Zunehmende Macht der Päpste

Einführung

Ihr wisst schon aus der Geschichte der deutschen Kaiser in diesem Zeitraum, welche Gewalt sich bald nach Karls des Großen Tod die römischen Päpste über die mächtigsten Fürsten und die ganze Christenheit anmaßten; wie sie Kaisertümer und Königreiche vergaben, die Befehle der Kaiser verachteten, sie in den Bann taten, misshandelten, absetzten und zu einer schimpflichen Buße verurteilten, die Untertanen von dem Eid der Treue lossprachen und eine eigene Gerichtsbarkeit in jedem Land ausübten.

Inhalt

Die Geistlichkeit missbraucht ihre Macht

In allen ihren frechen Unternehmungen wurden die Päpste von den Bischöfen, den Mönchen und Weltgeistlichen treulich unterstützt. Sie ließen erdichtete Erzählungen und falsche Schriften verbreiten, wodurch sie die Völker zu überreden versuchten, es sei ihnen schon von Christus und den Aposteln eine allgemeine Herrschaft über die christlichen Gemeinden übertragen worden. Manche unter ihnen führten ein so ausschweifendes, untüchtiges und lasterhaftes Leben, dass es nicht zu begreifen ist, wie das Volk, ungeachtet seiner blinden Verehrung für die Geistlichkeit, an solche unwürdige Statthalter Christi glauben und ihnen gehorsam bleiben konnte.

Papst Gregor VII. († 1085) treibt es auf die Spitze

Am höchsten trieb Gregor VII. den Missbrauch der päpstlichen Gewalt. Alle christlichen Fürsten suchte er zu Lehnsleuten und Schutzverwandten des römischen Stuhles zu machen, forderte ihnen jährliche Abgaben ab, lud manche vor seinen Richterstuhl, nahm ihnen die Krone und vergab sie an Andere. Ihr werdet euch erinnern, wie grausam er den unglücklichen Kaiser Heinrich IV. behandelte.

Zugleich behauptete er, die Ausbrüche der Päpste seien unfehlbar wie Gottes eigene Worte und müssten demnach mit gleichem Gehorsam wie diese erfüllt werden. Zu allen seinen Gewalttätigkeiten diente ihm die Religion als Vorwand. Durch sie bewog er auch die reiche Gräfin Mathilde von Toscana, der Kirche ihre großen Besitzungen in Oberitalien zu schenken, wodurch der Kirchenstaat ansehnlich erweitert wurde.

Die Trennung der römischen und der griechischen Kirche

So herrschte Gregor beinahe unumschränkt über die abendländische Christenheit. Aber die griechische Kirche wollte diesen neuen Monarchen nicht anerkennen. Sie hatte schon vorher die Gemeinschaft mit der römischen Kirche aufgehoben und war glücklich, diesem geistlichen Despoten nicht untertan zu sein. Sie behielt ihren eigenen Patriarchen und seit jener Zeit blieben beide Kirchen getrennt bis auf den heutigen Tag.

Quelle

  • Dr. Georg Ludwig Jerrer: Die Weltgeschichte für Kinder, Band 2, 5. Ausgabe, Nürnberg: Verlag von Friedrich Campe, 1833.

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