Entstehung des Fränkisches Reichs

Einführung

Ich habe euch nun auch die Entstehung des heutigen französischen Reichs zu erzählen. Es erhielt seinen Namen von den Franken, die sich in Gallien festsetzten und es gründeten.

Diese Franken, ein deutsches Volk, hatten ihre ältesten Wohnsitze nicht etwa in der Gegend, die man heutigen Tages Franken nennt; nein, sie hausten in Westphalen, und gingen von da über den Rhein (413), eroberten die Stadt Trier, und breiteten sich unter ihrem neuerwählten König Faramund und seinen Nachfolgern, Chlodion und Merwig (Merowäus), bis in die Niederlande und zu dem Gestade der Nordsee aus. Sie bestanden aus einer Menge kleiner Völkerschaften, die unter dem gemeinschaftlichen Namen Franken vereinigt waren, der viel heißt, als: freie Männer.

Inhalt

Chlodwig

In der Gegend, wo jetzt die Städte Brüssel, Mecheln und Antwerpen liegen, herrschte in der Folge um das Jahr 486 ein Fürst namens Chlodewich, über die Salischen Franken. Salier hießen sie, weil sie sonst an der Saale wohnten. Dieser Chlodewich, ein junger, kriegslustiger und unternehmender Mann, nahm sich vor, den Statthalter dieser Provinzen, griff ihn an, und schlug ihn bei der Stadt Soissons so entscheidend, dass Syagrius nach Toulouse entfliehen, und Schutz bei den Westgoten suchen musste.Chlodewich, stolz aus seinen Sieg, forderte dessen Auslieferung. Der Gotenkönig, der sich vor einem Kriege mit den Franken fürchtete, hatte nicht Mut, sie zu verweigern; er übergab den unglücklichen Syagrius den Händen seiner Feinde, und Chlodewich ließ ihn hinrichten. Alle römische Städte um Paris herum wurden von ihm erobert; Paris selbst erlangte er aber erst zehen Jahre später.

Chlodwig vermählt sich mit Chlotilde

Chlodewich bekam jetzt Lust, sich zu vermählen, und warf seine Augen auf die schöne Chlotilde, eine burgundische Prinzessin die eine Christin war, und zu Lyon, der Hauptstadt von Burgund, unter der Aufsicht eines grausamen Oheims lebte, der ihren Vater, ihre Mutter und ihre zwei Brüder hatte ermorden lassen. Sie hasste ihn daher, und um aus seinen Händen zu kommen, gab sie gern ihre Hand dem jungen Chlodewich, den sie seiner Taten wegen liebgewonnen hatte. Sie wurde ihm auf einem saubern, mit Ochsen bekannten Brautwagen zugeführt, denn damals hatten die Königstochter nicht leicht andern Anspann.

Chlodwig vergrößert sein Reich

Die schöne Chlotilde wandte alle ihre Beredsamkeit an, ihren Chlodewich, der noch ein blinder Heide war, zur christlichen Religion zu bekehren. Lange wollte er sich nicht dazu verstehen; nun brach aber ein Krieg mit den Alemannen aus, und da gelobte er endlich, ein Christ zu werden, wenn er über sie siegen würde. Dies gelang ihm, und er schlug sie 496 bei Zülpich im Jülichschen so nachdrücklich, dass sie ihm ihr ganzes Land einräumen mussten. So erlangte er das heutige Elsaß, Lothringen, die Pfalz am Rhein, und noch mehr Provinzen, womit er sein Reich vergrößerte.

Chlodwig lässt sich taufen

Jetzt erfüllte er aber auch sein Gelübde, und ließ sich in der Kirche von Rheims taufen, und zugleich als christlicher König der Franken salben. Der heilige Remigius verrichtete die Feierlichkeit, und eine Taube brachte ihm dazu heiliges Öl in einem Fläschchen unmittelbar vom Himmel herab. Wer das nicht glauben will, der kann das merkwürdige Ölfläschchen noch heut zu Tag in der Domkirche zu Rheims sehen, denn es ist noch vorhanden; es werden auch noch immer daraus die Könige von Frankreich gesalbt. Von jener Zeit an führten dieselben den Titel der allerchristlichsten Könige, den Chlodewich von dem damaligen römischen Bischofe wegen seiner Taufe erhielt.

Chlodwig besiegt die Westgoten

Jetzt, da er ein Christ war, wollte er auch gleich seinen Eifer für die neue Religion durch die Ausrottung seiner Nachbarn, der ketzerischen Westgoten, beweisen, die zu einer besondern christlichen Sorte gehörten. Da ihm sein erstes Gelübde so treffliche Dienste geleistet hatte, so legte er ein zweites ab. Er gelobte Gott eine neue, schöne Kirche zu bauen; und siehe da, es gelang ihm wirklich, die Westgoten (507) auf das Haupt zu schlagen, ihren König mit eigener Hand zu töten, und einen Teil ihres Landes zu erobern.

Der Eifer für die christliche Religion wurde bei ihm immer wärmer. Er fühlte einen heftigen Drang in sich, auch seine Vettern, die übrigen fränkischen Fürsten, mit ihren Völkchen zu unterjochen und zu bekehren, oder zu vertilgen.

Chlodwig vergrößert seine Macht und sein Reich

Am Rhein wurden die Ripuarier, das heißt, die fränkischen Uferbewohner, von ihrem Fürsten Siegbert beherrscht. Chlodewich beredete einen von den Söhnen dieses Mannes, seinen Vater auf der Jagd zu ermorden. Als die Untat geschehen war, ließ Chlodewich auch den Sohn als Vatermörder hinrichten, und nahm die Schätze beider in Besitz.

Gegen die Nordsee hin wohnten die Moriner Franken, die erst seinem Oheim Merwig, oder Merowäus, (den ich schon erwähnt habe) dann dessen Sohn, untertan waren. Chlodewich ließ ihren Regenten nebst seinen Söhnen erst in ein Kloster sperren, dann töten. Merket, dass von Chlodewichs Oheim, Merowäus, die ersten fränkischen Könige das Merowingische Geschlecht hießen.

Noch ein anderer fränkischer Fürst und naher Verwandter von Chlodewich hatte seine Residenz zu Cambray. Chlodewich verleitete dessen Heerführer durch einen Schmuck von falschem Golde, womit er sie bestach, ihren Herrn in der Schlacht zu verlassen. Rachnachar, so hieß der Fürst, wurde daher überwunden, und in Fesseln geschlagen vor ihn gebracht. Als Chlodewich ihn sah, ergrimmte er gegen denselben, machte ihm heftige Vorwürfe, dass er, sein Verwandter, sich hatte durch Ketten entehren lassen, und schlug ihn mit eigener Hand tot. — Die Länder aller dieser Fürsten vereinigte er mit seinem Reiche, und so herrschte er am Ende von den Pyrenäen bis zum Rhein. – Er starb in dem Jahre 511.

Was haltet ihr nun von einem christlichen Fürsten, wie dieser Chlodwig? War er nicht ein arglistiger, treuloser, nichtswürdiger Bösewicht, schlechter als alle heidnischen Fürsten, die er besiegte und mordete?

Die Teilung von Chlodwigs Reich

Nach seinem Tode wurde sein großes Reich in Austrasien (den östlichen Teil) und Neustrien (den westlichen Teil) geteilt. Es herrschten darüber Chlodewichs vier Söhne, die ihre Residenzen zu Metz, Orleans, Paris und Soissons hatten. Sie vergrößerten ihre Staaten noch mehr durch die Eroberung des burgundischen Reichs, von dem die französische Landschaft Burgund noch jetzt ihren Namen hat, und durch einen Teil des thüringischen, das sich vom Harzgebirge bis zum Main erstreckte.

Quelle:

  • Dr. Georg Ludwig Jerrer: Die Weltgeschichte für Kinder, Band 2, 5. Ausgabe, Nürnberg: Verlag von Friedrich Campe, 1833.

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