Die Bekehrung zum Christentum

Bekehrung der Deutschen zum Christentum

Schon im 4. Jahrhundert wurde systematisch von unserem Nachbarland, Italien, aus bekehrt. Das Christentum verbreitete sich schnell unter den Völkern, die schon unter römischer Herrschaft standen. Nur in die germanischen Wäldern drang die Kunde der neuen Religion nicht so schnell hinein. Aber durch die Missionstätigkeit waren alle deutschen Stämme spätestens im Hochmittelalter christlich geworden.

Das Christentum wirkte sich auf die Menschen in verschiedenster Weise aus, aber auf jeden Fall hatte es einen sehr großen Einfluss auf die geistliche Entwicklung unserer Vorfahren. Da wären die Klöster, Mönche und Nonnen. Die wunderbaren kirchlichen Bauten, die Macht der Geistlichkeit und das Christentum als Glaube, an dem man festhalten konnte. In Zeiten des Krieges, wenn die Menschen von aller Menschlichkeit verlassen waren, blieb ihnen nur noch Gott als rettender Ast, sich nicht von dem Sumpf der Selbstaufgabe verschlingen zu lassen.

Aber vergessen wir nicht die negativen Seiten, die erst durch das Christentum möglich gemacht wurden. Da wären z. B. die Verfolgung Andersgläubiger und Missbrauch der Macht. Egal, ob das Christentum den heidnischen Deutschen nun mehr Vorteile oder mehr Nachteile brachte, wir wollen nun den Verlauf der Geschichte betrachten, in dem die Deutschen überhaupt erst zum Christentum kamen. Die Bekehrung der Deutschen.

Inhalt

Die Bekehrung der Goten durch Ulfilas

Das Christentum hatte das römische Weltreich erobert, in Rom und Konstantinopel beugten sich die Cäsaren vor Jesus von Nazareth, dem König der Juden. Aber die vielen germanischen Völker nördlich der Donau verehrten noch ihre alten Götter aus der grauen Vorzeit ihrer Urväter. Jedoch war der Glaube schon bei manchem Stamm erschüttert; man zweifelte, denn die himmlischen Götter gaben nicht denen den Sieg, die ihn verdient hatten, wo sie doch ihren Göttern so treu dienten. Das Vertrauen in ihren Glauben war erschüttert, schon gab es einzelne, die rieten, die alten Götter zu vergessen und den Christengott zu verehren, von dem selbst der mächtige Kaiser den Sieg erflehte. Solche Zweifel und Fragen entstanden zuerst bei den Westgoten, die an der Grenze zu Rom, nördlich der unteren Donau, saßen. Im Jahre 341 wurde der Arianer Wulfila oder Ulfilas, damals ungefähr 30 Jahre alt, auf der Synode zu Antiochien zum Bischof der Goten gewählt. Er war für dieses Volk wie geschaffen: er liebte nicht die Dogmen über Christus, aber Christus selbst, denn er war keine theologische, sondern eine religiöse Natur. Er predigte auf griechisch, lateinisch und gotisch. Ausgerüstet mit der Kraft des Glaubens und der Sprache begann er sein Werk.

In voller Waffenrüstung saßen die gotischen Recken um ihn herum und vernahmen mit Staunen die Botschaft von dem Heiland, der sich aller Mühseligen und Beladenen erbarmte, der für seine Feinde am Kreuze betete und von seinen Getreuen auch forderte: Liebet eure Feinde! Ulfilas gewann eine kleine Gemeinde, die wuchs, bis dem Gotenkönig der neue Glaube bedenklich erschien. Er verfolgte und vertrieb Ulfilas und seine Helfer, die flohen über die Donau und nach Mösien in die Gegend von Nikopolis, wo ihnen Kaiser Konstantius eine Zufluchtsstätte gewährte. Ulfilas aber wollte, dass seine anfänglichen Bemühungen bei den Goten nicht fruchtlos blieben. Darum unternahm er das große Werk, die Bibel in die gotische Sprache zu übersetzen. „Er vollbrachte das Werk bei einem Volk, dem bis dahin die ersten Anfänge einer geschriebenen Literatur gefehlt hatten; er gab einem Volk die Bibel in die Hand, das bis dahin noch nicht einmal wusste, was Lesen ist; er schuf eine Schrift, die auf Pergament zu malen war, für ein Volk, das bis dahin nur auf Holz und Erz einzelne Zeichen oder eine Folge einiger Worte geritzt hatte.“ (W. Scherer)

bild 50: Bekehrung der Goten

Bild 50: Bischof Ulfilas erklärt den Goten, die mit Rüstung und Waffen vor ihm sitzen, das Evangelium und bekehrt sie zum Christentum

Aber das Werk gelang und durch die Beharrlichkeit des Ulfilas ist uns die gotische Sprache erhalten geblieben. Wie außergewöhnlich muss es geklungen haben, wenn er das Vaterunser sprach: Atta unsar thu in himinam, veihnai namo thein! Ulfilas starb im Jahre 383 in Konstantinopel, aber sein Werk lebt heute noch. Die gotischen Heldenlieder von Ostrogoto und Ermanerich sind längst verklungen. „Die gotische Bibel in stattlichen Bruchstücken (der „silberne Codex“ in Upsala) steht mitten in unserer Wissenschaft als Heiligtum aufgerichtet und verehrt, unvergangen, unvergänglich.“

Die Goten waren durch Ulfilas arianische Christen geworden, alle anderen germanischen Stämme wurden athanasianische Christen. So die Franken zur Zeit Chlodwigs und die innerdeutschen Stämme. Darüber berichten wir nun weiter.

Die Bekehrung Südwest-Deutschlands

Seit dem Ende des 6. Jahrhunderts entfalteten irisch-schottische Mönche am Rhein vom Bodensee bis Lorsch, in Alemannien, in Bayern und im südlichen Thüringen eine eifrige Missionstätigkeit. Sie nannten sich Culdeers (Gottesfreunde) und hielten an der Einfachheit der Lehre und des Kultus fest, gaben das Abendmahl in beiden Gestalten, verwarfen das Heiligen- und den Reliquiendienst und waren Feinde jeglicher Hierarchie. Unter ihnen ragen besonders zwei hervor: Columban, geboren um 540 in Irland, Mönch des Klosters Bankor, gestorben 615 und sein Schüler Gallus, der ihn 595 zum europäischen Festland begleitete. Im Jahre 612 ging Columban zu den Langobarden, Gallus koknnte ihn nicht begleiten, weil er krank war. Die Lebensbeschreibung des heiligen Gallus, der wir folgen, sagt darüber: „Wir glauben, dass dieses durch die göttliche Vorsehung zugelassen war, damit der Erwählte Gottes Gallus jenem Volke (d. h. Den Bewohnern am Bodensee) erhalten blieb.“

Gallus fand in dem Diakon Hiltibodus einen der Gegend kundigen Begleiter. Ihn sprach er an: „Mein Sohn! Hast du jemals in der Abgeschiedenheit dieser Wildnis einen geeigneten Ort gefunden, darauf zu bauen ein Bethaus und eine passende Wohnung? Voll heftigen Verlangens ist meine Seele, während meines Lebens in der Einsamkeit zu verharren.“ Der Diakon sprach: „Mein Vater, diese Wildnis ist rauh und wasserreich, hat hohe Berge und enge Täler und verschiedenes Getier, sehr viele Bären und Herden von Wölfen und Schweinen. Ich fürchte, sie möchten über dich herstürzen, wenn ich dich dorthin führe.“ Der Mann Gottes aber antwortete: „Ist Gott für uns, wer mag dann gegen uns sein? Am nächsten Morgen wollen wir in die Geheimnisse der Wälder dringen, ob wir vielleicht einen passenden Ort finden.“

Nach gewohnter Weise also verharrte der Mann Gottes während dieses Tages im Gebet, ohne Speise zu sich zu nehmen. Mit Anbruch des nächsten Morgens aber begaben sie sich unter Gebeten auf den Weg und gelangten schließlich gegen Abend an ein Flüßchen namens Petrosa (heute Steinach). Dort bietet sich ihnen eine Ruhestätte für die Nacht, da sich eine Menge Schuppen tragendes Getier zeigt. Denn sie gelangten zu dem Ort, wo sich das Flüßchen vom Berg herunter stürzt und eine Aushöhlung im Felsen gebildet hatte. Das mitgebrachte Netz wird hinein gesenkt und viele Fischlein werden gefangen; von dem Diakon wird Feuer mit einem Stein gemacht und eine erquickende Mahlzeit zubereitet. Unterdessen suchte der Mann Gottes das gewohnte Gebet, wobei er an einen Dornbusch stieß und nieder fiel; als der Diakon ihm aufhelfen wollte, vernahm er die Worte: „Lass mich, dies ist meine Ruhe für die Ewigkeit; hier will ich wohnen, denn es gefällt mir wohl.“ Und als er sich vom Gebet erhoben hatte, machte er aus einer Haselrute ein Kreuz und befestigte daran eine Kapsel, in der sich Reliquien der heiligen Jungfrau, des heiligen Desiderius und des erhabenen Heerführers Mauritius befanden. Hierauf erneuerten beide ihr Gebet und der Mann Gottes sprach demütig flehend: „Herr Jesu Christ, Schöpfer der Welt, der du durch das Siegeszeichen des Kreuzes den Menschen zu Hilfe gekommen, gib zur Ehre deiner Auserwählten, dass jener Ort zu deinem Lobe bewohnbar sei.“

bild 53: Gründung des Klosters St. Gallen

Bild 53: Gallus spürt, dass dies der richtige Ort ist, ein Kloster zu gründen. Dieses wird nach ihm benannt: St. Gallen. Nach einer Originalzeichnung von O. Knille

Hierauf durchforschten sie Tal und Berg und fanden einen Wald zwischen zwei Bächen, eine anmutige Ebene und einen Ort, der zur Errichtung einer Zelle einlud. Wie einst Jakob, so rief St. Gallus, die künftige Wohnung sich vorstellend: Wahrlich, der Herr ist an diesem Orte! Durch eine Wundertat – er heilte die kranke Tochter des Herzogs Gunzo von Alemannien, die mit dem König Sigibert von Franken verlobt worden war – erwarb er sich die Gunst dieser beiden mächtigen Herren. Sigibert ließ einen Schutzbrief ausstellen, dass Gallus auf königlichen Befehl das auserwählte Land behalten solle und übersandte ihm zwei Pfund gold und zwei Talente Silber. Dem Herzog Gunzo aber erteilte der König den Befehl, den Mann Gottes bei der Errichtung seiner Zelle mit Arbeitern zu Hilfe zu kommen. Darauf begann Gallus im Vertrauen auf diesen Beistand eine Kirche und Zellen für die Brüder. Mit nur zweimal sechs Genossen, die bei ihm wohnten, gab er sich zufrieden. Das war der Anfang des später so berühmten Klosters St. Gallen, von dem aus das Christentum und Kultur in der östlichen Schweiz und in Süddeutschland verbreitet wurde.

bild 49: heidenapostel

Bild 49: Ein Heidenapostel verkündet den alten Deutschen das Weihnachtsevangelium. Die irischen und schottischen Mönche kamen als Friedensboten. Wie sie wirkten, das Land durchzogen und besonders gern die Fürsten für den neuen Glauben zu gewinnen versuchten, zeigt die Abbildung. Ob der Missionar genau so sprach, wie später der Dichter des Heliand beim Weihnachtsevangelium? Nach einer Originalzeichnung von A. Zick.

Bonifatius

Den Iren und Schotten folgte ein Angelsachse, Wynfrid, später Bonifacius genannt. Er war im römisch-orthodoxen Glauben aufgewachsen; besonders sein Lehrer Aldhelm hatte seinen Sinn nach Rom gerichtet. So stand er von vornherein in Gegensatz zu seinen Landsleuten, den Iren und Schotten, die ihm als Glaubensboten zum europäischen Festland vorausgegangen waren. Nach einer ersten Bekehrungsreise in Friesland suchte und fand er für seine reiche Arbeit die Unterstützung der Päpste und der fränkischen Hausmeier; sein Lebensziel war , die deutsche Kirche in den engsten Verband mit Rom zu bringen und eine möglichst straffe und gleichmäßige Ordnung herzustellen. Er war Missionar und Organisator. Am 15. Mai 719 gab ihm Papst Gregor II. Vollmacht, in seinem Auftrag und für Rom solle er die Hessen und Thüringer bekehren; im Jahre 723 stellte ihm Karl Martell einen Schutzbrief aus, wodurch er der Obhut aller Grafen in Hessen und Thüringen empfohlen wurde. Der Schutz des Hausmeiers ebnete seinen Weg, aber den Erfolg gewann er durch die Macht seines Willens und den Mut seines Glaubens. Eins der besten Zeugnisse dafür ist, wie er die Donarseiche bei Geismar fällt.

bild 51: Bonifatius fällt die Donarseiche

Bild 51: Bonifatius fällt die heilige Donarseiche

Der Chronist vom “Leben des heiligen Bonifacius“ erzählt davon Folgendes:

„Damals empfingen viele Hessen, die den katholischen Glauben angenommen hatten, die Handauflegung. Andere aber verweigerten, die unverletzbaren Wahrheiten des reinen Glaubens zu empfangen. Einige opferten heimlich Bäumen und Quellen, Andere taten dies ganz offen; Einige wiederum betrieben teils offen, teils im geheimen Seherei und Weissagungen, Wunder und Zauberformeln; Andere dagegen beobachteten Zeichen und Vogelflug und pflegten die verschiedensten Opfergebräuche. Andere aber taten nichts von Alledem. Um den Aberglauben aus den Köpfen der Menschen zu vertreiben, unternahm er es, eine ungeheure Eiche, die mir ihrem alten heidnischen Namen Joviseiche (d. h. Donarseiche) genannt wurde, an einem Ort, der Gäsmerä (Geismar an der Eder) hieß, vor den Augen der Anwesenden zu fällen. Als er nun den Baum zu fällen begann, verwünschte ihn die große Menge der herbei geeilten Heiden als einen Feind ihrer Götter. Als er jedoch nur ein wenig den Baum angehauen hatte, wurde sofort die gewaltige Masse der Eiche von höheren göttlichen Wesen bewegt und stürzte zu Boden. Und wie durch höheren Willen zerbrach sie sofort in vier Teile und vier ungeheuer große Splitterstücke von gleicher Länge stellten sich, ohne dass die umstehenden Brüder etwas dazu taten, dem Auge dar. Als dies die vorher fluchenden Heiden sahen, wurden sie verwandelt, legten die frühere Bosheit ab, priesen Gott und glaubten. Bonifatius aber baute sich aus dem Holz dieses Baumes, nachdem er sich mit mit den Brüdern beraten hatte, ein Bethaus und weihte es zu Ehren des heiligen Petrus.”

Diese Schilderung wurde natürlich ausgeschmückt von dem gläubigen Erzähler. Aber trotzdem treten in diesem Bericht drei wesentliche Züge klar heraus: Der Mut des Bonifatius, der ein verehrtes Heiligtum anzugreifen wagt; der Schutz, den er bei den anwesenden Bekennern seines Glaubens findet und schließlich das Staunen der noch heidnischen Hessen über die unerhörte Freveltat, verbunden mit beginnendem Zweifel an der Macht des Gottes, der solches nicht rächt oder rächen kann. Im Hessenland gründet Bonifatius 744 das Kloster Fulda, das bald ein Mittelpunkt der Kultur wurde. Von Hessen wandte sich Bonifatius nach Thüringen, auch diesmal unterstützt durch ein Schreiben des Papstes, worin den Großen des Landes Gehprsam gegen seinen Abgesandten und der Bau von Kirchen befohlen wurde. Hier traf er auf viele von keltischen Priestern gegründete und geleitete Gemeinden, die seinen römischen Bestrebungen offenen Widerstand entgegensetzten. Er aber brach diesen Widerstand, baute Kirchen und Klöster, wie z. B. Ohrdruff, und vertrieb die keltischen Priester. Wohin er kam, da siegte er, und mit ihm Rom; denn für Rom kämpfte Bonifatius.

Er schreibt einmal von einer Synode: „Wir haben beschlossen und bekannt, bis an unser Ende an dem katholischen Glauben festzuhalten, wie an der Einheit und an dem Gehorsam gegen die römische Kirche; wir haben ferner beschlossen, dem heiligen Petrus und seinem Nachfolger untertan zu sein, als Metropolit das Pallium von dem Stuhle Petri nachzusuchen und in allen Stücken den Vorschriften desselben Folge zu leisten.”

Bonifatius‘ Ende

Für solche treuen Dienste empfing Bonifatius auch den wohl erwarteten Lohn. Im Jahre 732 ernannte ihn Papst Gregor III. Zum Erzbischof von Mainz, sandte ihm das Pallium und gab ihm den Auftrag, in den bekehrten Gebietn Bischöfe einzusetzen. Es geschah in Buxaburg (Bürberg zwischen Fritzlar und Amöneburg), Erfurt, Würzburg und Eichstätt. Und dieser Auftrag wurde bald durchgeführt, standen doch Bonifatius eine stattliche Anzahl ihm treu ergebener Männer und Frauen zur Seite: Burckhart und Lul, Willibolt und Wemibolt, Witta, Gregor und Sturmi, und an Frauen: Chumihilt, die Tante des Lul, und ihre Tochter Berchtgit, Walpurgis, Chunitrut, Thekla und Lioba. Lul wurde sein Nachfolger auf dem Stuhl von Mainz, Sturmi wurde der erste Abt des von Bonifatius gegründetn Klosters Fulda, Walpurgis stand dem Nonnenkloster Heidenheim vor, Thekla wurde Äbtissin des Klosters Kitzingen und Lioba wurde Äbtissin des Klosters Bischofsheim an der Tauber. So wurden die Christen der rechtsrheinischen germanischen Völker durch Bonifatius dem System des römischen Papsttums eingegliedert, ob ihnen zum Unheil oder Segen, darüber streiten die Forscher. 800 Jahre stand das deutsche Volk in der Zucht Roms und erwarb sich so die mit dem mittelalterlichen Christensystem verbundene Kultur, bis dann Martin Luther kam und einen neuen, den deutsch-evangelischen, “romfreien” Glauben brachte. Bonifatius aber musste den Märtyrertod erleiden. Als Greis nahm er den Plan seine rJugend, die Friesen zu Christen zu bekehren, wieder auf; denn die friesischen Kirchenverhältnisse waren in Unordnung geraten. Er setzte in Utrecht einen neuen Bischof ein und in dessen Begleitung widmete er sich der Bekehrung der im Osten des heutigen Zidersees wohnenden Friesen mit großem Erfolg, indem er Götzenbilder zerstörte, Kirchen errichtete und Tausende taufte. Doch am 5. Juni 754 wurde er in der Nähe des heutigen Dokkum von erbitterten Heiden erschlagen. Sein Biograph Willibald erzählt das im “Leben des heiligen Bonifatius” wie folgt:

“Als nun durch das Friesenland des Glaubens Licht leuchtete und das Lebensende des heilige Mannes sich nahen sollte, schlug er am Ufer des Flusses Borduc (in der Nähe des heutigen Dokkum) seine Zelte auf, und er ließ den festlichen Tag der Firmelung und Handauflegung der Neugetauften durch den Bischof dem Volke verkündigen. Der bestimmte Tag brach an und die leichte Morgenröte erglänzte mit der aufgehenden Sonne. Aber anstatt der Freunde kamen Feinde herbei und eine große Menge von Heiden stürmte mit geschwungenen Waffen, mit Speeren und Schilden in das Lager. Da stürzten ihnen sofort die Mannen aus den Zelten entgegen; überall suchten sie nach Waffen und versuchten, die zum heiligen Märtyrertode Bestimmten gegen die Macht des wütenden Haufens zu schützen. Der Mann Gottes jedoch berief sofort, als er das Andringen des tobenden Haufens gewahr geworden, seiner Kleriker Schar, nahm die Reliquien der Heiligen, die er beständig bei sich zu führen gewöhnt war, schritt aus dem Zelte heraus und verbot sogleich den Mannen den Kampf, indem er sprach: “Lasset ab, ihr Männer, vom Kampfe; denn das Zeugnis der heiligen Schrift lehrt uns, nicht Böses mit Bösem zu vergelten. Heute ist der langerwünschte Tag da, und die herrliche Zeit unseres Abscheidens ist vorhanden. Darum seid stark in dem Herrn und hoffet auf ihn; denn er wird eure Seele erlösen. “ Zu den in der Nähe befindlichen Priesternund zu den Männern, die in niederen Graden Gott dienten, sprach er mit väterlich mahnenden Worten: “Männer und Brüder, seid tapfern Mutes, und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, aber die Seele nicht zu töten vermögen; freuet euch vielmehr in dem Herrn, der euch den ewigen Lohn geben und in den himmlischen Höfen Wohnungen bei den Engeln anweisen wird.” Indes er so zu seinen Gefährten redete, stürzte der wütende Haufe der Heiden mit Schwertern und voller Kriegsrüstung über sie her und vergoss das Blut der heiligen Märtyrer.”

Schluss

Und ähnlich wie Bonifatius starb 250 Jahre später Adelbert von Prag. Adelbert hatte den römischen Bischofssitz von Prag aus Liebe zum beschaulichen Leben mit einer Klosterzelle am aventinischen Hügel vertauscht, doch auch da keine Ruhe gefunden. Darum zog er im Jahre 997 zur Ostsee, um dort den heidnischen Preußen das Evangelium zu verkünden; aber nur kurz war seine Wirksamkeit; auf Anstiften eines Priesters der alten Götter wurde er erschlagen. In Gnesen ruhen seine Gebeine. Sein Werk ruhte, bis im Jahre 1230 der Orden der deutschen Ritter, gerufen von Herzog Konrad von Masovien, es fortsetzte und zum siegreichen Ende führte. Deutschland war christlich von den Alpen bis zur Ostsee, vom Rhein bis zur Memel. Über 600 Jahre dauerte es, bis die alten Götter dem einen, dem Vater Jesu von Nazareth erlagen.

bild 52: Die Ermordung von Bischof Adalbert von Prag

Bild 52: Die Ermordung des Bischofs Adalbert von Prag. Nach einer Originalzeichnung von Fr. Roeber

Quelle:

  • Bär, Adolf und Quensel, Paul (Hrsg.) et al. Bildersaal Deutscher Geschichte, S.113-119. Stuttgart, Berlin, Leipzig: Union Deutsche Verlagsgesellschaft, o. J.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

CAPTCHA-Bild

*