Bischof Benno von Meißen

Wurde Bischof Benno von Meißen wegen der Teilnahme zur Verschwörung am Sachsenaufstand von Heinrich IV. abgesetzt und welchen mühsamen Weg musste er gehen, um dieses Amt endgültig wiederzuerlangen?

Einleitung

Das Mittelalter, eine Zeit in die man sich aus heutiger Sicht in Bezug auf Sitten, Bräuche und Handhabungen bei der Vergabe und Absetzung von Ämtern sehr schwer hineindenken kann. Aus diesem Grund interessierte mich die Teilnahme am Einführungsseminar „Königsabsetzung im Mittelalter im Reich“ sehr. Da über die Absetzungen von fast allen deutschen Kaisern und Königen im Mittelalter schon viel geschrieben wurde und wir auch andere abgesetzte Herrscher in unserer Seminararbeit verwenden konnten, suchte ich nach einer historischen Person, die noch nicht so viel Beachtung im Bereich dieses Themas gefunden hat und nicht zu den weltlichen sondern zu den geistlichen Fürsten zählte. Außerdem interessierte mich die Zeit des Sachsenkrieges und die Auseinandersetzung zwischen Gregor VII. und Heinrich IV. im Investiturstreit, durch diese für lange Zeit Gewalt, Verwüstung und große Wirre im Reich herrschte. Bischof Bennos Regierungszeit für sein Amt als Träger des Hirtenstabes von Meißen fällt genau in diese Zeit. Er wurde von Heinrich IV. im Sachsenkrieg des Hochverrates beschuldigt und abgesetzt. Jahre später beschritt er sogar den Weg über die Alpen, um bei Papst Clemens III. seinen Bann zu lösen und somit seine Rückkehr ins Meißner Bischofsamt zu schaffen. Mich interessierte vor allem an seiner Absetzung, warum Heinrich IV. Benno gefangen nehmen ließ. War Benno doch nicht so ein friedfertiger Bischof, der sich nicht nur auf seine Missionarsarbeit im Sorbenland konzentrierte, obwohl doch die Legenden über den Heiligen das Gegenteil berichten? Und vor allem reizte mich zudem zu erfahren, wie ein abgesetzter geistlicher um sein Amt kämpfte und wie er es schaffte, dieses wiederzuerlangen. Natürlich spielte für mich auch bei der Wahl der historischen Person die Tatsache, dass die Person in der Gegend meiner Heimat wirkte, eine große Rolle. Aus all diesen Gründen fiel meine Wahl auf Bischof Benno von Meißen und in meiner vorliegenden Arbeit soll deshalb das Thema „Wurde Bischof Benno von Meißen wegen der Teilnahme zur Verschwörung am Sachsenaufstand von Heinrich IV. abgesetzt und welchen mühsamen Weg musste er gehen, um dieses Amt endgültig wiederzuerlangen?“ tiefgründig bearbeitet werden.

Inhaltsverzeichnis

  1. Forschungsstand
  2. Bennos Weg auf den Meißner Bischofsstuhl
  3. Der Hirtenstab, den man Bischof Benno entriss und welchen er sich in Rom zurückholte3.1 Die Absetzung des Heiligen durch Heinrich IV. in den Zeiten des Sachsenkrieges3.2 Bennos Rückkehr auf seinen Bischofsstuhl in Meißen
  4. Zusammenfassung

1 Forschungsstand

Über die Frage, ob Bischof Benno von Meißen aktiv an der Verschwörung zum Sachsenkrieg beteiligt war und wie er in sein Amt nach seiner Absetzung zurückkehrte, wurde bis jetzt noch nie bis ins letzte Detail hin in einer Studie offensichtlich. Drei Werke haben sich neben den ersten Lebensabschnitten und seiner späteren Heiligenerhebung ebenfalls mit der Auseinandersetzung Bennos und Heinrich IV. und seiner Wiedererlangung des Hirtenstabes befasst. Jedoch geschah dies meist nur im kleineren Rahmen des Gesamtumfanges des jeweiligen Buches. Am häufigsten wurde bis jetzt vor allem tiefgründig über die Heiligenerhebung des Meißner Bischofs in mehreren Studien berichtet. Das jüngste Werk, was sich ebenfalls in einem größeren Rahmen mit dem Kanonisationsverfahren des Heiligen befasst und leider nur im kleineren Umfang auf den Konflikt zwischen Benno und Heinrich IV. und der Wiedererlangung seines Bischofsamtes eingeht, ist das im Jahre 2006 erschienene Buch „Der heilige Benno – Bischof von Meißen und Schutzpatron von München“ von Norbert Hupbach. Nach ihm hat sich Benno nicht aktiv am Aufstand beteiligt und sieht als Grund seiner Absetzung und harten Bestrafung für den Bischof die charakterliche Schwäche Heinrich IV. Wie er wieder in Freiheit gelang, wird von Hupbach nicht weiter erforscht. Es heißt nach ihm nur, dass er durch Flucht entkommen sei. Außerdem wird in Bezug auf eine Schenkungsurkunde durch Hupbach die Möglichkeit eingeräumt, dass Benno an der Wahl zu Rudolf von Rheinfelden höchstwahrscheinlich beteiligt war. Als Fazit der Wiedererlangung des Bischofsamtes des Heiligen sieht der Autor Bennos Schritt nach Rom so, dass er dadurch auf seine Amtsbrüder einen großen Eindruck gemacht hat und der Bischof dadurch wohl für den Friedensschluss zwischen Heinrich IV. und den deutschen Bischöfen einen großen Anteil hatte. Auffällig ist, dass das Werk von Norbert Hupbach sich jedoch auf sehr viele Ergebnisse der nun im Folgenden genannten Bücher stützt, jedoch keine neuen Ergebnisse, die Thesen stützen oder entkräften, darlegen kann. Auf die Erkenntnisse aus dem aus meiner Sicht für meine Arbeit bedeutendsten Werk „Der heilige Benno, Bischof von Meissen. Sein Leben und seine Zeit“ von Eberhard Klein aus dem Jahre 1904 werde ich nun im Folgenden kurz eingehen. Der Autor beschäftigt sich sehr mit der Frage, ob Benno an der Verschwörung zum Sachsenaufstand teilnahm und kam durch die wie bei Hupbach erwähnte Schenkungsurkunde und den Einträgen des sächsischen Chronisten Bruno in seinem Buch, was vom Sachsenkrieg berichtet, zu dem Entschluss, dass Benno definitiv nicht dazugehören konnte und eine neutrale Position zwischen den Sachsen und Heinrich IV. samt Gefolgsleuten einnahm. Seiner Meinung nach ließ der König den Bischof mit der gleichen Strafe absetzen, die den aktiven Teilnehmern am Sachsenkrieg wiederfuhr, um durch Strenge wieder Ansehen in diesem Landesgebiet zu erlangen. Auf die Beteiligung zur Wahl des Gegenkönigs Rudolf von Rheinfelden geht er nicht ein, jedoch stark davon aus, dass Benno nach der Zeit seiner Gefangenschaft sich nun sichtbar zur Seite der Sachsen bekannte. Außerdem entkräftet er eine der zwei Behauptungen, dass Benno durch ein Einvernehmen zwischen den Bischöfen und Heinrich IV. wieder in Freiheit gelang. Seiner Meinung nach deutet alles auf eine Flucht des Heiligen von der Meißner Synode im Jahre 1076 hin. Auf eine Nachwirkung Bennos Buße bei Papst Clemens III. für den Friedensschluss im Reich wird von Klein nicht eingegangen. Das letzte Werk „Geschichte der Bischöfe von Meissen / 968 – 1581“ von Willi Rittenbach und Siegfried Seifert aus dem Jahre 1965 stellt eine Studie zur katholischen Bistums- und Klostergeschichte dar. In dieser wird sich im Kapitel zu Bischof Benno von Meißen in einem kurzen Rahmen mit dem gesamten Leben bis zur Heiligenerhebung befasst. Die neutrale Haltung des Heiligen im Sachenkrieg wird hier genauer durch die verschiedenen Oppositionen im Bistumssprengel erklärt. Dass Benno der Wahl Rudolf von Rheinfelden in Forchheim beiwohnte, wird von Rittenbach und Seifert an Hand einer Urkunde stark angenommen. Nach den beiden Autoren wird Benno als eine sehr bedeutende Person, die zum Friedensschluss zwischen den geistlichen und weltlichen Fürsten im Reich verantwortlich war, an Hand der Ergebnisse von Rittenbach und Seifert dargestellt.

2 Bennos Weg auf den Meißner Bischofsstuhl

Der heilige Bischof Benno von Meißen wurde um das Jahre 1010 geboren. Diese Jahreszahl wird von Hieronymus Emser, dem Kaplan und Sekretär des Herzogs Georg des Bärtigen von Sachsen, in seinem Werk „Divi Benonis Misnensis quondam Episcopi vita, miracula et alia quaedam“ angesetzt,(1) welches im Zuge des Kanonisationsverfahrens des Heiligen 1512 erschienen ist. Jedoch ist die Zuverlässigkeit dieser ersten Vita zum Teil zweifelhaft, da keine Urkunden aus den ersten Jahren Bennos vorhanden sind. Emser gibt jedoch in seiner Biografie an, dass seine Angaben aus den ersten Jahren des Bischofs aus einem sehr alten Büchlein über jenen stammen(2). Tatsächlich ist bekannt, dass Hieronymus mit dem Meißener Domdekan Hennig eine Reise unternahm, um nach sicheren Schriften für sein Werk zu suchen und mit den Annalen Lamperts von Hersfeld, Goslarer Urkunden und Hildesheimer Annalen arbeitet(3). Auch erscheinen seine Angaben glaubwürdig, da in seiner Vita das Ende des Lebens Bennos offen bleibt und ein Fälscher diesen Teil sicherlich auch ausgeschmückt und somit gefüllt hätte(4). Die erste Urkunde über den Bischof entstammt vom 13. März 1062(5). In dieser Schenkungsurkunde durch Heinrich IV. wird Benno als königlicher Kaplan aufgeführt, der mit seinem Bruder bei Goslar ein Gut besitzt. Demnach konnte festgestellt werden, dass der Bischof aus einem Grafengeschlecht entstammt und später eine Ausbildung in der Domschule zu Hildesheim begann(6). Als der von 1064 bis 1066 als Bischof von Meißen regierende Reiner starb, trat der Probst Kraft in seinen Dienst. Jedoch erreichte dieser nie das Bistum, da er kurz nach seiner Berufung ebenfalls verstarb. In Folge dessen wurde nun Benno, wahrscheinlich durch Anno von Köln, zum Bischof ernannt, da der ehemalige Probst von Goslar seit einigen Monaten wieder die Reichsgeschäfte Heinrichs IV. übernahm. Warum Benno auserwählt wurde, steht nicht fest. Zum einen könnten besondere Fähigkeiten oder Verdienste ausschlaggebend gewesen sein und zum anderen, wie es üblich war, dass das Amt des Bischofs an Freunde vergeben wurde. Die zweite Variante wird wohl wahrscheinlicher sein, da Benno im königlichen Stift zu Goslar zuvor schon Anno gut kennenlernte(7) und in der vorhergehenden Zeit über keine Verdienste des Bischofes berichtet wird. Vierzig Jahre lang führte er von da an den Bischofssitz in Meißen und es sollte wohl erst mit seiner Regierungszeit vollbracht sein, bis sein größter Widersacher Heinrich IV. wahrscheinlich im selben Jahre 1106 verstarb. Das gute Verhältnis der beiden schien noch die ersten Jahre Bennos Regierungszeit anzuhalten. Dies zeigen Schenkungen, durch die das Bistum in den Jahren 1069 und 1071 Landbesitz erhielt(8). Doch wie jeder andere Fürst und Bischof seiner Zeit wurde Benno in die Auseinandersetzungen der folgenden Jahre, die kirchlich und politisch bedingt waren, hineingezogen und schließlich sogar seines Amtes entledigt. Doch wie kam es zu dieser Wende und zu dem Entschluss, Benno abzusetzen, obwohl er doch in seinem Bistum hoch geschätzte Missionarsarbeit vollrichtete und die Menschen ihn für seine Hilfsbereitschaft liebten, wie es später durch seine Verehrung nach seinem Tode deutlich wurde? Die folgende Quelle des nächsten Absatzes vom September des Jahres 1075(9) soll darüber Auskunft geben und in Bezug auf den Inhalt, den Verfasser und die Wahrheitstreue näher betrachtet werden.

3 Der Hirtenstab, den man Bischof Benno entriss und welchen er sich in Rom zurückholte

3.1 Die Absetzung des Heiligen durch Heinrich IV. in den Zeiten des Sachsenkrieges

Im Jahre 1077 stellte der Chronist Lampert von Hersfeld sein viertes und zugleich letztes Werk „Lamperti Annales“ fertig, welches mit der Vorbereitung zur Wahl des Gegenkönigs von Heinrich IV., Rudolf von Rheinfelden endet. Die einzige Quelle, die über die Absetzung Bischof Bennos im Jahre 1075 berichtet, findet man in diesem Werk des Hersfelder Mönchs. Lampert berichtet für das Jahr 1075 über Heinrichs Ankunft in Meißen auf seinem Wege nach Böhmen:Er(10) zog bis Meißen im Grenzgebiet von Böhmen und Sachsen. Hier nahmen ihn die Bürger friedlich in die Stadt auf, den Bischof der Stadt(11) aber ließ er festnehmen und seinen gesamten Besitz plündern, denn er erklärte ihn für des Hochverrats schuldig allein deswegen, weil er während des ganzen Sachsenkrieges niemals Boten oder Briefe an ihn geschickt habe als Zeichen seiner dem Reich bewahrten Treue.(12)
Bevor auf die Quelle eingegangen werden kann, muss natürlich noch der Hintergrund beleuchtet werden, warum es nun zu der Gefangennahme und damit zur Absetzung des Bischofs kam. Was war zwischen dem Jahre 1071 nach Heinrichs oben aufgeführten Schenkungen an Bennos Bistum und dem Jahre 1075 geschehen? In den ersten Herrschaftsjahren König Heinrichs war es sein oberstes Ziel, die Macht seines Königshauses wieder zu stärken. Zum einen forderte er die an die sächsischen Fürsten vergebenen Krongüter zurück(13) und zum anderen ließ er Burgen im Land der Sachsen erbauen. Die Befestigungsanlagen im ganzen Land selbst verstimmten die Bewohner in der Nähe der Burgen nicht direkt. Sie waren verpflichtet, ihrem König mit Gütern und Arbeitskraft, die zum Bau der Anlagen nötig waren, zu helfen und versprachen sich zudem, dass diese zum Schutz gegen Feinde dienen. Jedoch führten die Burgmannschaften aus Feldern und Dörfern unweit der Burgen Beute fort, missbrauchten Frauen und begangen Gewalttaten gegen die Bewohner. Außerdem mussten die so schon Geschändeten an Leib und Gut zudem die geforderten Abgaben an die Burgmannschaften leisten.(14) So kam es ab dem Jahre 1073 zum Aufstand der sächsischen Fürsten und der Bevölkerung des Landes gegen ihren König. Nachdem Heinrich IV. einige Male den Angriffen der Sachsen entkam, stellte er diese am 9. Juli 1075 und schlug sie in der Schlacht bei Homburg an der Unstrut.(5) In Meißen regierte zu dieser Zeit noch der Markgraf Eckbert II., der ebenfalls ein Gegner Heinrichs im Sachsenaufstand war. Deshalb vielleicht unternahm der König im selben Jahr noch einen unerwarteten Streifzug nach Osten und durchquerte die Stadt an der Elbe. Hier schließt sich wieder der Kreis mit der zu Beginn des Absatzes dargelegten Quelle und man kann sie nun näher betrachten. Der Eintrag vom September 1075 über Benno gehört zur Quellengruppe der „Traditionen“ in literarischer Form. Dieser soll hier durch Lampert von Hersfeld in seinen Annalen der Nachwelt das Geschehen überliefern, wie Heinrich IV. Benno des Hochverrates beschuldigte und ihn gefangen nahm. Ein Nachteil der Tradition ist jedoch der, dass sie eher in einer „erzählenden“ Form aufgeschrieben wurden sind. Verfasser solcher Quellen aus dem Mittelalter lassen in großem Maße Informationen weg, die sie für uninteressant halten oder die nicht erwünscht sind, da sie gegen die eigene Partei sprechen oder fügen bewusst falsche Dinge hinzu, um eine andere Wirkung zu erzielen. All dies muss nun bei Lamperts Eintrag über Bennos Absetzung beachtet werden. Aus der Quelle ist auf den ersten Blick keine Partei des Verfassers heraus zu erkennen. Jedoch weiß man an Hand anderer Einträge aus seinen Annalen, dass er mit seiner politischen Haltung nicht auf Seiten Heinrichs stand. Als ein Beispiel hierzu ein Auszug kurz vor dem Eintrag Bennos, als der König nach der Aufgabe der Sachsen von einem erneuten Plan eines angeblichen Aufstandes dieser erfuhr und gen Böhmen zog:: …wenn sie Widerstand zu leisten versuchten,(16) dadurch einen triftigen Grund zum Kriege gegen sie und zur Ablehnung der Genugtuung zu haben. (17) Hier sieht man, dass Lampert Heinrich IV. so darstellt, dass er einen triftigen Grund sucht, um einen Krieg gegen die Sachsen hervorzurufen, wenn sie sich gegen ihn wehren. Wiederum wird in dem Eintrag zu Bennos Absetzung geschrieben, dass Heinrich IV. durch die Bürger friedlich in Meißen aufgenommen wurde. Dadurch wird die Bevölkerung der Sachsen durch Lampert in einem guten Licht und Heinrich durch seine zuvor böswilligen Gedanken im vorhergehenden Eintrag in einem schlechten Licht dargestellt. Somit kann man auf den zweiten Blick und im Zusammenhang mit anderen Einträgen der Annalen erkennen, dass Lampert auch in der Hauptquelle meiner Arbeit auf der Seite der Sachsen stand, da er sonst sicher anders berichtet hätte. Außerdem schreibt er, dass Heinrich Bischof Bennos ganzen Besitz plündern ließ. Lampert berichtet später in einer anderen Textstelle seiner Annalen, dass der Bischof in „priesterlicher Armut“ lebte(18). Das bedeutet zum einen, dass er durch das Ausschmücken des Textes mit den Wörtern „ganzen Besitz“ leicht übertrieben schreibt, um wahrscheinlich wieder die Boshaftigkeit Heinrichs zu unterstreichen und zum anderen das Wort „plündern“ benutzt, was sonst eher in Verbindung mit Räubern und Verbrechern gebracht wird. Damit könnte er bezwecken, den König in ein noch schlechteres Licht zu rücken, um ihm Eigenschaften zuzuschreiben, die eines Königs unwürdig sind. Jedoch sind dies nur Vermutungen und können nicht zu hundert Prozent in dem kurzen Eintrag meiner Hauptquelle belegt werden. Man muss nämlich bei Lampert beachten, dass er in seinen ganzen Einträgen der Annalen seine politische Haltung durch verschiedenste stilistische Mittel so gut versteckt hat, dass man erst ab dem 19. Jahrhundert diese und die Fehlerhaftigkeit seiner Annalen durch Hinzudichtungen entdeckte.(19) Daher kann man mit den Vorkenntnissen sicherlich auch vieles in den Bericht hineininterpretieren, was man ohne diese nicht so aufgefasst hätte. Aus welchem Grund nun aber, wurde Benno abgesetzt und gefangen genommen, obwohl doch zuvor ein so gutes Verhältnis zwischen ihm und seinem König bestand? Waren es nur die unterlassenen Boten und Briefe in der Zeit des Aufstandes, die seinen König, wie Lampert in meiner Hauptquelle berichtet, zur Absetzung des Bischofes bewegten oder war er doch einer der Mitverschwörer unter den Fürsten und Geistlichen auf Seiten der Sachsen? Der Hersfelder Chronist schreibt in seinen Annalen für das Jahr 1073, dass Benno von Meißen neben den Bischöfen Bucco von Halberstadt, Werner von Merseburg, Hezel von Hildesheim, Eilbert von Minden, Friedrich von Münster, Immet von Paderborn und dem Erzbischof Wezel von Magdeburg zu den Teilnehmern der Verschwörung zählt.(20) Jedoch findet man gegen Lamperts Bericht viele Argumente dafür, dass Benno wohl eher nicht zu den Mitverschwörern gehörte. Die ersten Gründe, die dafür sprechen, findet man in seinen Annalen selbst. Lampert schreibt in einem späteren Eintrag, dass sich Benno nicht an dem Sachsenkrieg beteiligt hat.(21) Damit wiederspricht sich der Chronist selbst, wenn er zuvor Benno noch als aktiven Teilnehmer der Verschwörung bezeichnet. Außerdem berichtet Lampert weiter über den Bischof in seinen Annalen: Übrigens lebte dieser Mann in priesterlicher Armut, umgab sich mit keinem oder doch nur geringem militärischen Pomp und konnte vielleicht gegen das Reich Wünsche hegen, aber nicht kämpfen, und er hätte als Freund oder Feind weder für die eine noch für die andre Partei wesentliche Bedeutung gehabt.(22)Hieraus ist wieder ein Widerspruch des Chronisten zu seinem früheren Bericht zu erkennen, in welchem er Benno als Mitverschwörer angibt. Er schreibt nun, dass der Bischof von Meißen nicht in der Lage gewesen ist zu kämpfen, da er über keine großen militärischen Mittel verfügte. Dies war tatsächlich der Fall, denn die Burgmannschaft, die auf dem Burgberg zu Meißen stationiert war, unterlag der Führung des Burggrafen Burchard. Dieser war ein sehr ergebener Anhänger Heinrich IV. und damit stellte das Bistum Meißen mit dem Bischof keine Gefahr für den König dar. Außerdem kann neben der „priesterlichen Armut“ im wörtlichen Sinne zudem verstanden werden, dass Benno ein Mann des Friedens war und er es ablehnte, Waffen zu tragen. All dies würde dagegen sprechen, dass sich Benno überhaupt auf die Seite der Sachsen stellen würde. Zum einen, da er es selbst ablehnt zu kämpfen und zum anderen, dass er ohne militärischem Rückhalt chancenlos gegen Heinrich IV. wäre. Ein weiterer Gesichtspunkt, der gegen Lamperts Angabe zur Teilnahme Bennos an der Verschwörung spricht, sind die Berichte des Chronisten Bruno. In seiner prosächsischen Parteischrift „Brunos Buch vom Sachsenkrieg“ spricht er auch von dem ersten Treffen der Verschworenen Bischöfe. Jedoch berichtet Bruno darin nur von den Bischöfen von Magdeburg und Halberstadt.(23) Ihm scheint Benno nicht nur hier unwichtig in Bezug auf die Teilnehmer der Verschwörung gegen Heinrich IV. zu sein, denn er berichtet ebenfalls wie Lampert vom Streifzug des Königs, der durch Meißen ging. Bruno hingegen erwähnt in seinem Buch über den Sachsenkrieg jedoch nur, dass die Güter des Markgrafen Ekbert II. von Meißen eingezogen wurden und man ihn verjagte, da dieser, wie schon erwähnt, auf Seiten der Sachsen stand.(24) Der sächsische Chronist beschäftigte sich ausschließlich mit dem Sachsenkrieg und man kann daher davon ausgehen, dass er über die Teilnehmer, wie einer davon Ekbert II. gewesen ist, genau unterrichtet war. Benno scheint ihm unwichtig in seiner Berichterstattung zu sein, da er ihn nicht erwähnt. Daher kann von Seiten Brunos Überlieferungen ausgegangen werden, dass der Meißner Bischof sich in keinster Weise am Aufstand aktiv beteiligte. Der entscheidendste Grund, der jedoch gegen Lamperts Behauptung, Benno habe sich aktiv am Aufstand beteiligt, spricht, ist eine Schenkungsurkunde vom 29. Juni 1074.(25) In dieser schenkt Heinrich IV. der Kirche zu Meißen die Besitzung Rottewitz im Daleminzergau. Es ist ausgeschlossen, dass der König diese Schenkung an Bennos Bistum geleistet hätte, wenn er sich noch ein Jahr zuvor an der Versammlung der Verschwörer beteiligt hätte. Dies zeigt, dass das Verhältnis zwischen dem Meißner Bischof und Heinrich IV. bis zum Zeitpunkt dieser Urkunde sehr gut gewesen sein muss und Benno nicht zu den aktiven Mitverschwörern gegen seinen König gehörte. Wie es also scheint, verhielt sich der Heilige in seiner Position zwischen den zwei Parteien friedlich und neutral. Ein wesentlicher Grund für seine Haltung war wohl der, dass der gesamte Sprengel Bennos in königstreue und königsfeindliche Regenten geteilt war. Der Herzog Wratislaw von Böhmen, dem ein Teil des Bistumssprengels, die Oberlausitz, unterstand und der Meißener Burggraf Burchard standen auf Seiten des Königs. Der Markgraf Ekbert II. von Meißen war hingegen königsfeindlich einge stellt.(26) Benno stand sozusagen zwischen den Parteien und es umgab ihn die Gefahr, dass er sich vielleicht der falschen Seite anschließt, so seine Diözese zerstört wird und er in die Verbannung geschickt oder mit dem Tode bestraft wird. Deshalb und durch seine ohnehin gewaltablehnenden Haltung entschloss er sich wohl, sich aus dem Streit durch seine neutrale Position herauszuhalten, indem er sich seinen sächsischen Stammesgenossen nicht anschloss und seinem König die versprochene Waffenhilfe nicht leistete, welche er Heinrich IV. noch Jahre zuvor bei seiner Amtseinsetzung im Treueid gab. Dem König schien diese unterlassene Hilfe in den Anfängen des Sachsenkrieges, wie es die Schenkung aus dem Jahre 1074 zeigt, nicht gestört zu haben. Er wusste sicherlich, dass von dem Bischof, der sich der priesterlichen Armut verschrieb und dem nur wenige Burgmannen zum Schutze seiner Meißner Residenz unterstanden, keine Waffenhilfe zu erwarten war.(27) Der 25jährige Heinrich erhoffte sich wahrscheinlich daher eher von Benno, dass der Bischof im Verlaufe des Krieges ihm wenigstens in Form von Briefen, Boten und Hofbesuchen seine im Treueid zugesicherte Unterstützung zeigt. Aber auch dies blieb vom 65Jährigen aus und muss den jungen König sicherlich sehr verärgert und zum harten Handeln veranlasst haben. So verfuhr er auch mit Benno, wie mit den aktiven Teilnehmern der Verschwörung, beschuldigte ihn des Hochverrates, wie es Lampert in meiner Hauptquelle berichtet und ließ ihn absetzen. Die Härte des Urteils, die den alten Bischof wiederfuhr, war sicher auf Heinrichs stolzes Herz und seine Absicht, sich Ansehen durch Strenge in dem wichtigen Grenzland wieder zu verschaffen, zurückzuführen.(28) Wohin Benno nach der Gefangennahme gebracht wurde, ist nicht bekannt. Nach Klein ist zu vermuten, dass der Meißner Bischof seine Gefangenschaft bei einem königstreuen Bischof in Süd- oder Westdeutschland verbringen musste, da bekannt ist, dass mit den aktiven Teilnehmern des Sachsenaufstandes Erzbischof Werner von Magdeburg und Bischof Bucco von Halberstadt ebenso verfahren wurde.(29)

3.2 Bennos Rückkehr auf seinen Bischofsstuhl in Meißen

In die Zeit, in der Bischof Benno nun in Gefangenschaft leben musste, fällt der Beginn des Investiturstreites zwischen dem Papst Gregor VII. und dem König Heinrich IV. Im Folgenden soll in Kürze erklärt werden, warum es zum Investiturstreit kam und danach ausführlicher auf die Wiedererlangung des Hirtenstabes von Bischof Bennos in Meißen eingegangen werden Seit der Zeit Kaiser Otto I. waren die deutschen Könige und Kaiser für die weltliche und kirchlicher Macht verantwortlich. Sie ernannten also auch die Reichsbischöfe, wie es später auch durch den Vertreter Heinrich IV., Anno von Köln, bei Bischof Benno von Meißen geschah. Kirchliche Ämter waren käuflich oder wurden an treu ergebene Personen vergeben, die zur Stärkung der Macht für die Krone bedeutsam waren. Diese Art der Vergabe der Ämter durch Laien bezeichnet man als Simonie. Ab dem 10. Jahrhundert begann dann eine Reformbewegung, die gegen Simonie und Priesterehe kämpfte. Nach dem Tode Papst Alexander II. wurde der radikale Reformer Gregor VII. im Jahre 1073(30) zum Papst erhoben und führte nun das Ziel, die päpstliche Macht im Reich wieder zu stärken, radikaler als sein Vorgänger, der ebenfalls der Reformpartei angehörte, fort. Gregor beanspruchte, dass der Papst das Recht hat, Bischöfe ein- und abzusetzen, ja sogar Könige und Kaiser ihrer Position entbinden zu können. Infolge dessen war es kein Wunder, dass der Papst mit dem deutschen König und seinem Machtanspruch in eine heftige Auseinandersetzung geraten sollte. Nachdem Heinrich IV. weiterhin Bischöfe, sogar im Einzugsgebiet Rom, einsetzte, stellte Gregor VII. dem jungen König ein Ultimatum. In diesem drohte ihm der Papst mit dem Kirchenbann und der Absetzung als König, wenn er in naher Zukunft weiter so verfahren sollte. Zu dieser Zeit hatte Heinrich IV. gerade die Sachsen in der Schlacht bei Homburg an der Unstrut verheerend geschlagen und die aufständischen sächsischen Fürsten und Bischöfe, darunter Bischof Benno von Meißen, gefangen genommen. Durch diesen großen Erfolg fühlte sich der König von Gregors Warnung sicherlich unbeeindruckt. Als Antwort auf die Drohung des Papstes lud Heinrich IV. am 24. Januar 1076 zwei Erzbischöfe und 24 Bischöfe zu einer Reichssynode nach Worms ein.(31) Auf dieser erklärten die königstreuen geistlichen und der König selbst den Papst auf Grund seiner tumultartigen Spontanwahl auf der Trauerfeier seines Vorgängers Alexander II. für abgesetzt, da die Erlangung seines Amtes nicht auf kanonischer Weise erfolgte. Papst Gregor VII. verkündete daraufhin am 15. Februar 1076 die Verbannung und Exkommunikation für den König.(32) Dadurch war Heinrich IV. seines Amtes entbunden, seine Untertanen fielen von ihm ab und wurden zudem vom Treueeid entbunden. Aufgrund dessen ließ man viele der in Gefangenschaft lebenden Gegner Heinrichs wieder frei und andere nutzten die Flucht, wenn sich eine günstige Gelegenheit ergab. Zu den letzteren gehörte wohl auch der Meißner Bischof. Denn nachdem Heinrichs größter Widersacher Burchard – Bucco – von Halberstadt ebenfalls entkommen konnte und die Gefahr bestand, dass dieser seine Anhänger wieder um sich scharen könne, versuchte Heinrich IV. durch Versöhnung mit denen noch in Gefangenschaft befindlichen Sachsen dieses bevorstehende Unglück zu umgehen und verhandelte mit jenen, unter denen laut Lampert sich auch Benno befand(33), am 29. Juni 1076 auf der Synode in Mainz. (34) Der Hersfelder Chronist berichtet darüber, dass der exkommunizierte König die Gefangenen freilasse, wenn sie ihm unter einem Eid schwören, dass sie ihm zur Herstellung des Friedens im Reiche helfen würden und somit der Todesstrafe umgehen. Brunos Bericht über die Synode von Mainz fällt jedoch anders aus. Er berichtet, dass während der Verhandlungen ein Tumult durch ein gelegtes Feuer ausbrach und in diesem die Gefangenen die Chance zur Flucht nutzten.(35) Man kann wohl dem sächsischen Chronisten eher Glauben schenken, dass Benno durch Flucht wieder in sein Bistum zurückkehrte, da spätere Ereignisse, wie die wahrscheinliche Beteiligung des Bischofes an der Wahl zum Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden beteiligt war und die Einsetzung des Gegenbischofes Felix in Meißen durch Heinrich IV., nicht auf ein versöhnliches Auseinandergehen unter einem Eid auf der Synode zurückzuführen ist. Der Meißner Bischof kehrte nun wieder in sein Bistum zurück, indem auch Markgraf Ekbert II. erneut das Meißner Land fest in seinen Händen hielt und es begann für den Heiligen eine lange Zeit, in der er wieder ungestört seinen Aufgaben als Führer des Bischofssitzes nachgehen konnte. Als Heinrich IV. nun schon fast ein Jahr in Bannung war, entschloss sich Papst Gregor VII. zu den Fürsten über die Alpen zu kommen und einen neuen König zu wählen. Der exkommunizierte König sah seine einzige Chance dies zu verhindern, indem er vor dem Papste Buße tut, um seine Bannung lösen zu können. Gregor war bereits bis auf die Burg Canossa in den Apennin vorgedrungen, als ihn Heinrich IV. einholen konnte. Er trat barfuß mit dem Büßergewand vor ihn und legte seine Buße ab. Der Papst nahm Heinrich IV. den Bann ab, jedoch schützte ihn dies nicht vor seiner Absetzung, da die deutschen Fürsten trotzdem eigenmächtig handelten. Am 15. März 1077 wählten sie in Forchheim den schwäbischen Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden.(36) Leider gibt keine Quelle darüber Auskunft, welche weltlichen und geistlichen Fürsten direkt an der Wahl beteiligt waren. Es heißt nur, dass sieben sächsische Bischöfe in Forchheim anwesend waren(37). Darunter muss auch Benno von Meißen gewesen sein. Ein Indiz dafür könnte die Schenkungsurkunde von Rudolf von Rheinfelden vom 25. März 1079 sein, in der die gleiche Schenkung an die Meißner Kirche erfolgt, die Heinrich IV. im Jahre 1074 getätigt hat(38). Der schwäbische Gegenkönig hätte dies sicherlich nicht gemacht, wenn Benno zu seinen Feinden gezählt hätte oder nicht an seiner Wahl zum König unter den Bischöfen gewesen wäre. Warum auf jeden Fall Benno nun Partei ergriff und vollkommen auf der Seite der Sachsen und Rudolf von Rheinfelden stand, kann nur damit zu erklären sein, dass ihn die Bannung und die Zeit seiner Gefangenschaft durch Heinrich IV. erzürnt hatten. Sicher ist jedoch wieder, dass sich der Bischof in den nächsten Jahren, welche wieder kriegerisch verlaufen sollten, friedlich verhielt und wieder keine Waffe in die Hand nahm. Heinrich IV. kehrte nach Deutschland zurück und stellte sich dem Gegenkönig in mehreren Schlachten. In einer dieser kriegerischen Auseinandersetzungen wechselte der Markgraf von Meißen Ekbert II. die Seiten und erlangte dafür sogar die vollständige Verzeihung Heinrichs. Rudolf von Rheinfelden fiel schließlich am 15. Oktober 1080 in der Schlacht von Hohenmölsen.(39) Dadurch war Heinrich IV. wieder gestärkt und zog nach Rom um Gregor VII. seines Amtes zu entheben. Dieser versteckte sich auf der Engelsburg und musste von da aus die Inthronisation von Clemens III. hinnehmen. Daraufhin wurde Heinrich IV. vom Gegenpapst zum römischen Kaiser gekrönt. Am 20. April 1085 berief er seine treuen Anhänger und auch Clemens III. auf eine Synode nach Mainz.(40) Auf dieser wurde noch einmal die Ernennung des neuen Papstes bestätigt und die gregorianischen Bischöfe setzte man ab und verbannte sie. In die Ämter der alten Bischöfe ernannte Heinrich IV. neue. Für den Meißner Bischofsstuhl wurde nun Felix, der in enger Beziehung mit dem böhmischen Herzog Wratislaw gestanden haben muss, eingesetzt. Bevor dieser in Meißen angekommen war, verließ Benno sein Bistum, da er die Gefahr sah, wieder in Haft zu geraten, falls Heinrich IV. selbst in die Stadt an der Elbe kommt, um den neuen Bischof einzusetzen. Papst Gregor VII., von dem Benno ein großer Verehrer war, starb kurz nach der Synode von Mainz. Von ihm konnte der Meißner Bischof sich nun keine Hilfe mehr holen. Die einzige Chance die er sah, den Bannspruch rückgängig zu machen und seine geliebte Arbeit in seinem Bistum fortsetzen zu können war die, mit dem neuen Papst Clemens III. in Verbindung zu treten. Ein weiterer Grund, um den Weg zum Gegenpapst anzutreten, könnte für den Meißner Bischof auch die Hoffnung gewesen sein, dass die anderen gregorianischen Bischöfe nach seiner Buße ebenfalls Clemens III. als neuen Papst anerkennen und somit das Schisma beendet wird. Benno nahm nun die gefährliche Reise nach Rom über die Alpen in einem Alter von 75 Jahren auf sich. Wie diese aussah und vonstatten ging, kann man leider nicht mehr sagen. Vor Benno lag jedoch eine Strecke von circa 1400 Kilometern. Wahrscheinlich hatte er einen Esel als Last- und Reittier, da diese für Vertreter der kirchlichen Armut als Reisemittel galten. Über die Ankunft des Meißner Bischofs bei Clemens III., bei der Benno wahrscheinlich, wie Heinrich in Canossa, mit nackten Füßen und einem Büßergewand vor ihn trat, berichtet ein anonymer Verfasser wie folgt:Aber von all diesen Bischöfen, die verurteilt und abgesetzt worden waren, kam nur ein einziger, nämlich Bischof Benno von Meißen, zum apostolischen Stuhl, um für seinen Irrtum Verzeihung zu erbitten, die er auch erlangen konnte…Papst Clemens nahm daher den Reumütigen gütig auf, behandelte ihn nach dem Bekenntnis seines Irrtums ehrenhaft und sandte ihn, als er abreiste, mit einem Schreiben des apostolischen Stuhles zu Kaiser Heinrich; auch dieser nahm ihn, da er sich gebessert hatte, gern auf und ließ ihn frei in sein Bistum gehen.(40)
Aus dieser Quelle ist nun zu erkennen, dass Benno als einziger gregorianischen Bischof vor dem Papst Buße ablegte und er ihn somit wieder in sein Amt einsetzte. Bevor er jedoch in sein Bistum zurückkehrte, wie es der anonyme Verfasser weiter berichtet, reiste Benno zum Erzbischof Hartwig von Magdeburg, welcher sich wohl in Hersfeld aufhielt, da er wieder im Zwist mit dem Kaiser lag, um dessen von der Aussöhnung mit Heinrich IV. und Clemens III. zu berichten.(42) Dieser misstraute dem Meißner Bischof und sah zudem die Gefahr, dass die anderen abgesetzten Bischöfe sich dadurch ebenfalls Heinrich IV. unterwerfen und ihr Amt wieder einnehmen dürfen. Er forderte deshalb Wratislaw auf, Bennos Rückkehr zu verhindern und Felix in Meißen zu halten. Heinrich IV. ließ tatsächlich alle Gegenbischöfe fallen und setzte die alten wieder in ihr Amt ein. Auch Wratislaw, der mittlerweile zum König von Böhmen gekrönt wurden war, hinderte Benno nicht an der Rückkehr auf den Bischofssitz in Meißen. Nach dieser sehr wohl für den über 75jährigen Bischof beschwerlichen Reise kehrte er 1086 in sein geliebtes Bistum an der Elbe zurück und festigte für weitere 20 Jahre das Christentum im Sorbenland.(43) Das in den Jahren zuvor immer schlechter werdende Verhältnis zwischen Benno und Heinrich IV. schien sich mit der Zeit wieder zu legen und es scheint sogar, als hätte der Kaiser seine Mitwirkung am Zustandekommen des Friedens im Reich belohnt. Dies zeigen Schenkungsurkunden aus den Jahren 1090, 1091 und 1095 mit großem Landbesitz an das Bistum Meißen.(44) Über den Lebensabend Bischof Bennos, den er bis ins hohe Alter von 96 Jahren verbrachte, ist wie aus seinen Anfangsjahren nichts bekannt. Für ihn wird der Todestag des 16. Juni 1106 angenommen,(45) da um diesen Zeitpunkt herum sein Nachfolger Herwig in das Meißner Bischofsamt eingeführt wurde. Heinrich IV. verstarb ebenfalls im selben Jahr, nachdem sein Sohn ihm der Königskrone beraubt hatte, im Alter von 56 Jahren.
Weit über hundert Jahre dauerte es, bis eine erste Nachricht über den „Bennokult“ aufkam. Um das Jahr 1270 ließ Bischof Withego I. Bennos Gebeine in einer Tumba aufstellen.(46) Jedoch kam der „Bennokult“ erst infolge einer Ablassurkunde von jenem Withego 15 Jahre später in Gang, wodurch den Besuchern der Grabstätte ein Ablass von 40 Tagen gewährt wurde(47)Im Jahre 1498 wurde dann dem damaligen Papst Alexander VI. das ehrenhafte Leben und die Wundertaten des Meißner Bischofs durch Abt Martin in einem Brief dargelegt, um die Kanonisation Bennos gestattet zu bekommen.(48) Das Kanonisationsverfahren sollte sich nun 24 Jahre hinziehen, in dessen Zusammenhang viele Schriften entstanden sind, unter denen auch die Vita Bennos von Hieronymus Emser erschienen ist, welche zu Beginn meiner Arbeit erwähnte wurde. Die Heiligenerhebung von Benno sorgte für viel Aufregung in Deutschland und sie bekam von den Reformatoren, wie auch von Luther, große Kritik. Die Heiligsprechung Bischof Bennos erfolgte dann schließlich am 31. Mai 1523 durch den Papst Hadrian VI.(47) Als die Zerstörung des Bennograbes durch die Durchführung der Reformation in Meißen gefährdet war, wurden die Reliquien in Sicherheit gebracht. Kurze Zeit später wurde die Kultstätte von Benno im Meißner Dom tatsächlich auf Anweisung des Herzogs Heinrich der Fromme zerstört. Durch Bischof Johann IX. wurden dann die Gebeine von Herzog Albrecht V. von Bayern über Herzog Wilhelm nach München in die Liebfrauenkirche gebracht, wo sie nun seit dem 16. Juni 1580 bis heute zu finden sind.(50) Der heilige Bischof Benno von Meißen gilt heute als Schutzpatron von Bayern und der Stadt München.

4. Zusammenfassung

Über Bischof Benno sind heute noch die Legenden bekannt, die davon handeln, wie er die Felder um Meißen durch seinen Gang über diese fruchtbar machte oder er wohl sogar den Weinanbau nach Meißen brachte. Die Bewohner des Meißner Landes müssen über das wirken Bennos während seiner Amtszeit sehr beeindruckt und dankbar gewesen sein, so gut wie diese über ihn in den Legenden berichten. In meiner Arbeit über die Absetzung und der späteren Bannung des Bischofes durch Heinrich IV., mit der anschließenden Reise nach Rom zu Clemens III. um Buße zu tun, ist im Ergebnis zu sehen, dass der Heilige ein Vertreter kirchlichen Armut war, der nie ein Schwert in die Hand genommen hat und sich damit von den meisten der anderen Bischöfe im Reich unterschied. Die Teilnahme an der Verschwörung zum Sachsenkrieg, wie es der Chronist Lampert behauptet, kann nicht zugestimmt werden. Dagegen spricht vor allem, neben der Nichterwähnung Bennos an einer Teilnahme eines Treffens der Verschwörer durch den sächsischen Chronisten Bruno in seinem Buch vom Sachsenkrieg und Lamperts späteren Bekundungen einer Nichtteilnahme, womit er seiner anfänglichen Behauptung widerspricht, die Schenkungsurkunde von Heinrich IV. an den Meißner Bischof im Jahre 1074. Es ist nicht denkbar, dass der König diese getätigt hätte, wenn der Heilige sich gegen ihn verschworen hätte. Daher ist auch anzunehmen, dass das Verhältnis der beiden bis zu diesem Zeitpunkt gut war. Die Absetzung Bennos ein Jahr später muss darauf rückzuführen sein, dass Heinrich IV. zwar keine Waffenhilfe des Bischofs erwartet hat, jedoch auf Briefe und Boten von ihm hoffte, die dem jungen König die Jahre zuvor geschworene Treue gezeigt hätte. Benno verhielt sich jedoch bis zu diesem Zeitpunkt neutral. Erst als er durch einen Tumult von der Mainzer Synode am 29. Juni 1076 fliehen konnte und somit aus der Gefangenschaft entkam, beteiligte er sich später wahrscheinlich an der Wahl zum Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden, was wiederum eine Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1079 belegte. Die Zeit der Gefangenschaft hat in Benno sicher einen großen Unmut gegenüber Heinrich IV. hervorgerufen, der das Verlassen seiner neutralen Position auf die Seite der Sachsen erklärt. Nach dem Tode Rudolfs von Rheinfelden wurde Benno mitsamt den anderen gregorianischen Bischöfen am 20. April 1085 auf der Synode von Mainz von Heinrich IV. ihres Amtes enthoben und verbannt. Daraufhin wurde in Meißen Felix für das Bischofsamt eingesetzt. Hiervon berichtet die bekannteste der Legenden Bennos. Angeblich nahm der Heilige die Kirchenschlüssel und warf sie in die Elbe, damit sein Nachfolger sein Amt nicht antreten kann. Als er nach langer Zeit wieder in Meißen ankam und in einem Wirtshaus einen Fisch aß, fand er in diesem seine Schlüssel wieder und er sah es als Zeichen an, dass er sein Amt wieder fortsetzen konnte. Der Weg Bennos zurück in sein Bischofsamt war freilich nicht so einfach, wie es die Legende berichtet. Nach dem Tode Papst Gregor VII. sah der Heilige seinen einzigen Weg zurück auf den Bischofssitz, indem er seine antikaiserliche Opposition verließ. Der verbannte Meißner Bischof brach in einem hohen Alter von 75 Jahren nach Rom auf, um vor dem von Heinrich IV. eingesetzten Papst Clemens III. Buße zu tun und somit den Bann zu lösen und sein geliebtes Bischofsamt zurückzugewinnen. Dies schaffte Benno auch und er war zudem der einzige gregorianische Bischof, der diesen Schritt zum Papst wagte. In Folge dessen ließ Heinrich IV. seine eingesetzten Gegenbischöfe wieder fallen und die alten erlangten ihr Amt zurück. Fast die gesamten Bischöfe erklärten sich bereit, mit dem Kaiser Frieden zu schließen und somit hat Benno von Meißen wohl einen sehr großen Anteil daran, dass die Einheit zwischen geistlicher und weltlicher Macht wieder hergestellt war und der Krieg für das erste in Deutschland ein Ende hatte. Auch das Verhältnis zwischen Heinrich IV. und Benno von Meißen war danach, wohl durch die Anerkennung der Verdienste des Bischofes, wieder deutlich besser.

Fußzeilen

  1. Klein, Eberhard 1904, S. 4.
  2. Vgl. Ebenda, S. 9.
  3. Vgl. Ebenda, S. 9, 12.
  4. Vgl. Ebenda, S. 14.
  5. Rittenbach, Willi und Seifert, Siegfied 1965, S. 63.
  6. Vgl. Ebenda, S. 63 – 64.
  7. Vgl. Ebenda, S. 65.
  8. Vgl. Rittenbach, Willi und Seifert, Siegfried 1965, S. 67.
  9. RI III,2,3 n. 758, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1075-09-00_3_0_3_2_3_758_758 (Abgerufen am 01.04.2013, 13:23), (in Bezug auf den Monat und des Jahres).
  10. Heinrich IV..
  11. Benno.
  12. Lamperti Monachi Hersfeldensis 1957, S. 231.
  13. Vgl. Hupbach, Nobert 2006, S. 29.
  14. Vgl. Hahn, August 1885, S. 5 – 6.
  15. Vgl. Hupbach, Norbert 2006, S. 29.
  16. Die Sachsen.
  17. Lamperti Monachi Hersfeldensis 1957, S. 230 – 231.
  18. Ebenda, S. 231.
  19. Vgl. Brandt, Ahasver von 2007, S. 62 – 63.
  20. Vgl. Lamperti Monachi Hersfeldensis 1957, S. 149 – 150.
  21. Vgl. Klein, Eberhard 1904, S.81.
  22. Lamperti Monachi Hersfeldensis, S. 231.
  23. Vgl. Klein, Eberhard 1904, S. 81.
  24. Vgl. Bruno (Merseburgensis) 1934, S. 52.
  25. RI III,2,3 n. 758, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1075-09- 00_3_0_3_2_3_758_758 (Abgerufen am 01.04.2013, 13:23).
  26. Vgl. Rittenbach, Willi und Seifert, Siegfried 1965, S. 67.
  27. Vgl. Hupbach, Norbert 2006, S. 31.
  28. Vgl. Klein, Eberhard 1904, S. 85.
  29. Vgl. Ebenda, S.85.
  30. Vgl. Laudage, Johannes und Schrör, Matthias 2006, S. 21 (in Bezug auf das Datum).
  31. Ebenda, S. 22 (in Bezug auf das Datum).
  32. Vgl. Hupbach, Norbert 2006, S. 34.
  33. Vgl. Klein, Eberhard 1904, S. 92.
  34. Vgl. Rittenbach, Willi und Seifert, Siegfried 1965, S. 69.
  35. Vgl. Klein, Eberhard 1904, S. 93.
  36. Vgl. Rittenbach, Willi und Seifert, Siegfried 1965, S. 69.
  37. Vgl. Klein, Eberhard 1904, S. 99.
  38. Vgl. Rittenbach, Willi und Seifert, Siegfried 1965, S. 69.
  39. Vgl. Klein, Eberhard 1904, S. 101.
  40. Vgl. Rittenbach, Willi und Seifert, Siegfried 1965, S. 70.
  41. Buchner, Rudolf 1984, S. 475.
  42. Vgl. Rittenbach, Willi und Seifert, Siegfried 1965, S. 72.
  43. Vgl. Hupbach, Norbert 2006, S. 45.
  44. Vgl. Rittenbach, Willi und Seifert, Siegfried 1965, S. 74.
  45. Vgl. Ebenda, S. 75.
  46. Vgl. Volkmar, Christoph 2002, S. 30.
  47. Vgl. Ebenda, S. 31.
  48. Vgl. Ebenda, S. 69.
  49. Vgl. Rittenbach, Willi und Seifert, Siegfried 1965, S. 75.
  50. Vgl. Ebenda, S. 75.

Quellenverzeichnis

  • BRANDT, AHASVER VON: Werkzeug des Historikers, W. Kohlhammer, 17. Aufl., Stutt-gart, 2007.
  • BRUNO (MERSEBURGENSIS): Brunos Buch vom Sachsenkrieg, enthalten in: Monumenta Germaniae Historica – Deutsches Mittelalter – kritische Studientexte des Reichsinstituts für ältere deutsche Geschichtskunde, 2. Aufl., neu bearbeitet von: Hans-Eberhard Lohmann, Karl W. Hiersemann, Leipzig, 1934.
  • BUCHNER, RUDOLF: Quellen zum Investiturstreit, enthalten in: Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Bd. 12b, 2. Teil, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1984.
  • HAHN AUGUST: Über die Gründe des Sachsenkrieges unter Heinrich IV., Th. Kämpf, Dramburg, 1885.
  • HUPBACH, NORBERT: Der heilige Benno – Bischof von Meißen und Schutzpatron von München, Christoph Hille, Dresden, 2006.
  • KLEIN, EBERHARD: Der heilige Benno, Bischof von Meissen. Sein Leben und seine Zeit; J. J. Lentner, München, 1904.
  • LAUDAGE, JOHANNES; SCHRÖR, MATTHIAS: Der Investiturstreit / Quellen und Ma-terialien, Böhlau Verlag GmbH & Cie, 2. Aufl., Köln, 2006.
  • LAMPERTI MONACHI HERSFELDENSIS: Annales, neu übersetzt von Adolf Schmidt, 3. Aufl., Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1957.
  • RITTENBACH, WILLI; SEIFERT, SIEGFRIED: Geschichte der Bischöfe von Meißen / 968-1581, St. Benno-Verlag GmbH, Leipzig, 1965.VOLKMAR, CHRISTOPH: Die Heiligenerhebung Bennos von Meissen (1523/24), Asch-endorff Verlag GmbH & Co. KG, Münster, 2002.
  • www.regesta-imperii.deRI III,2,3 n. 758, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1075-09- 00_3_0_3_2_3_758_758 (Abgerufen am 01.04.2013, 13:23).

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