebrad von den böhmischen Ständen, als Reichsverweser, eingesetzt. Dieser marschierte gegen Prag und eroberte die Stadt 1448. 1452 wurde er zum Landesverweser gewählt und 1458 krönte man ihn zum König von Böhmen. Damit waren Ungarn und Böhmen für die Habsburger zunächst verloren.

Zwischen 1443 und 1450 kam es zu mehreren Auseinandersetzungen mit der Schweiz. Der Versuch die Habichtsburg zurück zu erobern scheiterte. 1446 gab es dann Konflikte innerhalb des Hauses Habsburg, die zur Teilung der habsburgischen Länder führte. Albrecht VI. erhielt die Vorlanden, Herzog Sigismund Tirol und Friedrich behielt Innerösterreich. Außerdem verwaltete er für Ladislaus, der noch nicht mündig war, Österreich ober und unter der Enns. Ohne Unterlass versuchte man die Herausgabe von Ladislaus zu erwirken, doch Friedrich weigerte sich, bis er 1450 die Einigung erzielte, dass Ladislaus bis zu seinem 18. Lebensjahr bei ihm bleiben würde.

1448 schloss Friedrich mit Papst Nikolaus V. einen Vertrag (Wiener Konkordat), dass vom späteren Papst Pius II. grundlegend entworfen und beeinflusst wurde und dass eine Neuordnung der Kirche in Österreich bewirkte. Dennoch war dies kein Reichsgesetz. 1452 unternahm Friedrich eine Romreise, zu der er Ladislaus mitnahm, um seine Sicherheit zu garantieren. In Rom heiratete Friedrich zunächst Eleonore von Portugal und wurde drei Tage später zum Kaiser gekrönt. Friedrich war der einzige Habsburger und der letzte deutsche König, der die Kaiserkrone in Rom, vom Papst, erhielt. Friedrichs erste Amtshandlung, die für die Habsburger von besonderer Bedeutung war, war die Bestätigung des Privilegium Maius. Die österreichischen Stände nutzten es, dass Friedrich in Rom war für ein Bündnis mit ungarischen und böhmischen Ständen. Sie verbündeten sich gegen den Kaiser, um so die Herausgabe von Ladislaus zu erzwingen.

Aus diesem Grund kehrte Friedrich nicht nach Wien zurück, sondern in die ihm allzeit getreue Wiener Neustadt. Es kam zwar zur Belagerung, doch der Widerstand war erfolgreich. Friedrich verweigerte weiterhin die Herausgabe von Ladislaus, übergab diesen aber an seinen Onkel, Graf Ulrich II. von Cilli. Dieser war nicht halb so standhaft wie Friedrich und verhandelte schon bald mit den Ständen. Schließlich gab er Ladislaus heraus. Dieser wurde zunächst zum Landesfürsten gewählt und 1453 zum König von Böhmen gekrönt. Damit kamen noch einmal die Gebiete Böhmen, Mähren, Ungarn, Österreich ober und unter der Enns in eine Hand. Diese Personalunion zerbrach aber 1457, mit dem Tod Ladislaus‘. Es war das Auslöschen der albertinischen Linie der Habsburger. In Ungarn und Böhmen wählte man daraufhin nationale Könige.

In Österreich allerdings herrschte Streit um die Nachfolge in ober und unter der Enns. 1458 kam es schließlich zum Teilungsvertrag, der besagte, dass Friedrich unter der Enns (Niederösterreich) erhielt und Albrecht VI ob der Enns (Oberösterreich). Diese Aufteilung war allerdings nur möglich, weil Sigismund auf das ihm zugesprochene Gebiet, Tirol, verzichtete.

Und dennoch wurde der Streit zwischen Friedrich und Albrecht nicht beigelegt. Die Ansichten der beiden widersprachen sich gänzlich, was die Rechtsbasis ihrer Herrschaft anging. Friedrich machte als Kaiser vom Ältestenrecht gebrauch, während Albrecht aber eine gemeinsame Herrschaft forderte. Durch den entfachten Bruderkrieg konnte Friedrich auch nicht den Landfrieden wahren und der Verlust jeglicher Ordnung drohte. 1462 versuchte Albrecht einen Feldzug zur Vernichtung Friedrichs zu führen. Gemeinsam mit Böhmen, Ungarn, Tirol und den Eidgenossen belagerte er Wien. Anfangs war das Volk noch auf der Seite des Kaisers, doch seine Politik und Untätigkeit sorgten zunehmend für Verärgerung, sodass sich die Bürger ebenfalls auf die Seite Albrechts stellten. So konnte auch die Hofburg belagert werden. Erst der Böhmenkönig, Georg von Podiebrad, konnte die Brüder zu einem Kompromiss zwingen, der im Vertrag von Korneuburg festgehalten wurde. Doch auch dieser Vertrag brachte keinen Frieden. Albrecht wurde von Friedrich verbannt und zum Reichsfeind erklärt. Erst mit Albrechts Tod fand der Streit ein Ende.
Albrecht hinterließ keine Erben und Sigismund verzichtete erneut, sodass alles Friedrich zu kam. Zeitgleich war man in Ungarn mit König Corvinus unzufrieden und hatte Friedrich zum Gegenkönig gewählt. Doch auch hier scheiterte Friedrich und musste Matthias Corvinus schließlich anerkennen. Die Stephanskrone musste Friedrich zwar wieder abgeben, den nominellen Titel „König von Ungarn“ konnte er aber behalten. Es kam außerdem zum einseitigen Erbvertrag zwischen Friedrich und Corvinus. Wenn Corvinus oder seine Nachkommen kinderlos blieben, würden Friedrich oder seine Nachkommen Ungarn erben.

1468 unternahm Friedrich eine weitere Romfahrt und führte erfolgreiche Gespräche bezüglich einiger Bistumsgründungen. Zur selben Zeit kam es zu Aufständen des steirischen Adels. Andreas Baumkircher, bis dato kaisertreu und mit großen Verdiensten geehrt, fühlte sich nicht genug gewürdigt und belohnt, weshalb er sich gegen den Kaiser stellte und die Rebellen anführte. Erst 1470 kam es zur Versöhnung und Begnadigung durch den Kaiser. Allerdings reichte ein Jahr später schon das Gerücht eines Anschlags aus, um seine Meinung zu ändern und Baumkircher und dessen Verbündete, ohne Gerichtsverhandlung, hinzurichten.

Allen folgenden Auseinandersetzungen, unteranderem den Einfällen der Osmanen, sah Friedrich untätig zu. Er legte sein Hauptaugenmerk auf die Hauspolitik und die Stärkung der Habsburger Dynastie. 1473 versuchte er sich in Heiratspolitik, doch die Verhandlungen mit Karl dem Kühnen, Herzog von Burgund scheiterten an den zu hohen Forderungen (die Kaiserwürde) Karls. 1476 hatte Karl aber so viele Niederlagen verschmerzen müssen, dass er auf Friedrich zurückkam und es doch zur Ehe zwischen Maximilian I. und Maria von Burgund kam.
Im Januar 1477 starb Karl und Maria war Alleinerbin. Die Ehe im August 1477 bedeutete einen enormen Ländergewinn für das Haus der Habsburger, gleichzeitig bedeutete dies aber auch die Feindschaft Frankreichs. Die Verbindung Habsburg-Burgund war die Basis für die österreichisch-habsburgische Weltmacht.

Corvinus, der bis dahin gegen die Osmanen gekämpft hatte, widmete sich bis zu seinem Tod dem Kampf gegen Friedrich III. Er belagerte 1483 Wien und eroberte dies 1485. Bis 1490 regierte er in der Wieder Hofburg. Maximilian konnte seinem Vater nicht beistehen, da er mit der Sicherung des burgundischem Erbes beschäftigt war. Dies wurde noch schwieriger, als seine Frau starb. Erst nach dem Tod Corvinus‘ konnte Maximilian zur Rückeroberung nach Wien. Friedrich verhinderte, dass Sigismund von Tirol seine Gebiete an die Wittelsbacher verkaufte und brachte ihn sogar, durch eine Lebensrente, zum Verzicht auf diese Gebiete.
Der komplette Länderbesitz des Hauses Habsburg lag nach 125 Jahren wieder in einer Hand.

Friedrich starb im August 1493, im Alter von 78 Jahren. Er regierte 58 Jahre lang Innerösterreich, 53 Jahre lang war er deutscher König und 41 Jahre lang römischer Kaiser.
Es heißt, dass er sympathische menschliche Züge hatte und dass er die aussichtslosesten Situationen geduldig löste. Dabei kam ihm seine Fähigkeit des Hinhaltens und Taktieren zugute.1 Doch in Regierungsgeschäften war er nachlässig und gleichgültig. Es ging ihm immer nur um eines: dem Wohle des Hauses Habsburg und dem Wohle Österreichs. So konnte Friedrich zufrieden sterben, denn er hatte die Hausmacht vergrößert und Österreich wiedervereint. Dies war der beginnende Aufstieg zur Weltmacht.

Interessant ist auch, dass Friedrich sehr an der Astronomie und den Geheimniswissenschaften interessiert war. So nutzte er beispielsweise das Kürzel AEIOU sehr häufig, unteranderem zur Markierung von Besitztümern, sogar Gebäuden. Dieses Kürzel tauchte erstmals 1437 in seinem Notizbuch auf und tauchte dann im Laufe der Zeit immer wieder auf. Es gibt mehrere Deutungen des Kürzels, unteranderem diese beiden.

„Austriae Est Imperare Orbi Universo – Alles Erdreich ist Österreich Untertan“2

„Austria Erit In Orbe Ultima – Österreich wird ewig bestehen“3

1 Martha Schad (Hrg.): Macht und Mythos. Die großen Dynastien. Die Habsburger, Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 2000, S. 24f
2 ebd.
3 Anton Schäfer: Zeittafel der Rechtsgeschichte. Von den Anfängen über Rom bis 1919 und zeitgenössischen Bezügen, Edition Europa, Dornbirn 2002

Quelle:
– G. Hartmann, K. Schnith (Hrg.): Die Kaiser: 1200 Jahre europäische Geschichte, Marix, Wiesbaden 2006, S. 471 – 475
– Martha Schad (Hrg.): Macht und Mythos. Die großen Dynastien. Die Habsburger, Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 2000, S. 23f

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