Ursachen der Hexenverfolgung

Unsichere Lebensbedingungen

Historiker suchen heute noch nach Gründen, wie es zu den Hexenverfolgungen kommen konnte. Fest steht, dass im 15., 16. und 17. Jahrhundert in Deutschland und Europa ein geistiges Klima herrschte, das die Verfolgungen begünstigte.Unterstützt werden konnte diese geistige Haltung durch das Elend, das die Menschen dieser Zeit durchmachten:

Kriege, Krankheiten und Katastrophen erzeugten bei den Menschen Angst und Panik. Es herrschte Endzeitstimmung. Um 1590 wüteten die spanischen Truppen in Deutschland. 1618 bis 1648 wütete der 30-jährige Krieg. Pestepidemien rafften zum Teil die Hälfte der Bevölkerung hinweg. Überall in Mitteleuropa sanken die Temperaturen aufgrund der so genannten kleinen Eiszeit, wodurch die Ernten verdarben. Die Menschen litten Hunger, das Vieh starb. Aufgrund mangelnder Hygiene und Mangel- und Unterernährung breiteten sich Krankheiten aus. Prediger aller Konfessionen deuteten die „großen und schrecklichen Zeichen am Himmel“ (z. B. Meteoriteneinschläge, Sonnenfinsternis (Augsburg 16.03.1485, 1654, partielle Sonnenfinsternis von 1664)) als Strafe Gottes wegen der Sünden der Menschen. Die Menschen fragten sich, wieso diese Katastrophen passierten. Sie führten in ihrer abergläubischen Denkweise alles auf Schadenszauber zurück. Hexen wurden beschuldigt, den Menschen gezielt Schaden zuzufügen. Man suchte Sündenböcke und in der abergläubischen Bevölkerung begann eine Hetzjagd auf die ‚Hexen‘.

Inhalt

Fehlende Bildung

Wir können uns heutzutage kaum vorstellen, dass die Menschen wirklich an Hexen geglaubt haben. Haben sie vllt. auch nicht wirklich – aber wirklich sicher sein konnten sie sich auch nicht. Und genau das war das Problem. Diese Lücke der Unsicherheit im Denken füllte sich mit Fantasie aus, die nicht wie heutzutage durch eine Recherche im Internet verdrängt werden konnte. Auch der Nachbar war von niedriger Bildung und konnte keine verlässlichen Informationen über die Nichtexistenz von Hexen von sich geben. Wem oder was sollte man also glauben? Wenn Prediger oder Hexenjäger, die sich anscheinend mit dem Thema auskannten, durch die Dörfer zogen und von Hexen erzählten, dann war es die naheliegendste Option, ihnen zu glauben. Denn sie waren in dem Moment der Experte. So wie wir Heute auch bspw. Ärzten oder Professoren alles glauben, da sie die Experten sind.

Hexensabbat auf dem Blocksberg
Darstellung eines Hexensabbats auf dem Blocksberg, mit fliegenden und feiernden Hexen und Dämonen.
„Hexensabbat auf dem Brocken (B. Berg/ Blocksberg)“ von Michael Herr, 1650, auf http://commons.wikimedia.org

Konventionen

Der Mensch ist ein Mitläufer und ein Herdentier. Wenn viele Menschen etwas tun, tun wir es auch, weil es dann erwartet wird – das trifft zwar nicht immer zu, aber es erklärt ganz gut das Grundwesen einer „Konvention“.Und wenn Prediger eine Menschenmasse anführen, Hexen aus dem Dorf zu jagen, dann lässt man sich von seinen Emotionen leiten und macht mit ohne Nachzudenken.

Klima von Angst und Verleumdung

Wenn der eigene Freund oder Nachbar, mit dem man schon seine Kindheitstage verbracht hat, als Hexer angeklagt wird, kann man das nicht glauben. Kein Mensch konnte in so einer Situation tatsächlich davon ausgehen, dass die einem bekannte Person Hexerei ausübt. Aber schon das Aufkeimen dieser Gedanken wurde sofort unterdrückt, denn man wusste, dass man auf gar keinen Fall eine zu enge Bindung mit dem Angeklagten zugeben durfte, um nicht selbst in Verdacht zu geraten. Deshalb distanzierte man sich zunächst räumlich von dem Angeklagten und dann auch gedanklich. Man muss sich dies auch einreden, um nach der Hinrichtung nicht an dem eigenen schlechten Gewissen zu zerbrechen.

Hinzu kommt, dass ein Angeklagter mit hoher Wahrscheinlichkeit die Anklage nicht überlebte. Und angeklagt werden konnte nahezu jeder, der etwas Unliebsames tat. Man konnte also ziemlich schnell in Lebensgefahr geraten, und diese Angst begleitete einen tagein tagaus. Was, wenn man sich mit einem anderen Dorfbewohner zankte oder gar prügelte – würde er aus Rache etwas erfinden, um mich der Hexerei anzuklagen und damit loszuwerden? Oder was ist mit dem Weib, das mich mal des Diebstahls bezichtigte, als ein Fuchs eine ihrer Hennen gerissen hatte? Wäre es da nicht besser, wenn ich sie zuvor der Hexerei anklage…

Niedere Instinkte

Angst, Verzweiflung, Rache, Mordlust, Berechnung oder pure Belustigung können Beweggründe sein, andere Menschen anzuklagen oder hinrichten zu wollen. Diese emotionalen Zustände können durch Wissen und Bildung zwar eingedämmt werden, aber nicht so stark, wie wir es gerne hätten. Denn die grundlegenden Gene der Menschen haben sich seit dem Mittelalter nicht verändert. Und die gleichen niederen Instinkte können auch heute noch aus Menschen herausbrechen.

Wer meint, im heutigen Deutschland wären Hexenverfolgungen nicht mehr möglich, der irrt sich gewaltig. Denn „Hexenverfolgungen“ haben seit damals niemals aufgehört. Natürlich sind die Opfer der heutigen Verfolgungen keine vermeintlichen Hexen mehr und auch die Verurteilungen sind nicht so auffällig wie brennende Scheiterhaufen – aber überall dort, wo die Emotionen die Rechtsprechung und Gesetze beeinflussen anstatt der Vernunft, sind Verfolgungen von unliebsamen Menschen oder Gruppen Tür und Tor geöffnet.

Quellen

  • Dies ist ein Teil einer Seminararbeit. Die Quellenangaben zu allen Teilen der Arbeit finden sich unter der entsprechenden Seite.

2 Kommentare:

  1. Ihr habt echt geile Info. Ich wüsste nicht wie ich ohne euch durch meine GFS gekommen wäre:)

  2. Anfrage Seminararbeit

    Ich würde gerne nähere Informationen zu dieser Seminararbeit bekommen, da ich mich selber gerade mit einem ähnlichen Thema befasse und gerne die Quellen wissen würde.

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