Arnulf

Einführung

Die Deutschen wählten also jetzt Arnulf, einen Enkel Ludwigs des Deutschen, zum König. Sie bekamen an ihm einen klugen und mutigen Fürsten, der nicht, wie der dicke Karl, den Normännern und anderen Feinden des Reichs den Frieden mit Gold abkaufte und ihnen ganze Provinzen abtrat, sondern tapfer auf sie losschlug und sie von seinen Grenzen entfernt hielt. Er behauptet auch mit gutem Nachdruck seine Rechte in Italien, eroberte Rom und zwang den Papst, ihn zum Kaiser zu krönen.

Inhalt

Die Ungarn überfallen Deutschland

Schon früher führte er blutige Kriege mit den Mähren, in welchen er einen Fehler beging, der seinen Nachfolgern und dem ganzen deutschen Reich teuer zu stehen kam. Er rief nämlich die Ungarn gegen sie zu Hilfe, ein hunnisches Volk, das sich in Pannonien festgesetzt hatte und von welchem nachher das heutige Ungarn seinen Namen erhielt. Durch die Feldzüge, die dieses Volk mit Arnulf gegen die Mähren machte, lernte es Deutschland kennen und von dort an konnte es der Lust, darin zu rauben und zu plündern, nicht widerstehen. Es erlaubte sich einen feindlichen Einfall nach dem anderen, streifte rechts und links, sengte, brannte, mordete, verheerte ganze Provinzen und machte halb Deutschland zur Wüste.

Die Ungarn waren leicht bewaffnet; sie hatten muntere, flüchtige Pferde, mit denen sie mit unglaublicher Schnelligkeit in dichten Haufen, mal hier mal dort zum Vorschein kamen. Ehe sich das schwere, deutsche Fußvolk, oder die unbeholfenen Kürassreiter bewegten, waren die flinken Ungarn schon über Berg und Tal. Der Schaden und die Verwüstungen, die sie anrichteten, mussten umso größer sein, da es zu jener Zeit nur wenige Städte und Festungen in Deutschland gab. Alle Orte standen ihnen offen; sie konnten daher ungehindert einbrechen und hausen, wie sie wollten.

Deutschland muss den Ungarn Tribut zahlen

Arnulf war auf seinem Rückzug aus Italien (899) gestorben. Seinem Andenken zu Ehren wurde sein siebenjähriger Sohn, Ludwig das Kind, zum König von Deutschland gewählt. Von einem siebenjährigen Knaben war wenig Heil zu hoffen. Den schrecklichen Ungarn musste nicht ein Kind, sondern ein kräftiger, mutiger Mann an der Spitze eines furchtbaren Heeres entgegengestellt werden, und daran fehlte es. Man sah sich daher genötigt, den kühnen Feinden einen jährlichen Tribut anzubieten, um sich mit Gold Ruhe vor ihnen zu erkaufen.

Zu dem Übel, das unter Ludwig des Kindes Regierung die Ungarn über Deutschland brachten, kamen auch die immerwährenden Fehden der mächtigen Großen unter sich. Die berühmteste dieser Fehden ist die der Grafen von Babenberg mit den Grafen von Rotenburg. Der König gebot endlich dem Grafen Adalbert von Babenberg Ruhe, und um sein Gebot nachdrücklich zu unterstützen, zog er mit einem Kriegsheer gegen ihn und belagerte ihn in seiner Feste Altenburg. Da aber die Eroberung der Burg zu langwierig war, versprach der Erzbischof Hatto von Mainz, den Grafen durch eine List in des Königs Hände zu liefern.

Die List des Erzbischofs

Er begab sich nämlich unter dem Vorwand, als Friedensunterhändler zu kommen, auf die Burg und bewog den Grafen, dem er sein Wort gab, er wolle ihn gesund wieder auf die Burg geleiten, selbst mit zum König zu gehen. Am anderen Morgen machten sich Beide auf und ritten die Burg herab. Sie waren aber noch nicht weit, als Hatto klagte, es sei ihm unwohl und mit dem Grafen wieder umkehrte, und in der Burg einen Morgenimbiss zu sich nahm. Darauf begab man sich wieder auf den Weg und kam ins Lager.Hier wurde Adalbert sogleich festgenommen und zum Tode verurteilt, und obgleich er sich auf Hattos Versprechen berief, so erklärte doch dieser, das sei beim ersten Zurückkehren erfüllt worden, beim zweiten Mal habe er ihm nichts versprochen. Adalbert wurde 903 enthauptet.

Schlusssatz

Zum Glück starb schon nach 12 Jahren der junge Ludwig und mit ihm war Karls des Großen Nachkommenschaft erloschen. (Arnulf † 900. Ludwig † 911.)

Quelle:

  • Dr. Georg Ludwig Jerrer: Die Weltgeschichte für Kinder, Band 2, 5. Ausgabe, Nürnberg: Verlag von Friedrich Campe, 1833.

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