Zustand der Kultur zur Karolingerzeit

Die Wissenschaften

Ihr werdet euch wohl vorstellen, dass in jenen traurigen Zeiten, wo selbst Königssöhne nicht einmal schreiben lernten, für die Wissenschaften nur sehr wenig getan wurde. Von Studienschulen und Universitäten war noch gar nicht die Rede; nur in den Klosterschulen und in der am Hofe Karls befindlichen Schule konnte man lesen und schreiben lernen, und einige dürftige Kenntnisse erlangen. Wir vermögen es den Mönchen nicht genug zu danken, dass durch sie doch wenigstens ein schwacher Schimmer von Gelehrsamkeit erhalten wurde. Da sie in ihren Klöstern nicht beständig singen und beten konnten, so schrieben sie, zum Zeitvertreib, eine Menge guter und schlechter Bücher ab, wozu sie Karl der Große, wie ich euch schon gesagt habe, noch mehr ermunterte. So wurden uns die vorzüglichsten Schriften der Griechen und Römer erhalten, und unter den Stürmen der Zeit in den Klosterbibliotheken aufbewahrt.

Es erschienen auch bisweilen neue Bücher in jenen trüben Jahrhunderten. Sie waren meistens von Mönchen in schlechtem Latein geschrieben und teils theologischen, teils historischen Inhalts, beinahe durchgehends von geringem Wert.

Inhalt

Die Künste

Um die Künste stand es nicht ganz so schlecht, wie mit den Wissenschaften. Es wurden viele Kirchen und Klöster erbaut, die zwar mit den schönen griechischen Werken der Baukunst nicht zu vergleichen waren, aber doch manchmal nicht übel gerieten. Man verzierte sie mit Bildhauerarbeit und so erhielt sich auch die Bildhauerei, obgleich auf einer sehr niedrigen Stufe.

Von dem griechischen Kaiser Constantin V. Copronymus wurde (757) dem Frankenkönig Pippin eine Orgel geschenkt, die erste, welche nach Frankreich kam. Sie wurde anfangs nur angestaunt und bewundert; Am Ende aber fanden sich sinnenden Köpfe und geschickte Hände, die sie nachmachten. Eben so war es mit den Uhren. Karl der Große erhielt eine Schlaguhr von dem Kalifen Aaron al Raschid zum Geschenk, die allgemeine Bewunderung erregte. Sobald sie aber da war, traten fränkische Künstler auf, die sich bemühten sie nachzumachen, und glücklich ähnliche Kunstwerke zu Stande brachten. Orgeln und Uhren wurden in der Folge (die Kirchenuhren erst in dem vierzehnten Jahrhundert) im ganzen Reich gemein, und nach und nach immer künstlicher gebaut. Vorher hatte man nur Sanduhren, mit denen in der Nacht wenige geholfen war. Daher wurden Leute aufgestellt, die zur Nachtzeit die Stunden ausriefen, und mit einem Horn dazu bliesen. Dies war der Ursprung der Nachtwächter.

Der Handel

Schon vor Karl dem Großen verstanden auch die Deutschen die Kunst, Stahl und Eisen mit Gold und Silber einzulegen. Glas zu blasen, und schöne Wollerzeugnisse zu weben. Zu Lyon, zu Arles, zu Tours waren bereits viele Wollfabriken angelegt. Seidenzeuge wurden aber noch nicht gewoben, und das Leinenzeug war sehr selten. Mit jenen Waren wurde einiger Handel im Innern getrieben; der Seehandel war aber nur in Marseille bedeutend, von wo aus viele Schiffe nach Konstantinopel und der Levante gingen.

Quelle:

  • Dr. Georg Ludwig Jerrer: Die Weltgeschichte für Kinder, Band 2, 5. Ausgabe, Nürnberg: Verlag von Friedrich Campe, 1833.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*