Entstehung des Mönchtums

Die Einsiedler

Die Entstehung des Mönchtums ist eine weitere Erscheinung der Spätantike. Eine zu weit ausgedehnte und übertriebene Auslegung der Lehre Christi war, dass man die sinnlichen Begierden in sich töten, die Vernunft über die Lüste des Leibes herrschen lassen und den Geist nur auf die göttliche Lehre und Wahrheit richten müsse.Aus dieser Auslegung heraus wurden zuerst in Ägypten (um 200 nach Christus) einzelne schwärmerische Christen zu dem Entschluss verleitet, allen irdischen Gütern und aller menschlichen Gesellschaft freiwillig zu entsagen, sich in Wüsten und Einöden zu begeben und dort als Einsiedler in stiller Abgeschiedenheit unter Gebet, Fasten, Bußübung und Selbstkasteiung ein beschauliches, gottgeweihtes Leben zu führen. Die Zahl dieser Einsiedler wuchs, je mehr die Macht des Beispiels und der fromme Wahn des Jahrhunderts wirkte; manche Einsiedler lebten wohl selbst in Höhlen und Felsenklüften, in darbender Armut und jeder Witterung ausgesetzt.

Inhalt

Die Einsiedler vereinigten sich

Bald vereinigten sich mehrere Einsiedler zu solchen frommen Zwecken, schieden sich von der Gemeinschaft der Menschen aus, bauten in einsamer Wildnis ihre kleinen, umschirmten Zellen (claustra) nebeneinander und nannten sich Mönche (Monachoi, d. h. einsam Lebende); ihren Vorsteher aber nannten sie nach einem ägyptischen Wort „Abt“ (Vater). Auch Frauen und Jungfrauen folgten diesem Beispiel, traten in solche Vereine zusammen und nannten sich Nonnen (ägyptisch für Mutter). Im vierten Jahrhundert nach Christi Geburt kam das Mönchtum allmählich auch in die Abendländer, zuerst nach Griechenland und Italien, dann auch nach Frankreich, England und Deutschland.

Das Mönchtum im deutschen Frühmittelalter

Die schweren Kriege, die unaufhörlichen Stürme, Unruhen und harten Schicksale der Völkerwanderung, die ständigen Einfälle wilder Horden in die schönen Länder des südlichen Europas, die immer wieder kehrenden Plünderungen und die daraus entstehende Unsicherheit von jedem Besitz, veranlasste Viele dazu, dem unruhigen Weltleben, den Sorgen der Häuslichkeit und überhaupt allem irdischen Hab und Gut zu entsagen, sich hinter die stillen Klostermauern zu flüchten und dort an Gott geweihter Stätte nur für Andacht und himmlische Betrachtung zu leben.

Hatten sie hier beim Eintritt das strenge Klostergelübde einmal abgelegt, so war ihnen die Rückkehr in die Welt für immer verschlossen, sie blieben von nun an von Eltern, Schwestern, Brüdern und Freunden für immer geschieden und mussten sich von nun an in all ihrem Tun und Lassen, in Speise und Trank, Fasten und Gebet, in Arbeit und Ruhe, ja selbst im Wachen und Schlafen den strengen Vorschriften ihres Ordens unterwerfen. Die Übertretung der Vorschriften wurde hart bestraft.Ihr Hauptgeschäft bestand in erbaulichen Übungen, in stillem oder lautem Gebet in den Zellen, daneben Arbeit im Garten, im Weinberg oder auf dem Feld und andere Handarbeiten, selbst noch die nächtliche Ruhe wurde vom Klang der Glocke unterbrochen, die wiederum zum Gebet rief. So verfloss ihr Leben denn ziemlich einförmig, unter Andachts- und Bußübungen, unter Fasten und Geißelung.

Mönche bekehrten die Bevölkerung

Manche zogen auch von Zeit zu Zeit unter die rohen benachbarten Heiden und versuchten, sie zum Christentum zu bekehren. Durch diese frommen Mönche des Mittelalters sind viele wüste Landschaften und Orte urbar gemacht und der Samen der Religion und milderer Sitten verbreitet worden. Auch unser deutsches Vaterland verdankt ihnen die ersten Keime seiner Bildung und des veredelten Landbaues. Mit unerschütterlichem Mut drangen sie in den folgenden Jahrhunderten in Deutschlands Wälder, unter zahllosen Mühen, Gefahren und Drangsalen stürzten sie den heidnischen Aberglauben, verdrängten die rauen und grausamen Sitten der Vorzeit und gewöhnten das Volk an menschliches Recht und an das göttliche Gesetz.

Die von ihnen gestifteten Klöster wurden die Punkte, von denen das Licht der Religion und einer höheren Sittenbildung ausging und um sie her bauten sich allmählich Ansiedler an. Die Mönche selbst gingen in allem guten Beispiels voran, rotteten Wälder aus, machten Sümpfe und Wildnisse urbar, pflanzten Fruchtbäume und Reben und wurden so für das umwohnende Volk Lehrer und Vorbilder zugleich, bis sie selbst durch Reichtum träge wurden, aller körperlichen Arbeit entsagten und durch den Verfall der alten, strengen Zucht später eine durchgehende Reform nötig machten.

 

Quelle:

  • G. G. Bredow: Lehrbuch der Weltgeschichte: Umständlichern Erzählungen aus den allg. Weltgesch ab Seite 172; 13. Ausgabe; J. F. Hammerich Verlag, 1852

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